Irland in der Neuzeit

Die Seeschlacht von Tory Island

Tory Island Seeschlacht
Written by Monika Dockter

Wer sich etwas eingehender mit dem jahrhundertelangen Ringen der Iren beschäftigt, sich von der ungeliebten britischen Herrschaft zu befreien, wird früher oder später auch auf den Namen dieser Schlacht stoßen: Die Seeschlacht von Tory Island. Sie trägt auch den Namen „Schlacht bei Donegal“ oder „Schlacht bei Lough Swilly”. Außerdem ging die Seeschlacht von Tory Island als letzte Aktion der irischen Rebellion von 1798 in die Geschichte ein.

Um zu verstehen, was hier geschah, muss man ein wenig weiter ausholen. Deshalb hier zunächst ein paar Worte zur Vorgeschichte und dem weltgeschichtlichen Zusammenhang.

Wolf Tone und die Society of United Irishman

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beherrschte die Französische Revolution das Zeitgeschehen. Gewalt und Blutvergießen, aber ebenso die idealistischen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schlugen hohe Wellen in sämtlichen europäischen Nationen. Auch in Irland inspirierte dieses Gedankengut zahlreiche Menschen, unter anderem den Dubliner Rechtsanwalt Theodore Wolf Tone.

Theobald Wolfe Tone

Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4340626

Mit einer Gruppe Gleichgesinnter gründete er 1791 die Society of United Irishmen. Ihr Anliegen war es, die fortwährende Unterdrückung der irischen Katholiken zu stoppen und diese mit den Protestanten in einer politischen Union zu vereinen. Alles natürlich unter dem großen Ziel der Unabhängigkeit von England. 1793 verbuchten sie mit dem Wahlrecht für irische Katholiken  einen ersten Erfolg.

Doch damit sahen die Irishmen ihre Mission noch längst nicht erfüllt.  Um ihre eigentlichen Ziele zu erreichen, verbündeten sie sich mit der französischen Republik und mussten, als 1793 der Krieg zwischen England und Frankreich ausbrach, in den Untergrund gehen.

Frankreich als Verbündeter der United Irishmen

Heimlich reiste Wolf Tone nach Frankreich und versuchte, die Verantwortlichen von einer Invasion Irlands zu überzeugen. In den tapferen irischen Rebellen würden sie dort breite Unterstützung finden und so den Briten einen schweren, vielleicht kriegsentscheidenden Schlag versetzen, argumentierte er.

Seine Argumente stießen auf offene Ohren. Schon lange hatte Kontinentaleuropa Irland als schwachen Punkt in Großbritanniens Verteidigung ausgemacht und eine Invasion der Insel ins Auge gefasst. Abgesehen von der Unterstützung durch die Rebellen erhoffte man sich damit auch, die Briten von anderen Kriegsschauplätzen fernzuhalten.

So segelten im Dezember 1796 mehr als 25.000 französische Soldaten gen Irland. Sie gelangten bis in die Bantry Bay, konnten aufgrund der andauernden Winterstürme jedoch nicht landen und zogen sich schließlich unverrichteter Dinge wieder zurück.

Die irische Rebellion von 1798

Alarmiert von dem französischen Invasionsversuch verstärkten die Briten ihre Kräfte in Irland und verhafteten die Führer der United Irishmen. Doch es war zu spät, die irische Rebellion ließ sich nicht mehr aufhalten. Bis zum Mai 1798 war die Zahl der Irishmen und ihrer Anhänger in die Zehntausende gestiegen und einer der verbliebenen Anführer rief auch ohne die Verbündeten aus Frankreich zum bewaffneten Aufstand.

In Ulster und Leinster, vor allem im County Wexford, kam es zu blutigen Schlachten zwischen den irischen Rebellen und dem britischen Militär. Schlachten, die trotz des heldenhaften Mutes auf Seiten der Iren fast ausschließlich zu Gunsten der Briten ausgingen. Insbesondere die Schlacht vom Vinegar Hill (bei Wexford) ging als blutiges Massaker in die Geschichte ein: Etwa 20.000, nur mit provisorischen Waffen ausgestattete Rebellen trafen hier auf 10.000 erfahrene und mit Kanonen ausgerüstete britische Soldaten, die ihre Gegner gnadenlos abschlachteten.

