Irische Mythologie

Lugh – Gott der Sonne

Written by Jessica Heiber

Die keltische Mythologie ist geprägt von starken, charakteristischen Gottheiten. Dabei strahlt wohl keine heller als Lugh, der Gott der Sonne. Er steht für Schöpfung, Kunst und pure Lebenskraft. Auch die Geschichte des alten Volkes der Túatha de Danann ist eng mit dem keltischen Sonnengott verwoben.

Lugh und die Túatha de Danann

Der Legende nach stammt Lugh von den zwei ältesten Völkern Irlands ab – den Fomorern und den Túatha de Danann. Die Fomorer waren ein Riesenvolk der Unterwelt, über das nicht viel mehr bekannt ist, als dass sie in der Schlacht von Mag Tuired von den Tuatha de Danann endgültig besiegt wurden.

Die Menschen des Stammes der Göttin Dana galten als Nachkommen der Göttin selbst und besaßen geheimnisvolle Kräfte. Im 11. Jahrhundert tauchen sie erstmals schriftlich in einer folkloristischen Geschichtssammlung auf.

Lughs Vater war ein Mann namens Cian, der „das böse Auge“ Balor zum Feind hat. Er war eines der Kinder des Gottes Domnu, ein König des dämonischen Volkes der Fomori. Einestages stahl er Cian dessen magische Kuh. Sofort schwor der junge Mann, Rache zu nehmen und drang als Frau verkleidet in die gegnerische Festung ein. Dort verführte er Balors Tochter Ethniu. Einer alten Prophezeiung zufolge wurde vorrausgesagt, dass diese das Kind zur Welt bringen sollte, welches schließlich ihren Vater töten würde.

Und so wurde Lugh in der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und seinem Großvater geboren. Um sich vor der Erfüllung der Prophezeiung zu schützen, beschloss Balor, das Kind zu töten, doch Cian rettete seinen Sohn in aller letzter Minute. Zu seinem Schutz übergab er das Kind in die Pflege des Manennan, einem Sohn des Meeres, und der Erdmutter Tailtiu.

Das Leben des Lugh

Photo by Clare Keogh/Fáilte Ireland

Lugh, zu altirisch Lug mac Ethnenn („Der Leuchtende“) ist der Gott des Handwerks und der Künste. Damit verkörpert er die ultimative Schöpfungskraft. Er soll auch ein ausgezeichneter Speerkämpfer gewesen sein, weshalb er oft mit einem hellstrahlenden Speer dargestellt wird. Angeblich brüllte die Waffe während einer Schlacht so laut, dass es die Feinde in die Flucht trieb.

Das keltische Fest Lughnasad, welches jedes Jahr am ersten August begangen wird, wurde von Lugh selbst im Gedenken an seine Pflegemutter Tailtiu ins Leben gerufen.

Über Lughs weiteres Leben ist nicht viel bekannt. Er soll später König der Tuatha de Danann gewesen sein und kämpfte in der Schlacht von Mag Tuired. Demnach reiste Lugh nach Tara, wo er während eines Festes Einlass in die königliche Burg verlangte. Aufgrund seiner zahlreichen magischen Fähigkeiten, erlaubte der Torhüter Camal mac Rágail Lugh den Zutritt. Einmal im Inneren der Festung, war es für den Sonnengott ein Leichtes, die Schlacht zu gewinnen.

Lugh verzauberte die Feinde durch eine Beschwörungsformel, die er auf einem Bein um das feindliche Heer hüpfend und mit einem zugekniffenen Auge, aussprach.

 

Begegnet Lugh hautnah

Photo by Clare Keogh/Fáilte Ireland

Im sagenumwobenen Dún na Sí Heritage Park kann man Lugh in Lebensgröße begegnen. Der Nationalpark in Moate, im County Westmeath, führt eindrucksvoll durch Irlands Vergangenheit. Neben alten Bauernhäusern, einem Steinkreis und vielen anderen interessanten Überbleibseln aus Irlands Geschichte, ragt der riesige Schädel des Sonnengottes aus einer sonst unberührten Rasenfläche. Daneben streckt sich Lughs riesenhafte Hand mit seinem berühmten Speer gen Himmel. Fast scheint es, als wolle er sich jeden Moment aus der Erde erheben und wer weiß? Vielleicht nehmt Ihr auch eine kleine Bewegung wahr, wenn Ihr ihm lange genug in die Augen seht.

Über den Autor

Jessica Heiber

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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