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Das Boyne Valley – Eine Reise in Irlands Geschichte

Boyne Valley
Neil Saad
Written by Neil Saad

Im Osten der irischen Insel fließt der Fluss Boyne über einhundert Kilometer durch die saftigen, grünen Felder Irlands. Seine Heimat, das Boyne Valley, ist eine irisch-beschauliche Landschaft und bietet vor allem eins: einen riesigen Fundus irischer Geschichte. Von den verschwommenen Rändern der Zeitrechnung bis in die jüngere Vergangenheit hinein hat das Boyne Valley seinen Besuchern viel zu erzählen. Steinzeitliche Sehenswürdigkeiten wie Newgrange im Brù na Boinne, mittelalterliche Burgen wie das Trim Castle und historische Städte wie Drogheda warten im Boyle Valley, in Irlands historischem Osten. Deshalb ist eine Reise durch das Boyne Valley für jeden Irland-Reisenden empfehlenswert.

Die Quelle des Boyne im County Kildare

Der Fluss Boyne entspringt im County Kildare, nahe des Orts Carbury. Seine Größe ist hier am Rande des Boyne Valley noch überschaubar. Dagegen schätzen die früheren Herren der Region seine Bedeutung hoch ein. Aus diesem Grunde befinden sich entlang der ersten Kilometer des Boyne zahlreiche Burgruinen. Vorrangig auf Anhöhen in Ufernähe blickten einst wachsame Augen über den Fluss, um Angreifer zu Schiff frühzeitig zu bemerken.

Dabei sind das Carbury Castle, das Grange Castle und das Carrick Castle lohnenswerte Sehenswürdigkeiten für Freunde alter Gemäuerreste. Das Letzte war im Jahre 1304 Schauplatz eines Massakers, bei dem zwei irische Sippen zunächst gemeinsam einen Feiertag festlich begingen. Jedoch ermordete ein Clan am Ende des Abends die versammelten Gäste der Nachbarsippe. Auf diese Weise stellten sie ihre regionale Hegemonie wieder her.

Hinter den ersten Flussbiegungen verlässt der Strom Kildare und fließt in die Grafschaft Meath. Bemerkenswert ist hier das Boyne Aquädukt. Dieser massive Steinbau trägt den Royal Canal über den Boyne hinweg. Ein spektakuläres Bauwerk. Daneben sind die Ruinen der Ballyboggan Abbey sowie des Donore Castle die ersten Sehenswürdigkeiten im Boyne Valley auf dem Territorium der Grafschaft Meath.

Ballyboggan Abbey

Ballyboggan Abbey

Trim und das beeindruckende Trim Castle

Der erste, größere Ort, den der Boyne auf seinem Weg in Richtung Irischer See passiert, ist Trim. Dieser ist berühmt für das Trim Castle. Die trutzige Burg galt einst als die mächtigste Festung Europas. Der Normanne Hugh de Lacy erbaute Trim Castle an den Ufern des Boyne im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts. Dabei war es sein Ziel, seine neu gewonnenen Ländereien vor den umliegenden Iren zu schützen. Diese hatten nichts Geringeres als die Rückgewinnung ihres Landes im Sinn. Dementsprechend stark bauten der Eindringling de Lacy und seine Nachkommen Trim Castle über die Jahre aus.

Königlich: Der Hill of Tara

Wahrhaft königlich ist der Hill of Tara. Der Hügel inmitten der endlosen Weite des Boyne Valley gilt als der einstige Sitz der irischen Hochkönige. Legendäre Iren wie Brian Ború hielten hier Hof und demonstrierten ihre Macht. Die Überreste mehrere Ringforts dokumentieren heute die frühere Stärke des Hill of Tara. Zentraler Punkt ist der Lia Fáil, der sogenannte Stone of Destiny. Auf ihm wurden die Hochkönige gekrönt.

Allerdings geht die Geschichte des Hill of Tara weit über die Zeiten der Hochkönige hinaus. Ein altes Hügelgrab, The Mound of the Hostages, stammt aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Beeindruckend.

Hill of Tara Raith na Riogh Stone of Destiny

Blick in das Ráith na Rìogh, die Festung des Königs. (Foto: Neil Saâd)

Navan im Boyne Valley

Die Stadt Navan, nicht zu verwechseln mit dem County Cavan, ist neben Drogheda eine der größeren Städte der Grafschaft Meath. Ende des 12. Jahrhunderts gründeten Normannen aus dem Gefolge von Hugh de Lacy die Stadt im Boyne Valley. Durch ihre Lage am Fluss etablierte sich Navan schnell zu einem kleinen Zentrum und trieb fleißig Handel mit der wachsenden Metropole Dublin.

Heute lädt Navan mit seinem regen Stadtzentrum zum Shoppen und Flanieren ein. Pubs und Cafes bieten gemütliche Entspannung. Navan bietet sich während der Reise entlang des Boyne ideal für einen Lunch Break oder ein zweites Frühstück an.

Der historische Ort Slane

Weitere fünfzehn Kilometer den Boyne entlang liegt der historische Ort Slane. Auf einer Anhöhe ein kurzes Stück außerhalb des Ortskerns befindet sich das Slane Castle. Der neugotische Bau stammt aus dem Jahr 1785. Somit ist Slane Castle ein vergleichsweise junger Bau im Boyne Valley. Nichtsdestotrotz lockt die architektonisch wertvolle Bauweise jährlich zahlreiche Besucher an. Berühmt ist Slane Castle für das jährliche Musikfestival, welches auf dem weitläufigen Gelände der Burg stattfindet. Hierbei traten bereits Größen wie U2 und Robbie Williams auf.

