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8 berühmte irische Songs – vom Gassenhauer bis zur Liebesballade

Berühmte irische Lieder
Heike Fries
Written by Heike Fries

Zunächst sei gesagt: Eine Auswahl der berühmtesten irischen Lieder zu treffen ist nahezu unmöglich. Denn es gibt so viele von ihnen, dass es diese Liste sprengen würde. Die folgende Auswahl ist deshalb unvollständig. Denn die Iren sind ein musikalisches Volk – Musik und Text spielen für sie seit Jahrhunderten eine große Rolle. Balladen, Trinklieder oder Rebellensongs gehören auf der Grünen Insel heute ebenso dazu wie Pop- und Rocksong. Im Folgenden stelle ich einige Klassiker und die Geschichten dahinter kurz vor.

Eine kleine Auswahl berühmter irischer Songs:

Whiskey in the Jar

Whiskey in the Jar ist ein berühmter irischer Song, dem unzählige Bands und Künstler schon ihren Stempel aufgedrückt haben: Die üblichen Verdächtigen wie The Dubliners und The Pogues haben die Räuberballade ebenso vertont, wie so unterschiedliche Künstler wie Bryan Adams, Gary Moore, Pulp oder Metallica. Und sogar eine deutsche Version von Klaus und Klaus namens Rum Buddel Rum gibt es.

Das berühmte irische Lied handelt von einem Straßenräuber, der in den Bergen rund um Cork sein Unwesen treibt. Eines Tages stiehlt er Gold von einem gewissen Captain Farrel. Aber er wird von seiner Geliebten verraten. Manchmal heißt sie Molly, manchmal Jenny. In einigen Varianten des Textes versucht der Protagonist seinen Bruder in der Armee ausfindig zu machen. In manchen Versionen sinnt der Räuber auf Rache oder entkommt.

In jedem Fall wird in all den unterschiedlichen Textfassungen eine Menge Whiskey getrunken. Auch die Berge, in denen der Räuber lebt, unterscheiden sich je nach Version. Aber der Song ist ja auch schon einige Jahrhunderte alt: Vermutlich stammt er aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Aber das tut der Popularität des Songs auch in neuerer Zeit keinen Abbruch: Im Jahr 2000 gewann die Band Metallica einen Grammy für ihre Version.

Molly Malone

Dieser irische Song setzt Dublins Vergangenheit auf melancholische Weise ein Denkmal. Denn die Hauptfigur Molly Malone arbeitet als Straßenverkäuferin für Fisch und Muscheln – und manche sagen, sie bietet auch anderes an. In jedem Fall lebt sie ein hartes und kurzes Leben, das mit einem Fieber endet. Ein Schicksal, das Wohl viele Zeitgenossen erlitten – denn das Leben auf Dublins Straßen im 18. Jahrhundert war hart.

Heute ist der Song Dublins heimliche Hymne und gehört zum festen Repertoire von Sportfans der irischen Hauptstadt. Und Molly Malones Statue ist ein beliebtes Touristenziel. Wahrscheinlich gab es Molly Malone nicht, aber dennoch beflügelt sie die Fantasie vieler Menschen so sehr, dass sie noch immer unermüdlich nach historischen Spuren von ihr suchen. Die ausführliche Geschichte hinter dem Song können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Danny Boy

Danny Boy ist einer der international bekanntesten irischen Songs überhaupt. Die Melodie stammt möglicherweise von dem im schottischen Exil lebenden irischen Harfenisten Rory Dall O‘Cahan aus dem 17. Jahrhundert. Der heute bekannte Text stammt jedoch von dem Engländer Frederick Edward Weatherly. Berühmt gemacht hat den Song schließlich die Opernsängerin Elsie Griffin in der Zeit des ersten Weltkriegs. Das Lied steht wie kaum ein anderes für Irlands Ringen um Unabhängigkeit und Souveränität. In diesem Artikel erfahren Sie die ganze Geschichte.

Fields of Athenry

Dieser irische Song steht in besonderem Maße für die irische Seele. Dabei ist er relativ jung: der Autor Pete St. John schrieb ihn in den Siebzigern. Fields of Athenry thematisiert die tragischen Ereignisse während der irischen Hungersnot am Beispiel eines jungen Paares: Sie werden getrennt, weil der junge Mann Essen für seine Familie stiehlt. Er wird nach Australien verschifft und seine Frau und sein Kind bleiben in Irland zurück.

Der Song fängt auf emotionale Weise die dramatische Vergangenheit der Grünen Insel ein. Trotz aller Melancholie ist er ein beliebter Song bei Sportereignissen aller Art. Am eindrucksvollsten zeigten die Iren das bei der Fußball-EM 2012, als sie minutenlang sangen, obwohl ihre Mannschaft längst verloren hatte. Die deutschen Kommentatoren schwiegen, sodass nur der Gesang der irischen Fans zu hören war. Wenn sie mehr über den Song wissen möchten, lesen Sie unseren ausführlichen Artikel darüber.

