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Rock of Dunamase: Faszinierende Ruine im Herzen Irlands

Rock of Dunamase
Written by Nadja Uebach

Wie ein mystisches Kapitel der keltischen Vorgeschichte Irlands ragt der Rock of Dunamase am Ende einer Straße in der Grafschaft Laois aus dem Flickenteppich grüner Felder auf, der die Insel bedeckt. Die Überbleibsel einer einst bedeutungsvollen Festung zeichnen sich auf dramatische Weise gegen die Weite des Himmels ab und machen den Felsen nicht nur zu einem stummen Zeugen vergangener Schlachten, sondern auch zu einem Hüter unzähliger Legenden und Mythen, die von den windgepeitschten Mauern der Ruine widerzuhallen scheinen.

Welche Geschichte sich hinter dieser gewaltigen Festungsanlage verbirgt und warum sich ein Besuch des Rock of Dunamase während Eurer nächsten Irlandreise lohnt, verraten wir Euch jetzt.

Rock of Dunamase: Ein Fels mit Geschichte

Die Ursprünge des Rock of Dunamase reichen bis weit vor den Bau der Festung zurück, deren Ruine bis heute auf dem Felsen thront. Im Rahmen von archäologischen Ausgrabungen in den 90er Jahren entdeckte man Spuren einer vorgeschichtlichen Wallanlage. Diese waren zwischen den Jahren 600 und 900 nach Christus auf der Grünen Insel weit verbreitet. Der Gründervater und Namensgeber der Grafschaft Laois Ceannmor soll die strategisch gute Lage des Felsen ebenfalls erkannt und für seine Zwecke genutzt haben. Zum ersten Mal wird die Anlage unter dem Namen Dun Masc in den irischen Annalen erwähnt, als sie im Jahr 843 von den Wikingern überfallen und geplündert wurde. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden erste Festungsmauern errichtet und der Fels spielte eine immer wichtigere Rolle in der Innenpolitik des Landes.

Rock of Dunamase

© Liam Murphy, Fáilte Ireland

Der König von Leinster und Dunamase

Im 12. Jahrhundert spielte sich am Rock of Dunamase ein Familiendrama ab, das die Invasion der Anglo-Normannen in die Wege leitete und somit die Geschichte des ganzen Landes veränderte. Die Burg auf dem Felsen gehörte dem damaligen König von Leinster Diarmait Mac Murchadha. Dieser war in irischen Adelskreisen nicht sehr beliebt. Schließlich besiegelte er sein Schicksal, indem er Dervogilla, die Tochter des Königs von Breifne, entführte und sie in die Festung Dunamase verschleppte.

Letztendlich gelang es dem amtierenden Hochkönig Irlands – Ruaidhrí Ua Conchobair – Diarmait zu überwältigen, ihm sein Königreich und seinen Titel abzusprechen und ihn ins Exil zu schicken. Daraufhin machte Diarmait sich auf den Weg nach England, um König Henry II um Hilfe zu bitten. Der englische König erkannte die Gelegenheit einer Invasion sofort und sandte Richard De Clare, der besser unter dem Namen Strongbow bekannt ist, nach Irland, um Diarmait zur Seite zu stehen.

Um sicherzustellen, dass Strongbow auch wirklich Diarmaits Ziele verfolgte, verheiratete er seine Tochter Aoife mit ihm und erklärte ihn zum Erben seines Königreichs. Diese Taktik zahlte sich aus. Diarmait erhielt seine Ländereien und seinen Titel zurück. Nach seinem Tod fielen sein Königreich und der Rock of Dunamase in die Hände von Strongbow, der damit einer der einflussreichsten Normannen zur damaligen Zeit war.

William Marshal und seine Festung

Strongbow und Diarmaits Tochter Aoife hatten nur zwei Kinder, von denen lediglich die Tochter Isabel überlebte. Sobald sie alt genug war, wurde Isabel mit dem Engländer William Marshal verheiratet, der als erfolgreicher Turnierritter in ganz Europa bekannt war. Trotz eines erheblichen Altersunterschieds wird angenommen, dass Isabel und William – der unter dem Namen The Marshal in die Geschichte einging – eine glückliche Ehe führten, aus der zehn Kinder hervorgingen.

Nachdem The Marshal das Königreich Leinster übernommen hatte, realisierte er die bedeutungsvolle Lage des Rock of Dunamase sofort und veranlasste den Ausbau der Festungsanlage. Anschließend galt Dunamase aufgrund seiner Lage und der damals fortschrittlichen Bauweise als uneinnehmbar. Eine Tatsache, der man beim Anblick der dicken Mauern bis heute Glauben schenkt.

