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Berge in Irland

Doolough Valley County Mayo
Neil Saad
Written by Neil Saad

Neben weiten, grünen Weiden, sandigen Stränden und schroffen Klippen sind Berge in Irland ein verbreitetes Landschaftselement. Die majestätischen Erhebungen verteilen sich über die gesamte Grüne Insel. Dabei bilden sie die atemberaubende Kulisse für viele der schönsten, irischen Landschaften. Zudem sind irische Berge vielfach Orte mit historischer und mythologischer Bedeutung. Teilweise blicken Menschen seit Jahrtausenden zu den Bergspitzen mit Ehrfurcht auf. Zuletzt sind die Gebirge in Irland seit jeher Ziel für Sportler und Urlauber. Traumhafte Wanderrouten führen durch die Gebirgszüge und hinterlassen wunderschöne Fußspuren im satten Grün und im Gedächtnis derer, die auf ihnen wandern.

Die große Auswahl: Gebirge in Irland

Die Gebirge in Irland sind über die Grüne Insel verstreut. Dabei ballen sie sich im Südosten, Südwesten, Westen und besonders im Norden von Irland. Dagegen zieht sich eine weite Ebene von Ost nach West durch die flache Mitte Irlands. Entstanden sind die Gebirge nach der letzten Kaltzeit vor 10.000 Jahren. Beim Rückzug des Eises hinterließ dieses das heute sichtbare Relief der irischen Landschaft.

Das flächenmäßig größte, zusammenhängende Gebirge sind die Wicklow Mountains an der Ostküste. Im Südosten erstrecken sich von Carlow bis Tipperary verschiedene, kleinere Gebirge. Dabei sind die Comeragh Mountains in der Grafschaft Waterford besonders erwähnenswert.

Äußerst bergig ist der bei Irland-Reisenden beliebte Südwesten von Irland. Sowohl West-Cork als auch die Grafschaft Kerry rühmen sich mit beeindruckenden Gebirgen. Darunter sind die MacGillycuddy’s Reek in der Nähe von Killarney das bekannteste Gebirge.

Im Westen von Irland, in den Grafschaften Galway, Mayo und Sligo, befinden sich traumhafte Gebirgszüge. In Galway sind die Twelve Pins ein Markenzeichen der Region Connemara. In Mayo sind das Mwelrea-Massiv sowie die Nephin Beg Range erwähnenswerte Gebirge. Dabei zählen die Nephins zu den einsamsten Landstrichen der Grünen Insel.

Ähnlich große Gebirgszüge wie die Wicklow Mountains sind die Sperrin Mountains im Norden von Irland. Jedoch die höchsten Berge im Norden bieten die Mourne Mountains. Das gleichfalls nördlich liegende County Donegal ist übersät mit mittelgroßen Gebirgen wie den Derryveagh Mountains und den Bluestack Mountains.

Wandern in den Wicklow Mountains Irlands historischer Osten

Wandern in den Wicklow Mountains (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die höchsten Berge in Irland

Irische Gebirge mögen erfahrenen Alpinisten lediglich ein müdes Lächeln auf die Lippen zaubern. Verglichen mit Hochgebirgen wie den Alpen oder den Pyrenäen haben die Berge in Irland eine moderate Höhe. Dazu besitzen irische Berge vorrangig eine weiche, rundliche Kuppe. Häufig befindet sich der höchste Punkt auf einem Plateau und ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Dagegen wirkliche Bergspitzen, im wahrsten Sinne des Wortes, gibt es wenige.

Den besten Überblick über Irlands Berge gibt eine Einteilung nach ihrer Höhe. Dabei ist die Einteilung der irischen Bergwanderer Joss Lynam und C. P. Vandeleur führend. Hierbei führt die Vandeleur-Lynam-List alle irischen Berge über 600 Meter auf. Deshalb nennen Bergwanderer jene Berge in der Liste auch Vandeleur-Lynams. Eine ergänzende Abstufung sind die Arderins, benannt nach dem Berg Arderin im County Laois. Wiederum Arderins sind Berge mit einer Höhe über 500 Meter. Insgesamt gibt es in Irland 273 Vandeleur-Lynams und 407 Arderins.

Der höchste Berg in Irland ist Carrauntoohill mit 1.036 Metern. Der Berg gehört zu den MacGillycuddy’s Reeks in der Grafschaft Kerry. Teil dieses massiven Gebirgszuges ist ebenfalls Knocknapeasta, die mit 988 Metern zweithöchste Erhebung der Kategorie Berg. Dritthöchster Berg auf Irland ist der Brandon Mountain (952 Meter) auf der Dingle Halbinsel. In den Wicklow Mountains thront Lugnaquilla, der mit 925 Metern vierthöchste Berg und höchste Berg außerhalb der Grafschaft Kerry. Zuletzt ist der Galtymore (918 Metern) im County Tipperary der fünfthöchste Berg Irlands und der letzte Berg mit über 900 Metern Höhe.

