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Youghal: Ruheort an der Keltischen See

Youghal
Written by Nadja Uebach

An der Mündung des Flusses Blackwater liegt im Osten der Grafschaft Cork einer der wohl am meisten unterschätzten Orte im Südwesten der Grünen Insel. Denn trotz ihres unbestreitbaren Charmes, der faszinierenden Geschichte und ihrem endlos erscheinenden Sandstrand steht die Kleinstadt Youghal nicht selten im Schatten anderer sehenswerter Orte in Cork. Allerdings zu Unrecht, denn mit den unzähligen kleinen Läden, Pubs und Cafés, die sich in den engen Gassen an historische Gebäude reihen, entsteht eine unvergleichliche Atmosphäre der irischen Gastfreundschaft. In Kombination mit der umliegenden Landschaft – insbesondere dem weitläufigen Sandstrand mit seinen markanten Buhnen –, ist Youghal ein Ort, der immer einen Besuch wert ist.

Youghal: Mittelalterlicher Charme in East Cork

Die Anfänge des Küstenortes Youghal lassen sich offiziell bis an den Anfang des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen, als die Stadt im Jahr 1209 das Stadtrecht verliehen bekam. Verschiedene archäologische Funde haben jedoch belegt, dass an der Blackwater-Mündung jedoch schon zu prähistorischen Zeiten Siedlungen entstanden waren. Aus diesen frühen Siedlungen entwickelten sich über mehrere Zeitalter hinweg Ringforts und religiöse Stätten. Zu Letzterem gehört die St. Mary’s Collegiate Church, obwohl das heutige Gebäude aus dem 13. Jahrhundert stammt, weiß man, dass sie am Standort eines im 5. Jahrhundert gegründeten Klosters errichtet wurde.

Dank der günstigen Lage an der Südküste Irlands, die bereits die Wikinger in Irland für ihre Zwecke genutzt hatten, entwickelte sich das mittelalterliche Youghal schnell zu einem wichtigen Handelshafen. Während man Wolle, Fisch und Holz exportierte, gelangten importierte Güter wie beispielsweise Wein, Glas und Gewürze von Youghal über den Fluss Blackwater bis tief ins Landesinnere. In den darauffolgenden Jahrhunderten war die Küstenstadt immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen den Engländern und Iren.

Youghal

© Chris Hill, Tourism Ireland

Die irische Wiege des Kartoffelanbaus

Im 16. Jahrhundert erhielt der bekannte Entdecker Sir Walter Raleigh Grundbesitz in der Nähe des heutigen Stadtzentrums und ließ sich daraufhin in Youghal nieder. Sein ehemaliges Wohnhouse Myrtle Grove und der dazugehörige Garten existieren bis heute. Angeblich soll es Sir Raleigh gewesen sein, der im Jahr 1585 neben dem Tabak auch die ersten Kartoffeln nach Irland brachte und sie auf seinen Ländereien anbaute. Abgesehen von Raleighs Wohnhaus sind unter anderem noch das St. John’s House (ehemalige Youghal Priory), die Alms Houses sowie Tynte’s Castle und der berühmte Clock Gate Tower aus diesen Zeiten erhalten.

Youghal als Ruheort der Iren

In der Mitte des 20. Jahrhunderts hatte sich Youghal bereits als eine der größten Ortschaften der Grafschaft Cork etabliert. Und während es einige Jahrhunderte zuvor noch die Händler waren, die von der Lage der Stadt angezogen wurden, so waren es nun unzählige Besucher aus allen Ecken der Grünen Insel. Mit dem langen Sandstrand direkt vor den Toren der Stadt, der vielseitigen Gastronomie in den geschäftigen Straßen sowie den beschaulichen Uferlandschaften entlang des Blackwaters zählte Youghal zu den beliebtesten Urlaubszielen der Iren. Dank des Schienenverkehrs war der Küstenort aus ganz Irland zu erreichen und zog besonders im Sommer viele Familien an. Erst die Schließung der Eisenbahnlinie in den 70er Jahren setzte diesem nationalen Tourismusboom ein Ende.

