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Das wilde County Mayo entdecken

Doolough Valley County Mayo
Neil Saad
Written by Neil Saad

Das County Mayo im äußersten Westen von Irland ist eine der unterschätzten Perlen der Grünen Insel. Dabei zeichnet sich die Grafschaft durch eine landschaftliche Schönheit aus, die im Gegensatz zu anderen Regionen viel ihrer wilden Ursprünglichkeit behalten hat. Hier finden Irland-Reisende das einsame, raue Irland, welches seit Jahrzehnten die Menschen außerhalb der irischen Insel fasziniert. Kommen Sie mit auf eine Rundreise durch die Grafschaft Mayo. Von Downpatrick Head im Norden über Achill Island und Westport bis zum Killary Harbour im Süden des Countys.

Der unberührte Norden des County Mayo

Der Nordteil der Grafschaft Mayo ist geprägt durch weite Moorlandschaften, die nahezu unbewohnt sind. Unterbrochen von Hügeln und kleineren Bergen zeigt sich eine wilde Natur, die schließlich abrupt in den Atlantik stürzt. Hohe Klippen sind hier bestimmend für die Küstenlinie. Die markantesten Aussichtspunkte befinden sich am Downpatrick Head mit dem majestätischen Brandungsfelsen Dún Briste und am Benwee Head.

Zwischen diesen beiden Aussichtspunkten befinden sich die Céide Fields, eine archäologische Ausgrabungsstätte unmittelbar oberhalb des Atlantiks. Hier fanden Archäologen Überreste, die auf Siedlung und Feldsysteme im 3. und 4. Jahrtausend vor Christus hinweisen. Es handelt sich mit um die ältesten Belege für Ackerbau auf der ganzen Welt.

Im Nordteil des County Mayo lohnt ein Abstecher auf die Mullet Halbinsel mit der kleinen Stadt Belmullet. Die Halbinsel bietet einige schöne Strände, spektakuläre Klippen und drei Leuchttürme, die zu bestaunen sind. Das Blacksod Lighthouse ganz im Süden der Mullet Halbinsel erlangte Berühmtheit durch seine Wetterprognose, die während des zweiten Weltkriegs den D-Day um einen Tag nach hinten verschob.

Downpatrick Head

Dún Briste, Co. Mayo © Kelvin Gillmor, Fáilte Ireland

Natur pur: Der Ballycroy Nationalpark

Etwas weiter südlich befinden sich die hohen Berge der Nephin Begs. Der zweithöchste Berg der Grafschaft Mayo, der Berg Nephin, gehört zum Gebirgszug. Ein Teil der Nephin Begs zählt zum Ballycroy Nationalpark. Das Arreal des knapp zwölftausend Hektar großen Parks ist eines der größten Regenmoore in Europa. Im vollkommen unbewohnten Nationalpark existiert eine teils einmalige Pflanzen- und Tierwelt. Zum Schutz und Erhalt dieser Flora und Fauna führt keine Straße durch den Nationalpark und die Nephin Begs. Ein Paradies für Wanderer also. Das populäre Ziel für Outdoor-Freunde gilt als eine der einsamsten Regionen der Grünen Insel. Wer sich in Bangor, einem kleinen Ort nördlich des Ballycroy Nationalparks, auf den Bangor Trail begibt, erlebt auf seiner Wanderung durch den Park diese Einsamkeit hautnah.

Wunderschönes Achill Island

Das Highlight im County Mayo ist Achill Island, Irlands größte Insel. Einsame Buchten mit Stränden wie aus dem Reisekatalog verstecken sich hinter hohen Berghängen, die dramatisch in die See hinab fallen. Die Klippen von Croaghaun im Nordwesten der Insel gehören zu den höchsten Klippen in Irland. Zwischen Meer und Bergen liegen weite Moore, gesprenkelt mit den wenigen, kleinen Dörfern von Achill Island. Das Wandern auf Achill Island ist in diesem landschaftlichen Mix traumhaft und sehr beliebt.

Mit dem Festland ist die Insel über eine Brücke verbunden, die im Ort Gob an Choire (englisch: Achill Sound) über den trennenden Meeresarm führt. Für die Erkundung der Insel bietet sich der Atlantic Drive an, ein ausgeschilderter Rundweg, der an die schönsten Fleckchen führt.

Die inspirierende Schönheit von Acaill, so der irische Name, erkannte Mitte des 20. Jahrhunderts der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll. Er verbrachte seine Sommer auf der schönen Insel und schrieb unter anderem dort 1957 sein „Irisches Tagebuch“.

