Irland in der Neuzeit

Cumann na mBan – Armee der Frauen

Cumann_na_mBan
Written by Nadja Uebach

Der Kampf um die Unabhängigkeit der Grünen Insel zieht sich seit dem 16. Jahrhundert wie ein roter Faden durch die Geschichte Irlands. Bis das Land 1949 schließlich offiziell zur Republik erklärt wurde, opferten viele irische Freiheitskämpfer ihre Leben. Die Taten der verschiedenen Organisationen dieser Zeit sind genauso bekannt wie die Namen der einflussreichsten und wichtigsten Einzelperson. Padraig Pearse, Michael Collins oder James Connolly sind Synonyme für die Unabhängigkeit der Republik Irland. Allerdings beteiligten sich nicht nur Männer an dem Kampf für ein freies Irland. Unter dem Namen Cumann na mBan – Frauenrat, kämpften die Frauen der Revolution Seite an Seite mit den Männern!

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit wie diese Organisation zustande kam, was ihre Aufgaben waren und welche Rolle sie heute spielt.

Cumann na mBan: Die Frauen des irischen Kampfs um Freiheit

Bereits im Jahr 1900 schloss sich eine Gruppe von Frauen unter dem Namen Inghinidhe na hÉireann (Töchter Irlands) zusammen. Diese nationalistische Frauenbewegung, der unter anderem Sinéad O’Flanagan, die spätere Ehefrau von Eamon De Valera sowie die bekannte Ärztin Kathleen Lynn angehörten; hatte es sich zur Aufgabe gemacht die irische Sprache, Kultur und Tradition zu fördern. Gleichzeitig sollten englische Lieder, Literatur, Theaterstücke und Filme boykottiert werden.

Vierzehn Jahre später entstand aus den Mitgliedern der Inghinidhe na hÉireann gemeinsam mit einigen Neuzugängen die Gruppe der Cumann na mBan. Die Idee eines weibliche Gegenstücks der Irish Volunteers wurde bereits 1913 während einer Versammlung im Wynn’s Hotel in Dublin besprochen. Am 2. April 1914 gründete man die Vereinigung der Cumann na mBan mit über 100 Gründungsmitgliedern unter der Leitung von Agnes O’Farrelly. Die Vereinigung setzte sich aus Frauen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammen. Zum einen fand man mehrere gut gebildete Frauen aus Irlands Elite unter den Mitgliedern, zum anderen befanden sich außerdem jede Menge Frauen aus der Arbeiterschicht in ihren Rängen. Ein Zeichen dafür, dass der Wunsch nach Freiheit bei der weiblichen Bevölkerung der Grünen Insel keinen Klassenunterschied kannte.

Die Satzung der Cumann na mBan

Während der Gründung der Organisation legten die Mitglieder einige Regeln und organisatorische Grundsätze in ihrer Satzung fest. Neben genereller Richtlinien, die die Strukturierung der Cumann na mBan in regionale Untergruppen regelten und der Bedingung, dass lediglich Frauen irischer Herkunft in die Vereinigung eintreten können; findet man in der Satzung zudem vier grundsätzliche Ziele.

  1. Den Kampf um die irische Freiheit zu unterstützen und voranzutreiben. Hierzu wird explizit auf die Verwendung von Waffen hingewiesen, die zu diesem Zweck begrüßt wurde.
  2. Irische Frauen im Rahmen der Freiheitsbewegung vorteilhaft zu organisieren.
  3. Die Freiheitsbewegungen der irischen Männer in allen Bereichen zu unterstützen und sie zu bewaffnen.
  4. Einen Fonds für die Finanzierung dieser Ziele ins Leben zu rufen. (The Defence of Ireland Fund)

Das in der Satzung aufgeführte dritte Ziel, sorgte kurz nach Bekanntgabe bei einigen Mitgliedern und insbesondere unter Frauenrechtsbewegungen auf der gesamten Insel für Unmut. Demnach wurde die Unterstützung der männlichen Irish Volunteers als Rückschritt im Kampf um die Rechte der Frauen empfunden. Nichtsdestotrotz hielten die Cumann na mBan an ihren Zielen fest und rechtfertigten diese mit dem gemeinsamen großen Ziel der Unabhängigkeit Irlands.