McGillycuddy Reeks

Die McGillycuddy Reeks im Winter; Creating Agency: Fáilte Ireland

The Lonely Mountains: Die einsamen Berge Irlands

Manche Berge in Irland stechen aus der Landschaft regelrecht heraus. Dabei lässt sie weniger ihre Höhe als ihre einsame Lage besonders erstrahlen. Zudem bietet sich von diesen vereinzelt stehenden Bergen eine großartige Aussicht auf das umgebende Land.

Das beste Beispiel ist der Errigal in den Derryveagh Mountains im County Donegal. Durch seine spitz zulaufende Form prägt Errigal den gesamten Norden der Grafschaft. Nicht weniger auffällig ist der berühmte Ben Bulben in den Dartry Mountains im County Sligo. Bekannt ist dieser für seine schroffen Hänge, die steil zur Küste hinab fallen.

Beliebt für seine guten Wanderpfade ist bei vielen Irland-Reisenden der Diamond Hill in Connemara. Dagegen thront der Nephin, teil des gleichnamigen Gebirges in der Grafschaft Mayo, über einer weiten, vereinsamten Moorlandschaft.

Weitere einsame Berge in Irland sind der Mount Eagle am Westende der Dingle Halbinsel, der Sugarloaf Mountain in den Wicklow Mountains und Slieve Donard in den Mourne Mountains.

Berge in Irland Ben Bulben

Ben Bulben im County Sligo (Irland)

Irische Berge mit mythologischer Bedeutung

Menschen besiedeln Irland seit mehreren tausend Jahren. Jedoch sind die Berge in Irland länger da als der Mensch. Angesicht dieser uralten Macht blicken die Bewohner Irlands seit der Steinzeit ehrfürchtig zu den Höhen hinauf. Erkennbar ist ihre Ehrfurcht an den Monumenten, die sie auf bestimmten Bergspitzen schufen. Dazu zählen vor allem Hügelgräber in denen die neolithischen Iren Jahrtausende vor der heutigen Zeitrechnung Menschen bestatteten. Eines dieser Steingräber befindet sich auf Knocknarea in der Grafschaft Sligo. Das größte Grab dieser Art ist angeblich die Grabstätte der sagenhaften Königin Maeve von Connacht.

In der irischen Geschichte hatten Berge und niedrige Hügel stets einen erhöhten Wert. Deshalb lagen die Sitze der Provinzkönige und der Sitz des irischen Hochkönigs auf Erhöhungen. Darunter waren der Hill of Tara, County Meath und der Hill of Uisneach, County Westmeath die bedeutsamsten.

Daneben ist der Croagh Patrick, Irlands heiliger Berg fest im christlichen Kanon Irlands verankert. Die Folklore berichtet, der Heilige St. Patrick fastete 40 Tage und 40 Nächte auf der Bergspitze und besiegte dort bösartige Dämonen. Deshalb ist heute eine Kapelle am höchsten Punkt des Croagh Patrick gebaut. Dabei ist diese ein beliebter Wallfahrtsort. Am jährlichen Reek Sunday pilgern Zehntausende zur Messe in der Kapelle des Heiligen Patrick. Weitere Wallfahrtsorte auf Bergspitzen sind auf dem Brandon Mountain auf der Dingle Halbinsel und auf dem Slieve Donard in den Mourne Mountains.

Statue des St. Patrick auf dem Croagh Patrick

Staute des St. Patrick mit Croagh Patrick im Hintergrund

Berge in Irland: Ein Paradies für Wanderer

Wandern in Irland unterscheidet sich in Teilen stark vom alpinen Bergwandern. Das liegt an der Landschaft und ihrer Beschaffenheit. Während in den Alpen bewaldete Pfade hinauf zu den schroffen, kahlen Berghöhen führen, verlieren sich in Irland matschige Trampelpfade in endlosen Moorlandschaften. Zudem sind Berge in Irland Rückzugsorte von der Zivilisation. Auf Bergwanderungen sind Wanderer regelmäßig stundenlang abgeschieden von Siedlungen. Einsame Bergstraßen unterbrechen nur selten die Berglandschaft. Etablierte Wanderpfade führen lediglich auf die populärsten Berge. Dagegen sind für die Mehrheit der Wanderungen eigene Navigationskenntnisse notwendig. Almhütten und Bergstationen suchen Wanderer auf der Grünen Insel vergebens.

Dabei macht diese schlichte, simple Ausstattung das Wandern in Irland zum Erlebnis. Die Einsamkeit und die Abgeschiedenheit rücken die Natur und die körperliche Anstrengung in den Fokus. Dazu benötigen irische Wanderer außer den essentiellen Orientierungsfertigkeiten nur regenfeste Kleidung, gute Wanderschuhe und ausreichend Wasser. Aufgrund der Einfachheit ist Wandern ein beliebter und günstiger Freizeitsport.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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