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Rathlin Island – eine Insel voller Legenden

Cindy Lenz
Written by Cindy Lenz

Auf Rathlin Island scheint die Zeit langsamer zu vergehen – ja geradezu still zu stehen. Dabei liegt die kleine Insel gerade einmal sechs Kilometer vom nordirischen Festland entfernt. Doch ist Rathlin Island etwas Besonderes. Abgeschottet vom Trubel und der Hektik der westlichen Welt wirkt es beinahe so, als hätten Stress und Sorgen hier gar keine Chance. Als würden sie fortgetragen werden, von der frischen Seeluft und sich unter der bezaubernden Magie, die auf dieser einzigartigen Insel spürbar ist, auflösen.

Rathlin Island in Nordirland

Flächenmäßig ist Rathlin Island durchaus überschaubar. Von Ost nach West misst die L-förmige Insel sieben Kilometer, von Nord nach Süd sind es gerade einmal vier Kilometer. Dafür muss man wohl kein ambitionierter Wanderer sein, um dieses Fleckchen Erde zu Fuß erkunden zu können. Und obwohl Rathlin sich nur sechs Kilometer vom Festland entfernt befindet und die Überfahrt mit der Fähre bloß 35 Minuten dauert, scheint es, sobald der erste Fuß auf die Insel gesetzt wurde, als würde eine völlig neue Welt betreten werden. Denn sobald das Brummen der Fähre in die Ferne rückt, ist nichts mehr wahrzunehmen, außer dem Klang der Natur. Wellen, die sanft an den Ufern ausgleiten. Möwen, die kreischend über die Köpfe hinwegfliegen. Und der Wind, der auf dieser rauen Insel allgegenwärtig ist. Von Stille lässt sich auf Rathlin Island doch nicht sprechen. Denn Hunderte von Vögeln nisten auf diesem Stück Land und erfüllen die Luft mit ihren Stimmen. Doch die innere Stille, die mit einer friedlichen Ruhe und der sanften Idylle auf dieser Insel Einkehr findet, ist unbeschreiblich.

Rathlin Island

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Die Geschichte Rathlins

Auf der ganzen Insel verstreut finden sich Überreste frühmenschlicher Besiedlung. Ganggräber, Grabhügel, Kirchen und Burgen wurden aus und auf den Kalk- uns Basaltsteinen errichtet. Daraus und durch die Untersuchung von Skeletten konnten Wissenschaftler schließen, dass Rathlin Island bereits zwischen 2026 und 1534 vor Christus besiedelt gewesen sein soll.

Da sich die Insel nur etwa 25 Kilometer von Schottland entfernt befindet, stand sie stets im Mittelpunkt um Streitigkeiten über das Eigentum. Einer Erzählung nach soll ein einfacher von der Kirche angeordneter Test ihre Zugehörigkeit zu Irland bekräftigt haben: Wenn eine Schlange auf der Insel überleben konnte, wurde sie als Teil des Festlands und damit zu Schottland zugehörig angesehen. Starb diese jedoch, gehört Rathlin zu Irland.

Mit den Jahrhunderten wurde die Insel Schauplatz unzähliger Auseinandersetzungen und Massaker. So sollen 795 Wikinger hier eingefallen und fast die gesamte Bevölkerung getötet haben. Auch englische Soldaten sollen im Jahr 1575 schottischen Flüchtigen auf der Insel aufgelauert haben. Dabei war das Leben auf Rathlin Island auch ohne die kriegerischen Auseinandersetzungen hart genug. Denn die Insel ist den Gezeiten schutzlos ausgesetzt und all die Bootwracks vor den Küsten machen deutlich, wie gefährlich das Leben der Fischer, der Geflüchteten und der Menschen, die es voller Hoffnung nach Rathlin zog, gewesen sein muss.

Den letzten schweren Kampf mussten die Bewohner 1846 überstehen. Damals zogen rund 500 Menschen auf das Festland, um der Hungersnot zu entkommen und in der Hoffnung, ein besseres Leben zu führen.

