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Magische Steinkreise in Irland

Steinkreise in Irland
Nadja Uebach
Written by Nadja Uebach

Irland blickt auf eine faszinierende Vergangenheit zurück, die sich in Form von Ruinen, Steinkreisen und skurrilen Kultstätten wie ein felsiger grauer Faden über die kleine Atlantikinsel zieht. Egal, in welcher Ecke des Landes Ihr unterwegs seid, die Überbleibsel der alten Kelten sind in der Landschaft allgegenwärtig und erzählen spannende Geschichten der mystischen prähistorischen Kultur. Wie die Kelten auf der Grünen Insel lebten und wo Ihr heute noch auf ihren Spuren unterwegs seid, erfahrt Ihr jetzt!

Die frühe Besiedlung der Grünen Insel

Bereits 10.000 Jahre vor Christus wurde Irland von zwei verschiedenen Völkern besiedelt. Den Tuatha de Danaan und Firbolgs. Leider ist heutzutage nur wenig über diese beiden vorgeschichtlichen Völker bekannt, allerdings sind beide Stämme fest in der irischen Mythologie verankert.

Erst etwa 600 Jahre vor Christus siedelten sich die ersten Kelten auf den grünen Feldern der Insel an. Die ersten Stämme kamen übers Meer aus dem Norden Frankreichs nach Irland. Die keltische Kultur Irlands basiert auf den Brauchtümern und Lebensweisen der französischen Gallier und der irischen Urvölker.

Die Ureinwohner der kleinen Insel und die einwandernden Kelten waren sich in vielen Dingen sehr ähnlich. So spielte die Sonne beispielsweise in beiden Völkern eine große Rolle, genau wie die Errichtung von Ritual oder Kultstätten. Dadurch entstand in Irland eine Art Mischkultur, die sich insbesondere durch die Mythologie und Gottheiten von anderen keltischen Kulturen unterscheidet.

Die meisten Steinkreise, Ogham Stones und keltischen Kulturstätten findet Ihr entlang der Westküste sowie den Grafschaften Cork und Kerry im Südwesten und Co. Tyrone im Norden.

Steinkreise und Ogham Stones in Irland

Alles, was wir heutzutage über die Kultur der keltischen Stämme wissen, lernten wir durch archäologische Ausgrabungen. Selbst wenn die irischen Kelten die einzige keltische Kultur mit einer eigenen Schrift (Ogham Schrift) waren, gibt es keine aussagekräftigen geschichtlichen Aufzeichnungen aus ihrer Zeit. Das ist auch der Grund, weshalb der Verwendungszweck der vielen Steinkreise und Ogham Stones bis heute nicht klar ist.

An einigen dieser Anlagen fand man Tierknochen, was die Vermutung nahe legt, dass die Urvölker Steinkreise in Irland vorwiegend für rituelle und spirituelle Zwecke verwendeten. Fest steht allerdings, dass sich die Kelten in sogenannten Tuatha (Stämme) organisierten, die jeweils einen Rí (König) als Anführer hatten. Diese Könige hatten allerdings keine wirkliche Macht über ihren Tuath, den größten Einfluss hatten Druiden, die als Vermittler zwischen dem Volk und den Göttern standen.

Die verschiedenen Tuatha schlossen sich im Laufe der Jahrhunderte schließlich zu fünf Provinzen zusammen: Leinster, Munster, Ulster, Connacht und Meath, die von dem Ardrí (Hochkönig) von der Hauptstadt Tara aus regiert wurden. Heutzutage ist Meath nicht mehr als Provinz, sondern lediglich als Grafschaft bekannt.

Steinkreise in Irland: Relikte aus der Vergangenheit

Das Ende ihrer Kultur fanden die irischen Kelten nicht wie an vielen anderen Orten durch das Römische Reich, sondern durch den heutigen Schutzheiligen des Landes. St. Patrick bekehrte die Grüne Insel im 5. Jahrhundert zum Christentum und verdrängte die Bräuche der alten Kelten.

