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Osteraufstand 1916

Osteraufstand
Written by Ina Brecheis

Der Osteraufstand von 1916 ist ein einschneidendes Erlebnis in der irischen Geschichte. So begann dieser alles andere als vielversprechend, markierte er doch den Wendepunkt, ab dem ein von der englischen Krone unabhängiges Irland immer näherkam. Wir blicken zurück auf dieses düstere Kapitel irischer Geschichte und die Ereignisse des Osteraufstands in Dublin, die sich überschlugen.

Der Osteraufstand – Pleiten und Pannen

Der Osteraufstand war eigentlich für den Ostersonntag geplant. Nicht zuletzt der Symbolik wegen, denn die aufständischen Iren sahen in ihrem Aufbegehren gegen die englische Krone ein fast heiliges Anliegen. Auch das Jahr war nicht zufällig gewählt. Die Engländer waren in den Ersten Weltkrieg verwickelt und militärisch gebunden. So hofften die irischen Rebellen, auf wenig Gegenwehr zu stoßen. Das Problem war nur, alles lief nicht so, wie geplant.

Die irischen Rebellen, die aus verschiedenen Gruppierungen bestanden, darunter unter anderem der Irish Republican Brotherhood, der Irish Citizen Army oder den Irish Volunteers, hatten bei den Deutschen eine Waffenlieferung von über 20.000 Gewehren und zusätzlicher Munition erworben. Diese Waffenlieferung musste auf abenteuerliche Weise an der Nase der Engländer vorbei nach Irland geschmuggelt werden. Ein deutsches Schiff, das zur Tarnung unter norwegischer Flagge segelte, die „Aud“ fuhr entlang der norwegischen Küste, um Schottland herum, um dann im Hafen von Tralee vor Anker zu gehen. Dort sollte die Übergabe der Waffen stattfinden. Nur, kein irischer Rebell war dort vor Ort, um die Lieferung anzunehmen. Informationen waren wohl unterwegs verloren gegangen oder schlicht nicht weitergeleitet worden.

So sah sich der Kapitän der „Aud“ schließlich gezwungen, das Schiff samt Inhalt zu versenken, als englische Kriegsschiffe nach zwei Tagen im Hafen auf ihn aufmerksam wurden. Sollten die irischen Rebellen ohne die Waffen den Aufstand wagen? Im Lager der Rebellen war man geteilter Meinung. Aufgrund dieser misslichen Lage kam es statt am Ostersonntag zum Ostermontag zum Aufstand. Noch dazu mit viel weniger Beteiligten als ursprünglich geplant.

Die Rebellen proklamieren Irlands Unabhängigkeit

Rund 1.500 Aufständische errichten am Montagvormittag des 24. Aprils Straßenbarrikaden und besetzen zentrale Gebäude in Dublin. Vor dem General Post Office in Dublin verkündet Patrick Pearse, einer ihrer Anführer, die Unabhängigkeit Irlands und das Recht auf einen freien, unabhängigen Staat Irland. Noch heute erinnert eine Bronze-Statue Pearse vor dem Postamt an diesen Tag. Nach der Unabhängigkeits-Verkündung verbarrikadierte sich die Gruppe Aufständischer um Pearse im General Post Office.

Eine andere Gruppe Rebellen um die Gräfin Markiewicz verschanzte sich im St. Stephen´s Green Park und eine weitere Gruppe versucht erfolglos das Dublin Castle und damit das Machtzentrum der englischen Regierung in Dublin zu besetzen. Der Plan der Aufständischen, mit ihren Taten, weitere Iren zum Aufstand gegen die Engländer zu bewegen, schlug fehl. Den Rebellen fehlte – noch – der Rückhalt der irischen Bevölkerung.

Osteraufstand

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Die Engländer schlagen zurück

Die britische Regierung verhängt am folgenden Tag, dem Dienstag, das Kriegsrecht über Dublin. Englische Soldaten, darunter auch Soldaten aus Irland umzingeln die Stellungen der irischen Rebellen. Das General Post Office als Schaltzentrale der Rebellen, gerät besonders unter Beschuss und erst 5.000 englische Soldaten werden der Lage Herr. Einen Teil der Einschusslöcher kann man an der Außenfassade des Gebäudes noch heute erkennen. Sie erinnern an diese bewegten Tage Irlands. Die Bewohner der angrenzenden Häuser werden von den englischen Soldaten teils erschossen, teils aus ihren Häusern vertrieben. Zudem beorderte die britische Regierung weitere Soldaten nach Dublin. Letztlich standen sich in der Stadt an der Liffey 16.000 britische Soldaten und 1.500 schlecht bewaffnete Rebellen gegenüber. Eine aussichtslose Lage für die Aufständischen.

Seitens der Engländer kamen auch Kanonenboote zum Einsatz, die von der Liffey aus große Verwüstung in Dublin anrichteten. Viele Gebäude gerieten in Brand und konnten von der Feuerwehr nicht gelöscht werden, da sie aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzung nicht ausrücken konnten. So brannten manche Gebäude vollständig aus und noch Tage nach den Unruhen, stürzten deshalb Häuser ein.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Rebellen und den englischen Soldaten forderten viele zivile Opfer. Auch aus diesem Grund beschlossen die Aufständischen am Donnerstag sich den Engländern bedingungslos zu ergeben.

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Die Folgen des Osteraufstands

Nach dem Ende des Osteraufstands sind über 100 englische Soldaten und rund 400 Iren tot. Dublins Innenstadt ist nach dem Osteraufstand von 1916 ein Trümmerfeld. Viele Gebäude sind ausgebrannt, in sich zusammengestürzt oder stehen kurz davor. Dublins Bevölkerung ist nun damit beschäftigt, den Schutt zu beseitigen und nicht wenige unter ihnen schimpfen auf die Rebellen. Das änderte sich jedoch schlagartig, als offenbart wird, wie brachial die Engländer über die Rebellen richten.

Nachdem sich die irischen Aufständischen ergeben hatten, wurden sie und viele andere, die im Verdacht standen, mit ihnen in Verbindung zu stehen, von den Engländern in Internierungslagern untergebracht. Insgesamt wurden über 3.000 Iren interniert. Die 16 Anführer des Aufstandes wurden allesamt zum Tode verurteilt und standesrechtlich erschossen. Am 12. Mai sind alle Anführer der Rebellen tot.

Der irische Bürgerkrieg beginnt

Die blutige Niederschlagung des Aufstands durch die englischen Soldaten wirkte noch lange nach und veranlassen einen Großteil der irischen Bevölkerung bei den Wahlen 1918 die irisch-republikanische Sinn-Féin Partei zu wählen. Nur ein Jahr später beginnt der irische Bürgerkrieg, der erst 1921 sein Ende finden sollte.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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