Irische Mythologie

6 wichtige keltische Götter und Göttinnen

keltische Götter und Göttinnen
Heike Fries
Written by Heike Fries

Die Götterwelt der irischen Kelten ist vielfältig und wird von zahlreichen Charakteren bevölkert, die uns mit spannenden und romantischen Geschichten begeistern. Keltischen Götter und Göttinnen in Irland sind auch unter dem legendären Namen Túatha Dé Danann, die Kinder Danus bekannt – und sie sind so faszinierend, dass viele von ihnen bis heute ihre Spuren hinterlassen haben: in Geschichten, in Ortsnamen und Festen und natürlich auch als Inspiration für Filme, Bücher und Musik. Keltische Götter und Göttinnen beschränken sich dabei nicht nur auf Irland, denn viele von ihnen wurden auch auf dem europäischen Festland oder in Großbritannien verehrt. So stammt zum Beispiel der Name der französischen Stadt Lyon vom keltischen Gott Lugh ab, der in der folgenden Aufzählung natürlich nicht fehlen darf. Das sind 6 wichtige keltische Götter und Göttinnen, die in Irlands Mythologie fest verwurzelt sind.

Keltische Götter und Göttinnen in der Mythologie

Bei Göttern und Göttinnen im Allgemeinen denken die meisten von uns sicherlich an mächtige Gestalten, die Welten erschaffen und über ungeheure Mächte verfügen. In der keltischen und damit auch in der irischen Mythologie ist das ein wenig anders – aber keineswegs weniger spannend. Denn für die keltischen Iren waren die Götter nicht die Erschaffer der Menschen und der Welt sondern vielmehr ihre Vorfahren. Sie verfügen zwar über magische Kräfte und leben ewig, dennoch können sie auch getötet werden – und sie sind auf seltsame Art durch und durch menschlich. Ihre Geschichten basieren deshalb oft auf Schwächen oder Stärken, die wir eher mit Menschen in Verbindung bringen. Und genau das macht die irischen Mythen so ungeheuer spannend.

Bevor es losgeht, muss ich noch darauf hinweisen, dass die Kelten keine Schriften hinterlassen haben: Die Quellen für die keltischen Götter und Göttinnen Götter sind deshalb ebenso bruchstückhaft wie für die gesamte irische Mythologie. Dennoch finden sich unzählige Hinweise und Verweise in späteren Schriften. Ein wenig Fantasie gehört bei der Lektüre jedoch dazu, denn die christlichen Mönche beraubten die Götter ihrer Göttlichkeit. Sie reduzierten sie zu Feen und Gestaltwandlern, die in Erdhügeln, den sogenannten Sidhe wohnen. Im Folgenden stelle ich eine ganz kleine Auswahl der wichtigsten keltischen Götter und Göttinnen vor.

Der Dagda – Vater aller keltischen Götter

Göttervater. Wer hat bei dieser Bezeichnung nicht eine dröhnende Stimme und ein beeindruckendes Äußeres vor dem inneren Auge? Sein Name bedeutet so viel wie der gute Gott. Er heißt manchmal auch Ollathair und Ruad Rofhessa. Höchstwahrscheinlich ist er mit Cernunnos aus Britannien identisch. Der Dagda wird oft folgendermaßen beschrieben: Er trägt einfache Kleidung und hat stets einen riesigen magischen Knüppel dabei. Der ist so schwer, dass er ihn auf Rädern hinter sich herzieht.

Wie so oft in der irischen Mythologie ist auch der magische Knüppel äußerst ambivalent: Die eine Seite dient dazu, die Feinde zu erschlagen, während das andere Ende sie heilen kann. Der Dagda besitzt außerdem den berühmten magischen Kessel, der stets mit Nahrung gefüllt war. Da er, wie viele irische Götter und Helden, sehr musikalisch ist, besitzt er ebenfalls eine magische Harfe.

Als die Túatha Dé Danann besiegt waren und sich in die Erde zurückzogen – als sie also in der Vorstellungskraft der Menschen von Göttern zu Feen und Elfen wurden – zog sich auch der Dagda zurück. Er spielte von da an keine Rolle mehr.

Anu / Dana – die Muttergöttin

Sie ist die Mutter des Dagda und gab den Tuatha de Dannan ihren Namen. Sie wird manchmal auch Buannan genannt. Trotz ihrer offensichtlichen Bedeutung gibt es sonst leider wenige Informationen zu ihr. Einige Quellen deuten darauf hin, dass ihr Mann der Gott der Toten gewesen sein könnte – in den irischen Erzählungen wird er jedoch nie erwähnt. Ihr Name hat dennoch bis heute Spuren hinterlassen: Der Berg Paps of Anu im County Kerry ist nach ihr benannt.

Bei Killarney in der Nähe von Rathmore gibt es außerdem zwei Hügel, die als die beiden Brüste der Dana verehrt wurden. Auf den Hügeln befinden sich je eine aus Steinen aufgeschichtete Steinsäule.