Allerdings sind die tiefen keltischen Wurzeln auch heute noch in der irischen Kultur spürbar. Schon allein durch die alte irische Sprache, die dir als Reisender insbesondere auf den zweisprachigen Straßenschildern begegnet und durch die irischen Mythen und Legenden, in denen die Kelten regelmäßig zum Leben erweckt werden. Die faszinierendsten Überbleibsel aus teils noch vorkeltischen Zeiten finden sich allerdings in Form von gewaltigen Felsblöcken auf den grünen Feldern der Insel.

Steinkreise Irland: Welche keltischen Kulturstätten gibt es?

Steinkreise in Irland

Wie der Name schon sagt handelt es sich bei einem Steinkreis um einen Kreis, der aus aufrecht stehenden Steinen besteht. Dabei stehen die Steine so weit auseinander, dass der Kreis von allen Seiten begehbar ist. Die meisten dieser prähistorischen Steinkreise finden sich in Irland, Schottland und England.

Wozu die Steinkreise in Irland letztendlich verwendet wurden, konnte bis heute nicht gänzlich belegt werden. Es liegt nahe, dass die Kreise von Grabstätten und Ritualstätten über Versammlungsorten, bis hin zu Orientierungspunkten mehrere Nutzungszwecke hatten.

Grange Steinkreis

Grange Steinkreis Co. Limerick; Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Sverdrup in der Wikipedia auf Englisch – Übertragen aus en.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, Link

Ogham Steine & Standing Stones

Überall auf den grünen Hügeln Irlands stehen vereinzelte Standing Stones. Oft zieren die riesigen aufrecht stehenden Steine ungewöhnliche Orte, wie beispielsweise die Mitte einer Kuhweide. Dem Volksglauben nach soll das Versetzen oder gar die Entfernung dieser Steine Unglück bringen, weshalb die Iren die Steine genau dort stehen lassen, wo sie gefunden werden.

Diese einzelnen stehenden Steine tragen häufig eine Inschrift, die dem Stein einen Namen gibt. Es wird vermutet, dass die Kelten auf diese Weise Eigentum sowie Grabstätten markierten. Ihren Namen erhalten die Ogham Steine von der Bezeichnung der alten keltischen Schrift Ogham, die man für die Inschriften verwendete.

Irische Steinreihen

Neben Kreisen und einzelnen stehenden Steinen gibt es zudem sogenannte Steinreihen. Eine Steinreihe besteht aus mindestens drei Menhiren (stehenden Megalithen), die in Sichtweite zueinander aufgestellt sind. Dabei kann der Abstand zwischen den Steinen bis zu 100 Meter betragen.

Ähnlich wie bei den Steinkreisen und Standing Stones ist die Nutzung der Steinreihen umstritten. Es wird angenommen, dass die Steine vielerorts in Reih und Glied als Grabmal aufgestellt sowie zu astronomischen Zwecken verwendet wurden.

Steinforts & Ringforts

Insgesamt findet man auf der Grünen Insel die Überreste von rund 45.000 Stein- und Ringforts. Die Bezeichnung eines Forts ist allerdings irreführend, denn es wird hier lediglich eine kreisförmig angelegte Siedlung oder in den meisten Fällen sogar nur ein einziger Bauernhofes bezeichnet.

Während die Ringforts durch einen Holzzaun und Erdwall begrenzt wurden, wurde ein Steinfort von einer Mauer aus aufgeschichteten Steinen umschlossen. Das faszinierende an diesen Anlagen liegt allerdings unter der Erde. Jedes Fort ist mit mindestens einem unterirdischen Gang ausgestattet, der zur Lagerung von Lebensmitteln verwendet wurde und bei Angriffen als Versteck oder sogar Fluchtweg diente.

Die heutigen Iren halten sich von den alten Forts weitestgehend fern, da sie als das Zuhause der Feen gelten. Insbesondere das Betreten der unterirdischen Gänge soll für Unmut beim Feenvolk sorgen.

Dunbeg Fort

Dunbeg Fort ©Tourism Ireland

Dolmen

Dolmen sind ein weiterer Zeitzeuge aus der Vergangenheit, denen du in Irland häufig begegnest. Ein Dolmen ist ein Megalith-Bauwerk, das aus mindestens drei aufrecht stehenden Steinen und einer darüber gelegten Deckplatte besteht.

