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Beltane – Das keltische Maifest

Beltane
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Beltane oder Bealtaine (neuirisch auch die Bezeichnung für den Monat Mai) markiert in Irland den Beginn des Sommers. Gemeinsam mit Imbole am 1. Februar, Lughnasadh am 1. August und Samhain am 1. November ist es eines der vier großen Feste des traditionellen keltischen Kalenders und liegt exakt zwischen dem Frühlingsanfang und der Sommersonnenwende. Gefeiert wird das Fest deshalb seit jeher am Vorabend des 1. Mai.

Eine fast vergessene Tradition

Was genau aber verbirgt sich hinter der uralten, fast vergessenen Tradition des Beltane? Wie sehen die Feierlichkeiten heute aus – haben sie eventuell sogar Ähnlichkeit mit unserem deutschen Tanz in den Mai? Die in vergangenen Zeiten üblichen Bräuche waren vielfältig und werden in unterschiedlichen Versionen geschildert. Ich habe deshalb hier nur einige herausgegriffen, die ich für Irland-Freunde besonders eindrücklich finde.

Zunächst einmal bedeutet Bel so viel wie helles, leuchtendes Feuer. Außerdem vermutet man eine Verbindung zwischen den Begriffen Beltane und dem Gott Belenus. Dieser, so erzählte man sich, verbrachte die Wintermonate im Land hinter dem Nordwind, um erst zum Sommerbeginn wieder zurückzukehren. Dementsprechend ist Beltane ein Fest des Neubeginns und zugleich ein Fest des Feuers.

Das Fest des Neubeginns

Bis zum vorigen Jahrhundert wurden in der Nacht zum ersten Mai alle Herdfeuer bzw. Winterfeuer gelöscht, um sie dann mit Hilfe eines Steines, aus dem das Feuer geschlagen wurde, ganz neu zu entzünden. Eine etwas abgewandelte Version dieses Brauches findet sich auch in den Osterfeierlichkeiten der katholischen Kirche wieder. Die Entzündung des Osterfeuers, an dem die Osterkerze entzündet und danach als Sinnbild für Christus, das Licht der Welt, in die dunkle Kirche getragen wird.

Zudem schmückten die Kelten nicht nur ihre Häuser und Ställe mit dem neuen, frischen Grün des Frühlings. Auch der Baum wurde geschmückt, um den am Morgen des ersten Mai getanzt wurde. Anders als bei uns heute bestand der Schmuck dieses Baumes nicht nur aus bunten Bändern und Schnitzereien, sondern zusätzlich aus einem goldenen Ball. Der goldene Ball galt als Symbol für Sonne und Fruchtbarkeit. Dieser Baum, unter Umständen war es auch nur ein Zweig, wurde anschließend von jungen Männern und Mädchen zu denjenigen Häusern im Ort getragen, in denen Neuvermählte wohnten. Schließlich sollte nicht nur die Natur im Sommer neu erblühen und reichlich Frucht einbringen …

Das Fest des hellen Feuers

Der Schwerpunkt von Beltane liegt jedoch eher auf dem Feuer selbst als auf allen übrigen Bräuchen.

Man erzählt, dass an Beltane die Tuatha De Danann, das Volk der Adlergöttin Dana, in Irland landete, und all seine Schiffe hinter sich verbrannte. Sie sollten die Insel niemals wieder verlassen. Der Überlieferung nach landeten auch die Söhne des Mil, die nächste Welle der Einwanderer aus vorchristlicher Zeit, an einem ersten Mai auf der Insel. Nicht lange danach entfachte der höchste Druide dieses Volkes das erste heilige Feuer auf dem Hügel in Uisneach. Tatsächlich fand man bei Ausgrabungen auf dem Hügel von Uisneach im Zentrum Irlands jahrhundertealte Aschereste. Bis heute gilt der Ort als druidischer Feuerkultort.

Aus jenem ersten Feuer entstand der Brauch, in der Nacht zum ersten Mai zwei große Feuer zu entzünden. Man versammelte sich feierlich darum und trieb das Vieh des Landes zwischen den beiden Feuerstellen hindurch. Nach dem langen Eingesperrtsein im Winter sollten die Tiere auf diese Weise gereinigt und vor Krankheiten geschützt werden. Auch Menschen sprangen über die Feuer hinweg – vor allem diejenigen, die sich Kinder wünschten oder einfach nur Glück für eine andere Unternehmung benötigten. Außerdem opferte man den Göttern, trieb Handel und erfreute sich an der Gelegenheit, nach einem oftmals harten und einsamen Winter endlich wieder unter Menschen zu kommen.

Nach der Feier trugen die Kelten den frischen Brand des Beltane-Feuers in ihre Häuser, um ihr Herdfeuer neu zu entzünden. Auch die Asche des großen Feuers wurde wiederverwendet: in der Hoffnung auf fruchtbringende Wirkung verteilte man sie auf den Feldern.

Beltane

Feuer ist beim keltischen Beltane-Fest ein wichtiger Bestandteil, by SixSigma [CC BY 3.0], from Wikimedia Commons

Beltane-Traditionen heute

Wie so viele alte Traditionen, die im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts beinahe in Vergessenheit gerieten, wurde auch die Feuer-Tradition des keltischen Maifestes während der letzten Jahre wieder zu neuem Leben erweckt. Inmitten der modernen irischen Bevölkerung, die hauptsächlich das lange Wochenende des Bank Holiday am ersten Montag im Mai feiert, versammelt sich heute wieder ein kleines Grüppchen Menschen auf dem Hügel von Uisneach im Herzen Irlands. In historischen Gewändern, mit viel Tanz, leidenschaftlicher Musik und beeindruckendem Feuerspektakel begehen sie die alte Tradition des Beltane..

An klaren Tagen, so heißt es, ist das Feuer auf dem Hügel von Uisneach in einem Viertel der ganzen Insel zu sehen. Wenn das schon heute, im Zeitalter der Elektrizität, ein beeindruckender Anblick ist, ist es kaum vorstellbar, welchen Eindruck dieses Feuer bei den Menschen längst vergangener Tage hinterlassen haben muss. Malen Sie sich folgende Szene vor Augen: Tiefste Finsternis beherrscht das Land, nachdem am Abend sämtliche Feuer auf der Insel gelöscht wurden. Plötzlich leuchtet in den Händen des Druiden ein Flämmchen auf! Es flackert zaghaft. Dumpf schlagen die Trommeln ihre Begleitmusik, als es den Holzstoß erfasst. Zuerst erhellt das Feuer nur die unmittelbare Umgebung, doch untermalt vom Crescendo der Trommelschläge und des prasselnden Holzes schlagen die Flammen höher und höher! Und schon erstrahlt vom nächstgelegenen heiligen Hügel des Landes aus das nächste Beltane-Feuer, bis schließlich die ganze Insel in ein Meer aus Licht getaucht ist und der Sommer beginnt…

Beltane-Feier 2018

Hier finden Sie alle weiteren Informationen der diesjährigen Beltane-Feierlichkeiten. Falls Sie aber, so wie ich, zumindest dieses Jahr nicht daran teilnehmen können, schlage ich Ihnen vor, den Sommer mit einem müßigen Tag im Sonnenschein und dem folgenden irischen Segenswunsch einzuläuten:

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen,

das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer,

die Sanftheit der kommenden Nacht

mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.

Möglicherweise möchten Sie sich mit eigenen Augen vom Grün der irischen Wiesen überzeugen. Wir von gruene-insel.de sind Ihnen gerne dabei behilflich, entsprechende Pläne zu schmieden!

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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