Irische Mythologie

Púca – Die Bedeutung des mythologischen Geschöpfs

Púca
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Púca ist ein Geschöpf aus der keltischen Mythologie: ein Kobold, der gleichermaßen Glück wie Unglück vorhersagen und auch bringen kann. Seine Existenz ist im gesamten ehemals keltischen Kulturraum verbreitet. In Wales beispielsweise kennt man ihn als Pwca, im Kornischen als Bucca und auch der deutsche Puk hat hier seinen Ursprung. Weithin bekannt nicht nur in Irland ist seine Darstellung als schwarzer Ziegenbock, wie das obige Denkmal zeigt.

Wie sieht ein Púca aus?

Diese Frage lässt nicht ohne weiteres beantworten, denn laut Überlieferung ist der Púca ein Gestaltwandler. Auf gut Deutsch, er erscheint den Menschen, je nach Belieben, in Form der unterschiedlichsten Lebewesen. Als Hund oder Kaninchen, als Katze oder Rabe, Ziege oder Pferd, wobei das Fell des jeweiligen Tieres stets schwarz ist. Als Pferd oder Pony besitzt er außer dem schwarzen Fell eine wild wehende Mähne und leuchtende goldene Augen.

Manches Mal erscheint der Púca auch als Kobold und gar in menschlicher Gestalt. In letzterem Fall besitzt er aber immer noch Körperteile eines Tieres, zum Beispiel Ohren oder Schweif. Doch egal, in welcher Form der Púca  auftritt, immer spricht er auch die menschliche Sprache.

Puca - mythologisches Geschöpf

Arthur Rackham / Public domain

Das Wesen eines Púca

Es gibt Überlieferungen, in denen der Púca als blutrünstige, vampirähnliche oder menschenfressende Kreatur auftritt. Diese sind jedoch die Ausnahme. Im Allgemeinen gilt er als eher gutmütiges, wohlwollendes Geschöpf.

Beispielsweise erscheint er dem Menschen, um ihn mittels einer Prophezeiung vor kommendem Unheil zu warnen oder einen guten Rat zu geben. Am Ende einer solchen „Unterhaltung“ pflegt der Púca ohne Abschied oder Vorwarnung zu verschwinden und hinterlässt auch keinerlei Spuren, sodass der Mensch sich später fragt, ob dieses Erlebnis tatsächlich real war.

Die hervorstechendste Eigenart jedes Púca aber ist seine Vorliebe, die Menschen zu erschrecken und Scherze mit ihnen zu treiben. Auch Tiere fallen seinen Scherzen zum Opfer. So reicht beispielsweise allein der Anblick eines Púca aus, dass eine Kuh keine Milch mehr gibt oder ein Huhn keine Eier mehr legt.Treibt er seinen Schabernack mit Menschen, erscheint er grundsätzlich nur bei Dunkelheit – und auch wenn seine Scherze ein wenig boshaft erscheinen, fügt er dem jeweiligen Menschen grundsätzlich keinen ernsthaften Schaden zu.

Als Beispiel hier eine in Irland weit verbreitete Geschichte:

Ein unvergesslicher Ritt

Wenn ein Púca dem Menschen in Gestalt eines Pferdes erscheint, macht er sich einen Spaß daraus, seinem Reiter einen außergewöhnlich wilden, unvergesslichen Ritt zu bereiten.

Am liebsten verführt er dazu in ländlichen Gegenden den Mann, der spätabends nicht mehr ganz nüchtern auf seinem Weg vom Pub nach Hause ist. Er bietet sich an, den Betrunkenen heim zu bringen, und sobald dieser auf seinem Rücken sitzt, beginnt das Vergnügen. Für den Púca hauptsächlich, dasjenige für den Menschen hält sich in Grenzen.

