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Vergessene Orte in Irland: Ein Blick in die Vergangenheit

Vergessene Orte in Irland
Written by Nadja Uebach

Irland – die kleine Insel im Nordatlantik mit der großen und bewegten Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die sich in Form unzähliger Ruinen wie ein roter Faden zum Anfassen über die sanften Hügel der Grünen Insel zieht. Anhand der überwucherten Überreste alter Burgen, unscheinbarer geschichtlicher Schauplätze, alter Klöster und verlassener Dörfer, erzählt das Land seine Geschichte jeden Tag aufs Neue. Vergessene Orte in Irland, wie diese, sind jedoch nicht nur ein wichtiger Teil der Geschichte der Insel, sondern zudem ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes.

Wo sich besonders spannende Ruinen und andere vergessene Orte in Irland befinden und welche Legenden oder vielleicht sogar Spukgeschichten sich um sie ranken, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Vergessene Orte in Irland: 1. Rindoon, Co Roscommon

Auf etwa halbem Weg zwischen Athlone und Roscommon befindet sich das verlassene mittelalterliche Dorf Rindoon. Am Ende einer Landzunge, die weit in den Lough Ree hineinragt, befand sich im 13. Jahrhundert ein florierendes Dorf mit schätzungsweise 600 Einwohnern. Innerhalb massiver Mauern befanden sich mehrere Wohnhäuser, Bauernhöfe sowie ein Hafen und eine Burg, die über dem Flussufer thronte. Außerhalb des Dorfes fand man zudem Hinweise auf ein kleines Krankenhaus.

Nach seiner Gründung im Jahr 1227 wurde das Dorf bis ins 14. Jahrhundert von den Engländern bewohnt und kurzzeitig verlassen; bevor sich im späten 16. Jahrhundert erneut englische Siedler auf der Halbinsel niederließen. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die Ländereien jedoch lediglich als Farmland genutzt. Deshalb sind die Ruinen und Strukturen des Dorfes nicht dem Bau eines neuen Dorfes oder neuer Infrastruktur zum Opfer gefallen und ermöglichen uns heute einen spannenden Einblick ins irische Mittelalter.

Rindoon

Viking landing stage near Rindoon Castle
cc-by-sa/2.0 – © John M – geograph.org.uk/p/2509233

2. Aughrim Battelfield, Co Galway

Auf dem Aughrim Battlefield im Osten der Grafschaft Galway fand am 22. Juli 1691 der Kampf der beiden englischen Könige Jakob und Wilhelm um die Oberhand in Irland sein blutiges Ende. Die Todesopfer werden auf über 7.000 Menschen geschätzt, womit die Schlacht von Aughrim den grausamen Titel der blutigsten Schlacht auf irischem Boden trägt.

Die Wilhelmiten waren den Jakobiten mit etwa 2.000 Mann überlegen und nutzten diesen Vorteil von Beginn der Schlacht aus. Berichten zufolge waren die Anhänger König Wilhelms für Sturzbäche von Jakobitenblut verantwortlich, die über das Schlachtfeld flossen und sich schließlich in einer kleinen Kuhle sammelten, die bis heute als „The Bloody Hollow“ bekannt ist. Nachdem die Wilhelmiten den Kampf gewonnen hatten, ließ man die Leichen einfach auf dem Schlachtfeld liegen, bis nur noch die Knochen der Gefallenen übrig waren. Die heute scheinbar friedlichen Felder rund um Aughrim sind Schauplatz unzähliger Spukgeschichten, in denen die Schreie der toten Jakobiten nach wie vor über die Hügel hallen und deren Körper manchmal sogar in Erscheinung treten sollen. Kein Wunder, dass die Atmosphäre hier mehr als schaurig ist.

Aughrim

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3. Keshcorran Caves, Co Sligo

Wenn es um vergessene Orte in Irland geht, stehen die Höhlen von Keshcorran in der Grafschaft Sligo ganz weit oben auf der Liste. Lange Zeit hatten sich die Menschen lediglich Gesichten über die 17 kleinen Höhlen südlich der Stadt Sligo erzählt. So wurde der ehemalige irische Hochkönig Cormac mac Airt angeblich in einer der Höhlen geboren und anschließend von einer Wölfin aufgezogen. Zudem werden die Höhlen oft als Zufluchtsort von Diarmuid und Gráinne erwähnt; und mit der dunklen Königin Morrigan in Verbindung gebracht.