Brüste von Danu

Lugh – Gott der Sonne und der Künste

Lugh ist einer der wichtigsten irischen Götter. Er war ein Sonnengott und als solcher für sein prächtiges Erscheinungsbild bekannt. Seine Entsprechungen sind Gaul in Gallien und Lleu in Wales. Er ist der Gott der Künste und des Handwerks. Sein Großvater war Balor vom bösen Auge, der ihn aufgrund einer Prophezeiung als Baby töten lassen wollte. Lugh wurde gerettet und wuchs je nach Version bei dem Meeresgott Manannan mac Lir oder dem Gott der Schmiedekunst Goibniu auf. Natürlich erfüllt er die Prophezeiung und tötet Balor letztendlich.

Lugh ist der Vater des legendären irischen Helden Cú Chulainn und kämpfte im berühmten Rinderraub von Cooley an dessen Seite. Der Hochkönig Conn der hundert Schlachten sah ihn angeblich ein letztes Mal in seiner göttlichen Gestalt: Er trat aus einem magischen Nebel hervor und verkündete Conn, wie lange dieser regieren und wie viele Nachkommen er haben würde.

Aber auch der prächtige Sonnengott verschwand mit allen anderen Gottheiten im Untergrund und aus dem großen Lugh wurde im Laufe der Zeit ein kleiner Kobold, der heute unter dem Namen Lugh-Chromain, der kleine Lugh bekannt ist. Wir kennen ihn alle besser unter seinem englischen Namen Leprechaun. Das Fest Lughnasadh am Beginn der Erntezeit ist ihm gewidmet.

Der keltische Gott Lugh

Meine eigene Interpretation: Lugh. © Laumee Fries. www.laumee.de

Morrigan – die dunkle Königin

Die Göttin des Krieges und der Schlachten. Sie ist wahrscheinlich gleichbedeutend mit Macha, Badb und Nemain. Ihr Name bedeutet große Königin und die erscheint bevorzugt in Gestalt einer Krähe oder eines Raben. Trotz ihrer Zuordnung zu Krieg und Tod ist sie wahrscheinlich nicht nur negativ zu sehen. Jedoch hat sie vor allem auf Cú Chulainn einen enorm negativen Einfluss.

Wenn sie mit Macha gleichbedeutend ist, war sie es, die denn Männern von Ulster während einer Invasion die sogenannten Geburtswehen einbrachte. Vor Schmerzen windend konnten sie nicht kämpfen. Einzig Cú Chulainn, der damals noch zu jung war, war davon nicht betroffen und befreite das Land im Alleingang.

Mit Morrigan verband ihn aber noch mehr: Als sie ihn verführen wollte, wies er sie ab und verwundetet sie sogar. Daraufhin schwor sie Rache und letztendlich fand Cú Chulainn wegen ihr den Tod. Triumphierend lässt sie sich daraufhin in Form eines Raben auf seiner Schulter nieder.

Brigid – irische Göttin und christliche Heilige

Brigid ist eine dreifaltige keltische Göttin der Heilung, der Fruchtbarkeit und der Schmiede. Sie ist eine Tochter des Dagda und war mit Bres und mit Tuireann verheiratet. Imbolc, ein Frühlingsfest am 1. Februar ist ihr gewidmet. Ihr Name und viele ihrer Attribute gingen später auf eine christliche Heilige über. Die heilige Brigid ist eine der wichtigsten Heiligen in Irland. Die Geschichten der irischen Göttin und der christlichen Heiligen wurden im Laufe der Zeit so eng miteinander verwoben, dass sie kaum voneinander zu trennen sind.

Brigids Kreuz

Das Brigid-Kreuz; by Culnacreann [GFDL or CC BY 3.0], from Wikimedia Commons

Tailtu – irische Festgöttin

Tailtu ist eine irische Erdgöttin. Sie taucht in der irischen Mythologie als die Amme des Sonnengottes Lugh auf. Sie behütet und umsorgt ihn im Knabenalter, bevor er das Schwert ergreifen kann. Als Tailtu starb, kam Lugh ihrem letzten Wunsch nach, sie in der Ebene zu begraben. Zu ihrem Gedenken trägt diese ihren Namen. Noch heute erinnert “Teltown” in der Grafschaft Meath an diese irische Gottheit. Zu Ehren von Tailtu rief Lugh das keltische Fest Lughnasadh ins Leben.

Diese kleine Auswahl zeigt, wie komplex und vielfältig die keltischen Götter und Göttinnen sind und, dass sie bis heute nachwirken. So begeistern sie noch immer Schriftsteller und Künstler und inspirieren zu neuen Werken. Die fantasievollen und sehr menschlichen Geschichten sind abenteuerlich, tragisch, romantisch und ungeheuer spannend zugleich.

Auf den Spuren keltischer Legenden

Ihr möchtet die Orte keltischer Mythen entdecken? Dann ist diese Reise was für Euch.

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Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

2 Comments

  • Guten Tag Frau Fries,
    mich würde interessieren, wer die Göttin ist, die am Anfang dieses Artikels als Skulptur abgebildet ist und wo diese steht.
    Mit besten Grüßen
    Felix Winter

    • Hallo Felix,

      dieses Bild stellt keine irische Gottheit dar. Da es kein gutes Bildmaterial zu keltischen Gottheiten gibt, haben wir auf ein Foto von Pixabay zurückgegriffen, zu dem leider keine weiteren Angaben vorhanden waren, wir aber dachten, es veranschaulicht gut, worum es in diesem Artikel gehen soll. Es tut uns leid, dass wir dir hier keine zufriedenstellende Antwort geben können.

      Liebe Grüße
      Ina

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