Irische Schriftsteller

Bekannte irische Schriftsteller: Brendan Behan

Brendan Behan
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Brendan Behan oder auch der „Borstal Boy“, wie er sich selbst in dem so betitelten autobiographischen Roman nennt, ist einer der großen irischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In Irland ist er vor allem dafür bekannt, dass er die gälische Sprache als Literatursprache wieder zum Leben erweckte. Nicht weniger populär in seiner Heimat sind die Songs, welche die humorvollen, umgangssprachlichen Dialoge seiner Theaterstücke würzen. Kombiniert mit Behans Ruf des charmanten, trinkfesten Partylöwen eröffnet sich hier ein lohnenswerter Blick auf eine vielschichtige Persönlichkeit.

Brendan Behan: Kindheit und Jugend

Brendan Francis Behan wurde am 9.Februar 1923 in Dublin geboren. Seine Familie lebte am Mountjoy Square, sein Vater war ein einfacher Arbeiter. Ein Maler seines Zeichens, der zum Zeitpunkt von Brendans Geburt wegen seiner republikanischen Aktivitäten gerade im Gefängnis saß. Brendans Onkel mütterlicherseits komponierte 1907 „The Soldier’s Song“, die spätere irische Nationalhymne. Die Liebe zur Literatur, zu irischer Geschichte und Musik jedoch übernahm Brendan von seinem Vater.

Im Alter von vierzehn Jahren begann der Junge in dessen Geschäft eine Ausbildung im Malerhandwerk. Doch selbst während er Häuser strich, galt sein eigentlicher Ehrgeiz dem Schreiben. „Ich begann zu schreiben, weil das einfacher ist, als Häuser zu streichen“, behauptete er später stets humorvoll, wenn er danach gefragt wurde.

In einem republikanischen Arbeiterhaushalt aufzuwachsen, zeichnete Brendan schon frühzeitig. Schon im Alter von acht Jahren schloss er sich Fianna Eireann an, der Jugendorganisation der IRA. Mit 16 Jahren dann wechselte er zur Hauptorganisation. Außerdem unternahm er in diesem Alter einen –  von der IRA nicht gebilligten – Trip nach Liverpool, wo er wegen des Besitzes von Sprengstoff verhaftet wurde. Die folgenden drei Jahre verbrachte er in der Besserungsanstalt Borstal in Suffolk.

Kaum entlassen, wurde er wegen versuchten Polizistenmordes schon wieder verurteilt. Nur knapp entkam er der Todesstrafe und landete stattdessen für weitere vierzehn Jahre im Gefängnis. 1946 jedoch wurde eine Generalamnestie erlassen und Brendan Behan kam wieder auf freien Fuß. Bald danach verließ er die IRA. Was ihn allerdings nicht vor etlichen weiteren, kürzeren Gefängnisaufenthalten bewahrte, unter anderem wegen Trunkenheit und Randalierens.

Brendan Behan: Erste Werke

Zu allererst wurden Behans Werke im Magazin der Fianna Eireann publiziert: Fianna: The Voice of Young Ireland. Sein erstes Bühnenstück The Landlady, schrieb der junge Mann im Gefängnis von Mountjoy. Zudem wurde er in den irischen Literaturjournalen seiner Zeit, insbesondere in dem angesehenen Journal „The Bell“ veröffentlicht.

In den fünfziger Jahren entschied sich Behan, nach Paris zu gehen, um ernsthaft an seiner schriftstellerischen Karriere zu arbeiten. Hier betätigte er sich als Journalist, veröffentlichte Gedichte und machte die Bekanntschaft des späteren Literaturnobelpreisträgers Samuel Beckett. Doch bald wurde sein übermäßiger Alkoholgenuss, der später den endgültigen Niedergang bedeutete, seinen Pariser Freunden unangenehm, und Behan kehrte nach Irland zurück.

Im Jahr 1955 heiratete er Beatrice Salkeld, und 1963 bekamen die beiden eine Tochter, Blanaid. Der Name Blanaid ist Irisch und vergleichbar mit dem englischen Florence, „wie eine Blume“.