Auf diese Weise war die Rebellion gegen Ende Juni 1798 so gut wie beendet. Bis zu 25.000 Iren, darunter viele Zivilisten, hatte sie das Leben gekostet, und weite Gebiete Irlands lagen in Schutt und Asche.

Nichtsdestotrotz stand die letzte Schlacht noch bevor…

Letztes Aufbäumen: die Seeschlacht bei Tory Island

Denn noch einmal unternahmen die Franzosen und mit ihnen Wolf Tone den Versuch einer Invasion. Am 16. September 1798 verließ die französische Flotte ihren Heimathafen in Brest. An Bord der zehn Schiffe befand sich eine Streitmacht von 3.000 Mann, die in Donegal an Land gehen sollten, um die Rebellion neu zu entfachen.

Diesmal jedoch war die britische Marine auf der Hut. Nachdem die Franzosen im Schutz der Dunkelheit in See gestochen waren, wurden sie alsbald von den Briten gesichtet. Eine Woche lang jagten sie die französische Flotte durch den Atlantischen Ozean, bis sie diese in einem Sturm aus den Augen verloren. Auf diese Weise war Frankreichs Flotte zwar ihre Verfolger los, doch der Sturm richtete auch beträchtlichen Schaden an ihren Schiffen an, der ihnen später zum Verhängnis werden sollte.

Am 12. Oktober trafen die feindlichen Schiffe vor der Küste Donegals erneut aufeinander. Bompart, der französische Kommandeur, sah sich umringt von einer Übermacht feindlicher Schiffe und suchte sein Heil in der Flucht. Als die britischen Schiffe beständig aufholten, ordnete er ein Ablenkungsmanöver an: Eines seiner im Sturm beschädigten Schiffe sollte absichtlich bei Tory Island auf Grund laufen.

Doch der Kapitän des Schiffes verweigerte den Gehorsam, und schon bald nahmen die britischen Verfolger das französische Flaggschiff Hoche ins Visier. Durch intensiven Beschuss gelang es ihnen, die Hoche weitgehend von ihren Begleitschiffen zu isolieren. So entbrannte um 8 Uhr 50 am Morgen dieses 12. Oktober aus allernächster Nähe ein erbitterter Kampf um das Flaggschiff.

Englischer Triumph

Die Hoche hatte im Sturm enormen Schaden erlitten, sogar einen ihrer Masten verloren, und hatte dem Feind nicht mehr viel entgegen zu setzen. Etwa vier Stunden hielt sie den Breitseiten aus den britischen Kanonen stand, dann ergab sich ihr Kapitän. Zu diesem Zeitpunkt trieb das Schiff tief im Wasser und 270 Mannschaftsmitglieder waren entweder tot oder schwer verletzt.

Nach ihr ergaben sich drei weitere Schiffe der britischen Übermacht, während die restlichen flohen und bei hereinbrechender Nacht entkamen. Doch selbst von diesen Schiffen wurden während der folgenden zwei Wochen die meisten von den Briten aufgebracht, sodass nur zwei heil in ihre Heimat zurück gelangten.

Insgesamt hatte die Schlacht 450 Franzosen das Leben gekostet, während die Briten nur 13 Tote und 75 Verwundete zählten.

Die gefangenen französischen Soldaten und ihre Befehlshaber wurden in Buncrana in Lough Swilly an Land gebracht. Unter ihnen befand sich auch Theodore Wolf Tone, gekleidet in eine französische Adjutantenuniform.

Nachwehen der Seeschlacht von Tory Island

Wolf Tone wurde nach Dublin ins Gefängnis gebracht und des Hochverrats angeklagt. Doch er entging seiner Hinrichtung durch einen bis heute rätselhaften Selbstmord. Dies versetzte den United Irishmen den letzten, endgültigen Schlag, so wie die Schlacht von Tory Island zur letzten Schlacht der irischen Revolution von 1798 geworden war.

All diese Verluste sowie die britischen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber jenen Iren, die die Aufstände in irgendeiner Weise gefördert hatten, reduzierten das Feuer der Revolution in Irland für lange Zeit auf Sparflamme, ließen es aber niemals ganz erlöschen…

 

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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