Irische Lieder

Whiskey in the Jar – Bedeutung des irischen Volkslieds

Whiskey in the Jar
Written by Monika Dockter

Seit jeher ist Irland ein Land nicht nur voller Geschichte, sondern auch voller Geschichten und Musik. Besonders eindrücklich ist es, wenn diese beiden sich miteinander verbinden, so wie in den unzähligen Balladen des Irish Folk. Eine davon ist der weltbekannte Song „Whiskey in the Jar“, eine Mischung aus Räuberballade und Trinklied. Mit Pathos und gleichzeitig Witz erzählt „Whiskey in the Jar“ die Geschichte eines tragischen Helden, vereint mit einem Loblied auf den schmackhaften Gerstensaft im Kruge …

Die Bedeutung von „Whiskey in the Jar“

Es geht um einen Straßenräuber und seine Geliebte

„Erzählt“ wird die Geschichte in Ich-Form von dem erwähnten Straßenräuber. Wie alle Mitglieder des Berufsstandes der Wegelagerer lauert er an Straßenecken und hinter Hecken und Büschen seinen möglichst reichen Opfern auf.

So begegnet er eines Tages in den einsamen Bergen Kerrys einem Captain namens Farell. Mit einem drohenden „stand and deliver!“  zieht der Räuber zuerst seine Pistole, dann den Degen und reißt dem Captain den prallen Beutel voller Münzen aus der Hand.

Stolz bringt er die Münzen, seinen pretty penny, nach Hause zu seiner Frau beziehungsweise Geliebten Jenny. Voller Freude schwört sie ihm, ihn niemals zu verraten. Doch während der kühne Räuber zu Bett geht und von Gold und Juwelen träumt, schmiedet seine Liebste eigene Pläne.

Verrat!

Finstere Pläne, um genau zu sein. Denn entgegen ihrer Worte will sie nichts anderes, als ihren Mann dem Bestohlenen auszuliefern. Sie klaut seinen Degen und füllt die Zündhütchen seiner Pistole mit Wasser, dann schickt sie nach Captain Farell.

Es kommt, wie es kommen muss. Als der Räuber morgens aufsteht, um sich wieder auf Raubzug zu begeben, stehen Captain Farell und seine Soldaten vor seiner Tür. Alle Gegenwehr ist nutzlos, nachdem Jenny seine Pistole so hinterhältig präpariert hat, und er wird gefangen genommen.

Glücklicherweise gelingt es ihm später, aus dem Gefängnis zu entkommen, und er macht sich auf den Weg zu seinem Bruder, der in der Armee dient. Sobald er diesen gefunden hat, will er mit ihm gemeinsam durch die Hügel streifen, denn eines ist sicher: Sein Bruder wird ihn besser behandeln als die verräterische Jenny…

Dem Whiskey nicht abgeneigt

Der Räuber erzählt die Etappen seiner Geschichte in verschiedenen Strophen, und nach jeder Etappe kommt er auf den Whiskey zu sprechen. Den Gerstensaft, wie er ihn nennt, den er schon früh am hellen Morgen genießt, um hübschen Jungfern den Hof zu machen.

So lautet der Refrain nach jeder einzelnen Strophe:

Mush-a ring dum-a do dum-a da,

Wack fall the daddy-o, wack fall the daddy-o

There’s whiskey in the jar.

Dabei handelt es sich bei den ersten beiden Zeilen vermutlich um „nonsense –lyric“. Dichtung, die keine richtige Bedeutung hat, sondern nur ihres Klanges wegen verwendet wird.

Die Entstehung des Songs Whiskey in the Jar

Vorbild ist ein irischer Straßenräuber

Der traditionelle Song stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch sein Verfasser und genauer Ursprung sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass er aus einer anderen Ballade mit dem Titel „Patrick Fleming“ entstand. Auch Patrick Fleming war ein Straßenräuber, der im Jahr 1650 für seine Taten hingerichtet wurde.

Fest steht jedenfalls, dass die Straßenräuberei im 17. Jahrhundert weit verbreitet war. Nicht nur in England, Irland und Schottland besaßen diese Räuber gerade beim einfachen Volk Heldenstatus, auch unser Land besaß derartige Volkshelden wie den Schinderhannes oder den bayrischen Hiasl.

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Selbstverständlich verteilten sie nicht alle wie Robin Hood, der bekannteste unter ihnen, ihre Beute unter die Armen. Doch zumindest beraubten diese Männer die Reichen und Herren des Landes und verschafften den Armen damit ein Stück Genugtuung. Speziell in Irland war diese Genugtuung noch verbunden mit einer tiefen Liebe zu ihrer von den Briten unterdrückten Heimat. Kein  Wunder also, dass „Whiskey in the Jar“ aus der im Grunde tragischen Geschichte eines Straßenräubers eine recht fröhliche, mitreißende und sogar patriotische Angelegenheit macht!

Der Song wandert nach Amerika aus

Vermutlich mit einigen irischen Auswanderern gelangte der Song „Whiskey in the Jar“ bis nach Amerika. Wie in Irland war er dort wegen seiner respektlosen Haltung gegen die britische Obrigkeit während der Kolonialzeit sehr beliebt. Auf diese Weise entstanden die unterschiedlichsten, stets in Amerika angesiedelten, Versionen davon.

In Massachusetts beispielsweise handelt er von einem irisch-amerikanischen Soldaten namens Alan McCollister. Dieser wird zum Tode verurteilt, weil er die Briten beraubte. Selbst im amerikanischen Bürgerkrieg sangen die irischen Truppen „We’ll fight for Uncle Sam“ zu der Melodie von „Whiskey in the Jar“.

In den 1960er-Jahren schaffte der Folksong es sogar bis nach Israel, als das Yarkon Bridge Trio mit der hebräischen Version „Siman she’ata sta’ir“ auftrat.

Whiskey in the Jar und seine bekanntesten irischen Variationen

Last, but not least, gibt es natürlich auch in Irland die unterschiedlichsten Versionen und musikalischen Interpretationen davon.

Textlich variieren zum Beispiel die Namen: Mal wird der Captain zum Colonel und Farell zu Pepper, ein andermal Jenny zu Molly oder Ginny. Ebenso die Örtlichkeiten: Neben Kerry werden viele andere irische Orte zum Schauplatz des Geschehens: Cork, Sligo Town, Kilmoganny.

Unterscheiden können sich auch die Einzelheiten des Verrats. Aus dem Wasser, mit dem Jenny die Pistole füllt, wird zuweilen Sand. Mitunter verrät die Geliebte ihn nicht direkt an den Bestohlenen, und manches Mal verliert der Held am Ende sein Leben.

Die musikalisch wohl populärsten irischen Aufnahmen heute stammen von The Dubliners, Thin Lizzy, U2, Christy Moore und etlichen anderen.

Die fast schon legendäre Band The Dubliners, veröffentlichte den Song seit 1967 schon mehrmals. Das letzte Mal im Jahr 1990, gemeinsam mit den Pogues.

Thin Lizzy’s Single stand 1972 siebzehn Wochen lang an der Spitze der irischen Charts. Seitdem wurde ihre Version von vielen anderen, unter ihnen U2, gecovert.

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Ebenfalls mit einer Coverversion aus dem Jahr 1998 gewann die amerikanische Heavy Metall Band Metallica einen Grammy Award.

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Zum guten Schluss findet Ihr hier die Version von Christy Moore, der 2007 zu Irlands „greatest living muscian“ ernannt wurde.

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Viel Spaß beim Mitsingen!

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Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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