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Banshee – die irische Todesfee

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Ina Brecheis
Written by Ina Brecheis

Ihr Schrei geht durch Mark und Bein und kündigt nichts weniger als den baldigen eigenen Tod an. Die Banshee ist eine Todesfee, die aus der keltischen Anderswelt entsandt wird, um den Lebenden den nahenden Tod zu verkünden. Sie ist tief verwurzelt in der keltischen Mythologie und ihr Erscheinen findet sich in zahlreichen Legenden und Geschichten wieder. Anders als sie in den Schauermärchen à la Hollywood dargestellt wird, ist sie eine zwar Furcht einflößende Gestalt, den Menschen aber nicht böse gesinnt.

Banshee – von der Göttin zur Todesfee

Der Name der Todesfee stammt vom gälischen Wort bean sídh ab. Ins Deutsche übersetzt, bedeutet das so viel wie Geister- oder Feenfrau. Ursprünglich war die Banshee wohl eine keltische Schutzgöttin. Sie schützte einen Stamm, eine Familie oder ein Territorium. Zusammen mit dem legendären keltischen Volk der Túatha Dé Danann verschwand sie unter die Erdoberfläche, nachdem sie vernichtend geschlagen worden waren. Nicht länger eine stolze Göttin, ging sie als schaurige Feengestalt in die Legenden und Volksmärchen der Grünen Insel ein. Es heißt, jede irische Familie mit keltischen Wurzeln hätte ihre eigene Banshee, die über die Geschicke der Familie wache und trauere, wenn der Tod eines Familienmitglieds bevorsteht. Geschichten über die keltische Todesfee lassen sich bis weit ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen.

Das Aussehen der Banshee

Von Antlitz zu Antlitz begegnen der Banshee nur diejenigen, die dem Tod geweiht sind. Deshalb gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, wie die Todesfee genau aussieht. In einigen Legenden wird sie als altes, runzeliges Weib beschrieben. Mit langen, zottigen Haaren, totenbleicher Haut, Zähnen, die bleckend hervorstehen und einem dunklen Rock oder einem Totenhemd, unter dem man ihre knochige, dürre Gestalt erahnen kann. Ihre Augen sind feurig rot und stechend. In anderen Darstellungen tritt die Banshee als junge, wunderschöne, bleiche Frau mit silbernem Haar auf, die die Lebenden in die Welt der Toten führt, sie sanft tröstet, wenn sich ihr Leben dem Ende neigt. Wieder andere erzählen von marmorweißen Frauen mit roten Haaren, so schön, als stammten sie aus einer anderen Welt. Der geneigte Leser merkt schon, die Banshee wird in die Ecke der Hexen und Magierinnen gedrängt. Dazu passt, dass der irischen Todesfee später Attribute wie Raben oder Krähen zugesprochen wurden.

Der Schrei der Banshee

Der schrille Schrei der Banshee verkündet den nahenden Tod. Es heißt, die Banshee setze sich einen Tag vor dem Tod eines Menschen unter ein Fenster dessen Hauses. Dort stimmt sie ein Klagelied an, das so erschütternd wehmütig klingt, dass Menschen darüber schon ihren Verstand verloren haben. Es gibt widerstreitende Aussagen darüber, wer nun das Wehklagen der Banhsee vernehmen können soll. Einmal heißt es, nur derjenige kann ihr Wehklagen vernehmen, dessen Tod sie beweint und betrauert. Ein anderes Mal sind es die Familienangehörigen, die die Banshee von dem baldigen Todesfall warnt. Wahrscheinlich erscheinen die Augen der Banshee rot von all dem Wehen und Weinen. In vielen Legenden heißt es, dass, wer ihren Schrei vernimmt, ihr keinesfalls in die Augen sehen sollte. Darauf soll der sofortige Tod folgen.

Samhain als Fest der Todesfee

Das keltische Fest Samhain gilt als Fest der irischen Todesfee. In der Nacht von Samhain sind die Grenzen der Welten besonders durchlässig – Feenwesen können sehr leicht in die Welt der Lebenden gelangen. Andersherum können Menschen leicht in die Welt der Feen gelangen. Deshalb gilt es, in dieser Nacht besonders wachsam zu sein. Es heißt, Banshees wandeln zu Samhain durch die Welt der Lebenden und überbringen ihnen Einladungen in die Anderswelt.

 

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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