Keine Hecke und kein Felsen auf dem Weg sind dem Púca zu hoch oder breit, um sich nicht heldenhaft darüber zu werfen. Inmitten eines Feldes schlägt er todesverachtend Haken und Schleifen oder bricht mitten durch dorniges Gestrüpp, ehe er den Menschen – falls dieser tatsächlich so lange durchgehalten hat – im Morgengrauen mit hämischem Gelächter abwirft.

Der einzige Beweis, den der zitternde, aber unverletzte Mensch später für sein nächtliches Erlebnis finden kann, sind niedergetrampelte erntereife Felder und Zäune.

Der Púca in der irischen Tradition

Da der mystische Naturgeist vor allem als eine Kreatur der Berge und Hügel gilt, haben viele Regionen Irlands ihre eigene Version davon.

In Teilen des County Down zeigt sich der Púca als kurzgeratener, unförmiger Kobold, der von den Menschen einen Teil der Ernte einfordert. In Laois erscheint er als riesiger Schwarzer Mann, in Waterford und Wexford dagegen als Adler mit sagenhafter Flügelspannweite. Als die bekannte schwarze Ziege residiert der Púca beispielsweise in Roscommon.

Allgemeingültig sind dagegen die landwirtschaftlichen Traditionen, die aus den Geschichten um das mystische Wesen entspringen. Alle Feldfrüchte, die nach dem Erntefest Samhain  am 31. Oktober noch auf den Feldern zurückbleiben, gelten nun als Eigentum der Púcas.

In manchen Gegenden lässt der Farmer auch absichtlich einen kleinen Teil auf den Feldern zurück, den „Púca’s share“. Außerdem weiß man, dass Wildfrüchte wie Beeren ab Anfang November durch den Speichel der Púcas ungenießbar werden.

Der Púca in der modernen Kultur

Doch auch in der Kultur spielt der Púca bis heute eine Rolle. Seit Shakespeare in seinem Sommernachtstraum den Hofnarren des Elfenkönigs, nämlich Puck, seine Scherze treiben ließ, hat das mystische Wesen es in zahlreiche weitere Bücher, Filme und auch Spiele in geschafft.

Der irische Schriftsteller mit dem Pseudonym Flann O’Brien erschuf in seinem ersten Roman den Púca MacPhellimey. Durch das Rauchen einer magischen Pfeife kann dieser seine Gestalt ändern. In einem anderen Roman mit dem Titel The Grey Horse (von R.A.MacAvoy) besitzt der Púca die tierische Gestalt eines Connemara-Ponys.

In Harvey, einem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Theaterstück und Film aus den Fünfzigerjahren, besitzt der Protagonist ein Riesenkaninchen namens Harvey als Gefährten, das er als sein Púca bezeichnet.

Videospiele wie The Witcher 3 und Odin Sphere  und Brettspiele wie Dominion bedienen sich ebenfalls der Rollen von Púcas in den unterschiedlichsten Versionen.

Der Púca im heutigen Irland

Heute gibt es in Irland nicht wenige Orte oder Sehenswürdigkeiten, die das mystische Wesen in ihrem Namen tragen. Einen „Carraig phooka“, also Púca-Felsen gibt es im County Cork gleich zwei Mal.

Etwas bekannter noch ist „Poul-a-phooka“, eine Höhle im County Wicklow. Des Weiteren gibt es eine Höhle in Laois und ein Hügelgrab auf Inis Mor. Nicht zu vergessen  „Binlaughlin Mountain“, den Berg des sprechenden Pferdes im County Fermanagh.

Nicht zu vergessen den „Puck Fair“ in Killorglin im County Kerry. Zwar kann kein direkter Zusammenhang zwischen diesem Fest und dem Naturgeist Púca nachgewiesen werden, doch zumindest im Namen und dem Denkmal der schwarzen Ziege ist er vorhanden.

Killorglin und das Puck Fair

© macmonagle.com

Und einen Besuch ist das alljährlich im August stattfindende Fest auf jeden Fall wert…

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Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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