Irische Lieder

The Rose of Tralee Song – Seine Geschichte

Rose of Tralee
Written by Heike Fries

The Rose of Tralee Song ist ein bittersüßer Irish Folk Song, der von einer unsterblichen Liebe zu einer jungen Frau namens Mary erzählt. Er entstand im 19. Jahrhundert. Die Musik stammt von Charles William Clover und den Text hat vermeintlich der englische Dichter Edward Mordaunt Spencer geschrieben. Doch im irischen Tralee sind die Menschen seit jeher davon überzeugt, dass ein Dichter aus ihrem beschaulichen Ort das Lied geschrieben hat. Hier lest Ihr die berührende Geschichte, die man sich in Tralee noch heute erzählt. Ob sie wahr ist? Wer weiß?

Der Song Rose of Tralee erzählt eine tragische Liebesgeschichte

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Die katholische Mary O’Connor aus Tralee war siebzehn Jahre alt und arbeitete als Hausmädchen bei einer reichen protestantischen Familie. Eines Tages betreute sie gerade die kleinen Kinder der ältesten Tochter der Familie, als diese zusammen mit einem jungen Mann das Kinderzimmer betrat. Es war William Pembroke Mulchinock, der Sohn der Familie, der seine Nichten und Neffen kennenlernen wollte.

Doch sein Blick fiel auf Mary und es war sofort um ihn geschehen. Sie bemerkte seine Gefühle jedoch nicht. Denn sie war eine Hausangestellte und der reiche Sohn Ihrer Arbeitgeber war für sie ohnehin unerreichbar. Doch William sah das anders. Von da an nahm er jede Gelegenheit wahr, in ihrer Nähe zu sein. Er schrieb ihr auch ein wunderschönes Gedicht, in dem er sie als bezaubernde Rose von Tralee verewigte. Und schließlich verliebte sich auch Mary in ihren Verehrer. Jedoch war ihr klar, dass daraus keine ernsthafte Beziehung entstehen konnte.

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Dennoch verbrachte William viele Abende bei Mary und ihren Eltern, die jedoch wenig erfreut darüber waren. Und auch seine Eltern rieten ihm von weiteren Avancen ab. Doch William blieb hartnäckig und macht seiner Mary schließlich einen Heiratsantrag. Ihr Herz hüpfte und sie hätte so gerne ja gesagt. Doch sie lehnte ab, da solch eine Verbindung nur in einer Tragödie enden konnte. William war untröstlich, ließ sich aber nicht entmutigen. Er glaubte weiterhin unbeirrt an eine gemeinsame Zukunft.

Ein unglücklicher Zwischenfall

Doch zunächst kamen ihm andere Dinge dazwischen. Als wohlhabender Erbe war er auch Teil des politischen Geschehens vor Ort. Eines Tages kam es zu einem bedeutenden Treffen, denn der Clan der O‘Connells wollte die langjährige Vormachtstellung der Dennys im Rat brechen und die kommende Wahl gewinnen. Deshalb hielten die O‘Connells eine große Versammlung in Tralee ab, zu der Tausende anreisten. Auch William war zugegen.

Doch eines Abends kam es zu hitzigen Auseinandersetzungen. Zunächst fielen unfreundliche Worte und dann sprachen schließlich die Waffen. Ein Mann namens Leggett fühlte sich angegriffen und zog sein Schwert. Beim Versuch, sich zu verteidigen, streckte ein anderer ihn nieder.

William beobachtete die Szene entsetzt. Doch die Tragweite der Situation war ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Denn derjenige, der Leggett verletzt hatte, stand unter seinem Kommando. Das erfuhr er erst, als ein erfahrener Hauptmann namens Fairfield ihn beiseite holte: „William, auch wenn es ungerecht erscheint, wenn Leggett stirbt, seid Ihr für seinen Tod verantwortlich.“ William erschrak.

Eine schlechte Nachricht

Aufgewühlt suchte er Mary auf und hielt kurzerhand erneut um ihre Hand an. Zu seiner Überraschung sagte sie ja. Doch die Freude wurde jäh unterbrochen. Denn plötzlich hämmerte der beste Freund Williams, Bob Blenerhasset an die Tür. Und er hatte keine guten Nachrichten im Gepäck: „Leggett ist gestorben und mehrere Männer sind schon auf dem Weg hierher, um dich festzunehmen. Die Zeit drängt, du musst weg.“

Bob drückte William einhundert Goldstücke in die Hand, überließ ihm sein Pferd und forderte ihn auf, sofort zum Hafen zu reiten. Dort würde in Kürze ein Schiff ablegen und ihn aus der Gefahr bringen. William zögerte zunächst, doch dann küsste er Mary und sagte: „Liebste, ich muss gehen. Warte auf mich, denn ich komme bestimmt wieder.“

Williams Heimweh

Dann floh er – und kam schließlich ins ferne Indien, wo er als Kriegskorrespondent arbeitete. Oft vertrieb er sich die Einsamkeit und das Heimweh damit, dass er an sanfte Sommertage in seiner Heimat Irland dachte – und an seine geliebte Mary. Er fügte dem Gedicht, das er in Tralee für sie geschrieben hatte, schließlich noch einige Zeilen hinzu. Wenn er sie wiedersah, würde er es ihr zeigen.

Die Engländer hatten in Indien eine Menge Verluste hinzunehmen. Eines Tages entdeckte William zwischen den Gefallenen einen Mann aus seiner irischen Heimatstadt. Er suchte den Kommandanten auf, der damals nur Old Gough genannt wurde. Denn William fühlte sich mit dem verstorbenen Soldaten verbunden und wollte dessen Habseligkeiten an sich nehmen, um sie den Hinterbliebenen in Tralee zu bringen, wenn er dorthin zurückkehren könnte.