Selbst, wenn ein Großteil der insgesamt 190 Dolmen in Irland als Grabstätten identifiziert wurden, bleibt das Rätsel über den genauen Verwendungszweck der gigantischen Steinanlagen weitestgehend ungelöst. Es wird vermutet, dass auch Dolmen aus verschiedenen Gründen erbaut wurden.

Hier erfahrt Ihr mehr über Irlands vielleicht berühmtesten Dolmen, den Poulnabrone Dolmen.

Poulnabrone Dolmen

Poulnabrone Dolmen, Co. Clare, Irland © Chris Hill, Tourism Ireland

Beeindruckende Steinkreise, Ogham Stones und keltische Überbleibsel in Irland

Während einer Irlandreise ist es fast unmöglich die mystischen Steinbauten und Grabanlagen der alten Kelten zu verfehlen. Besonders im Südwesten und Nordosten finden sich davon mehr als genug. Die folgende Liste enthält zwar einige der absoluten Highlights, ist allerdings lange nicht vollständig. Im Gegenteil, oft findest du beeindruckende Standing Stones oder Steinreihen sogar unerwartet und unbeschildert beim Wandern in Feldern oder am Straßenrand – typsich Irland eben!

1. Drombeg Steinkreis, Co Cork

Der Drombeg Steinkreis in der Nähe von Glandore in der Grafschaft Cork ist nicht nur mein persönlicher megalithischer Favorit der Grünen Insel, sondern zählt als einer der best erhaltenen Steinkreise in Irland. Der Kreis besteht aus 16 aufrecht stehenden Steinen und einem gewaltigen liegenden Opferstein. Falls du hier im Winter unterwegs bist lohnt sich ein Besuch zu Sonnenuntergang der Wintersonnenwende. Dann kreieren die Strahlen der untergehenden Sonne eine Linie, die durch den Kreis bis zu einem nahe liegenden Hügel läuft.

In der Mitte des Steinkreises fand man menschliche Überreste. Die verbrannten Knochen eines Jugendlichen, wurden hier in einem mit Tuch umwickelten zerbrochen Krug zwischen 945 und 800 v. Chr. vergraben. Es wird angenommen, dass die Knochen Teil eines Fruchtbarkeitsrituals waren, um eine gute Ernte zu erhalten.

Etwa 40 Meter neben dem Steinkreis befinden sich die steinernen Umrisse von zwei kleinen Rundhütten und einer faszinierenden prähistorischen Kochstelle, an der mithilfe von heißen Steinen bis zu 265 Liter Wasser gekocht werden konnten! Hier findet Ihr mehr über den Drombeg Stone Circle.

Keltische Feiertage

Drombeg Steinkreis © Failte Ireland and Tourism Ireland

2. Knocknarea, Co Sligo

In der Grafschaft Sligo auf der Halbinsel zwischen Balladrihid und der Stadt Sligo liegt der Kalksteinberg Knocknarea, der von Weitem ein wenig an den Tafelberg Ben Bulben erinnert. Was den Berg allerdings zu einer bedeutenden keltischen Kultstätte macht, ist ein gewaltiger Steinhaufen, der unscheinbar auf seinem Gipfel liegt. Die aufgeschütteten Steine mit einem Durchmesser von 55 Metern und einer Höhe von 10 Metern wurden vor schätzungsweise 5.000 Jahren als Grabstätte errichtet. Der Haufen, der als Maebhs Grab bekannt ist, soll die letzte Ruhestätte der mythischen Königin Maebh sein. Maebh soll hier sitzend und in voller Rüstung mit dem Blick zu ihren Feinden nach Norden gerichtet unter den Steinen begraben sein.

Geschichtsforscher sind sich zwar einig, dass sich unter den 40 Tonnen Steinen ein Grab befindet, halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass es sich dabei wirklich um das Grab der Königin handelt. Ausgrabungen fanden bisher nicht statt, was den Steinhaufen zur größten unerforschten keltischen Anlage seiner Art in Europa macht und dafür sorgt, dass auf dem Gipfel von Knocknarea eine besonders geheimnisvolle Atmosphäre herrscht.

