Irische Mythologie

Tailtiu – die irische Festgöttin

Written by Jessica Heiber

Tailtiu war die irische Festgöttin. Doch neben diesem Aspekt stand sie für so vieles mehr – Fruchtbarkeit, Wiedergeburt, das pure Leben. Wir stellen euch die große Erdgöttin aus der keltischen Mythologie vor.

Das Leben der Tailtiu

Sie steht für Kraft, Stärke und Ausdauer. Ihr Name bedeutet übersetzt so viel wie „Große der Erde“. Tailtiu ist eine der bedeutensten Göttinnen aus der keltischen Mythologie. Nicht umsonst wird sie mit der Ebene von Brega in Verbindung gebracht, die sich zwischen den Flüssen Boyne und Liffey befindet. Sie beherbergt uralte Ritualstätten wie Tara, Newgrange und Knowth.

Tailtiu war die Frau des Firbolg Königs Eochaid Mac Eire, was so viel wie „Sohn des Himmels“ bedeutet. Die Firbolg waren ein mythisches Volk, das zu Zeiten des tiefsten Friedens in Irland lebte. Eochaids Frau soll den König während seiner zehnjährigen Herrschaft positiv überstrahlt haben. Es ist unklar, ob sie aktiv Zauber wirkte oder ihre unmittelbare Nähe für seinen Erfolg ausreichte. Geschichtlich ist aber festgelegt, dass das Land während Eires Herrschaft stets fruchtbar war und Irland sein erstes funktionierendes Justizsystem bekam.

Krieg und Kampf brachte erst das Volk der Tuatha De Danann auf die Insel. Nach Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten des Friedens, zog das kriegerische Volk mit den magischen Kräften über die Insel und es kam zu den zwei großen Schlachten von Mag Tuired. In einer dieser Schlachten fiel Eochaid Mac Eire. Nachdem endlich wieder Frieden eingekehrt war, schuf Tailtiu eine Ebene, die vollständig mit Klee bedeckt war, um das verwüstete Schlachtfeld zu reinigen und zu erden.

Tailtiu als irische Festgöttin

Wie kam Tailtiu zu ihrem Titel einer Festgöttin? Der Legende nach wurde sie die Ziehmutter des Sonnengottes Lugh, der kurz nach ihrem Tod zu ihren Ehren eines der großen irischen Jahreskreisfeste ins Leben rief – Lughnasadh. Tailtiu starb bei der harten Arbeit daran, Irland fruchtbar zu halten. Sie opferte sich für ihr Volk, damit es leben konnte. Ihr zweiter Mann, Eochu Garb aus dem Volk der Tuatha De Danann, rodete einen Wald, wo die Erdgöttin begraben wurde. Ihr Ziehsohn schuf einen Hügel in der Ebene Midh, der noch heute als Geisterhügel bekannt ist.

Dort fanden seit dem Sport und Spiele zum Gedenken an die Kraft und Ausdauer Tailtius statt. Damit sind die sportlichen Ereignisse an Lughnasadh älter als die Olympischen Spiele. Sie umfassten verschiedene Heldentaten, Geschicklichkeit mit Waffen, Bardenwettbewerbe und Pferderennen. Damals wie heute finden sie am Todestag der Göttin, dem ersten August, statt.

Die großen Drei

Seit jeher war die Zahl drei für die Kelten eine magische Zahl. Ähnlich wie bei der Heiligen Dreifaltigkeit im Christentum, verbanden sie die Drei mit großen irischen Gottheiten. Diese dreifache irische Gottheit war ein Tor ins Unbekannte, Unfassbare.

Photo by Kate Gundareva/Pexels

Teil der keltischen primären Triaden war neben den Göttinnen Anu und Danu auch Tailtiu. Sie verkörpert die zyklische Natur der Realität und die Herzensgeheimnisse. Anu stand für die Quelle, Danu für die Bewegung und Tailtiu stand für die diesem Zyklus innewohnende Ausdauer. Ihr Symbol ist der Apfel, der in der keltischen Mythologie für Wiedergeburt steht.

Tochter der Anderswelt

Außerdem war Tailtiu eine Tochter der Ebene Mag Mor, was einer der zahlreichen Namen für die Anderswelt ist. Diese ist der Legende nach ein, auf einer anderen Ebene existierende, Wohnort unzähliger magischer Wesen wie Geister, Feen, Kobolde und auch Gottheiten. Diese andere Welt soll unmittelbar neben der menschlichen Welt zwischen Hügeln, hinter dem Nebel und auf dem Grund von Gewässern zu finden sein. Berühmte Beispiele hierfür sind die Sagen von Avalon oder Tir na nOg.

Tailtiu steht für den ewigen Kreislauf des Lebens. Wo Zerstörung herrschte,  hat sie wieder Leben geschaffen. Sie schiebt die Nebel des Todes beiseite und schafft neuen Raum für das Licht. Wir sollten uns in unserer Welt an die Erdgöttin erinnern, wenn uns die Dunkelheit zu nahe kommt, denn oft ist es ganz einfach, die Nebel beiseite zu schieben und einen Zauber zu wirken, der neues Leben hervorbringt.

Über den Autor

Jessica Heiber

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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