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Drombeg Stone Circle – Ort der Druiden

Drombeg Stone Circle
Nadja Uebach
Written by Nadja Uebach

Über einen schmalen von Fuchsien gesäumten Trampelpfad geht es von dem unscheinbaren kleinen Parkplatz am Rande eines Feldes zu einer der spektakulärsten historischen Kultstätten in ganz Irland! Nach der letzten Kurve fällt der Blick auf die stehenden Steine des Drombeg Stone Circle in der Nähe des Küstenortes Glandore in der Grafschaft Cork.

Mit seinen 16 stehenden Steinen sowie dem senkrecht liegenden Opfertisch ist der Steinkreis von Drombeg nicht nur der bekannteste, sondern einer der best erhaltenen Steinkreise der Grünen Insel. Seit jeher ist die megalithische Kultstätte nicht nur Schauplatz zahlreicher geschichtlicher Ausgrabungen und Forschungen, sondern insbesondere ein Ort der Magie, um den sich unzählige Mythen und Legenden ranken.

Aus welcher Zeit der Drombeg Stone Circle stammt, wie er von den alten Kelten genutzt wurde, woher sein Beiname Druid’s Altar kommt und warum er auf Euerer Irland-Liste auf keinen Fall fehlen sollte, erfahrt Ihr in den nächsten Zeilen!

Drombeg Stone Circle: Wann, Wer, Was & Warum

Der Drombeg Stone Circle ist ein axialer Steinkreis mit einem Durchmesser von mehr als neun Metern. Damit gehört er zu den Kreisen der Kerry-Cork-Serie und ist einer von zahlreichen anderen Steinkreisen im Südwesten Irlands. Allerdings ist der Drombeg Stone Circle im Vergleich zu anderen seiner Art gut erhalten und für die Öffentlichkeit leicht zugänglich.

Die Steine von Drombeg unter der Lupe

Den Eingang des Kreises markieren zwei über 1,90 Meter große Portalsteine im Osten. Dem Portal gegenüber befindet sich der gewaltige liegende Opfertisch oder auch Altarstein, der für den Beinamen Druid’s Alter (Alter der Druiden) verantwortlich ist. Auf der flachen Oberfläche des Altars befinden sich zwei Vertiefungen sowie ein in den Stein geritzter Fußabdruck. Diese Bearbeitungen des Opfertisches sprechen für eine rituelle Nutzung des Steinkreises.

Die Achse, die zwischen den Portalsteinen und dem Altar mittig durch den Kreis verläuft, ist nach der untergehenden Sonne am Tag der Wintersonnenwende ausgerichtet. Das bedeutet: Am 21. Dezember verlaufen die letzten Sonnenstrahlen des Tages genau durch die Mitte des Kreises und die Portalsteine hindurch. Außerdem interessant ist, dass diese Achse durch ein Tal in den Bergen bis weit ins Landesinnere fortgesetzt wird. Die genaue Bedeutung dieser Ausrichtung ist unklar. Man nimmt allerdings an, dass der Kreis neben anderen Zwecken auch als eine Art Kalender genutzt wurde.

Drombeg Stone Circle von den Göttern verschmäht?

Obwohl der Steinkreis bis auf die späte Bronze Zeit zurückdatiert werden konnte und somit schätzungsweise rund 3.000 Jahre alt ist, blieb er den Inselbewohnern in seiner vollen Schönheit lange vorenthalten. Erst 1957 erweckte er das Interesse des Archäologen Edward M. Fahy. In den darauffolgenden Jahren machte es sich Fahy zur Aufgabe, die Steine von Drombeg auszugraben, zu erforschen und schließlich zu restaurieren.

Von den insgesamt 17 Steinen, die wir heute sehen, standen damals nur noch 14. Zwei Steine konnten auf dem Gelände nicht gefunden werden, ein weiterer war deplatziert außerhalb des Kreises. Zunächst nahm man an, dass natürlich Umstände in den vergangenen Jahrtausenden zu dem Verlust der Steine führten. Allerdings entwickelte der Autor Ronan Murray in seinem Buch „The Secrets of Drombeg“ eine komplett neue Theorie. Laut Murray spielten die drei fehlenden Megalithen eine entscheidende Rolle in der Anordnung des Kreises. Somit hält er es für sehr wahrscheinlich, dass diese drei Steine absichtlich entfernt wurden, um die Verbindung des Steinkreises zu den Göttern zu unterbrechen. Murray geht davon aus, dass die Kelten den Kreis als Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Überirdischen als eine Art Sprachrohr erbauten.

Die mutwillige Zerstörung des Drombeg Stone Circles ist vermutlich ein Resultat der Erdachsenverschiebung. Diese Verschiebung führte dazu, dass die Ausrichtung des Steinkreises nicht mehr stimmte. Diese Abweichung wurde als Zeichen göttlicher Ungunst gedeutet. Der Kreis konnte seinen Zweck als Ritualstätte nicht länger erfüllen. Durch das Entfernen der drei wichtigsten Steine setzte man ihn außer Gefecht.