Neben Maebhs Grab befinden sich zudem weitere Steinhaufen, ein kleiner Steinkreis und die Überreste von mehreren Rundhütten in direkter Umgebung des Berges, was den Verdacht nahe legt, dass sich hier einst ein bedeutendes keltisches Zentrum befand.

Knocknarea Mountain

Knocknarea Mountain @ Tourism Ireland

3. Altar Dolmen, Co Cork

Der Altar Dolmen in der Toormore Bay steht direkt am Rande des Atlantiks auf einer kleinen Klippe zwischen Schull und Goleen. Nachdem man bei Ausgrabungen in den 80er Jahren mehrere Gruben entdeckte, die mit Überresten von Fischen, Walen und Muscheln gefüllt waren, scheint die Bedeutung des Altars fest mit dem Atlantik verbunden zu sein. Es wird vermutet, dass der Dolmen als eine Art Portal in das Reich der Toten galt, das unter dem Meeresboden existiert.

Neben der tierischen Überreste fand man zudem 4.000 Jahre alte eingeäscherte Knochen eines Erwachsenen, die hier schätzungsweise als Opfergabe begraben lagen. Der Altar Dolmen wurde möglicherweise in Kombination mit einem dahinterliegenden Brunnen bis 550 vor Christus für keltische Rituale verwendet.

Nach den Kelten wurde der Altar im 17. und 18. Jahrhundert von katholischen Priestern als sogenannter „Mass Rock“ verwendet. Ein Ort, an dem die Iren während der religiösen Unterdrückung durch die protestantischen Engländer heimlich katholische Messen abhielten.

4. Beltany Steinkreis, Co Donegal

Im Norden der Grünen Insel liegt südlich des Ortes Raphoe in der Grafschaft Donegal einer der größten Steinkreise in Irland. Der Kreis besteht heute aus insgesamt 64 eng aneinander stehenden Steinen. Allerdings wird angenommen, dass in dem Kreis mit dem Durchmesser von 44 Metern ursprünglich bis zu 80 Steine standen.

Überlieferungen zufolge befand sich im Inneren des Steinkreises ein Steinhaufengrab, ähnlich dem Grab auf dem Berg Knocknarea. Die Iren verwendeten diese Steine allerdings Ende des 18 Jahrhunderts zum Bau von Mauern. Die dabei freigelegten menschlichen Überreste wurden von den Einheimischen weder dokumentiert noch aufbewahrt.

Der Name Beltany leitet sich von dem keltischen Maifest Bealtaine ab, was dem Steinkreis eine zentrale Rolle als keltische Ritualstätte zuweist. Diese Annahme wurde durch den Fund eines halbrunden gemeißelten Steinkopfes in unmittelbarer Nähe bestätigt. Der Beltany Stone Head ist einer von sieben Skulpturen, die man in der Gegend rund um die Ortschaft Raphoe fand. Die Skulptur wird in den Tresorräumen des Nationalmuseums in Dublin verwahrt.

Beltany Steinkreis

Beltany Steinkreis, Co. Donegal; Mark Doherty [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

5. Newgrange, Co Meath

Das Hügelgrab Newgrange im Boyne Valley in der Grafschaft Meath ist eine der bedeutendsten Megalithanlagen der Welt. Die runde Anlage mit einem Durchmesser von 90 Metern beherbergt einen 22 Meter langen unterirdischen Gang, der in einer kreuzförmigen Grabkammer endet. In der Kammer fand man einen verzierten Altarblock, die Überreste von fünf Menschen sowie verschiedene Grabbeigaben. Untersuchungen des verwendeten Mörtels in der Dachkonstruktion ergaben, dass Newgrange vor etwa 5.200 Jahren gebaut wurde. Somit ist die Anlage älter als die Pyramiden und Stonehenge.

