Irische Mythologie

Das sind bekannte irische Fabelwesen

Irische Fabelwesen
Written by Monika Dockter

Unter dem Begriff Fabelwesen ganz allgemein versteht man Wesen, die der Phantasie des Menschen entspringen beziehungsweise deren Existenz nicht wissenschaftlich erwiesen ist. Sie sind Gegenstand vieler Erzählungen, Legenden, und – wenn man den Begriff etwas erweitert – auch Mythen. Und vermutlich hat jeder Irlandfan wenigstens eines dieser Wesen auf Anhieb vor Augen: Den Leprechaun. Als Maskottchen des St. Patrick’s Day und beliebtes Souvenir ist er in Irland quasi allgegenwärtig und zu einem unverkennbaren Wahrzeichen geworden. Doch er ist beileibe nicht der einzige seiner Art. Hier geben wir Euch einen kurzen Überblick über die bekanntesten irisch-keltischen Fabelwesen.

Der Leprechaun

Der stets grün und rot gewandete Kobold gilt als Symbol für Glück. Er sammelt nämlich Gold, welches er dann in einem Topf am Ende des Regenbogens versteckt. Wer einen der kleinen Kerle zu sehen bekommt, hat drei Wünsche frei. Aber Vorsicht, Leprechauns gelten als äußerst gewitzt und legen ihre menschlichen Bewunderer gerne herein.

In unserem Artikel Leprechaun – der irische Kobold findet Ihr einen ausführlichen Bericht über die kleinen Rotschöpfe mit dem grünen Hut, um für eine eventuelle Begegnung gerüstet zu sein!

Leprechauns

Der Far Darrig

Der Name dieses Wesens bedeutet Roter Mann, denn er trägt stets einen roten Umhang und Hut. Auch er ist ein Kobold und sozusagen der böse Zwilling des Leprechaun. Bekannt ist der Far Darrig vor allem für seine grausamen Scherze mit den Menschen. So trägt er beispielsweise einen roten Leinensack mit sich, um Menschen zu kidnappen.

Dabei locken die Kobolde ihr Opfer alleine in einen Raum und nutzen ihre bauchrednerischen Fähigkeiten, um einen unmenschlichen Lärm zu veranstalten. Das angsteinflößendste dieser Geräusche, so heißt es, sei das Lachen eines toten Menschen. Jedenfalls lieben sie es, den Menschen Furcht einzujagen und werden gerne zum Stoff menschlicher Alpträume.

Der Kelpie

Als böse Wassergeister suchen Kelpies angeblich Flüsse und Seen heim. Oft erscheinen sie in Gestalt eines wunderschönen Pferdes mit tropfnasser Mähne. Ihr angenehmes Äußeres verführt die Menschen dazu, auf ihrem Rücken zu reiten. Doch kaum sitzt der Reiter, haftet er fest an der Haut des Pferdes, wird von ihm ins Wasser getragen, ertränkt und schließlich verzehrt. Nur Herz und Leber sollen von dem Opfer übrig bleiben.

Laut einigen Überlieferungen können Kelpies auch als attraktive Männer erscheinen oder sind in der Haut eines solchen gefangen. Stiehlt man nämlich dem Kelpie seinen silbernen Zaum stiehlt und versteckt ihn, hält man ihn in menschlicher Gestalt an Land „gefangen“. So gibt es einige Geschichten von Frauen, die mit Kelpie-Männern verheiratet waren. Ansonsten wurde diese Story auch dazu genutzt, Kinder von gefährlichen Flüssen oder dem Wasser im Allgemeinen fernzuhalten.

Merrow, der Meermann oder Wassermann

Der Begriff stammt aus dem Gälischen und bezeichnet einfach ein Wesen aus dem Meer. Im Unterschied zu den bekannteren Meerjungfrauen aus anderen Kulturen besitzen sie einen komplett menschlichen Körper, nur mit riesigen, platten Füßen und Schwimmhäuten an den Händen. Männliche Merrows werden als hässliche Wesen beschrieben, während die weiblichen außergewöhnlich schön sind.

Seine Fähigkeiten zur Fortbewegung im Wasser verdankt der Merrow seiner Kleidung, die von Region zu Region unterschiedlich sein kann. Manche sprechen dabei von einer roten Mütze, andere dagegen von einem Seehund-Umhang. Jedenfalls müssen sie, um sich an Land zu bewegen, dieses jeweilige Kleidungsstück ablegen und können ohne dasselbe nicht ins Wasser zurückkehren.

Ähnlich wie beim Kelpie erzählt man sich auch hier von Menschen, die sich auf diese Weise ein solches Wesen „einfingen“  und heirateten, insbesondere wegen seiner besonderen Schönheit. Sobald der oder die Merrow jedoch ihr Gewand wiederfindet, kann sie nicht anders, als wieder ins Meer zurückzukehren und ihre Familie alleine zu lassen.

