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Irlands Nationalhymne

irische freiheitskämpfer
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Als ein Volk, das lange und erbittert um seine Unabhängigkeit kämpfen musste, sind die Iren zu Recht stolz auf ihre nationalen Symbole. Die Farben der irischen Flagge sowie Shamrock, Claddagh und Leprechaun sind nicht nur auf zahllosen Souvenirs zu finden, die keltische Harfe oder Trinity Harp ziert sogar Euromünzen, Reisepässe und Regierungsdokumente. Nicht ganz so bekannt dagegen ist Irlands Nationalhymne. Zumindest im Ausland und für den Irland-Touristen. Deshalb nehmen wir diese hier einmal genauer unter die Lupe.

Irlands Nationalhymne: The Soldier’s Song

Genannt wird die irische Nationalhymne auch „The Soldier’s Song“ oder Irisch „Amran na bhFiann“ und damit nach dem Titel des Liedes, dem sie entstammt. Der Song besteht aus drei Strophen plus Refrain, als Hymne selbst gilt allerdings nur der Refrain. Einzelne Takte dieses Refrains und damit der Hymne dienen auch als Salut für den irischen Präsidenten.

Hier nun der konkrete Text des Soldier’s Song, einmal auf Englisch und einmal auf Deutsch:

Die irische Nationalhymne

Peadar Kearney [Public domain], via Wikimedia Commons

Wir singen ein Lied, ein Soldatenlied
In jubelndem, feurigem Chor
Während wir uns um die lodernden Feuer scharen,
Den sternenklaren Himmel über uns;
Ungeduldig harrend des kommenden Kampfs,
Und während wir das Morgenlicht erwarten,
Werden wir hier in der Stille der Nacht
Ein Soldatenlied singen.

Refrain:
Wir sind Soldaten
Deren Leben Irland geweiht ist;
Einige sind aus einem Land
Jenseits der See gekommen.
Der Freiheit verschworen,
Soll unser altes Vaterland nie wieder
Despoten oder Sklaven beherbergen.
Heute Nacht besetzen wir die Schlucht der Gefahr
Für Erin, komme was da wolle,
Inmitten Kanonendonner und Flintenschüssen
Werden wir ein Soldatenlied singen.

Im Talesgrün, auf hochragendem Gipfel,
Kämpften vor uns unsere Väter,
Und siegten unter derselben alten Flagge,
die stolz über uns weht.
Wir sind Kinder einer kämpfenden Rasse,
Die bisher noch nie Schande gekannt hat,
Und während wir vorrücken, Auge in Auge mit dem Feind,
Werden wir ein Soldatenlied singen.

Söhne der Gälen! Männer des Pale!
Der langerwartete Tag bricht heran;
Die dichten Reihen von Inisfail
Sollen den Tyrannen das Fürchten lehren.
Unsere Lagerfeuer brennen nun herunter;
Seht den Silberstreif im Osten,
Da draußen wartet der angelsächsische Feind,
So singt denn ein Soldatenlied.

Wie entstand Irlands Nationalhymne?

Der Verfasser des Liedtextes ist Peadar Kearney, der Onkel des bekannten irischen Schriftstellers Brendan Behan. Er schrieb diesen im Jahr 1907. Angeblich saß er dabei in einem Café an der Ecke O’Conell und North Earl Street. Die hier entstandene erste Ausgabe des Soldier’s Song wurde im Jahr 2006 auf einer Auktion in Dublin für 760000 € versteigert. Zunächst aber fand sich nicht einmal eine Zeitung, die den Soldier’s Song drucken wollte. Erst im Jahr 1912 publizierte das Magazin Irish Freedom den Text des Liedes.

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Mittlerweile (1919) hatten Peadar Kearney und sein Freund und Nachbar Patrick Heeney auch eine Melodie dazu komponiert und der Song wurde in Form eines Flugblattes unters Volk gebracht. Die Soldaten der Irish Volunteers gebrauchten ihn erstmals als Marschlied. Während des Osteraufstandes 1916 und in der folgenden Zeit gewann das kämpferische Lied große Popularität unter den Rebellen.

The Soldier’s Song und der Kampf um die Unabhängigkeit

Im Oktober 1917 verbündeten sich die Irish Volunteers mit Sinn Fein, und weil der Soldier’s Song unter ihnen derart beliebt war, wurde er bald auch die Sinn Fein Hymne genannt. Die Engländer allerdings konfiszierten jegliche Kopie, derer sie habhaft werden konnten, als „staatsfeindlich“. An der Popularität der Hymne änderte sich im Lauf des Unabhängigkeits- und Bürgerkrieges nicht viel: Die irischen Soldaten marschierten weiterhin zu den Klängen des Soldier’s Song.