Vor seiner Entdeckung im Jahr 1699 war das Grab ein mit Gras, Büschen und sogar Bäumen überwucherter Hügel, der als Farmland genutzt wurde. In den darauffolgenden Jahrhunderten und insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert erforschte man das Hügelgrab methodisch im Detail. Dabei stellte man fest, dass die gesamte Anlage nach der Sonne ausgerichtet ist. An den Tagen rund um die Wintersonnenwende wird die Grabkammer bei Sonnenuntergang fast vollständig mit dem goldenen Licht der untergehenden Sonne beleuchtet.

Newgrange

Newgrange, Co. Meath (Irland); Fotograf: Brian Morrison, Creating Agency: Tourism Ireland

6. Steinkreise von Beaghmore, Co Tyrone

Nördlich von Cookstown in der Grafschaft Tyrone in Nordirland findet sich eine der flächenmäßig größten megalithischen Anlagen des Landes. In den 40er Jahren entdeckten Bauern die Standing Stones durch Zufall beim Torfstechen.

In den folgenden Jahrzehnten legten Archäologen die faszinierende Anlage bestehend aus sieben Steinkreisen, zwölf Steinhaufen und zehn Steinreihen frei. Insgesamt wurden hier bisher 1.269 stehende Steine unter dem Moor gefunden. Vermutlich ist das allerdings noch nicht das gesamte Ausmaß der Anlage. Forschungen haben ergeben, dass die Steinkreise zwischen 2.000 und 1.200 Jahren vor Christus errichtet wurden. Überreste von Feuerstellen und Feuersteinen lassen sich allerdings bis ins Jahr 2.900 vor Christus zurückdatieren.

Der Verwendungszweck der verschiedenen Bauwerke ist unklar, es gibt jedoch zwei logische Theorien. Zum einen wird aufgrund der Größe vermutet, dass es sich bei der Anlage um einen zentralen Versammlungs- und Ritualort handelt. Zum anderen ist die Verwendung als eine Art Kalender durch die Ausrichtung einiger Steine nach der Sonne und dem Mond ebenfalls möglich.

7. Poulnabrone Dolmen, Co Clare

Der Poulnabrone Dolmen in der Landschaft des Burren in der Grafschaft Clare ist sicherlich der bekannteste und mit Abstand größte der insgesamt 172 Dolmen auf der Grünen Insel.

Er besteht aus drei stehenden Steinen und einer beeindruckend großen Deckplatte. Da einer der drei tragenden Steine einen Riss offenbarte, wurde der Dolmen in den 80er Jahren restauriert. Im Rahmen dieser Arbeiten führte man außerdem umfangreiche Ausgrabungen durch. Dabei fand man die Überreste von insgesamt 22 Menschen, die gemeinsam mit Gegenständen wie beispielsweise Kristallen, Schmuck und Waffen unter dem Dolmen begraben waren. Untersuchungen der Knochen haben ergeben, dass die Toten zwischen 3.800 und 3.200 vor Christus gelebt haben. Das Bauwerk selbst ist schätzungsweise rund 1.000 Jahre vor dieser Zeit entstanden.

Neben den Knochen unter dem Dolmen wurden zudem die Überreste eines neugeborenen Babys gefunden, das deutlich später etwa 1.800 vor Christus am Eingang der Anlage begraben wurde. Dieser Fund lässt vermuten, dass der Dolmen über Jahrtausende hinweg als rituelle Grabstätte galt.

Poulnabrone Dolmen

Poulnabrone Dolmen, Co. Clare, Irland © Chris Hill, Tourism Ireland

8. Uragh Steinkreis, Co Cork

Einer der kleinsten Steinkreise in Irland wartet auf der Beara Halbinsel in der Grafschaft Cork. Mit einem Durchmesser von nur 2,4 Metern stehen die 5 Steine des Uragh Steinkreises dicht aneinander auf einer Anhöhe über dem Lough Inchiquin.

Besonders beeindruckend ist der über 3 Meter große stehende Portalstein am einen Ende des Kreises. Über die Geschichte und den Verwendungszweck des Steinkreises ist lediglich bekannt, dass die Anlage aus dem Jahr 2.500 vor Christus stammt. Auch wenn der Uragh Steinkreis zu den unscheinbaren und weitestgehend unbekannten Steinkreisen in Irland gehört, kreiert er vor der Kulisse des dunklen Sees und den kargen Bergen eine magische Atmosphäre, die Geschichten aus einer komplett anderen Welt zu erzählen scheint.

