Irische Bands

The Dubliners – Legenden des Irish Folk

The Dubliners
Heike Fries
Written by Heike Fries

Geht es Dir auch so? Wenn ich an irische Musik denke, kommt mir sofort Irish Folk in den Sinn. Fröhlich und manchmal melancholisch geht diese Musik auf direktem Weg ins Ohr, in die Beine und ins Herz.

Meine erste Begegnung mit Irish Folk hatte ich schon in der Schulzeit. Damals waren mein Freund ich zum ersten mal in Irland. Wenn Du selbst schon einmal dort warst kennst Du sicher die tollen Musik-Sessions in einem Irish Pub. Es ist eng und laut – und einfach toll. Die Iren sagen auch craìc dazu, das heißt soviel wie Spaß und geselliges Beisammensein. Davon wollten wir nach unserer Rückkehr aus Irland mehr und besorgten uns CDs mit irischen Songs. An den Dubliners führte da natürlich kein Weg vorbei.

Wahnsinn, diese Bärte und dann diese Musik – fantastisch. Was ich damals nicht wusste: Die Dubliners blickten zu diesem Zeitpunkt schon auf eine ellenlange und wechselvolle Geschichte zurück. Ich gebe zu, bis zum Schreiben dieses Artikels waren die Dubliners für mich gleichbedeutend mit toll gespielten irischen Liedern. Die Musik reichte mir vollkommen aus, die Geschichte der Band spielte für mich kaum eine Rolle.

Dabei ist der Werdegang der Musiker abenteuerlich und unglaublich – fast so als wäre er einem ihrer Songs entsprungen. Ja, es waren die wilden Sechziger – aber solch einen Rock’n’Roll-Lifestyle hätte ich den bärtigen Männern mit den akustischen Instrumenten nicht zugetraut.

The Dubliners: Die Geburt einer Legende

The Dubliners

The Dubliners auf dem Cover von “Together Again” von 1979

Als sich die Band im Jahr 1962 gründete hieß sie schlicht und ergreifend the Ronnie Drew Folk Group. Geburtsort der irischen Musiklegende war O’Donoghue’s Pub in Dublin, wo Ronnie Drew, Luke Kelly, Barney McKenna and Ciarán Bourke ihre ersten Auftritte absolvierten. Sie spielten typisch irische Songs, darunter auch traditionelle Rebel Songs, die seit jeher in Irland gesungen wurden und sich meist gegen die englische Besatzung richteten.

In Irland hatten Widerstand und Rebellion immer schon eine gewisse Tradition. Es gab auch eine Menge Anlass für Protestsongs – erst recht in den von Armut geprägten 60ern und 70ern. Aber die Dubliner standen stets auch für witzige, unkonventionelle und melancholische Songs, die sie mit unglaublicher Leidenschaft und Spielfreude vortrugen. Kein Wunder, dass sie damit bald die ganze Welt begeistern sollten.

Der erste Schritt zur Weltkarriere fand außerhalb Irlands statt, als die Band 1963 beim Edinburgh Festival in Schottland auftrat. Die irischen Klänge begeisterten den damaligen Boss von Transatlantic Records so sehr, dass die Band schon 1964 im Studio stand und erste Aufnahmen für die Plattenfirma machte.

Als John Sheahan im gleichen Jahr zur Band kam, waren die legendären Dubliners geboren. Alle fünf waren großartige Musiker, die nichts lieber wollten, als zu spielen und das Publikum zu begeistern. Der Wunsch sollte sich erfüllen, jedoch in weitaus größerem Maßstab, als die fünf Musiker sich das erträumt hatten.

In sieben durchzechten Nächten einmal um die ganze Welt

Der Durchbruch kam im Jahr 1967. Er war Startschuss für eine lange, wilde und erfolgreiche Karriere: Es klingt wie ein verrücktes Drehbuch, ist aber alles so passiert: In nur einem Take nahmen die Dubliners den Song ‘Seven Drunken Nights‘ auf – ein traditionelles irisches Trinklied. Der Song erzählt von einem Ehemann, der sieben Nächte hintereinander betrunken nach Hause kommt und immer neue Hinweise darauf findet, dass seine Frau ihn betrügt. Jede Nacht versucht sie ihm mit absurden Erklärungen vorzugaukeln, dass er falsch liegt. Der Song ist witzig und die letzten beiden Strophen gelten noch immer als so anzüglich, dass sie selten gesungen werden.

