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Ballintubber Abbey: Heilige historische Stätte in Mayo

Ballintubber Abbey
Written by Monika Dockter

Ballintubber Abbey – eine Kirche, die unter den unzähligen ‚heiligen historischen Orten in Irland einen ganz besonderen Platz einnimmt. Denn sie ist die Kirche, die seit mehr als 800 Jahren ohne Unterbrechungen tatsächlich auch als solche genutzt wird. Seit ihrer Entstehung im Jahr 1216 bis zum heutigen Tag versammeln sich in ihren Mauern regelmäßig gläubige Menschen, um Gott anzubeten und die Messe zu feiern. Unter anderem aus diesem Grund ist Ballintubber Abbey auch bekannt als „The Abbey that refused to die“.  In diesem Artikel erfahrt Ihr, welche genauen Umstände zu diesem Attribut führten und was Euch als Besucher an diesem Ort erwartet.

Erste Anfänge: St. Patrick’s Well

Tatsächlich reicht die Geschichte der Abbey im County Mayo sogar noch weiter zurück als bis 1216. Sie beginnt bereits in der Zeit der Christianisierung Irlands. Im Jahr 441 taufte St.Patrick hier an einem Brunnen die ersten Einwohner und gründete eine Kirche für sie. Überreste dieser früheren Kirche findet man auf dem heutigen Friedhofsgelände.

Ganz in der Nähe ist auch der Brunnen, an dem der Heilige taufte, und in einer Steinplatte erkennt man eine Mulde mit einem angeblichen Abdruck des Knies des Heiligen.

Aus dieser Zeit stammt zudem der Name Ballintubber des zur Abbey gehörigen Ortes: Baile tobair Phádraig – die Siedlung bei St. Patrick’s Brunnen.

Die Legende um den Bau der Ballintubber Abbey, 1.Teil

Ballintubber Abbey ist die einzige noch genutzte irische Kirche, die von einem der irischen Könige erbaut wurde. Cathal O’Conor, König von Connacht, entstammte in direkter Linie dem königlichen Geschlecht der O’Connors, sein leiblicher Vater war King Turloch. Doch ehe Cathal selbst den Thron seines Vaters besteigen konnte, verbrachte er etliche Jahre auf der Flucht vor der Königin. Und genau hier beginnt die Legende, die sich, wie so oft in Irland, um die Gründung der Abbey rankt.

Während er sich vor der regierenden Königin versteckte, arbeitete Cathal für einen Mann namens Sheridan, der in Ballintubber lebte. Sheridan war so freundlich und zuvorkommend zu Cathal, dass dieser seinen einstigen „Arbeitgeber“ niemals vergaß. Viele Jahre später, als Cathal längst den Thron seines Vaters eingenommen hatte, kehrte er zurück, um Sheridan zu besuchen. Er wollte ihm seine damalige Freundlichkeit vergelten, und gewährte ihm deshalb einen Wunsch.

Sheridan, mittlerweile ein alter Mann, wünschte sich nichts anderes, als dass der König die alte Ortskirche, deren Mauern schon zusammenbrachen, erneuern würde. Für diese Tat würde Sheridan dem König auf ewig dankbar sein.

Ballintubber Abbey

© Tourism Ireland

Die Legende, 2. Teil

Im Überschwang seiner Gefühle versprach Cathal nicht nur, die alte Kirche wieder instand zu setzen, sondern an ihrer Stelle eine neue, größere Kirche zu bauen.

Wiederum vergingen einige Jahre, und bei seinem nächsten Besuch in Ballintubber fragte der König den steinalten Sheridan, ob er denn mit seiner neuen Kirche zufrieden war. Welche Kirche?, fragte Sheridan, Ihr habt Euer königliches Versprechen ja nicht gehalten! Es gibt keine neue Kirche!

Cathal wollte kaum seinen Ohren trauen, er hatte den Bau der Kirche doch persönlich in Auftrag gegeben! Auf seine Nachforschungen hin stellte sich heraus, dass sie in der Tat gebaut worden war – doch nicht in Baile Tobair Phádraig in Mayo, sondern in Baile Tobair Bhrighde im County Roscommon!

Um dieses Versagen wieder gutzumachen, versprach der König seinem alten Bekannten diesmal, die Kirche in „seinem“ Ballintubber noch siebenmal prächtiger erbauen zu lassen als die andere Kirche. Und so geschah es: Im Jahr 1216 erhielt Ballintubber im County Mayo seine Kirche, in der bis zum heutigen Tag die Messe gehalten wird!

Ballintubber Abbey’s wechselhafte Geschichte

Die Abbey war der Heiligen Dreieinigkeit geweiht und ihre Bewohner lebten nach den Regeln des Augustinerordens. Sie waren jedoch keine Mönche, sondern in Gemeinschaft lebende Priester von edler (reicher) Abstammung. Das erklärt auch, in welchem Maß die Abtei in den folgenden Jahren gedieh und großen Wohlstand erlangte.

