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Die Kelten in Irland

Heike Fries
Written by Heike Fries

Irlands keltisches Erbe ist noch heute an jeder Ecke spürbar: Die gälische Sprache, keltische Musik und faszinierendes Kunsthandwerk – und natürlich keltische Mythen und Märchen. Doch wer waren die Kelten überhaupt und wie haben sie gelebt? Gar keine einfache Frage, denn in der Geschichtswissenschaft spielen sogenannte Quellen eine wichtige Rolle: Das können Aufzeichnungen aller Art sein, wie zum Beispiel Reiseberichte, kirchliche Niederschriften oder sogar Einkaufszettel. Bei den Kelten herrschte jedoch eine mündliche Tradition. Das heißt, dass wichtige Ereignisse, Geschichten oder Gesetzte wie die Brehon Laws nicht aufgeschrieben, sondern erinnert und weitererzählt wurden.

Die irischen Kelten: Erinnert in Mythen und geprägt von der megalithischen Kultur

Deshalb haben wir heute nur ein undeutliches Bild der Kelten in Irland. Vieles haben Wissenschaftler zum Beispiel durch archäologische Ausgrabungen erschlossen. Die meisten Niederschriften über die irischen Kelten stammen entweder von griechischen oder römischen Beobachtern oder von Mönchen in späterer Zeit.

Aber auch die berühmten irischen Mythen, wie der Ulster-Zyklus, enthalten bei näherer Betrachtung eine Menge Hinweise über das Leben der Menschen damals. Zum Glück fanden die Mönche diese Geschichten so spannend, dass sie sie fast unverfälscht aufschrieben. Das Wissen ist dennoch bruchstückhaft: Das keltische Zeitalter reicht vom Bronzezeitalter bis zur Christianisierung Irland um etwa 400 nach Christus. Ob die Kelten als Invasoren oder einfach als Siedler kamen, ist unklar.

Sicher ist, als sie auf die Grüne Insel kamen, trafen sie dort auf eine megalithische Kultur. Die Ureinwohner der Insel verehrten die Sonne und hatten eine matriarchale Gesellschaftsstruktur. Wahrscheinlich hat sich Kultur der neu angekommenen Kelten und die der ursprünglichen Bewohner vermischt. Denn die Lebenswelt der irischen Kelten weist einige Besonderheiten auf: Zum Beispiel gibt es Götterwesen, wie die sogenannten Sidhe, die ausschließlich in Irland bekannt sind.

Auch die fast gleichberechtigte Stellung der Frau ist eine Besonderheit. Außerdem waren die Kelten der Grünen Insel die einzigen, die eine Schrift besaßen: Die Ogham-Schrift wurde jedoch nur von Druiden zum Beispiel für Rituale benutzt. Im Alltag spielte sie keine Rolle. Was wir heute von den irischen Kelten wissen, stammt deshalb nicht aus ihrer Feder.

Ogham

Wie lebten die Kelten in Irland?

Zunächst einmal waren die Kelten kein einheitliches Volk. Es waren vielmehr unterschiedliche Gruppen, die eine gemeinsame Sprache, Spiritualität und Sitten teilten. Politisch waren sie jedoch voneinander unabhängig. In Irland lebten die Kelten in sogenannten erweiterten Familienbänden: Ein sogenannter Tuath war vergleichbar mit einem schottischen Clan. Ein König, Rí genannt, repräsentierte den Tuath und führte ihn im Kriegsfall an.

Daneben gab es zum Beispiel auch Provinzkönige, die von mehreren Kleinkönigen zum Repräsentanten einer ganzen Provinz gewählt wurde – zum Beispiel im Bedrohungsfall. Hochkönige wurden von allen Rí zum gemeinsamen Repräsentanten gewählt und traten nur in Ausnahmefällen in Erscheinung. In der Regel bestand Irland aus einem Flickenteppich hunderter Kleinkönigtümer. Während die gewählten Könige in Kriegszeiten wichtige Anführer waren, hatten sie in Friedenszeiten relativ wenig Macht.

Im alltäglichen Leben gaben vielmehr die Druiden und der Adel den Ton an. Druiden legten das vorherrschende Recht die Brehon Laws aus, waren Priester und weissagten. Sie waren dem König gleichgestellt und über jeden körperlichen und geistigen Makel erhaben.

Die Kelten waren eine kriegerische Gesellschaft. Deshalb besaßen auch Krieger großen gesellschaftlichen und politischen Einfluss: Sie gehörten ebenso wie Druiden, Barden und Waffenschmiede dem Adel an.