Die bekanntesten Werke Brendan Behans beruhen auf seinen vielfältigen Erfahrungen im Gefängnis. 1954 erschien das Bühnenstück The Quare Fellow aus der Zeit seiner Haft in Mountjoy. Es spielt in einem Gefängnis, in der Nacht vor der Hinrichtung eines der Insassen. Daher auch der deutsche Titel Der Mann von morgen früh (ebenso: Der Spaßvogel). Im Jahr 1955 in Dublin uraufgeführt wurde das Stück ein durchschlagender Erfolg und machte Behan auch in England zum gefeierten Bühnenautor. Etliche Jahre später, 1962, wurde The Quare Fellow  zudem verfilmt.

Weitere Werke von Brendan Behan

Selbstverständlich besteht Behans literarisches Vermächtnis noch aus wesentlich mehr bekannten Werken. Wie könnte es auch anders sein bei einem Mann, der von sich selbst sagte: „Shakespeare said pretty well everything and what he left out, James Joyce, with a nudge of meself, put in.“?

Zunächst erschien im Jahr 1958 Behans autobiographischer Roman Borstal Boy. Wie der Titel bereits verrät, „verarbeitet“ Behan hier die Zeit, die er als junger, stürmischer IRA-Idealist Brendan im britischen Jugendgefängnis und in der Besserungsanstalt Borstal verbrachte. Nachdem das Werk in Irland anfangs verboten war, gilt es heute als Klassiker der irischen Literatur und ist seit 1963 auch in Deutsch verfügbar. Im Jahr  2002 erschien außerdem der Film „Borstal Boy“.

In Borstal war es übrigens auch, wo Behan begann, die irische Sprache zu lernen. Seitdem verfasste er Gedichte und Theaterstücke in Irisch. Am bekanntesten davon ist das Schauspiel An Giall (The Hostage, Die Geisel) aus dem Jahr 1958. Der Einakter An Giall entpuppte sich als ein noch größerer Erfolg als The Quare Fellow. Er spielt in einem Bordell, wo IRA-Kämpfer einen jungen britischen Soldaten als Geisel halten, und brachte Behan viel Kritik von Seiten der IRA-Sympathisanten ein.

Folgende Werke von Brendan Behan wurden auch in deutscher Sprache veröffentlicht:

  • Die Geisel und andere Stücke (Unter den „anderen Stücken“ befinden sich auch Der Spaßvogel und Richards Korkbein).
  • Borstal Boy
  • Bekenntnisse eines irischen Rebellen
  • Der Spanner (veröffentlicht erst nach Behans Tod)
  • Das gleiche nochmal! Romanfragment und 14 Streiflichter

Brendan Behans Krankheit und Tod

In einem Interview bezeichnete der Schriftsteller sich selbst als „drinker with a writing problem“. Auch zahlreiche andere Zitate über’s Trinken sind von ihm bekannt. „Ein Drink ist zu viel für mich und tausend sind nicht genug“ und „Ich trinke nur bei zwei Gelegenheiten – wenn ich durstig bin und wenn ich es nicht bin“.  Als Erzähler, Reden schwingender Entertainer und Sänger war er das Herz und die Seele jeder Party und bekannt in jeder Kneipe. Doch was anfangs charmant und unterhaltsam an ihm war und seine Muse nährte, wuchs sich mit zunehmendem Alkoholgenuss zu einem handfesten Problem aus.

Nicht nur wurde er immer häufiger wegen Trunkenheit und Pöbeleien verhaftet, sondern stieß damit auch sein Publikum ab, wurde aus zahlreichen Pubs verbannt und erkrankte an Diabetes. 1956 erhielt er die entsprechende Diagnose. Statt jedoch seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, trank er daraufhin noch mehr, litt unter Krampfanfällen und fiel gelegentlich in Komazustände, nach denen er sich stets selbst aus dem Krankenhaus entließ.

Im Jahr 1964, als Brendan Behan gerade einmal 41 Jahre alt war, kollabierte er endgültig und starb am 20. März im Meath Hospital. Sein Begräbnis war angeblich das größte seit der Beerdigung des Staatsmannes Charles S. Parnell und der des Volkshelden Michael Collins. Eine Ehrengarde der IRA geleitete Behan zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Glasnevin Cemetry.

Falls Sie sich in Dublin selbst auf die Spuren des Schriftstellers begeben wollen, finden Sie im St. Patrick’s Park eine Gedenktafel. Außerdem eine Bronzetafel vor der Palace Bar in der Fleet Street und an der Royal Canal Bank eine Statue des berühmten Iren.

Brendan Behan Statue

William Murphy from Dublin, Ireland [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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