Kelten Irland / Frühgeschichte Irland

Das Ogham Alphabet

Ogham - Irlands alte Schrift
Ina Brecheis
Written by Ina Brecheis

Ogham ist die alte Schrift Irlands, die Forschern bis heute Rätsel aufgibt und deren Ursprung noch immer im Dunkeln liegt. Wie funktioniert das Ogham Alphabet, wo lassen sich diese mystischen Schriftzeichen heute finden und, wozu genau verwendeten die Iren diese Zeichen? Diesen Fragen spüren wir in diesem Artikel nach.

Was ist Ogham Alphabet und wie funktioniert es?

Als Ogham-Schrift werden feine, eingeritzte Linien und Striche genannt, die sich auf den Kanten von frei stehenden, markanten Steinen finden. Sie bilden ein Alphabet bestehend aus 20 Buchstaben. Jeder Einzelne von ihnen wird dadurch bestimmt, ob er sich links oder rechts von der Kante befindet, sich über die Kante zieht, ob es lange oder kurze Striche sind. Gelesen werden die Zeichen von unten nach oben.

Ogham

Das Ogham-Alphabet; by Rev. Thomas Davidson 1856-1923 (ed.) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Ursprung des Alphabets

„Ogham“ (oder auch „Ogam“) bezeichnet die älteste Schriftform in Irland. Diese eingeritzten Strichzeichen finden sich auf frei stehenden Steinen und, wie wir heute aus frühen schriftlichen Quellen wissen, zierten diese feinen Striche auch Hölzer. Fundorte dieser geheimnisvollen Schrift gibt es neben Irland auch in Schottland und Wales, wenngleich nicht in der großen Anzahl wie auf der Grünen Insel. Forscher datieren Ogham auf die Zeit zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Christus. In dieser Zeit tauchten die Schriftzeichen plötzlich auf und verschwanden dann wieder. Nach Meinung einiger Forscher stammen die Ogham-Schriftzeichen aus dem skandinavischen Raum, sind eng verwandt mit den Runen und kamen mit den Wikingern nach Irland. Andere sehen in der Ogham-Schrift druidische Geheimzeichen, welche diese nutzten, um ihr Wissen zu übermitteln. Einer anderen Theorie zufolge liegen die Ursprünge der alten, irischen Schrift in Norditalien. Dort entstand die Ogham-Schrift inspiriert durch das griechische Alphabet, das griechische Siedler nach Italien brachten.

Was ist nun die wahre Herkunft von Ogham? Das ist schwierig, wenn nicht unmöglich zu sagen, denn für jede Theorie gibt es Hinweise. Die am weitesten verbreitete Theorie ist, dass die Schriftzeichen der Ausdruck der irischen Sprache mittels des lateinischen Alphabets ist. Dafür spräche, dass in der Ogham-Schrift Buchstaben auftauchen, die es im Irischen nicht gib. Dagegen spricht, dass die Römer nie einen Fuß auf die Grüne Insel gesetzt haben. Die Forschung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Kann aber keine endgültigen Beweise anführen, weil es diese schlicht nicht gibt. Es gibt keine Funde, die darauf hindeuten, wo die Ursprünge der Schrift liegen. Das mag daran liegen, dass sie auf vergänglichen Materialien festgehalten wurde, wie zum Beispiel Holz. Vielleicht ist der letzte Beweis schlicht noch nicht gefunden worden. Bis dahin wird die Herkunft der Schrift weiterhin im Dunkeln bleiben.

Herkunft des Names

Wenig klarer ist, woher der Name dieser alten Schriftzeichen „Ogham“ stammt. Hierzu begeben wir uns ins Land der Legenden – wie könnte es in Irland auch anders sein. Eine Legende besagt, dass der altirische Gott der Redegewandtheit „Ogma“ Namenspate stand. Ogma ist in der keltischen Mythologie ein Kriegsgott und Kämpfer, der dem mythischen Volk der Tuatha de Danaan angehörte. Er soll Ogham erfunden haben, als er an einem Seeufer saß und Kraniche beobachtete. Seither galten diese Vögel auch als die Hüter der Ogham Schriftzeichen.

Eine andere Legende fußt auf der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel. König Fenius Farsa soll einigen irischen Legenden zufolge, gemeinsam mit seinem Gelehrten Beithe-luis-nuin, Ogham, erfunden haben. Dazu pickte er sich das Beste aus all den Sprachen heraus, welche die Menschen sprachen, die gemeinsam an dem Turm arbeiteten. Wie Ogham dann nach Irland gelangte, verrät die Legende nicht, denn Babel, beziehungsweise Babylon lag etwa 90 Kilometer südlich des heutigen Bagdads.

Wozu wurde Ogham verwendet?

Da die Schriftzeichen auf den Steinen in vielen Fällen die Genetiv-Form von Namen sind („Dies ist der Stein des XY), liegt nahe, dass es sich um die Markierung von Ländereien handelt. Zumal die Ogham Stones an exponierten Orten stehen.

Ogham Stein

Ogham-Zeichen, by Killkenny [GFDL or CC BY 3.0], from Wikimedia Commons

Wo finden sich Ogham-Steine in Irland?

Heute sind mehr als 400 Schriftzeichen bekannt. Die Mehrzahl findet sich im Westen und Süden der Grünen Insel, allerdings gibt es auch vereinzelte Zeichen in Schottland, Wales und auf der Isle of Man. Hier finden Sie die bekanntesten Ogham-Schriftzeichen in Irland:

  • Adare Manor, Co. Limerick
  • Aghadoe Church, Co. Kerry
  • Aghascrebagh, Co. Tyrone
  • Ardmore, Co. Waterford
  • Ballycrovane, Co. Cork
  • Castlekeeran, Co. Meath
  • Cloonmorris, Co. Leitrim
  • Corrower, Co. Mayo
  • Derrynane Beg, Co. Kerry
  • Drumlohan, Co. Waterford
  • Dunloe Lower , Co. Kerry
  • Lugnagappul, Co. Kerry
  • Ratass , Co. Kerry

Hier findet Ihr die Orte weitere Ogham-Steine in Irland.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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