Auch die Dubliners begnügten sich in ihrer Version mit den ersten fünf der sieben Strophen. Doch der staatliche Radiosender RTE wollte den Song selbst in der zahmen Variante nicht spielen. Glücklicherweise fiel ‘Seven Drunken Nights’ einem Piratensender in die Hände, der ihn zwischen Songs von den Beatles, the Mamas and the Papas, the Who, den Kinks und Jimi Hendrix zu seinen Hörern schickte.

Dieser Freibeuterstreich machte die Dubliners über Nacht berühmt. Die fünf bärtigen Iren tourten von da an um die ganze Welt, feierten Charts-Erfolge und bekamen goldene Schallplatten und andere Preise. Für die Band war es eine exzessive Zeit. Der Tagesablauf bestand aus Auftritten, feiern und trinken – und das Ganze wieder von vorne. Dieser wilde Lebensstil zeigte im Jahr 1974 erste Spuren: Ciarán Bourke brach mit einem Blutgerinnsel im Hirn auf der Bühne zusammen. Nachdem er sich zunächst erholt hatte und zur Band zurückkehrte, starb er Jahre später leider doch daran.

Die Band geht neue Wege

In den 70ern kam es außerdem zu einigen Besetzungswechseln und Aus-und Wiedereintritten innerhalb der Band. Einen großen Rückschlag erlitten die Dubliners schließlich 1984, als Luke Kelly an einem Hirntumor starb. Allen Wechseln und Verlusten zum Trotz machten die Dubliners weiter. Doch die wilden 60er und 70er waren vorüber und es wurde ruhiger um die Band. Ein neuer Anlauf: Die Dubliners setzen die Segel neu.

Die Karriere der Dubliners nahm neuen Anlauf, als ein Freund sie im Jahr 1987 mit der Band The Pogues bekannt machte. Die Jungs aus London mit irischen Wurzeln nahmen anschließend mit den Dubliners den Klassiker ‘Irish Rover‘ auf. Der Song landete umgehend in den Charts und für die Dubliners begann eine neue Phase des Erfolgs.

Sie tourten wieder, nahmen neue Platten auf und verbreiteten Irish Folk weiterhin um die ganze Welt. Bis 2012. Dann war Schluss. Mit Barney McKenna starb das letzte Gründungsmitglied der Band und damit endetet die lange und erfolgreiche Ära der Dubliners.

Ihr Einfluss auf die Musikwelt war immens. Während ihrer 50jährigen Bandgeschichte lösten sie eine weltweite Folk-Welle aus, die zahlreiche Musiker inspirierte und Fans begeisterte. Vor allem der große Erfolg in Deutschland war der Band ein Rätsel, denn viele Fans hierzulande verstanden die Texte nicht. Aber Musik funktioniert eben über alle Sprachgrenzen hinweg. Und die Liebe der Deutschen zu Irland ist ja ohnehin grenzenlos.

In ihrer langen Geschichte haben die Dubliners 31 Alben veröffentlichte. Mehr als die Hälfte davon sind Live-Aufnahmen. Denn die wundervollen Live-Auftritte, der craìc, das war schon immer die überragende Stärke der Band.

Die verbliebenen Bandmitglieder entschieden sich 2012 dazu, das Erbe weiterzuführen und gründeten die Dublin Legends. Ganz im Sinne der Dubliners: Mit viel Spaß einfach weitermachen und sich niemals unterkriegen lassen.

Zu guter Letzt

Wer über die Dubliners schreibt kommt an einer kurzen Erwähnung des großen James Joyce nicht vorbei. Denn der Name der Band entstammt einem Buch des irischen Schriftstellers. Sowohl die Dubliners als auch James Joyce waren Freigeister – alle auf ihre Art. Während die Dubliners mit unbändiger Lebens- und Spielfreude überzeugten, war James Joyce wohl ein schwieriger Zeitgenosse. Er hatte Probleme mit Kollegen und fand nur schwer einen Verleger.

Da lief es für die lebensfrohen Dubliners leichter. Einen großen Einfluss in ihrem Bereich hatten beide. Sowohl Die Dubliners als auch James Joyce haben das Bild der Iren in der Welt geprägt: Der eine als exzentrischer, hochtalentierter Schriftsteller, die anderen als bärtige, wilde Kerle, denen die Musik nur so in den Schoß zu fallen schien. Für beides steht Irland heute immer noch: Große Literatur und tolle Musik.

Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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