Rathlin Island

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Geschichtsträchtige Ereignisse auf Rathlin

Rathlin Island ist nicht nur von zerstörerischen und schaudernden Erlebnissen geprägt. So wurde die Insel Zeuge einiger wichtiger Ereignisse in der Geschichte:

  • Im 14. Jahrhunderte flüchtete der schottische König Robert I. oder auch bekannt als Robert the Bruce nach Rathlin. Er war nicht nur einer der bedeutendsten Herrscher Schottlands, sondern auch Anführer des schottischen Unabhängigkeitskrieges gegen England. Während seines Asyls soll Robert dazu inspiriert worden sein, den Kampf für sein Land wiederaufzunehmen. Dazu soll eine Spinne in einer Höhle beigetragen haben, die siebenmal versuchte, eine Lücke zwischen zwei Felsen zu schließen. Heute gilt Robert I. als schottischer Nationalheld und Rathlin rühmt sich mit der berühmtesten Spinne der Welt.
  • 1898 unternahm der Physik-Nobelpreisträger Guglielmo Marconi den Versuch, eine Funkverbindung zwischen Rathlin Island und dem Festland zu testen. Sein Ziel war es, die vorbeifahrenden Schiffe zu registrieren und diese Information schnellstmöglich an das Festland weiterzugeben. Für Marconi hatte diese Arbeit allerdings einen weitaus bedeutenderen Wert: Denn er konnte so den kommerziellen Nutzen seiner Erfindung unter Beweis stellen.
  • 1987 machte sich Sir Richard Charles Nicholas Branson zur ersten Atlantiküberquerung mit einem Heißluftballon auf. Der Weltrekordflug startete in dem US-Bundesstaat Maine, nahm aber nordwestlich von Rathlin ein jähes Ende. Denn dort stürzte der Ballon mitsamt seiner Besatzung in das Meer, die jedoch allesamt von aufmerksamen Fischern gerettet werden konnten. Branson überreichte zum Dank Rathlin Island Trust 25.000 Pfund zur Renovierung des Manor House.

Die Tierwelt auf Rathlin Island

Rathlin Island

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Heute leben etwa 100 bis 150 Bewohner auf Rathlin Island. Dennoch herrscht auf der Insel ein reges Treiben – vor allem von April bis Juni. Denn in diesen Monaten nisten die entzückenden Papageientaucher auf der Insel und bewohnen in Kolonien von Hunderten Vögeln die felsige Küste. Um diese bezaubernden Tiere zu sehen, fährt eigens ein kleiner Shuttlebus vom Hafen zu den Puffins an die Westküste. Wer Rathlin außerhalb der Puffinsaison besucht, kann im “Seabird Centre” und im „Boathouse Visitor Center“ am Hafen der Church Bay mehr über diese drolligen Gesellen erfahren.

Neben Papageientauchern nisten unzählige weitere Vogelarten auf der Insel. Darunter die Dreizehenmöwe, Sturmvögel und Lummen.

Auf den Sandbänken entlang der Insel tummeln sich hingegen das ganze Jahr über Robben und lassen sich wärmende Sonnenstrahlen auf ihre runden Bäuche scheinen. Und mit etwas Glück besteht auch die Möglichkeit, vor der Küste Wale und Delfine zu sichten.

Geschichten und Legenden rund um Rathlin

Erinnert Ihr Euch an die Geschichte mit der Spinne, die Robert the Bruce dazu inspirierte, den Unabhängigkeitskrieg wieder aufzunehmen? Es war die Beharrlichkeit dieser kleinen Spinne, die einen mächtigen Mann davon überzeugte, sein Land in die Unabhängigkeit zu führen.

Oder an die Schlange, die auf Rathlin Island nicht überleben konnte und damit das Land den Iren zugesprochen wurde? Es war gemeinhin bekannt, dass der Heilige Patrick Irland von Schlangen befreite, als er mit seinem Stab auf den Boden stieß. Dies tat er allerdings nur auf der Grünen Insel, nicht auf Schottland. Somit war sicher, dass eine Schlange auf schottischem Boden überleben konnte, nicht aber auf irischem.

Obwohl Rathlin Island flächenmäßig durchaus überschaubar ist, ranken sich eine Fülle an Legenden und Sagen um dieses idyllische Stück Land.