Drombeg Stone Circle: Mehr als nur ein Steinkreis

In Drombeg wartet jedoch nicht nur der Steinkreis mit seiner faszinierenden Geschichte. Auf dem Gelände, etwas abseits des Stone Circles befinden sich zudem die Überreste zweier Rundhütte. Die steinernen Fundamente der beiden vorgeschichtlichen Häuser stammen ebenfalls aus der Bronze Zeit. Die Hütten sind über einen gepflasterten Weg miteinander verbunden. Während die nördliche Hütte einen ebenen Boden aufweist und vermutlich zum Lagern von Lebensmitteln und als Unterschlupf diente, so findet sich in der zweiten Hütte über einer kleinen Frischwasserquelle eine Fulacht Fiadh! Dieser Begriff beschreibt eine in Irland weitverbreitete prähistorische Kochstelle. In einem mit Fels ummanteltem Loch im Boden brachten die Druiden mithilfe von heißen Steinen bis zu 265 Liter Wasser zum kochen. Diese Funde schienen zu beweisen, dass es sich bei der Anlage um eine kleine Siedlung handelte, in der Menschen lebten und gleichzeitig Rituale abhielten.

Eine weitere Möglichkeit, die insbesondere von Ronan Murray vertreten wird, ist, dass es sich bei der Fulacht Fiadh nicht um eine Kochstelle handelt. Stattdessen wird angenommen, dass das von Menschenhand geschaffene Wasserloch eine Art Verlängerung des Steinkreises ist und in Rituale eingebunden wurde. Den Kelten und Druiden war es so möglich, die Sonne durch den Kreis mit dem Wasser zu verbinden. Eine kraftvolle Vereinigung, welche die verschiedenen Elemente miteinander in Einklang brachte. Im Hinblick auf Fruchtbarkeitsrituale war diese Verbindung wichtig und dem damaligen Glauben nach wirkungsvoll.

Drombeg als Teil in einem Netzwerk stehender Steine

Die Auswahl der Ebene an der Atlantikküste Irlands als Standort des Steinkreises scheint alles andere als Zufall gewesen zu sein. Tatsächlich finden sich in der direkten sowie der weitläufigen Umgebung mehrere Hinweise darauf, dass der Drombeg Stone Circle nur ein kleiner Teil eines riesigen und minutiös geplantem kulturellen Netzwerks war.

Während seiner Recherche fand Murray, dass die stehenden Steine von Drombeg nicht nur nach der Sonne, sondern zudem nach einem rund 15 Kilometer entfernten Felsen im Atlantik ausgerichtet sind. Tatsächlich ist der Meerfelsen Doolic Rock, vor der Küste von Galley Head nicht nur für den Drombeg Stone Circle von Bedeutung. Er steht auch in Verbindung mit andere megalithische Orte in der Umgebung. Ein stehender Stein, etwa ein Kilometer südlich von Drombeg ist beispielsweise ebenfalls nach Doolic Rock ausgerichtet. Dieser Stein steht zudem in einer Linie mit der Quelle in den Hütten von Drombeg und scheint nach dem Nordstern ausgerichtet zu sein. Diese Ausrichtung unterstützt die Theorie verschieden Elemente, die für unterschiedliche Götter stehen miteinander zu verbinden.

Obendrein bildet der Steinkreis von Drombeg gemeinsam mit zwei anderen Steinkreisen in der Umgebung eine perfektes gleichschenkliges Dreieck. Einer dieser beiden anderen Kreise ist ebenfalls öffentlich zugänglich. Er befindet sich etwa acht Kilometer nordöstlich von Drombeg in der Nähe von Reenascreena.

Keltische Feiertage

Drombeg Steinkreis, © Failte Ireland and Tourism Ireland

Mythen und Fakten des Drombeg Stone Circle

Zu der genauen Nutzung der zahlreichen Steinkreise in Irland und der ganzen Welt gibt es viele verschiedene Theorien. Fakt ist jedoch, dass niemand genau weiß, was sich die Erbauer diese monumentalen Kraftorte wirklich von den stehenden Steinen erhofft hatten; und welche Rituale und Zeremonien dort stattfanden. Obwohl durch Ausgrabungen und modernen technischen Untersuchungen das Alter der Steine, die Ausrichtung zu Sonne, Mond und anderen Orientierungspunkten sowie der Verwendungszweck als Opferstelle belegt wird, scheinen diese Erkenntnisse lediglich an der Oberfläche zu kratzen.

