Irische Mythologie

Hag’s Head Legende – Eine verschmähte Liebe

Hags Head Legende
Written by Nadja Uebach

Die alten irischen Legenden haben viele Gesichter. Es sind Geschichten, die über unzählige Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben und im Mittelalter in Form der mythologischen Zyklen schriftlich festgehalten wurden. Diese Mythen erzählen von Göttern, Helden, Riesen, Hexen und anderen Fabelwesen und sind dabei oft an die Landschaft der Grünen Insel gebunden. So auch im Fall der Hag’s Head Legende mit ihrem bis heute bestehenden Schauplatz am südlichen Ende der Cliffs of Moher.

Was dieser Felsen auf der Klippe mit einer Hexe und einem der größten Sagenhelden des Landes zu tun hat, erfahrt Ihr jetzt!

Wo findet man den Hag’s Head?

Die Cliffs of Moher sind mit ihren bis zu 214 Meter hohen steilen Klippenwänden ein echtes Irland-Highlight. Die zahlreichen Geschichten und Legenden, die sich um die Steilklippen ranken, zeugen davon, dass sie schon seit jeher eine zentrale Rolle auf der Grünen Insel spielten.

Neben einer verlorenen Stadt, einem menschenfressenden Aal und sogar einer Meerjungfrau ist das Naturdenkmal zudem der letzte Ruheort einer versteinerten, sagenumwobenen Frau. Genau genommen sind es nicht die gesamten Klippen, sondern lediglich der südliche Endpunkt auf der Halbinsel unterhalb des Moher Towers. Ein Ort, den Ihr am besten von Liscannor aus erreicht, wo der Cliff Walking Trail an einem kleinen Parkplatz beginnt. Nach etwa einer Viertelstunde Fußmarsch kommt Ihr an die Überreste des Moher Towers, der als Wachturm auf dem Gelände der ehemaligen Moher Festung auf der Klippe thront.

Unterhalb des Turms schlängelt sich ein unbefestigter Trampelpfad bis zum Ende der Halbinsel. Dort wartet ein riesiger skurril-geformter Fels, welcher der Legende nach der versteinerte Kopf der Hexe Mal sein soll.

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher, Co. Clare, Irland
©Tourism Ireland

Mal – die Frau der Hag’s Head Legende

Mal ist nur eine von vielen Frauen, die in der irischen Mythologie als Cailleach (zu deutsch Hexe) bezeichnet werden. Besonders an der Westküste gibt es zahlreiche Legenden und Geschichten über diese Cailleacha, die weitverbreitet auch gerne Hag genannt werden.

Neben der Annahme, dass diese Erzählungen, wie in anderen Kulturen auch von Frauen herrühren, die sich mit der Wirkung von Kräutern und anderen Heilmitteln auskennen; werden die keltischen Cailleacha zudem oft mit der gleichnamigen keltischen Göttin in Verbindung gebracht. Sie gilt als die Dunkle oder Verschleierte und ist für die Länge des Winters und Stärke von Stürmen verantwortlich. Als das Gegenstück der „hellen“ keltischen Göttin Brigid, schreibt man der Cailleach, insbesondere im Westen der kleinen Atlantikinsel, die Gestaltung der Landschaft zu.

Was die Cailleach von Hag’s Head jedoch besonders macht, ist die Tatsache, dass sie einen Namen besitzt. Demnach handelt es sich bei der steinernen Gestalt um die Hexe Mal. Abgesehen von der Legende selbst, ist jedoch kaum etwas über Mal bekannt. In manchen Erzählungen wird sie nicht nur als Hexe; sondern als Seehexe bezeichnet, die an der Westküste Irlands ansässig gewesen sein soll.

Die Legende von Mal & Cú Chullain

Cú Chullain wird in den Zyklen der irischen Mythologie als Halbgott und Held dargestellt. Neben dem Cattle Raid of Cooley und seiner außerordentlichen Kampfstärke ist der irische Sagenheld außerdem für unzählige Frauengeschichten bekannt. So auch in der Hag’s Head Legende.

Von der Liebe verfolgt

Abseits der Schlachtfelder verbracht Cú Chullain seine Zeit gemeinsam mit seinen engsten Vertrauten auf der Jagd. Auf einem dieser Jagdausflüge begegnete er der Hexe Mal, die sich auf Anhieb in den Helden verliebte. Dieser zeigte jedoch kein Interesse an ihr und setzte seine Jagd fort, ohne auf ihre Annäherungsversuche einzugehen.

Mal weigerte sich, diese Zurückweisung zu akzeptieren, und reiste Cú Chullain und seinen Männern kurzerhand hinterher. Es heißt, dass sie ihn über die gesamte Grüne Insel verfolgt haben soll; bis sie ihn am heutigen Loop Head schließlich in die Enge getrieben hatte.

Das blutige Ende einer verschmähten Liebe

Auf den Klippen der Loop Head Halbinsel war Mal sich sicher, ihren Angebeteten endlich von ihrer Liebe überzeugen zu können. Wenn er ihr nicht entkommen konnte, musste er sich ihrer annehmen. Doch Mal hatte nicht mit der Stärke eines Halbgotts gerechnet. Denn obwohl Cú Chullain keine Möglichkeit hatte, über Land vor der Cailleach zu flüchten, bot ihm der Atlantik einen Ausweg.

Er verwendete die Seenadeln und kleinen Inseln als Trittsteine, um Mal zu entkommen. Mithilfe des Windes konnte die Hexe den Sagenhelden zunächst verfolgen und ebenfalls über das Meer springen. Als Cú Chullain allerdings die Richtung änderte, um weiter nördlich an den Cliffs of Moher zurück aufs Festland zu springen, änderten sich die Bedingungen für Mal. Ohne den Rückenwind gelang ihr der letzte rettende Sprung an die irische Küste nicht, stattdessen krachte sie in die Klippenwand.
Obwohl ihr Körper zunächst verschwunden war; soll ihr Blut der Hag’s Head Legende nach das Meer in der gesamten Bucht zwischen Liscannor und Doonbeg rot gefärbt haben. Eine Tatsache, die für die Namensgebung der Ortschaft Miltown Malbay verantwortlich sein soll. Erst drei Tage später wurde ihr Kopf zurück an Land gespült. Dort versteinerte er und erinnert bis heute an die verschmähte Liebe der Cailleach Mal.

Hag’s Head: Das mystische Ende der Cliffs of Moher

Wer den Moher Tower am weniger besuchten Südende der Cliffs of Moher hinter sich lässt und sich das dem Meer zugewendete Gesicht von Mal genauer ansieht, soll sogar heute noch ihre Klagelaute hören können.

Außerdem sind die Cliffs of Moher nicht der einzige Ort, der mit Legenden rund um die Cailleach in Verbindung gebracht wird. So ranken sich Geschichten der Winter Göttin beispielsweise auch um Hag’s Mountain im County Clare oder dem Felsen der Hag of Beara im Couny Cork. Zudem beschreiben einige Mythen, dass sie die Cailleach jeden Frühling in Stein verwandelt, um dem Sommer nicht in die Quere zu kommen. Erst zu Samhain (Halloween) erwacht sie wieder zum Leben.

Ob man diesen Geschichten nun Glauben schenkt oder nicht; sind es genau diese Legenden, die Irland fest mit seiner Landschaft, Kultur, Geschichte, Sprache und nicht zuletzt seinen Menschen verbindet und zu etwas ganz Besonderem machen!

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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