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Auf den Spuren des Filmes ONCE durch Dublin

once film
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

ONCE upon a time – so beginnen zahllose Märchen auf der ganzen Welt. ONCE ist allerdings auch der Titel eines vergleichsweise realistischen Filmes um einen irischen Straßenmusiker. Die Drehorte von ONCE befinden sich ausschließlich in und um Dublin, und dargestellt wird der namenlose Straßenmusiker von dem weltbekannten Musiker Glen Hansard. Der im Übrigen mit ONCE 2008 den Oscar für den besten Filmsong erhielt.

Vor etwa drei Wochen bin ich ihm tatsächlich begegnet, dem Träger des wirren roten Lockenschopfes und charakteristischen Vollbartes. Er bediente mich am Tisch eines kleinen Restaurants einer Kleinstadt in Kerry und lächelte erfreut, als ich ihn augenblicklich als Glen Hansard erkannte. Aber nein, natürlich war der Kellner nicht der bekannte Sänger persönlich, sondern ein sehr charmanter, junger „Doppelgänger“, der (laut eigenen Angaben) nicht im Geringsten musikalisch ist, und unser Aufeinandertreffen eine nette Reiseanekdote für mich =)

Worum geht es nun bei dem Film, der Glen Hansard zu seinem Oscar verhalf?

ONCE, die Story zum Film

Wie manch anderer Ire träumt der namenlose junge Mann (gespielt von Glen Hansard) von einer Karriere als Musiker, während er in dem bescheidenen Geschäft seines Vaters Staubsauger repariert. Jede freie Minute nutzt er dazu, mit seiner gefühlvollen Stimme und ramponierten Gitarre auf der Straße aufzutreten. Vor allem nach der Trennung von seiner Freundin singt er sich dabei den ganzen Schmerz von der Seele.

Genau hier begegnet er einer jungen tschechischen Immigrantin (Marketa Irglova), die in der Fußgängerzone Blumen verkauft. Außerdem betätigt sie sich als Putzfrau, um sich, ihre kleine Tochter und ihre Mutter in der neuen Heimat durchzubringen. Seine Songs gefallen der jungen Frau – und sie besitzt einen kaputten Staubsauger. Doch es währt nicht lange, bis die beiden feststellen, dass weit mehr als das sie miteinander verbindet. Es ist die Liebe zur Musik. Die junge Pianistin ohne eigenes Klavier und der Staubsaugermechaniker beginnen, miteinander Musik zu machen.

Zunächst in einem Musikladen, später in einem Studio, das sie gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Band aus Straßenmusikern nutzen, um eine CD aufzunehmen. Ihre gemeinsame Leidenschaft zur Musik und die miteinander verbrachte Zeit schmiedet ein starkes Band zwischen den beiden Hauptdarstellern – und dennoch gehen sie am Ende getrennte Wege. Die junge Tschechin versöhnt sich mit ihrem Mann, der in der alten Heimat zurückgeblieben war. Der Straßenmusiker widmet sich – dank des Durchbruchs mit der neuen CD – ganz der Musik und versucht eine Annäherung an seine ehemalige Freundin.

Gerade weil dies nicht das Happy End ist, das man den beiden gewünscht hätte, wirkt die Story. Und beantwortet gleichzeitig die Frage: How often do you meet the right person? Once.

Eine bezaubernde, unmögliche Liebesgeschichte; Herzerwärmende Romanze; Ein Traum – so und ähnlich lauten die Kritiken. Außerdem gewann der Film die Publikumspreise beim Sundance Film Festival und Dublin International Filmfestival. Glen Hansard selbst erhielt 2008 den Oscar für den besten Filmsong „Falling Slowly“. Den wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten:

ONCE in Dublins Grafton Street

Hier, in der bekanntesten Einkaufsstraße und Fußgängerzone Dublins, spielt die Eröffnungsszene. Der Hauptdarsteller steht vor einem Schaufenster und präsentiert einen selbstverfassten Song. Von möglichen Zuschauern oder Zuhörern zunächst keine Spur. Einzig ein junger Mann ist zu sehen, der dem Musiker seine Kasse raubt und den derselbe bis zum Park St. Stephen‘s Green hinüber verfolgt. In einer folgenden Szene trifft auch die junge Immigrantin hier erstmals auf den Straßenkünstler.

