Irland im Mittelalter

Brian Boru – Irlands legendärer Hochkönig

Brian Boru - Hochkönig
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Brian Boru: Der größte militärische Führer der irischen Geschichte – der Herrscher, der sein Volk aus fremdem Joch befreite – der Erlöser, der in der Stunde des Sieges sein Leben ließ. Dies ist nur eine Auswahl der legendären Bezeichnungen für Brian Boru. Auf welche Weise gelangte der Sohn einer kleinen, unbedeutenden irischen Königsdynastie eigentlich zu solchem Ruhm? Mehr als tausend Jahre müssen wir in die Vergangenheit reisen, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Vom „kleinen Bruder“ zum Hochkönig Brian Boru

Geboren wurde Brian Boru um 940 n. Chr. als Sohn des unbedeutenden irischen Herrschers Cennetic und seiner Frau, der Tante des Königs von Connaught.  Nach dem Tod des Vaters im Jahr 951 wurde Brians älterer Bruder Mahon König von Munster. Seite an Seite kämpften die Brüder gegen die Nordmänner (Wikinger), die Munster mit Steuern belegt hatten. Als sein Bruder im Verlauf dieser Kämpfe starb, wurde Brian selbst König von Munster.

Sobald seine Herrschaft über die kleineren Fürsten dort gesichert war, machte Brian sich daran, seinen Einfluss und Herrschaftsbereich zu erweitern. Er stellte eine beeindruckende Armee zusammen, sowohl zu Lande als auch zur See. Mit ihr unterwarf er etliche benachbarte Königreiche, unter anderem die herrschenden Wikinger von Limerick und Waterford, und rebellierte gegen den herrschenden Hochkönig von Irland, Mael Sechnaill. 600 Jahre lang hatte dessen Dynastie, die Ui Neill’s (O’Neill’s), Irland bis dahin beherrscht, doch Brian ließ sich davon wenig beeindrucken. Mit aller Macht verfolgte er sein Ziel, selbst Herrscher über ganz Irland zu sein. Nachdem er in Connaught und Leinster einmarschiert war, hatte er Mael Sechnaill so weit, dass die beiden ihre Armeen vereinten und Irland unter sich aufteilten. Aber noch war sein Kontrahent Mael und damit die O’Neill’sche Dynastie Hochkönig von Irland.

Erst im Jahr 999, nachdem Brian das von den Wikingern beherrschte Dublin eingenommen hatte, erkannte Mael Sechnaill, reichlich widerwillig, Brian als den mächtigsten Herrscher Irlands an. Dieser Anerkennung folgten Jahre voller Kämpfe und Schlachten, mit denen Brian schlussendlich die Unterwerfung sämtlicher Könige im Norden erlangte. Ab diesem Zeitpunkt wurde er, einer verlässlichen Quelle zufolge, als „Emperor of the Irish“ bezeichnet.

Die legendäre Schlacht von Clontarf

Doch Brians Herrschaft blieb auf Dauer nicht unangefochten: Einige der Könige, die er zuvor unterworfen hatte, begannen zu rebellieren. Die Wikinger aus Dublin und Leinster schlossen sich zusammen, rekrutierten noch weitere Kämpfer und erhoben sich gegen den Hochkönig Brian Boru. Im April 1014, und damit vor mehr als tausend Jahren, kam es zu der so genannten Schlacht von Clontarf.

Clontarf ist heute ein Stadtteil Dublins, am Karfreitag des Jahres 1014 jedoch war es Schauplatz einer gigantischen Schlacht. Brians Armee näherte sich dem Kampfplatz von Norden, aus Dublin kam das Heer der Wikinger – verstärkt durch den abtrünnigen König aus Leinster – und von der See her zusätzlich eine Flotte Wikinger. Es war eine grimmige, blutige Schlacht, die zahllose Menschenleben forderte und einen ganzen Tag lang währte.

Unerbittlich drangen die beiden Armeen aufeinander ein. Schwerthieb auf Schwerthieb mähten Brians Krieger ihre Gegner nieder, bis diese sich am Abend schwer geschwächt zurückzogen. Sie flohen zurück in die Sicherheit der Dubliner Festung oder versuchten, zurück auf ihre Schiffe zu gelangen. Doch die Flut hatte die Wikingerflotte über die Dublin Bay davon getrieben und viele Kämpfer ertranken bei dem Versuch, sie zu erreichen. Ebenso viele wurden noch auf dem Rückzug von Brians Heer erschlagen. Kurzum: Es war ein glorreicher Sieg für Hochkönig Brian.

Brian selbst jedoch war es nicht vergönnt, diesen Triumph zu feiern. Mit seinen mittlerweile mehr als 70 Jahren nahm er nicht mehr aktiv am Kampf teil. Seine Söhne führten das Kommando über die Streitkräfte, während Brian ganz in der Nähe des Feldes in seinem Zelt auf Neuigkeiten wartete. Dabei – so behauptet eine historische Quelle – betete er. Einer der fliehenden Wikinger-Heerführer kam an diesem Zelt vorbei und hielt den betenden Brian zunächst für einen Priester. Sobald er ihn aber erkannte, griff er zur Waffe, und die beiden lieferten sich einen erbitterten Zweikampf. Welchen Brian verlor und starb, während der Wikinger Brodir kurz darauf von Brians Männern grausam hingerichtet wurde.

Nichtsdestotrotz veränderte Brians Sieg von Clontarf die Grundregeln irischer Politikgeschichte. Eine kleine, unbedeutende Königsdynastie hatte die jahrhundertelange Vorherrschaft der Ui Neill – Hochkönige dauerhaft beendet und das Land geeint. Wenn auch nur vorübergehend …

Schlacht von Clontarf

Die Schlacht von Clontarf, by Hugh Frazer (Isaacs Art Center (former owner of the painting)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Brian Boru und die Kunst

Seinen endgültigen Namen Brian Boru (=Brian of the Tributes) verdiente sich Brian, der ursprünglich Brian Mac Cennetic hieß, mit der Tatsache, dass er von den ihm untergebenen Herrschern Irlands Abgaben verlangte. Mit diesen Geldmitteln restaurierte er zahlreiche Klöster und Bibliotheken, die bei der Invasion der Wikinger zerstört worden waren. Vermutlich ist dies der Grund, weshalb Brian Boru bis heute als Patron der schönen Künste gewürdigt wird.

Als solchem sagt man Brian auch nach, dass er die Harfe spielte. Kein Wunder also, dass eine bis heute erhaltene irische Harfe aus dem Mittelalter nach ihm benannt wurde: Brian-Boru-Harfe. Bis heute ist diese Harfe im Trinity College in Dublin zu sehen (und wird auch Trinity-Harfe genannt), auch wenn später nachgewiesen wurde, dass diese älteste Harfe Irlands wohl nie vom legendären König gespielt wurde. Sie entstand weit nach seinem Ableben. Nichtsdestotrotz ziert die Harfe das irische Wappen, jeden einzelnen irischen Reisepass und viele andere offizielle Dokumente und Geldmünzen. Weltbekannt ist sie auch als Symbol des irischen Bieres Guinness und als Irlands Wappen!

Brian Borus Harfe

Brians Harfe im Trinity College Dublin, by Peggy Asprey [CC BY-SA 4.0 ], via Wikimedia Commons

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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