Irische Lieder

Wild Mountain Thyme – Song-Geschichte & -Bedeutung

Wild Mountain Thyme
Heike Fries
Written by Heike Fries

Wild Mountain Thyme (auch bekannt als Purple Heather oder Will Ye Go Lassie, Go) ist ein wunderschöner Folk-Song. Mit seiner sanft-melancholischen Melodie sorgt er für die unwiderstehliche Anziehungskraft, die den meisten irischen Liedern zu eigen sind. Diese wunderbare Musik ist doch sicherlich uralt, denkt Ihr beim Hören vielleicht.

Aber der Song ist relativ jung. Er stammt vom nordirischen Musiker Francis McPeake, der ihn wohl irgendwann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrieb. Oder der vielleicht auch ein Lied, das er irgendwo gehört hat, neu arrangierte. Denn ganz genau lässt sich die Entstehungsgeschichte des Songs nicht klären. Wild Mountain Thyme tauchte als Aufnahme – in der uns heute bekannten Form – erstmals im Jahr 1957 auf. Wir begeben uns auf Spurensuche.

Geschichte von Wild Mountain Thyme

Schottische Wurzeln

Vermutlich hat sich Francis McPeake von einem älteren schottischen Song inspirieren lassen: Denn einige Motive darin sind Variationen des Songs The Braes of Balquhither des schottischen Dichters Robert Tannahill (1774–1810) und des schottischen Komponisten Robert Archibald Smith. Vor allem die Textzeile Will ye go, lassie, go? verrät die schottische Inspiration. Denn lassie bezeichnet im Schottischen ein Mädchen. Und damit sind wir auch schon beim Thema des Songs.

Darum geht es in Wild Mountain Thyme

Denn es geht um die Liebe. Und McPeake hat das Lied wahrscheinlich für seine erste Frau geschrieben. Doch die große Liebe zwischen dem Musiker und seiner Frau ging trotz des wundervollen Songs irgendwann in die Brüche. Die letzte Strophe hat wahrscheinlich der Sohn des Musikers später hinzugefügt, weil er die zweite Hochzeit seines Vaters darin einbeziehen wollte. In der letzten Strophe heißt es deshalb sinngemäß:

Wenn meine wahre Liebe nicht mehr kommt
Dann finde ich sicher eine Andere,
mit der ich den Gebirgsthymian pflücken kann,
der rund um das blühende Heidekraut wächst
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Von der Fernsehserie zum Welterfolg

Für die allererste Aufnahme des Songs sorgte der Neffe des Musikers im Jahr 1957, der ebenfalls Francis McPeake hieß. Er sang den Song für eine BBC-Serie namens As I roved out.

Damit begann der Siegeszug des Liedes, das besonders durch den Irish-Folk-Boom der Siebziger ungeheure Popularität erlangte. Unzählige Musiker haben den Song mittlerweile gesungen und aufgenommen, darunter Bob Dylan oder Ed Sheeran.

Es ist auch kein Wunder, dass viele Musiker Wild Mountain Thyme in ihr Repertoire aufnahmen, denn es ist ein bezauberndes Liebeslied, das auf poetische Weise die Natur und die Liebe feiert. Der Autor beschreibt darin aufs Schönste den Thymian und das blühende Heidekraut an dem Ort, an dem er seine Liebe trifft.

Was hat es mit dem Thymian – Thyme – aus dem Lied auf sich?

Ein magisches Kraut

Und vielleicht bezieht sich der Text auch auf einen alten keltischen Brauch. Junge Frauen trugen Thymian, Lavendel oder Minze im Haar. Denn neben dem betörenden Duft sollte das die Trägerin auf magische Weise attraktiver machen und den richtigen Mann anziehen. Denn Kräuter und Pflanzen spielten seit jeher auch in Liebestränken oder anderen Zaubern eine Rolle. Und dem Thymian werden ganz besondere Kräfte nachgesagt.

Ursprünglich stammt das duftende Kraut mit den violetten Blüten aus dem Mittelmeerraum. Aber die Römer sorgten dafür, dass es sich auch im nördlicheren Europa verbreitete.

Schon die Römer selbst glaubten an die magischen Kräfte des Thymians. Jeder, der in Wasser badete, das mit Thymian versetzt war, erlangte in ihrer Vorstellung Mut und Stärke. Vermutlich ist dieser Brauch Ursprung dafür, dass im Mittelalter Frauen ihren Liebsten einen Thymianzweig an den Helm steckten, bevor diese in den Kampf zogen – für mehr Stärke und als Schutz.

Tee gegen Albträume

In Schottland wurde Thymian-Tee früher gerne getrunken, um Albträume zu vertreiben und ebenfalls Mut und Stärke zu verleihen. Insgesamt sorgt der Duft auf jeden Fall für Wohlbefinden und gute Laune. Im Volksglauben soll das Verbrennen des Krautes außerdem böse Geister und Krankheit aus dem Haus vertreiben.

Ein tolles Gewächs also. Und auch als Heilkraut hat es einiges zu bieten. Denn der schmackhafte Tee vertreibt nicht nur böse Träume, sondern lindert auch hartnäckigen  Husten. Und Thymian eignet sich natürlich auch wunderbar, um Speisen einen duftig-würzigen Geschmack zu verleihen.

Das Lieblingsgewächs der Feen

Solch ein Wunderkraut bleibt natürlich auch der Feenwelt nicht verborgen. Und Thymian ist eines ihrer Lieblingskräuter. Deshalb haben die Menschen früher in Schottland und Irland wilden Thymian lieber nicht geerntet – sondern ihn den Feen überlassen. Vielleicht haben die sich daraus auch mutmachenden Tee gebraut – oder den Duft und den leckeren Geschmack genossen. Und wer mehr Magie in sein Leben bringen wollte, hat angeblich reichlich Thymian in den Garten gepflanzt, um die magischen Wesen anzulocken.

Wenn Sie also einen Hauch Magie erleben möchten und einen Garten haben, pflanzen sie ein wenig Thymian. Oder legen sie einfach Wild Mountain Thyme auf, trinken dabei einen schönen bestärkenden Tee und träumen von blühendem Heidekraut und duftendem Thymian auf der Grünen Insel.

Deutsche Übersetzung von Wild Mountain Thyme

Es existieren verschiedene Versionen davon.

O die Sommerzeit ist gekommen
Und die Bäume blühen,
wo der wilde Bergthymian
rund um das blühende Heidekraut wächst
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Und wir werden zusammen gehen,
um wilden Gebirgsthymian zu pflücken,
der rund um das blühende Heidekraut wächst
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Ich werde meiner Liebe eine Laube bauen,
bei der kristallklaren Quelle
Und rund herum werde ich verstreuen
All die wilden Blumen des Berges
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Ich werde durch das Land streifen
Und durch die dunkle Schlucht,
um mit Beute zurückzukehren
zur Laube meiner Liebsten
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Wenn meine wahre Liebe nicht mehr kommt,
dann finde ich sicher eine Andere
mit der ich Gebirgsthymian pflücken kann,
der rund um das blühende Heidekraut wächst
Willst du gehen, Mädchen? Willst du gehen?

Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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