Jedoch fällt Besuchern vom Ortskern besonders der Hill of Slane mit den Ruinen eines Franziskanerklosters auf. Die Silhouette des alten Klosterturms ist aus dem Tal deutlich erkennbar. Vom Hill of Slane aus genießen Besucher eine traumhafte Aussicht über das Boyne Valley.

Brú na Boinne: uralte Hügelgräber

Der Ort Slane ist das Einfallstor in das Brú na Boinne, den archäologisch bedeutendsten Teil des Boyne Valley. Dabei handelt es sich um einen steinzeitlichen Komplex, bestehend aus mehreren Hügelgräbern. Von Slane aus sind es wenige Minuten bis zum Brú na Boinne Besucherzentrum. Von dort aus starten Führungen in das Hügelgrab Newgrange. Das Alter des spektakulären Hügelgrabs geben Experten mit über 5.000 Jahren an. Somit gilt Newgrange als einer der archäologisch wichtigsten Funde auf der ganzen Welt.

Neben Newgrange befinden sich im Brú na Boinne mit den Gräbern Knowth, Dowth und Townleyhall weitere Ausgrabungsstätten mit ähnlichen Ausmaßen. Die erforschten und teilweise restaurierten Grabanlagen geben einen spannenden Eindruck der steinzeitlichen Grabkultur.

Newgrange

Newgrange, Co. Meath (Irland); Fotograf: Brian Morrison, Creating Agency: Tourism Ireland

Schlacht um Irland: Das Battle of the Boyne

Eines der prägensten Ereignisse in der irischen Geschichte fand im Boyne Valley statt. Das Battle of the Boyne im Sommer 1690 entschied die Vorherrschaft über die Grüne Insel. Dabei besiegte der protestantische Wilhelm III. (Wilhelm von Oranien) seinen katholischen Schwiegervater Jakob II.. Die Folge war die Etablierung protestantischer Herrschaft in England und Irland. Damit einher ging die Unterdrückung der Katholiken in Irland. Bis heute manifestiert sich dieses Verhältnis durch die Trennung von Irland in Nord und Süd. Aus diesem Grund ziehen bis heute am Jahrestag des Battle of the Boyne nordirische Protestanten mit Siegesparaden durch die Städte im Norden.

Das Boyne Valley im County Louth: Monasterboice und die Old Mellifont Abbey

Ein kurzes Wegstück nördlich des Boyne, auf Gebiet der Grafschaft Louth, befinden sich zwei bemerkenswerte Klosterruinen. Die Old Mellifont Abbey war das erste Zisterzienserkloster in Irland. Sie war Vorbild für die vielen weiteren Klöster, die sich in der Folgezeit bildeten. Ihre Ruinen zeigen, wie prächtig die Abtei einst war und sind einen Besuch wert.

Unweit von der Old Mellifont Abbey entfernt befindet sich Monasterboice. Der alte Rundturm des Klosters, heute ein gut erhaltenes Relikt, ist der auffälligste Bauteil der Anlage. Daneben ist Monasterboice für seine drei Hochkreuze berühmt. Darunter ist das Westkreuz mit über sechs Metern das höchste Hochkreuz in Irland. Von hohem Werte ist das sogenannte Muiredach High Cross, welches als das am besten erhaltene irische Hochkreuz gilt.

Monasterboice Muiredachs Cross Hochkreuz High Cross

Muiredach’s Cross in Monasterboice

Drogheda: Das Ende des Boyne Valley

Der Fluss Boyne mündet in der Stadt Drogheda in die Irische See und dort endet das Boyne Valley. Jedoch bietet die ehemals befestigte Hafenstadt Drogheda eine Vielzahl an architektonischen Sehenswürdigkeiten. Darunter sind das Millmount Fort und das St. Laurence’s Gate unter den beeindruckendsten Bauwerken der Stadt. Mit dem regen Stadtleben unmittelbar am Meer lädt Drogheda seine Besucher zum Verweilen und Bummeln ein. Somit bildet Drogheda einen würdigen Abschluss für die Erkundungsreise entlang des Boyne.

Mehr Geschichte: Abstecher nach Kells und zu den Loughcrew Cairns

Nicht nur unmittelbar im Boyne Valley befinden sich großartige Sehenswürdigkeiten, sondern auch das Umland hat viel zu bieten. Hierbei steht ein Abstecher nach Kells weit oben auf der To Do-Liste. Der geschichtsträchtige Ort nördlich des Boyne entstand um die Kells Abbey aus dem 6. Jahrhundert. Diese ist berühmt als Herkunftsort des Book of Kells, bekannt als Ausstellungsstück im Trinity College in Dublin.

Weit tiefer in die irische Geschichte gehen die Lough Crew Cairns zurück. Diese sind ein Komplex von über 25 Hügelgräbern auf einem Höhenzug im Nordwesten der Grafschaft Meath. Archäologen geben das Alter der Gräber mit über 5.000 Jahren an. Dadurch gehören sie neben den Gräbern um Newgrange im Brú na Boinne zu den bedeutendsten Anlagen in Irland. Die Loughcrew Cairns befinden sich in der Nähe des Orts Oldbridge zwanzig Kilometer weiter westlich von Kells.

Book of Kells, Irlands schönste Sehenswürdigkeiten

Book of Kells by Abbey of Kells [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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