Drombeg Stone Circle als Opferstelle

Während der Ausgrabungen in den Jahren 1957 und 1958 in Drombeg, fand man in der Mitte des Kreises ein zerbrochenes und in Stoff gewickeltes Tongefäß. In den Scherben entdeckte man die verbrannten Überreste menschlicher Knochen. Eine Radiokohlenstoffdatierung ergab, dass die Knochen zu einem männlichen Jugendlichen gehörten, der zwischen 1.000 und 300 vor Christus lebte. Da es sich bei den Knochen nicht um ein komplettes Skelett handelt, geht man nicht von einem Begräbnis, sondern einer Opfergabe im Rahmen eines Fruchtbarkeitsrituals aus.

Die Steine von Drombeg, der Fluch der Druiden und der Ruf der Banshee

Noch bevor diese archäologischen Funde neue Fragen rund um die Nutzung des Steinkreises aufwarfen, erregte Boyle Somerville 1935 für Aufsehen. Nachdem Somerville den Steinkreis zehn Jahre zuvor entdeckt hatte und seine Ausrichtung nach der Sonne erkannte. Kehrte er mit dem bekannten irischen Medium Geraldine Cummings nach Drombeg zurück. Die Offenbarungen der Hellseherin wurden von der Autorin Aubrey Burl in ihrem Buch „A Guide to the Stone Circles of Britain, Ireland and Brittany“ wie folgt geschildert:

“Im September 1935 kehrte Boyle Somerville mit der Hellseherin, Miss Geraldine Cummings, nach Drombeg zurück. Der Ort gefiel ihr nicht. Sie bezeichnete den Ort als Zentrum der Natur und der Sonnenanbetung in Verbindung mit dem Mond. Ein Ort, an dem jedes Jahr zur Wintersonnenwende Tiere oder sogar kleine Kinder, geopfert wurden. Sie “sah” einen Druiden Priester, der in blauen und safrangelben Gewändern gekleidet war und am Altarstein stand. Er [der Priester] war damit beschäftigt ein Menschenopfer zu töten. Jede Woche fanden Zeremonien statt, doch “der große Tag des Blutopfers“ war gegen Ende Dezember. An diesem Tag wurden im Licht der untergehenden Sonne schreckliche Dinge praktiziert. Es wurden seltsame Tänze abgehalten, bei denen sich Männer und Frauen in einer Art Trance gegenseitig erstachen. Schreckliches Verhalten, das sich das Medium nicht näher beschreiben traute. Drombeg war verflucht und wurde von den Geistern der Finsternis bewacht.”

John Hickey und der Ruf der Banshee

Dass sich am Steinkreis von Drombeg und in seiner Umgebung seltsame Dinge abspielten; bestätigen die Anwohner mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten. 1979 schilderte John Hickey, der in der Gegend aufgewachsen ist, in einem Interview, dass Drombeg ein mystischer Ort ist. Er berichtete davon, dass ihm seine Vorfahren Geschichten über Druiden erzählten, die den Steinkreis für rituelle Zwecke nutzten. Dabei wurden diese Rituale immer wieder mit einer Art Religion verglichen. Hickey selbst gibt an den schrillen Ruf der Banshee in der Umgebung des Steinkreises sieben Mal gehört zu haben. In der irischen Mythologie kündigt der Ruf der Banshee den Tod an. Laut Hickey hat sich diese Ankündigung in allen sieben Fällen für ihn bestätigt.

Den Drombeg Stone Circle besuchen

Egal, welcher Theorie oder welchen Mythen man Glauben schenkt. Fest steht, dass der Drombeg Stone Circle ein Ort ist, der die Faszination Irland auf eine besonders geheimnisvolle Art und Weise verkörpert. Der Blick auf den Steinkreis und die dahinterliegenden Grundmauern der beiden Hütten gibt vor der Kulisse der umliegenden grünen Hügel und dem entfernten Blau des Meeres bei jedem Wetter ein einzigartiges Bild ab.

Während einer Tour durch den Südwesten Irlands findet Ihre den spannenden Ort im County Cork. Auf etwa halben Weg zwischen den Ortschaften Rosscarbery und Glandore, geht es von der R597 auf eine schmale Nebenstraße. Unscheinbare braune Schilder weisen den Weg zu dem kleinen Parkplatz des Stone Circles. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch bis die ersten Megalithen im Blickfeld erscheinen. Die Anlage ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Der Drombeg Stone Circle Eintritt ist frei.

Jedes Jahr zur Winter- sowie Sommersonnenwende versammeln sich unzählige Einheimische und Besucher zum Sonnenaufgang beziehungsweise Untergang zwischen den Steinen. Dabei wird leise gesungen, meditiert und sich unterhalten. Etwas, das keinem der Anwesenden entgeht, ist jedoch diese ganz bestimmte mystische Atmosphäre. Sie breitet sich wie der langsame Flügelschlag eines Schmetterlings in Wellen von der Mitte des Kreises über die gesamte Anlage aus. Ein Gefühl, das sich nur schwer beschreiben lässt, allerdings fest zu diesen besonderen und geheimnisvollen Orten der Grünen Insel gehört!

Über den Autor

Nadja Uebach

Nadja Uebach

Da ich seit elf Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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