Der Kommandant wurde neugierig und fragte, was William so weit von seiner Heimat tat. Der erzählte Old Gough von dem unglücklichen Vorfall und der Strafe, die ihn zu Hause unrechtmäßig erwartete. Der Kommandant erkannte die Ungerechtigkeit und versprach, seinen Einfluss spielen zu lassen.

Die Heimkehr

Und so geschah es, dass an einem schönen Frühlingstag im Jahr 1949 ein Mann aus einer Kutsche in Tralee stieg, den zunächst niemand erkannte. William war wieder zu Hause. Er suchte das Kings Arms auf, den Pub, den er früher so oft besucht hatte. Doch der Mann hinter der Theke war ein Fremder, der den Pub erst seit kurzem führte. Deshalb erkannte auch er William nicht.

„Wie kann ich Ihnen helfen, Sir?“, fragte der Mann. „Geben Sie mir einen Cognac, denn ich habe etwas Besonderes zu feiern“, antwortete William und lächelte. „Der Pub hat sich in all den Jahren kaum verändert“, sagte William mit einem Lächeln. „Sie kennen Tralee?“fragte der Barkeeper. „Ich bin hier geboren. Aber meine Seele war viele Jahre in Indien gefangen. Aber jetzt bin ich zurück, um endlich die Liebe meines Lebens zu heiraten“, antwortete William.

„Das muss eine große Liebe sein, wenn sie so lange auf sie gewartet hat. Aber bitte entschuldigen Sie, ich muss gleich die Vorhänge zuziehen. Jeden Moment kommt ein Trauerzug vorbei“, erwiderte der Mann. William erschrak: „Das ist aber kein gutes Zeichen, wenn es am Tag meiner Rückkehr eine Beerdigung gibt. Wer ist gestorben?“

„Eine junge Frau aus dem Ort. Mary O’Connor, sie war gerade einmal 29 Jahre alt“, sagte der Barkeeper. Doch William hörte ihn nicht mehr. Alles wurde schwarz und Trauer legte sich wie ein dunkler Schleier über ihn.

Die Trauer

Von da an hatte er nur noch Mary Grab – und eine unendliche Traurigkeit. Ein paar Jahre später heiratete er eine andere Frau, wanderte mit ihr nach New York aus und gründete eine Familie. Doch seine Trauer um seine wahre Liebe ließ die Beziehung schließlich zerbrechen. Im Jahr 1855 kehrte er gramgebeugt in seine Heimat zurück. Dort suchte er Trost im Alkohol. Er starb schließlich am 13. Oktober 1864 mit nur 44 Jahren. Kurz zuvor hatte er noch einen weiteren Vers zu seinem Gedicht für Mary hinzugefügt.

Der Wahre Urheber des Rose of Tralee Songs

Ob diese bittersüße Liebesgeschichte wahr ist, lässt sich nur vermuten. Doch eine wissenschaftliche Untersuchung der Linguistin Dr. Andrea Nini aus dem Jahr 2019 hat mittlerweile endgültig für Klarheit gesorgt, wer den Text zum Rose of Tralee Song tatsächlich geschrieben hat.

William Pembroke Mulchinock hatte sein Gedicht Smile Mary My Darling vermutlich an verschiedene Herausgeber geschickt. So gelangte es schließlich in die Hände des englischen Dichters Edward Mordaunt Spencer, der es kurzerhand als sein eigenes ausgab und im Jahr 1846 in einem Gedichtband namens The Heir of Abbotsville veröffentlichte. Daraus entstand schließlich als Adaption der bekannte Folk Song.

Auch wenn William Pembroke Mulchinocks Leben tragisch endete und er nie sein Liebesglück fand, erfuhr er zumindest als Dichter posthum Gerechtigkeit. Denn genau wie seine Landsleute es schon immer vermutet hatten, stammt der Text zu The Rose of Tralee Song eindeutig von ihm.

Rose of Tralee Songtext

The pale moon was rising above the green mountains,
The sun was declining beneath the blue sea;
When I strayed with my love to the pure crystal fountain,
That stands in the beautiful Vale of Tralee.

She was lovely and fair as the rose of the summer,
Yet ‚twas not her beauty alone that won me;
Oh no, ‚twas the truth in her eyes ever dawning,
That made me love Mary, the Rose of Tralee.

The cool shades of evening their mantle were spreading,
And Mary all smiling was listening to me;
The moon through the valley her pale rays was shedding,
When I won the heart of the Rose of Tralee.

She was lovely and fair as the rose of the summer,
Yet ‚twas not her beauty alone that won me;
Oh no, ‚twas the truth in her eyes ever dawning,
That made me love Mary, the Rose of Tralee.

In the far fields of India ‚mid war’s bloody thunders,
Her voice was solace and comfort to me,
But the cool hand of death has now torn us asunder,
I’m lonely tonight for my Rose of Tralee.

She was lovely and fair as the rose of the summer,
Yet ‚twas not her beauty alone that won me;
Oh no, ‚twas the truth in her eyes ever dawning,
That made me love Mary, the Rose of Tralee.

She was lovely and fair as the rose of the summer,
Yet ‚twas not her beauty alone that won me;
Oh no, ‚twas the truth in her eyes ever dawning,
That made me love Mary, the Rose of Tralee.

Über den Autor

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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