Erst bei Ausgrabungen Anfang des 20. Jahrhunderts konnte belegt werden, dass die Höhlen tatsächlich schon viele Zwecke hatten. Neben den Überresten von Bären, Rentieren und irischen Elchen, die bis zu 12.000 Jahre zurückdatiert wurden; fand man zudem Hinweise auf menschliche Aktivität. Man geht davon aus, dass die Höhlen als Wohn- beziehungsweise Rückzugsort im prähistorischen Irland dienten. Außerdem waren sie bis ins 20. Jahrhundert noch Schauplatz keltischer Rituale. Eine Geschichte, die bis heute bei einem Spaziergang zwischen den kühlen Felswänden spürbar ist.

Keshcorran

©Fáilte Ireland
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4. Slievemore Deserted Village, Co Mayo

Irland ist ein Land, an dem man sich oft wünscht, in die Vergangenheit reisen zu können. Selbst, wenn das natürlich nicht möglich ist; hat man auf Achill Island in der Grafschaft Mayo jedoch die Möglichkeit einen unglaublich realen Einblick in längst vergangene Zeiten zu erhalten. In dem verlassenen Dorf Slievemore auf einem Berghang nördlich von Keem, scheint es, als wäre die Zeit eingefroren worden.

Die Ruinen von knapp 100 Wohnhäusern sowie die Überbleibsel altertümlicher Landwirtschaft versetzen Besucher bis ins 12. Jahrhundert zurück; in dem das Dorf Annahmen zufolge gegründet wurde. Allerdings weisen die Funde prähistorischer Grabstätten daraufhin, dass Menschen diesen Ort bereits schon lange vorher besiedelt hatten. Fest steht jedoch, dass die einfachen Steinhütten bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt wurden. Zu dieser Zeit dienten die Cottages in Slievemore als sogenannte Booley-Hütten, die im Sommer den Viehhirten als Unterkunft dienten. Heutzutage ist Slievemore einer dieser vergessenen Orte in Irland, der die Geschichte der Grünen Insel zum Leben erweckt.

slievemore

Slievemore, Achill Island im Co. Mayo, Irland
©Tourism Ireland

5. Bishop’s Island, Co Clare

Ein Ort, der nicht nur von uns Menschen verlassen und vergessen wurde, ist Bishop’s Island vor der Küste der Grafschaft Clare. Immerhin wurde die heutige Insel vor über 1.000 Jahren von der Gewalt des Atlantiks vom Festland getrennt und schließlich von der Insel selbst vergessen.

Dabei genoss die ehemalige Landzunge in der Nähe von Kilkee einst religiöses Ansehen. Der Heilige Senán selbst soll hier im 6. Jahrhundert ein kleines Kloster gegründet haben. Darauf deuten die Ruinen hin, die auch heute noch auf der Insel sichtbar sind. Archäologische Untersuchungen fanden die Überreste einer kleinen Kirche, einer Bienenkorbhütte sowie bis zu vier weiteren Gebäuden auf der großen Felsnadel. Zudem wird angenommen, dass sich mehrere Gräber von Mönchen auf Bishop’s Island befinden. Ihren Namen erhielt die imposante Insel vermutlich von ihrem Gründer dem Heiligen Senán. Überlieferungen zufolge war Bishop’s Island der letzte Ort, den er vor seinem Tod besuchte.

Die Felsnadel kann vom Festland aus bestaunt werden. Mithilfe eines Fernglases sieht man zudem die Überbleibsel der kleinen Klosteranlage. Die 2010 vorgestellten Pläne Bishop’s Island über eine Glasbrücke wieder mit dem Festland zu verbinden, konnten bisher leider nicht realisiert werden.

Bishops Island

view of Bishop’s Island, Kilkee Cliffs, Loop Head Project.Photo:Valerie O’Sullivan

Vergessene Orte Irland: 6. Mount Sandel, Co Londonderry

Neben dem Fluss Bann in der Ortschaft Coleraine in Nordirland ragt ein ungewöhnlich geformter grüner Hügel aus dem Wald. Auf dem Gelände von Mount Sandel deutet nichts darauf hin, dass sich genau an diesem Ort die Wiege der irischen Bevölkerung befindet.