Finnegan‘s Wake

In Finnegan‘s Wake geht es um die Totenwache eines Iren namens Tim Finnegan. Er verunglückt auf einer Baustelle, weil er dem Whiskey eines Morgens zu sehr zugetan ist. Bei der traditionellen Totenwache versammeln sich Freunde und Familie und trauern zunächst um den guten Tim. Doch irgendwann gibt es Whiskey und aus der Trauer wird ein Gelage – das schlussendlich in Streit mündet. Bei dieser Gelegenheit fliegen auch die Whiskeyflaschen. Eine davon landet auf Finnegans Totenbett und der Alkohol benetzt seine Lippen. Das weckt ihn umgehend auf und er ist wegen des rüden Umgangs mit gutem Alkohol außer sich.

Aber alle sind froh, dass er wieder da ist. Aus der Totenwache wird schließlich eine fröhliche Party. Der Whiskey, der Finnegan das Leben kostete, weckt ihn am Ende also wieder auf. Und Wake heißt ja neben Wache auch erwachen. Diese Parabel auf das Leben hat auch James Joyce zu seinem Roman Finnegans Wake inspiriert. Auch zu diesem Song erfahren Sie in einem eigenen Artikel weitere Details.

Raglan Road

Raglan Road ist ein romantischer irischer Song aus neuere Zeit. Der Text stammt vom irische Dichter Patrick Kavanagh. Inspiriert von seiner verflossenen Liebe Hilda Moriarty schrieb er die sehnsüchtigen Zeilen. Eines Abends traf er Luke Kelly von den Dubliners in der Bailey Bar in Dublin. Die beiden kamen auf das Gedicht zu sprechen. Luke Kelly kombinierte den Text mit der Melodie von Dawning of the Day und schuf so einen modernen Klassiker, der von vielen anderen Künstlern gespielt wurde. Doch Luke Kellys Version hat noch immer eine ganz besondere Kraft.

The Auld Triangle

The Auld Triangle ist ein rauer irischer Song, der vom Leben in einem Gefängnis erzählt. Er erschien zuerst als Eröffnungssong des Theaterstücks The Quare Fellow von Brendan Brehan im Jahr 1954. Brehan selbst hatte wegen seiner Verbindungen zur IRA im Gefängnis Mountjoy gesessen. Er hatte also Erfahrungen aus erster Hand – und zunächst glaubten alle, er hätte das Lied selbst geschrieben. Doch tatsächlich stammt der Song von seinem Bruder Dominic. Die Musikalität lag offensichtlich in der Familie, denn Brendan Brehans Onkel schrieb The Soldier Song, die heutige Nationalhymne der Grünen Insel. Brehan selbst bezeichnete sich übrigens als Trinker mit einem Schreibproblem. Dieses Umstand teilt er in gewisser Weise mit Shane MacGowan von den Pogues, die den Song folgendermaßen interpretieren:

The Wild Rover

Bei The Wild Rover handelt es sich um einen absoluten Klassiker. Der Song ist der irische Gassenhauer schlechthin. Nahezu jede Irish-Folk-Band hat das berühmte Lied im Programm. Und es gibt ihn auch auf Deutsch: unter dem Namen An der Nordseeküste von Klaus und Klaus. Manche behaupten, der berühmte irische Song wäre über 400 Jahre alt. Sein genaues Alter ist unklar, aber er stammt mindestens aus dem 18. Jahrhundert. Der Text schildert die Erlebnisse eines verlorenen Sohns, der sein ganzes Geld für Whiskey und Bier auf den Kopf haut. Aber irgendwann verspricht er reumütig nach Hause zurückzukehren. Das Lied ist sozusagen die irische Version der biblischen Geschichte.

Galway Races

The Galway Races ist der Name eines bekannten Pferderennens, das auch heute noch jedes Jahr unzählige Besucher anzieht. Der Song dazu stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Im Text findet das Spektakel an einem 17. August statt. Der unbekannte Autor schildert die lebhafte Atmosphäre, die einem großen Volksfest gleicht. In vielen Versen beschreibt er vor allem all die verschiedenen Besucher des Rennens: Sie kommen aus allen Ecken Irlands und haben die unterschiedlichsten Religionen. Es gibt Verheiratete und Unverheiratete – genauso wie Musiker und Tänzer. Trotz all dieser Unterschiede herrscht eine große Harmonie und alle fiebern mit, als das Rennen schließlich losgeht. Der Song steht für die große Gastfreundschaft der Iren. Luke Kelly, The Clancy Brothers und The Pogues haben Versionen dieses Songs aufgenommen.

Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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