Nach Williams Tod ging Dunamase an seine Tochter Eva und nach deren Tod an seine Enkeltochter Maud über. Maud heiratete in die Familie Mortimer ein, die im 14. Jahrhundert mit Hochverrat in Verbindung gebracht wurde. Dies führte dazu, dass man Maud und ihre Familie aus der Burg vertrieb. Zunächst fielen die Mauern der Witterung zum Opfer, die nach und nach für ihren Verfall sorgte. Ende des 17. Jahrhunderts ordnete man die Zerstörung der Anlage an, um zu verhindern, dass sie im Rahmen von Aufständen und anderen militärischen Operationen eine Rolle spielte. Trotz dieser Zerstörung erhält man in der Ruine bis heute einen spannenden Eindruck, von einer der einst mächtigsten Festungen der Insel.

Rock of Dunamase

© Liam Murphy, Fáilte Ireland

Rock of Dunamase: Ort der Mythen und Legenden

Dass sich um einen Ort, der so fest in der Geschichte verwurzelt ist wie Dunamase, zahlreiche Mythen und Legenden ranken, ist besonders in Irland keine Überraschung. Seit Generationen wird erzählt, dass an verschiedenen Stellen in der Festungsanlage mehrere Schätze vergraben sein sollen. Woher diese stammen oder ob sie tatsächlich existieren, ist bisher nicht belegt. Womöglich liegt das an der mythischen Kreatur, die den Rock of Dunamase schon seit jeher bewacht. Der gewaltige Wachhund Bandog mit seinem riesigen Maul, aus dem die Flammen der Hölle schießen, treibt sein Unwesen innerhalb der Burgmauern und sorgt dafür, dass ungebetene Besucher oder Schatzsucher umgehend das Weite suchen.

Die Felder rund um Dunamase scheinen zu prähistorischen Zeiten von außergewöhnlich großer Bedeutung gewesen zu sein. So befindet sich nur wenige Autominuten südlich das Townland Clopook, das sich von dem irischen Cloch an Phúca ableitet, was so viel heißt, wie Stein des Púca. Ein altes Ringfort bildet das Zentrum der Anlage, die über ein mittlerweile eingestürztes Tunnel- und Höhlensystem mit anderen Wallfestungen der Gegend verbunden war. Außerdem gehören mehrere kleinere Forts sowie ein Ritualweiher zu Clopook. Neben dem Wesen, das der Anlage ihren Namen gab, treibt sich der Legende nach eine Banshee in den Höhlengängen unter den Hügeln herum. Ihr lauter, durchdringender Schrei hallt bei nahendem Tod durch die Landschaft. Das letzte Mal haben Anwohner ihren Schrei vor etwa 50 Jahren dokumentiert. Bei vielen Besuchern des Rock of Dunamase sorgen diese Mythen für Gänsehaut.

Die Ruine auf dem Rock of Dunamase heute

Die Ruinen, die bis heute stolz auf dem Felsen stehen, zeugen von der einstigen Pracht und Stärke der Burg. Die Überreste von Türmen, Wällen und Wehrgängen lassen erahnen, wie imposant diese Festung einst gewesen sein muss. Der Rock of Dunamase war nicht nur ein militärischer Stützpunkt, sondern auch ein Symbol der Macht und des Einflusses auf der Grünen Insel.

Während eines Besuchs wandelt man auf den Spuren der einst mächtigsten Männer Irlands durch die dicken Mauern der Ruine. Doch der Standort des Rock of Dunamase macht ihn nicht nur geschichtlich interessant, sondern hat auch landschaftlich einiges zu bieten. Umgeben von unzähligen Grüntönen der Felder, die besonders an sonnigen Tagen zu leuchten scheinen, zeigt sich Irland hier von seiner schönsten Seite. Bei klarem Wetter reicht der Blick sogar bis zu den Slieve Bloom Mountains und dem Fluss Barrow.

Der Rock of Dunamase ist mehr als ein historisches Wahrzeichen oder Überbleibsel aus der Vergangenheit. Der Fels ist ein Ort, an dem man den uralten Herzschlag der Grünen Insel spüren kann. Ein Ort, der nicht nur mit dem begeistert, was man sehen kann, sondern auch mit den Dingen, die man lediglich erahnt. In den Mauern dieses alten Felsens liegt nicht nur das Erbe der Normannen und Kelten begraben, sondern auch die zeitlose Geschichte eines Landes, die von Feen, Fabelwesen und Kobolden genauso geprägt wurde wie von Menschen.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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