Die Grafton Street mit ihren wundervollen historischen Gebäuden führt von dem genannten Park im Süden bis zum Trinity College im Norden. Gemeinsam mit den von ihr abzweigenden Nebenstraßen beheimatet sie zahlreiche kleine Shops (einschließlich Souvenirshops) bis hin zu Kaufhäusern wie Dunnes. Dazwischen liegen gemütliche Cafés, Bars, Restaurants, Hotels und was sonst das Herz eines Städtereisenden begehrt.

So unverzichtbar die Shops zu dieser Fußgängerzone gehören, sind in der Grafton Street auch die Straßenkünstler. Allen voran natürlich die Musiker. Noch namenlose Künstler wie der junge Mann im Film gehören ebenso ins Straßenbild wie einst der Frontmann Bono von U2 oder Ray Garvey und seine Kandidaten aus Voice of Germany, und auch Ed Sheeran war hier bereits zu hören. Menschen wie ihnen verdanken wir die eigentliche Grafton-Street-Erfahrung.

Grafton Street Dublin

Die berühmte Grafton Street; by Donaldytong [GFDL or CC BY-SA 3.0 ], from Wikimedia Commons

ONCE im Music Shop und Coffee Shop

Keine fünf Gehminuten von der Grafton Street entfernt liegt die George’s Street Arcade. Seit dem Jahr 1881 dienen die Arkaden Dublin als Einkaufszentrum und gelten damit als eines der ältesten Shoppingzentren Europas überhaupt. Zahllose kleine Shops, Boutiquen, Cafes und Restaurants vereinen sich hier zu einem überdachten viktorianischen Markt. Darunter auch der Coffee Shop, in dem sich „The Guy“ und „The Girl“, wie die beiden Hauptdarsteller von ONCE am Ende genannt werden, treffen.

Besucher finden die konkrete Location als Simon’s Place Coffee Shop. Seit 1997 trifft hier täglich eine bunte Mischung aus Menschen aufeinander – Geschäftsleute, Studenten und Schüler, Künstler und Touristen. Zur Mittagszeit reicht die Schlange manchmal bis vor die Tür. Simon’s ist bekannt als eines der besten günstigen Restaurants in Dublin.

Auch der Music Shop aus ONCE befindet sich unter dem Dach der Arkaden. Mit der freundlichen Erlaubnis des Inhabers musizieren „The Guy“ und „The Girl“ hier zum ersten Mal gemeinsam. Mit rührender Schüchternheit schlagen sie anfangs die Saiten (und Tasten) an, bis sie es wagen, sich einander durch ihre Musik zu öffnen.

Leider ist es mir nicht gelungen, der Szene im Film einen konkreten Musikladen zuzuordnen. Vielleicht wollen Sie sich selbst auf die Suche danach machen?!?

George's Street Arcade

Einfach wunderschön und viele süße Lädchen die George’s Street Arcade in Dublin © Failte Ireland

ONCE auf dem Killiney Hill

Hier spielt die Szene, in der die junge Tschechin dem Musiker gesteht, dass sie verheiratet ist. Von Dublin aus fahren die beiden mit dem Motorrad einen Hügel hinauf und teilen bei dem Ausblick hinunter auf die Küste einige emotionale Augenblicke, ehe dieses Geständnis den  Zauber zerstört.

Im Süden von Dublin gelegen bietet der Killiney Hill mit seinem Park an klaren Tagen tatsächlich einen atemberaubenden Anblick. Nordwestlich auf die Stadt Dublin, im Osten und Südosten auf die Irische See, unter Umständen sogar bis hinüber zu den Bergen von Wales. Noch weiter südlich erkennt man Bray Head und die sanften grünen Hügel und schroffen Felsen der Wicklow Mountains, ebenfalls Schauplatz zahlreicher Filme.

Auf dem Gipfel des Killiney Hill steht außerdem ein Obelisk, der als „wishing stone“ gilt: Wenn man den Stein Stufe um Stufe umrundet, auf dem obersten Absatz gen Norden blickt und dabei einen Wunsch äußert, geht dieser, so die Legende, gewiß in Erfüllung. Ein Spaziergang auf den Hügel und durch den Park könnte sich demnach auch lohnen, wenn der Ausblick einmal durch Regenwolken getrübt wird…

killiney hill

Der Wishing Stone, Fotograf: Rob Durston; Creating Agency: Fáilte Ireland

Sie wollen sich demnächst einen eigenen Eindruck von der Grafton Street und ihren Musikern oder dem Killiney Hill verschaffen? Das Team der gruenen-insel ist Ihnen gerne dabei behilflich, Ihre Reise zu organisieren!

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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