Die Entstehung der Insel

Die Geschichte des Riesen Fionn mac Cumhaill, der den Damm der Riesen erbaute, kennen die meisten. Weniger bekannt jedoch ist die Legende seiner Mutter, die zur Entstehung Rathlin Islands beigetragen haben soll. So war die Fionns Mutter eines Tages auf dem Weg nach Schottland, um Whiskey zu besorgen. Denn ihr Sohn hatte ganz Irland bereits trockengetrunken. Um einen Weg nach Schottland zu erbauen, belud sie ihre Schürze mit Erde, die sie vor sich auf den Boden warf. Dabei stolperte sie jedoch und begrub sich selbst unter der Erde – womit Rathlin Island erschaffen wurde.

Die verzauberte Insel

Eine weitere Legende besagt, dass sich neben Rathlin Island eine verzauberte Insel befinden soll. Diese soll alle sieben Jahre aus dem Meer auftauchen, bevor sie wieder in den Tiefen verschwindet. Der Geschichte nach soll die Insel nie wieder verschwinden, wenn es jemand schaffen würde, etwas Erde oder einen Kieselstein darauf zu werfen.

Die Kinder von Lir

Die Kinder von Lir sind eine der bekanntesten Erzählungen der Grünen Insel. So lebte einst ein Mann namens Lir in Irland. Er hatte eine Frau und vier wunderschöne Töchter. Doch eines Tages verstarb seine Geliebte und ließ ihn traurig und verwitwet zurück. Der damalige König erfuhr von Lirs Leid und bot ihm an, eine der Schwestern seiner Frau zu heiraten. Er entschied sich für Aoibh, die älteste der Schwestern. Diese schenkte ihm bald darauf zwei weitere Kinder. Als Aoibh jedoch zwei weitere Kinder zur Welt bringen sollte, verstarb sie und ließ erneut einen traurigen und verwitweten Mann zurück.

Der Hochkönig bot Lir wieder an, eine der Schwestern zu heiraten. Aiofe war ihm lange eine gute Frau und eine liebevolle Stiefmutter. Eines Tages jedoch wandelte sich Aiofe, geplagt durch von ihrer nagenden Eifersucht auf die Kinder, in die ihr Mann völlig vernarrt war. Sie besann sich auf ihre magischen Kräfte und verwandelte vier der Kinder in Schwäne. Von nun all sollten sie 900 Jahre lange in der Gestalt des Tieres leben, nur ihre menschliche Stimme blieb ihnen. Von diesen 900 Jahren mussten sie je 300 Jahre an einem anderen Ort verbringen, darunter auf Carraig na Ron zwischen Irland und Schottland. Der Legende nach sollen die Schwäne häufig in der See vor Rathlin Island gesichtet worden sein. Und auch ihre einzigartigen Stimmen klangen zu den Bewohnern heran, als die Schwäne die Gabe ihres wundervollen Gesangs nutzten.

Rathlin Island besuchen

Rathlin Island

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Rathlin Island ist ein bezauberndes Fleckchen Erde, das voller Magie, Legenden und Geschichte steckt. Bei einem Besuch könnt Ihr selbst erleben, wie die Zeit auf dieser Insel langsamer verläuft und die idyllische Ruhe, die Euch umgeben wird, erspüren. Rathlin Island erreicht Ihr mit der Fähre nach nur 35 Minuten vom nordirischen Ballycastle aus. Auf dieser Webseite könnt Ihr Tickets für die Überfahrt buchen.

Für Rathlin Island empfehlen wir Euch, mindestens einen Tag Zeit zu nehmen. Ihr könnt diesen Ausflug gut mit unsere Entdecke den Norden-Rundreise verbinden. Ihr könnt aber auch mehrere Tage auf der Insel verbringen, um Erholung abseits der Hektik zu finden. Unsere Irland-Experten sind Euch gerne dabei behilflich, Euer ganz persönliches Abenteuer auf Rathlin Island zu planen.

Über den Autor

Cindy Lenz

Cindy Lenz

Irland bedeutet für mich ein Stück Heimat. In meinem Lieblingsland fühle ich mich zwischen der herzlichen Art der Iren und ihrer lebensfrohen Natur zu Hause. Dabei entdecke ich auf meinen Reisen immer wieder unbekannte, traumhafte Orte, denn hinter jeder Kurve wartet eine neue fantastische Aussicht!
Wenn ich über Irland schreibe, möchte ich die Fröhlichkeit der Iren einfangen und mit genauso viel Begeisterung über ihre Heimat erzählen, wie sie es tun.

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