Achill Island County Mayo

Traumhafte Landschaften gibt es auf Achill Island hinter jeder Straßenbiegung (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Inseln für jeden Tag: Clew Bay und Westport

Südlich von Achill Island schließt sich die Clew Bay an, eine große Bucht, welche die Südhälfte des County Mayo landschaftlich prägt. Auffällig sind die vielen, kleinen Inseln, die sich an der Ostseite der Bucht befinden. Es heißt, es seien dreihundertfünfundsechzig Inseln, eine für jeden Tag des Jahres. Die bedeutendste Insel befindet sich allerdings an der Westseite der Bucht. Die bewohnte Clare Island liegt wie ein Wachposten in der Mündung der Meeresbucht. Clare Island sowie die Gewässer der Clew Bay stehen stark mit der berühmten Piratenkönigin Grace „Granuaile“ O’Malley in Verbindung. Diese lebte Mitte des 16. Jahrhunderts und war berüchtigt, sich mit den englischen Besatzern anzulegen und deren Handelsschiffe zu plündern. Zahlreiche Orte rund um die Clew Bay erinnern heute an das Wirken der irischen Piratenkönigin.

Einer dieser Orte ist das Westport House in der gleichnamigen Stadt Westport in der Südost-Ecke der Clew Bay. Grace O’Malley steht als Statue vor dem herrschaftlichen Anwesen und begrüßt die Besucher. Westport selbst ist eine der größeren, lebhaften Städte im County Mayo. Durch ihre gute Lage ist sie bei Irland-Reisenden beliebt als Ausgangspunkt für die Entdeckung der Grafschaft.

Croagh Patrick Statue

Die Aussicht von Croagh Patrick auf die Clew Bay ist atemberaubend (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Murrisk Halbinsel in der Grafschaft Mayo

Im Süden zeigt sich die Grafschaft Mayo einmal mehr von ihrer landschaftlich vorbildlichen Seite. Die Murrisk Halbinsel streckt sich von der Clew Bay im Norden bis zum Killary Harbour im Süden. Anziehungspunkt im Norden der Halbinsel ist Croagh Patrick, Irlands heiliger Berg. Der dritthöchste Berg im County thront an der Küste der Clew Bay. Croagh Patrick ist aus allen Himmelsrichtungen schon weit aus der Ferne erkennbar.

Weiter südlich schließen sich die Sheffry Hills an, eine hohe Gebirgskette, die sich bis zum äußersten Süden erstreckt. Die Berge werden durch das Doolough Valley abgetrennt, eines der schönsten Täler von Irland. Das Tal erinnert aber auch an die traurige Zeit der großen, irischen Hungersnot. Während einer Durchquerung des Tals starben im Doolough Valley mehrere Menschen vor Schwäche.

Auf der westlichen Seite des Doolough Valley befinden sich die Mweelrea Mountains, ein weiterer Gebirgszug. Der Berg Mweelrea ist mit achthundertvierzehn Metern der höchste Berg im County Mayo. Die Mweelrea Mountains bilden die nördliche Grenze des Killary Harbours, einem der wenigen irischen Fjorde. Dieser ist zugleich die natürliche Grenze zum County Galway.

Lough Mask, der große See

Im Binnenland der Grafschaft Mayo, ebenfalls an der Grenze zum County Galway ist der große Süßwassersee Lough Mask. Der See ist der viertgrößte See in Irland und sehr beliebt für Wassersport. Angler preisen seinen Reichtum an Forellen.

Kleine Dörfer verteilen sich um den Lough Mask. Der Ort Cong ist das berühmteste Dorf darunter. Es liegt ganz im Süden auf dem schmalen Landstrich, der den See von seinem Nachbarn Lough Corrib trennt. Die Cong Abbey und das Luxushotel Ashford Castle lohnen einen Besuch. Cong zehrt noch heute von dem bescheidenen Ruhm des 50er Jahre-Films „The Quiet Man“ (auf Deutsch: “Der Sieger“) in welchem unter anderem der US-Schauspieler John Wayne mitspielte.

Lough Mask County Mayo

Der Lough Mask ist der viertgrößte Süsswassersee der Republik Irland (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Der Osten der Grafschaft

Etwas vernachlässigt wird die Ostseite der Grafschaft Mayo. Dort befindet sich mit Castlebar die größte Stadt der Region. Kleinere Städte wie Claremorris, Foxford und Swineford unterbrechen die ansonsten landwirtschaftlich geprägte Gegend. Im Ort Knock liegt der Regionalflughafen des County Mayo sowie der in der christlichen Welt berühmte Schrein von Knock. Im Jahr 1879 erschien hier angeblich die Jungfrau Maria und machte den Ort in der Folge als Wallfahrtsstätte weltberühmt.

 

Sind Sie neugierig auf das wilde County Mayo geworden? Dann planen Sie auf Ihrer nächsten Irland-Rundreise einen Abstecher ein. Wir helfen Ihnen gerne bei der Planung.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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