9. Hill of Tara, Co Meath

Wie bereits erwähnt handelte es sich bei Tara um die einstige Hauptstadt des keltischen Irlands. Heutzutage ist der Hill of Tara ein weitläufiges hügeliges Gebiet auf dem mehrere Überbleibsel aus verschiedenen Äras zu finden sind.

Das älteste und gleichzeitig sagenumwobenste Monument ist der Lia Fail (Stein des Schicksals). Der Stein wurde von dem irischen Urvolk Tuatha de Danaan als Krönungsstein verwendet. Der irischen Mythologie zufolge schreit der Stein, sobald er von dem wahren König von Tara berührt wird. Um den heutigen Stein ranken sich viele Geschichten. Einige davon behaupten, dass es sich bei dem stehenden Stein nicht um das Original, sondern lediglich um einen Ersatz handelt. Der ursprüngliche Stein soll von dem Schotten Fergus gestohlen und in England als Krönungsstein der englischen König eingesetzt worden sein.

Etwa 2.500 Jahre vor Christus wurd das Hügelgrab „Mound of the Hostages“ errichtet. Im Inneren des Hügels befindet sich ein kurzer Gang, der zu drei Grabkammern führt. In jeder der Kammern fand man eingeäscherte menschliche Überreste. Möglicherweise fanden hier bis zu 200 Einäscherungen statt.

Auch nach den Kelten behielt Tara seinen Status als politisches und spirituelles Zentrum der Grünen Insel. Insgesamt 142 Hochkönige sollen von hier aus über die Insel geherrscht haben und sogar während der Christianisierung durch St. Patrick spielte Tara eine wesentliche Rolle. Erst vor wenigen Jahren wurden unter der Erde Überreste eines gigantischen Tempels aus Holz entdeckt, der für Rituale und Begräbnisse der Hochkönige verwendet wurde. Es wird angenommen, dass Tara noch viele weitere prähistorische Schätze unter seinen grünen Hügeln versteckt hält.

Hill of Tara

Ausblick vom Hill of Tara; Fotograf: Macmillan Media, Creating Agency: Tourism Ireland

Weitere sehenswerte keltische Monumente und Steinkreise in Irland

Im Prinzip ist jeder einzelne Steinkreis in Irland sowie jeder Ogham Stone und jedes Ringfort einen Besuch wert. Jeder einzelne dieser Orte strahlt eine mystische Faszination aus, die es sonst wohl an kaum einem anderen Ort gibt. Neben den bereits genannten keltischen Überbleibseln lohnt sich außerdem ein Abstecher in die Grafschaft Limerick. Hier wartet der Grange Steinkreis, der mit 113 Steinen und einem Umfang von 48 Metern zu den größten Steinkreise in Irland gehört.

Vor der Westküste liegt das Steinfort Dún Aonghasa auf Inishmore, der Hauptinsel der Aran Islands. Die ursprüngliche Version des Forts, das am Rande einer steilen Klipp über dem Atlantik thront, ist über 3.000 Jahre alt und gilt in Europa als einzigartig. Etwas weiter im Süden wartet auf der Iveragh Halbinsel in der Nähe von Waterville auf dem Ring of Kerry die Eightercua Steinreihe. Die vier bis zu drei Meter hohen stehenden Steine markieren der Legende nach das Grab der Scéine, der Frau des Druiden Amergin.

Die Gegend rund um das bereits erwähnte Hügelgrab Newgrange wird Brú na Bóinne genannte und umschließend einige faszinierende megalithische Bauten, Gräber und Ritualstätten. Neben Newgrange, sind besonders die Anlagen von Knowth und Dowth einen Besuch wert. Einige der über 90 prähistorischen Monumente lassen darauf schließen, dass das Tal um den Fluss Boyne schon vor mehr als 6.000 Jahren eine wichtige Rolle spielte.

Über den Autor

Nadja Uebach

Nadja Uebach

Da ich seit elf Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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