Cumann na mBan und der Osteraufstand 1916

In der Planungsphase des Osteraufstands 1916 arbeiteten die Frauen der Cumann na mBan unter dem Kommando von Padraig Pearse und James Connolly mit den Irish Volunteers sowie der Irish Citizen Army (ICA) zusammen. Hier waren die Frauen hauptsächlich für Botengänge sowie den Transport und die Beschaffung von Waffen zuständig. Außerdem kümmerten sie sich um die Einrichtung von Schutzhäusern, die medizinische Versorgung und nicht zuletzt um das leibliche Wohl der Freiheitskämpfer.

Auch während des Aufstands agierte C n mB, wie die Organisation allgemeingültig abgekürzt wurde, als eine Untergruppe der Männervereinigungen. So waren die Frauen an allen größeren Stützpunkten des Osteraufstands vertreten, lediglich die beiden Stützpunkte von Eamon De Valera sowie Eamonn Ceannt wurden nicht von den C n mB unterstützt.

Am bekanntesten ist sicherlich die Truppe rund um Constance Markievicz, die in dem Aufstand als Leutnant agierte. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der C n mB und ICA hielt sie britische Sniper rund um St. Stephens Green in Schach. Markievicz war zu diesem Zeitpunkt nicht nur ein Teil der C n mB, sondern außerdem ein geschätztes und einflussreiches Mitglied der ICA. Nach dem Osteraufstand löste sie Agnes O’Farrelly als Präsidentin der C n mB ab und war 1918 nicht nur die erste Frau, die ins englische Unterhaus gewählt wurde, sondern gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der irischen Partei Fianna Fáil.

Constance Markiewicz

Keogh Brothers Ltd. / Public domain

Ein historischer Botengang

Zwischen dem 24. und 29. April erhielten viele Frauen den Auftrag die unterschiedlichen besetzten Gebäude in Dublin mit Essen und Munition zu versorgen. Ihre langen Röcke waren das perfekte Versteck für sämtliche Gegenstände, die unerkannt an ihre Ziel gelangen sollten. Zudem überbrachten sie Nachrichten und Befehle.

Nach dem fast alle Stützpunkte der Iren unter Beschuss gerieten und evakuiert werden mussten; zogen sich viele Mitglieder der Cumann na mBan gemeinsam mit den männlichen Rebellen ins GPO zurück. In dem Gebäude der Post hatten sich die Iren ihr Kommandozentrum eingerichtet. Von hier aus versuchte Padraig Pearse, den Aufstand zu kontrollieren und die Rebellen zu motivieren.

Gegen Mittag am Freitag den 28. April bat Pearse alle Frauen das Gebäude zu verlassen, da es unter starken Beschuss geriet. Viele kamen seiner Aufforderung nach. Einige hielten jedoch Stellung und zogen sich schließlich gemeinsam mit den restlichen Freiheitskämpfern in ein Gebäude auf der Moore Street zurück. Darunter auch Elizabeth O’Farrell, die bereits an den vorangegangenen Tagen wichtige Botengänge erledigt hatte. Am 29. April verließ O’Farrell das Haus auf halber Höhe der Moore Street. Die weiße Fahne in ihrer Hand sorgte dafür, dass die Engländer den Beschuss sofort einstellten. Stattdessen brachten sie die Frau zu ihrem befehlshabenden General Lowe, wo sie die Nachricht der irischen Kapitulation von Padraig Pearse an Lowe überbrachte.

Der General schickte O’Farrell mit der Forderung einer bedingungslosen Kapitulation zurück zu Pearse, der dieser in einem historischen Fotograf zustimmte. In dem Bild sieht man, wie Pearse dem General gegenübersteht. Wer genau hinsieht, erkennt die Schuhe und den Rock, die hinter der Silhouette von Pearse hervorragen. Die Stiefel von Elizabeth O’Farrell, Hebamme und Mitglied der Cumann na mBan, die während der irischen Kapitulation am Ende des Osteraufstands eine wichtige Aufgabe erfüllte.