Selkies, die Robbenmenschen

In eine ganz ähnliche Rubrik fällt das Wesen namens Selkie – ebenfalls ein bekanntes irisches Fabelwesen. Selkies sind zwar eher in Nordschottland und auf den Orkney-Inseln beheimatet, doch auch in Irland erzählt man sich Geschichten über die geheimnisvollen Wasserwesen.

Im Gegensatz zum Merrow sind sie im Wasser komplett von tierischer Gestalt, also Robben, können jedoch des Nachts ihr Fell ablegen und als Menschen an Land kommen. Wie bei den oben genannten sind auch hier die Frauen außergewöhnlich schön, sodass sich mancher Fischer dazu verleiten ließ, der Selkie ihren Pelz zu stehlen und sie zu seiner Frau zu machen.

Die Kinder aus einer solchen Verbindung, so der Mythos, erkennt man an Schwimmhäuten zwischen ihren Fingern. Oft fürchten sie das Wasser, als wüssten sie, dass sie, einmal ins Meer getaucht, nicht mehr dieselben wären. Findet allerdings die Selkie-Frau ihren Pelz wieder, kehrt sie umgehend ins Wasser zurück, während ihr menschlicher Ehemann krank wird und stirbt.

Insgesamt ist das Geheimnis um die Selkies ein Stoff, der in zahlreiche Bücher und Filme Einzug fand. In den animierten irischen Film Die Melodie des Meeres zum Beispiel, der die Geschichte des Selkie-Mädchens Saoirse und ihrer Familie erzählt.

Der Puca und Dullahan, der kopflose Reiter

Auch diese beiden sind als irische Fabelwesen bekannt, und insbesondere der kopflose Reiter ist darüber hinaus in anderen Kulturen weit verbreitet. Ausführliche Beschreibungen der beiden Wesen findet Ihr in unseren beiden Artikeln zur Puca und zum Dullahan.

Dullahan

Photo by Chris Boese on Unsplash

Der Changeling – das Wechselbalg

Hierbei handelt es sich um ein Kind des Feenvolkes, das dieses gegen ein menschliches Baby ausgetauscht hat.  Laut Legende wäre ein Grund dafür beispielsweise, dass ein Feenkind auf irgendeine Weise beeinträchtigt geboren wurde oder den erwachsenen Feen schlicht nicht schön genug erscheint. Folglich stehlen sie heimlich ein Menschenkind und legen stattdessen ein Feenkind in die Wiege der menschlichen Familie.

Und – so will es die Überlieferung – diese Feenkinder beziehungsweise Changelings machen ihrer Familie alles andere als Freude. Nicht nur haben sie schrumpelige, gelbliche Haut und kreischen und schreien ständig, sondern haben ihre Freude daran, ein Unglück ums andere über ihre Hausgenossen zu bringen.

Im Heranwachsen dann zeigen sich ihre musikalischen Fähigkeiten. Sie spielen ihre Instrumente auf eine geradezu hypnotisierende Weise, die alle Hörer vollkommen in ihren Bann schlägt.

Und damit wären wir bei den Feen angelangt, den – neben dem Leprechaun – vielleicht irischsten aller Fabelwesen.

Die Todesfee Banshee

Man kennt die Feen auch als das Volk der Sidhe, die Bewohner der Feenhügel. Über die Feen gibt es so viel zu berichten, dass wir ihnen demnächst einen ganzen Beitrag widmen. Daher gehen wir heute nur auf eine spezielle Gestalt unter ihnen ein, die Banshee.

Sie gilt als Omen des bevorstehenden Todes: wer sie sieht oder ihren Schrei hört, ist dem Tod geweiht. Dabei erscheint sie einmal als junge Frau, ein anderes Mal als stattliche Matrone, die aber stets ein weißes Gewand trägt. Außerdem kann sie die Gestalt einer Krähe oder eines Wiesels annehmen.

Der Ursprung dieser Fabelgestalt lässt sich jedenfalls bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals gab es Klageweiber, die an den Gräbern traurige Lieder vortrugen. Die stimmbegabtesten Klageweiber waren auf den Beerdigungen der Reichen und Mächtigen zu finden und wurden großzügig entlohnt. So nannten viele Einflussreichen ihre Klageweiber ihre fairy women oder auch bean side (Feen wurden als die begabteren Sänger betrachtet). Damit war die Bezeichnung und möglicherweise auch die Figur der Banshee geboren.

Aber, wie gesagt, nächstes Mal mehr über das faszinierende Volk der Feen…

Banshee

Henry Meynell Rheam [Public domain]

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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