In den Kampf zogen keltische Krieger mit Streitwagen und wahrscheinlich nackt oder auch mit blauer Kriegsbemalung aus Färberwaid. Speere waren als Waffen wohl üblicher als Schwerter. Um besonders furchterregend auszusehen, stellten sie sich die Haare mit Kalk auf. So oder so ähnlich beschreiben es zumindest ihre Gegner.

In adeligen Kreisen war es üblich, Kinder in die Obhut anderer Familien zu geben, wo sie aufwuchsen – meist waren die Adoptiveltern Verwandte der Mutter.

Die meisten Kelten gehörten jedoch den sogenannten Freien an: Sie waren Bauern oder gewöhnliche Handwerker und lebten in befestigten Gehöften. Viehhaltung war bei den Kelten äußerst wichtig. Außerdem gab es auch Unfreie und Sklaven, bei denen es sich möglicherweise um Kriegsgefangene handelte.

So sah eine einfache keltische Siedlung aus; Bild von Markéta Machová auf Pixabay

Woran glaubten sie?

Die Götterwelt der Kelten ist reichhaltig. Viele der Göttinnen und Götter ähneln denen auf dem Festland. Doch einige sind ganz und gar irisch: Die Sidhe lebten sicherlich schon in der Bronzezeit in der Fantasie der irischen Ureinwohner. Die Kelten glaubten an eine Anderswelt und an die Wiedergeburt. Ihre Spiritualität war tief verbunden mit der umgebenden Natur. Jedes Ding war beseelt: Wissende Steine und heilige Bäume spielten für sie ebenso eine Rolle, wie magische Gewässer und Tiere.

Wie war das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im keltischen Irland?

Das keltische Leben auf dem Kontinent war in der Regel patriarchal geprägt – das heißt, dass Männer das Sagen hatten. In Irland war das zwar auch so, doch besaßen Frauen umfangreiche Rechte: Sie konnten Königinnen und Kriegerinnen sein. Außerdem konnten sie frei entscheiden, ob sie heiraten wollten. Um ganz sicherzugehen, gab es die sogenannte Jahresehe oder eine Ehe auf Probe. Klappte das Zusammenleben nicht, gingen beide einfach getrennte Wege.

Aber es gab auch Scheidungen. Dank der Gütertrennung behielten beide Ehepartner ihren Besitz – auch wenn die Ehe scheiterte. Männer konnten zusätzlich zu einer Hauptfrau Nebenfrauen haben – wenn diese das auch wollten. Denn Frauen konnten nicht gegen ihren Willen verheiratet werden und blieben auch nach der Eheschließung eigenständig. Wahrscheinlich hat das Matriarchat der bronzezeitlichen Ureinwohner die Stellung der Frau in Irland stark beeinflusst.

Welche Feste feierten die Kelten?

Die Kelten hatten vier große Feste im Rhythmus der Jahreszeiten:

  • Samhain am 1. November markierte den Winteranfang. An diesem Tag wurden auch Streitigkeiten beigelegt und Recht gesprochen.
  • Imbolc am 1. Februar ist das Fest des Frühlingsanfangs. Die Göttin Brigid zog an diesem Tag in jedes Haus, um es zu reinigen. Die Göttin hat als St. Brigid Einzug in das Christentum gehalten – ihr Fest gibt es noch heute in Irland.
  • Beltaine am 1. Mai war das Fest zum Sommeranfang, bei dem traditionell das Vieh zwischen zwei Feuern hindurch getrieben wurde, um es vor Krankheiten zu schützen. Wahrscheinlich war Beltaine auch ein Fruchtbarkeitsfest zu Ehren des Feuergottes Belenos.
  • Lughnasad am 1. August war das Fest zu Ehren des Sonnengottes Lugh. Es war ein großes Volksfest mit Spiel, Spaß, allerlei Feierlichkeiten, Wettrennen und Festessen.

Ein spannender Blick zurück: Die keltischen Mythen

Viele der oben genannten Einblicke in die keltische Lebenswelt stammen aus den alten Mythen, die im 4. und 5. Jahrhundert von christlichen Mönchen aufgezeichnet wurden. Die fantastischen Geschichten zeigen vieles, was den Kelten wichtig war: Vor allem der Ulster-Zyklus gilt als relativ unverfälschtes Zeugnis der keltischen Lebenswelt. In diesen abenteuerlichen Geschichten spielt vor allem der Sagenheld Cu Chullain eine große Rolle.

Er ist ein Halbgott und Krieger, der mit einem Streitwagen in die Schlacht zieht und den durch einen Bullenraub ausgelösten Krieg um Ulster eigenhändig gewinnt. Er wuchs außerdem als Ziehkind bei Adoptiveltern auf und besaß einen magischen Speer. Wenn sie also einen spannenden Blick zurück in die keltische Zeit werfen möchten lesen sie die alten Geschichten um Cú Chullains Heldentaten.

Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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