Mit der Ankunft von immer mehr Besuchern aus anderen Länden wurde jedoch kurz vor der Jahrtausendwende wieder in die touristische Infrastruktur der Stadt investiert. Mittlerweile verfügt Youghal über mehrere Campingplätze mit direktem Zugang zu dem langen Sandstrand, dem 2011 der Blue Flag Status verliehen wurde. Nur wenige Kilometer westlich erbaute man am Redbarn Beach ein kleines Ferienresort, das mit einem Hotel, Ferienhäusern und Zeltplatz direkt am Meer der perfekte Ort zum Erholen ist. Ein besonderes Highlight ist der barrierefreie Boardwalk direkt am Strand, der den Strand von Redbarn und Youghal Beach miteinander verbindet.

Youghal

© David Creedon, Fáilte Ireland

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Youghal

In der Stadt Youghal gehört ein Bummel durch die belebte Innenstadt genauso dazu, wie ein Nachmittag am Strand oder sogar ein Ausflug per Boot auf dem Fluss Blackwater.

Geschichte erleben im Clock Gate Tower

Youghal

Clock Gate Tower in Youghal © Chris Hill, Tourism Ireland

Der Clock Gate Tower in Youghal gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt und erweckt mit seiner Architektur aus dem 18. Jahrhundert die Stadtgeschichte schon von weitem zum Leben. Das einstige Stadttor und Gefängnis beherbergt heutzutage ein faszinierendes Museum. Während einer Führung durch die historischen Mauern erhalten Besucher einen spannenden Einblick in längst vergangene Tage. Von der Aussichtsplattform des Turms aus bietet sich zudem ein spektakulärer Panoramablick über die Dächer von Youghal und die Küste, der nicht selten für Gänsehaut sorgt.

Tipp: Es wird empfohlen Führung bereits vorab online zu buchen.

Eine Zeitreise in Youghals Raleigh Quarter

Ein Besuch im Raleigh Quarter ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Hommage an Sir Walter Raleigh, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte Youghals. Neben Myrtle Grove, dem einstigen Wohnsitz Raleighs beherbergt dieses Viertel zahlreiche weitere historische Schätze. Allen voran die St. Mary’s Collegiate Church, die Besucher im Rahmen einer geführten oder selbstgeführten Tour erkunden. Anschließend folgt man dem beschilderten Pfad über den geschichtsträchtigen Friedhof im Schatten der ehemaligen Stadtmauer, wo man erneut das Gefühl hat, eine Zeitreise hinter sich gebracht zu haben. Der ausgeschriebene Medieval Garden Walk, der durch die weitläufigen, historischen Grünanlagen jenseits des Friedhofs führt, ist ebenfalls einen Spaziergang wert. Aber auch außerhalb der ausgeschilderten Wege begeistert die Altstadt in Youghal mit ihren unzähligen alten Häusern und engen Gassen mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Erholung pur an den Stränden von Youghal

Neben den kleineren sandigen Stränden an der Flussmündung sind es die beiden goldenen Sandstrände Youghal Beach und Redbarn Beach an der Keltischen See, die für Erholung und die richtige Portion Meeresluft sorgen. Beide Strände sind über einen mehreren Kilometer langen und befestigten Boardwalk miteinander verbunden. Dieser ist nicht nur bei Spaziergängern beliebt, sondern auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet. Da die Strömungen hier als besonders mild gelten, sind die Strände Sommer wie Winter beliebte Orte, um sich in die salzigen Fluten zu stürzen.

Tipp: Weitere barrierefreie Strände in Irland findet Ihr hier!

Bootsfahrt auf dem Fluss Blackwater

Eine Bootsfahrt auf dem Fluss Blackwater ist ein unvergessliches Erlebnis, auf dem man die Naturschönheiten der Mündungsregion aus einer einzigartigen Perspektive erlebt. Von Youghal aus geht es auf einem der längsten Flüsse Irlands landeinwärts. Unterwegs erhält man nicht nur Gelegenheit, die malerische Uferlandschaft zu erleben, sondern bekommt mit etwas Glück auch die heimische Tierwelt zu Gesicht. Immerhin ist die Gegend rund um die Blackwater-Mündung besonders bei Vogelbeobachtern sehr beliebt. An einem sonnigen Tag gibt es in Youghal kaum etwas Erholsameres, als auf der gemächlichen Strömung des Blackwaters hin und her zu schaukeln und den Blick ins Grüne zu richten.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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