Andreas F. Borchert, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

1265 brannte zwar ein Teil der Kirche nieder, wurde jedoch im Jahr 1270 restauriert. Wirkliche Rückschläge erlitt die Abtei erst zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts, als der britische König James I. ihren gesamten Landbesitz konfiszierte und die komplette Klostergemeinschaft von dort vertrieb.

Mit der Invasion Cromwells in Irland schien der Niedergang von Kirche und Kloster endgültig besiegelt. 1653 zerstörten seine Soldaten sämtliche Klostergebäude, die Schlafsäle und auch die Quartiere der Dienstboten. Nur die Kirche selbst entging auch diesmal der vollständigen Zerstörung: zwar verbrannte das Feuer die hölzerne Dachkonstruktion, doch die Steingewölbe der Kanzel, die Seitenmauern und die Sakristei blieben intakt. So konnte auch weiterhin die Messe abgehalten werden, nur eben unter freiem Himmel. The Abbey, that refused to die…

Erst im Jahr 1846 begann man mit der Renovierung des Kirchengebäudes, doch Umstände wie die Great Famine unterbrachen die Arbeiten. So wurde das Kirchendach erst Ende des 19.Jahrhunderts wieder fertiggestellt, und verschiedene Restaurierungsphasen in der Folgezeit ließen und lassen die Kirche in ihrem heutigen Glanz erscheinen.

Ballintubber Abbey und der Priestermörder

Eine Bedrohung der ganz anderen Art stellte ein Mann namens John Malowney dar, der später als Seán na Sagart oder Priesterjäger bekannt wurde.

Als Pferdedieb zum Tode verurteilt, schloss er in der Nacht vor seiner Hinrichtung einen Deal mit dem Sherrif von Mayo. Der Gesetzeshüter würde ihm seine Freiheit wiederschenken, wenn Maloney ihm dafür jedes Jahr den Kopf eines Priesters „liefern“ würde. Zu dieser Zeit nämlich war ein Kopfgeld auf Priester, Bischöfe und Lehrer ausgesetzt. So wurde Maloney zu Seán na Sagart, dem Mann, der – mit der Unterstützung von Soldaten – Priester jagte. Man sagt ihm nach, dass er im Lauf der Jahre eine ganze Anzahl von ihnen an den Sherrif auslieferte.

Einmal, so die Überlieferung, bediente er sich dazu auch eines Tricks. Er quartierte sich als angeblich Sterbender im Haus seiner Schwester ein, die prompt den Priester holte. Der Todgeweihte sollte sich darauf vorbereiten, „vor seinem Schöpfer zu stehen“. Als jedoch der Priester an seinem Lager erschien, stieß Maloney ihm seinen Dolch ins Herz. Bei der folgenden Beerdigung des ermordeten Priesters war auch ein zweiter Priester anwesend. Sicherheitshalber hatte er sich als Frau verkleidet.  Trotzdem erkannte der Mörder ihn und griff ihn mit dem Messer an. Doch dem Verkleideten gelang es, dem Mörder zu entkommen, ihm das Messer abzunehmen und stattdessen ihn selbst zu erstechen. Am folgenden Tag fanden die Soldaten die Leiche ihres Anführers und begruben ihn auf dem Friedhof von Ballintubber.

Ballintubber Abbey

© Tourism Ireland

Damit aber waren seine Mitbürger überhaupt nicht einverstanden, gruben ihn wieder aus und warfen den Toten in den See. Womit wiederum der Priester nicht einverstanden war. Nach etlichem Hin und Her landete der Leichnam des Mörders schlussendlich doch auf dem Friedhof. Wo er allerdings nicht wie üblich mit dem Gesicht nach Osten (und damit zum wiederkehrenden Christus) begraben wurde, sondern nach Norden. Bald darauf wuchs auf dem Grab des Mörders eine Esche, die sein Grab in zwei Teile spaltete. Der Baum steht bis heute auf dem Grund der Abtei, man nennt ihn den Seán na Sagart tree.

So konnte also auch der Priesterjäger der Kirche, die sich weigert, zu sterben, letztendlich nichts anhaben…

 Besuch der Ballintubber Abbey heute

Die Besichtigung der Kirche an sich ist kostenfrei, doch wer sich gerne nähere Einzelheiten wie die Geschichte des Priestermörders anhört, sollte eine der angebotenen Führungen buchen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, von Ballintubber Abbey aus zum Berg Croagh St. Patrick zu wanden, wie es die Pilger auf St. Patrick’s Spuren schon seit Jahrhunderten tun. Auf der Webseite ballintubberabbey.ie findet Ihr die Termine und genauere Infos der geführten Touren.

Newport historische Stadt im Herzen Mayos

Croagh Patrick © Tourism Ireland

Möglich ist auch die Teilnahme an einer Messe, die hier täglich abgehalten wird.

In jedem Fall findet der Besucher der Kirche eine wundervolle Atmosphäre des Schweigens, des Gebets und des Friedens vor …

 

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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