Padraig Pearse ergibt sich

National Library of Ireland on The Commons, No restrictions, via Wikimedia Commons

Der irische Frauenrat und die Politik

Nach dem Osteraufstand nahm man über siebzig Mitglieder der C n mB fest. Allerdings wurden die meisten Frauen schon kurze Zeit später wieder entlassen. Aufgrund der Annahme, dass Constance Markievicz im Zuge des Aufstands einen Polizisten erschossen hatte, verurteilte man sie zunächst zum Tode. 1917 erhielt sie allerdings eine Begnadigung und wurde aus der Haft entlassen.

Anschließend ernannte man sie zur Präsidenten der Cumann na mBan. Der Frauenrat spielte in den Jahren nach dem Osteraufstand eine entscheidende Rolle in der Vertretung der Ziele der Rebellen von 1916. So kümmerten sie sich beispielsweise um die Entlassung vieler weiterer irischer Gefangener und beteiligten sich maßgeblich am Wahlkampf der irischen Partei Sinn Féin vor den Wahlen 1918, bei denen Markievicz ins Unterhaus gewählt wurde.

Im darauffolgenden Bürgerkrieg kämpften die Frauen der Cumann na mBan erneut an der Seite der Männer. Allerdings unterstützten die Frauen, den Unabhängigkeitskampf nicht nur direkt, sondern kümmerten sich zudem um unzählige organisatorische Abläufe im Hintergrund. Dazu gehörte die Beschaffung und Verteilung von Waffen genauso wie die Öffnung von Schutzhäusern und Botengänge verschiedenster Art. Im Nachhinein räumten die männlichen Freiheitskämpfer ein, dass sowohl der Osteraufstand, als auch die darauffolgende politische Arbeit und der Bürgerkrieg ohne die Unterstützung der Cumann na mBan nicht möglich gewesen wären.

Cumann na mBan zieht in den Untergrund

Während des Unabhängigkeitskriegs stellte sich die Organisation der C n mB auf die Seite der Treaty-Gegner. Während einer Abstimmung sprachen sie 419 Mitglieder des Frauenrates gegen das Treaty aus, das den irischen Freistaat als Teil des Britischen Königreichs kreieren sollte, allerdings ein getrenntes Irland vorsah. Lediglich 63 Frauen stimmten dafür.

Nachdem man den Freistaat Irland im Dezember 1922 schließlich ins Leben rief, verbot man die Vereinigung der Cumann na mBan ein Jahr später. Gleichzeitig öffnete man das geschichtsträchtige Kilmainham Gaol auch für Frauen, um rebellierende Frauen gemeinsam mit rebellischen Männern inhaftieren zu können.

Die Frauenorganisation blieb im Untergrund jedoch weiterhin aktiv und unterstützte den Kampf um ein vereintes und vollständig unabhängiges Irland. Obwohl sie stets im Hintergrund agierten, weiß man heute, dass sie nicht nur ein Händchen in politischen Machenschaften hatten; sondern sich zudem maßgeblich an den Aktionen der Irish Republican Army (IRA) beteiligten.

Selbst im Nordirlandkonflikt spielten die Mitglieder der Cumann na mBan eine zentrale Rolle und sind bis heute aktiv. Seit dem Terrorism Act 2000 gelten sie in Großbritannien zwar als eine verbotene Organisation; werden derzeit jedoch nicht auf der amerikanischen Liste ausländischer Terrorgruppen erwähnt.

Kilmainham Gaol Musuem

© Fáilte Ireland

Irland ohne Cumann na mBan

Selbst, wenn die Methoden der Cumann na mBan und ihre radikale politische Einstellung oft infrage gestellt werden. Ein Irland, so wie wir es heute kennen, wäre ohne das mutige Mitwirken der Mitglieder des Frauenrates, sicherlich nicht entstanden. Obwohl der irische Unabhängigkeitskampf überwiegend die Namen der männlichen Freiheitskämpfer und Mitglieder der Irish Volunteers, ICA sowie der IRA ins Gedächtnis ruft; würden wir diesen Männern heutzutage vermutlich nicht einmal die Hälfte ihrer Bedeutung anrechnen, hätten sie ohne die Unterstützung der Cumann na mBan auskommen müssen.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit elf Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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