Allerdings fand man hier bei Ausgrabungen die Überreste der schätzungsweise ältesten menschlichen Siedlung Irlands. Vor etwa 9.000 Jahren ließen sich hier die ersten Jäger und Sammler nieder. Aus Weidensetzlingen und Tierhaut bauten sie zehn Hütten und lebten von dem, was das Land in ihrer Umgebung hergab. Dazu gehörten neben Beeren, Nüssen und anderen Früchten auch Tiere wie Wildschweine oder Fische, die man mit primitiven Harpunen und Speeren jagte. Von alledem ist heute nichts mehr übrig. Heute ist Mount Sandel nicht mehr als ein seltsamer Hügel mit einem abfallenden Hang und dem Gefühl, dass sich unter dem weichen Gras einst mehr befand, als wir wahrscheinlich je wissen werden.

7. Fiddaun Castle, Co Galway

Im Süden der Grafschaft Galway wartet ein ganz besonderer Einblick in die Inselvergangenheit. Fiddaun Castle galt mit seinen Ländereien zu seiner Blütezeit im 16. Jahrhundert nicht nur als die größte Burganlage der Grünen Insel; sondern ist heutzutage eine der besterhaltenen Burgruinen. Da die äußeren Burgmauern der Witterungen in den vergangenen Jahrhunderten zum Opfer gefallen sind, kann man sich heute nur schwer vorstellen, wie das sechsstöckige Gebäude und der kleine ummauerte Burghof zur größten Anlage des Landes gehörten.

Was man sich hingegen jedoch sehr gut vorstellen kann, ist der Alltag in der Burg. Immerhin ist das Gebäude bis auf den Dachstuhl komplett erhalten und in einem recht guten Zustand. Wer sich bei den Privatbesitzern die Erlaubnis und den Schlüssel zum Burghof abholt, hat sogar die Möglichkeit die Burg in Ruhe zu erkunden. Die Tatsache, dass Fiddaun Castle von der Straße aus nicht sichtbar ist und nur durch eine Wanderung über unbefestigte Wege erreichbar ist, macht es ganz automatisch zu einem der faszinierendsten vergessenen Orte in Irland.

Castles_of_Connacht,_Fiddaun,_Galway

Mike Searle / Castles of Connacht: Fiddaun, Galway

Vergessene Orte in Irland: 8. Three Castle Head, Co Cork

Obwohl der Name Three Castle Head vermuten lässt, dass es sich hier um drei Burgen handelt, ist damit nur eine Burg gemeint. Seinen Spitznamen bekam das Dun Lough Castle, das auf einer 100 Meter hohen Klippe am Ende der Mizen Halbinsel in der Grafschaft Cork thront, von seinen drei Türmen.

Als das älteste O’Mahoney Castle in Irland, war die 1207 erbaute Burganlage eine der letzten Festung, die der Invasion der Normannen trotzte. Seine Lage am Seeufer nur wenige Meter entfernt vom Rande der Klippen war sowohl idyllisch als auch strategisch gut durchdacht. So konnte der gesamte Seeraum überwacht sowie Angreifer an Land früh entdeckt werden. Heute kann man neben den Ruinen der drei Türme noch einige bis zu 6 Meter hohe Mauerabschnitte bestaunen.

Dass sich um einen Ort, wie diesen unzählige Legenden ranken ist wenig verwunderlich. Demnach sollen die letzten Bewohner der Burg alle entweder durch Mord oder Selbstmord ums Leben gekommen sein. Eine Tatsache, die noch heute dafür sorgen soll, das Blut von einem der Türme in den See tropft. Zudem glauben viele an eine in Weiß gekleidete Frau, die auf dem Gelände herumspukt und den Tod der Menschen ankündigt, denen sie erscheint. Egal, ob man diesen Geschichten Glauben schenkt oder nicht; Three Castle Head ist einer dieser magischen abgelegenen Orte, der ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen scheint und der vom ersten Moment an für Gänsehaut sorgt.

Dunlough Castle Three Castles

© Copyright Mike Searle and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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