Auch nach dem Krieg wurde das Soldatenlied bei vielen militärischen Anlässen gespielt. Aber noch war es nur eine militärische Hymne, während als Nationalhymne weiterhin das englische „God Save the King“ gesungen wurde.

Irlands Nationalhymne wird offiziell

In den ersten Jahren der neu entstandenen irischen Republik blieb die Frage nach einer offiziellen Nationalhymne noch ungeklärt. Obwohl das Soldatenlied für die Geburtsstunde der jetzigen Freiheit stand, war es doch auf schmerzhafte Weise mit den Wehen des Bürgerkriegs verbunden.

Außerdem fürchtete man, die Einführung einer eigenen Hymne würde die nordirische Antipathie für den neuen Staat nur noch verschärfen. So wurde „The Soldier’s Song“ zwar weit verbreitet, aber nur inoffiziell bei den Nationalisten gesungen. Bei offiziellen Anlässen wie den olympischen Spielen in Paris 1924 und ähnlichen dagegen spielte man „Let Erin Remember“, eine abgewandelte Version der Hymne. Die Zeitung Dublin Evening Mail veranstaltete sogar einen Wettbewerb, um einen neuen Text für die Hymne zu finden, aber nicht einmal das führte zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

Erst im Jahr 1926 wurde „The Soldier’s Song“ offiziell zur neuen irischen Nationalhymne erklärt. Um letztlich Klarheit in Bezug auf die Nationalhymne zu schaffen, akzeptierte man schlussendlich doch zumindest den Refrain des Liedes – und zwar sowohl die Musik als auch den Text – als Nationalhymne.

Amrhán na bhFiann, der „Soldier’s Song“ in Irisch

In der Zwischenzeit (1923) hatten Liam O’Rinn und etliche andere den englischen Text auch ins Irische übersetzt. Von den leicht unterschiedlichen Versionen im Irischen setzte sich diejenige von O’Rinn durch. O’Rinn war auch maßgeblich an der irischen Version der neuen Verfassung beteiligt.

Seit 1933 lernen irische Schulkinder die Nationalhymne in beiden Sprachen, doch heute ist fast ausschließlich die irische Version „Amrhán na bhFiann“ zu hören. Wenn Sie möchten, finden Sie hier auch den irischen Text.

Ireland‘s Call und Irlands heimliche Hymnen

Wie bereits angedeutet, ist „Amrhán na bhFiann“ zwar die Nationalhymne der Republik Irland, nicht aber die von Nordirland. Als Teil des britischen Königreiches gilt in Nordirland nach wie vor die englische Hymne. Was also tun bei offiziellen gesamtirischen Anlässen? Die gesamtirische Rugby Union-Nationalmannschaft beispielsweise fand eine zufriedenstellende Lösung: Vor ihren Spielen ertönt hingebungsvoll der Song „Ireland’s Call“, in dem ganz Irland gewürdigt wird. Das eine schöne Aufnahme davon:

Darüber hinaus gibt es in Irland noch mehrere Musikstücke, die man gerne als „heimliche Hymne Irlands“ bezeichnet. In diese Kategorie fallen beispielsweise „Molly Malone“, „Danny Boy“ und „The Fields of Athenry“.

Zu letzterem gibt es eine bewegende Story. Bei der Fußball-EM in Polen 2012 feierten die irischen Fans ihre Spieler mit diesem Song. Es war in der 87. Minute, die Spanier, Irlands Gegner, hatten eben das 4 : 0 erzielt, als der irische Fanblock „The Fields of Athenry“ anstimmte. Immer lauter sangen die Iren, erhoben sich winkend und klatschend von ihren Sitzen, bis die spanischen Fans ebenso verstummten wie die Kommentatoren. Nicht einmal der Schlusspfiff des Spieles war mehr zu hören, und nach Spielende blieb auch die unterlegene irische Mannschaft auf dem Feld und applaudierte nun ihrerseits ihren Fans…

Falls Sie damals nicht selbst Zeuge dieser Szene wurden, dürfen Sie dies gerne jetzt und hier nachholen.

 

Noch eindrucksvoller wäre es natürlich, in Dublin’s Croke Park im Stadion zu sitzen und sich dort live beim Singen der irischen Nationalhymne mitreißen zu lassen. Falls Sie eine Reise dorthin planen, ist das Team der gruenen-insel Ihnen sehr gerne behilflich…

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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