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Irish National Heritage Park Wexford: Eine Reise durch 9.000 Jahre Irland

irish national heritage centre
Neil Saad
Written by Neil Saad

Die dokumentierte Geschichte Irlands reicht 9.000 Jahre in die Steinzeit zurück. Spätestens seit dieser Zeit lebten auf der Grünen Insel ohne Unterbrechung Menschen. Hierbei hinterließen über die folgenden Jahrtausende Jäger und Sammler, Kelten, christliche Missionare, Wikinger und Normannen ihre Spuren. Bis heute sind diese in Form von steinzeitlichen Anlagen, Burgen und Kirchen überall auf Irland sichtbar. Wer Irland bereist, erlebt keinen Tag, an dem ihm Irlands Siedlungsgeschichte nicht lebhaft begegnet. Deshalb ist ein Besuch im Irish National Heritage Park Wexford eine Empfehlung für den nächsten Irland-Urlaub. Das Freilichtmuseum in Ferrycarrig lässt die verschiedenen Phasen der Besiedlung Irlands lebendig werden. Dabei veranschaulichen authentische Nachbauten von verschiedenen Siedlungsformen und Gebäuden diese einzelnen Phasen. Nur eineinhalb Stunden von Dublin entfernt ist der Irish National Heritage Park Wexford ein ideales Ausflugsziel in Irlands historischem Osten.

Das frühe Irland im Irish National Heritage Park Wexford

Die dauerhafte Besiedlung Irlands begann nach dem Ende der letzten Kaltzeit 7.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die Eismassen verschwanden und hinterließen das bewohnbare Landschaftsprofil aus Bergen und Tälern wie wir es heute kennen. Zu dieser Zeit ließen sich Jäger und Sammler vom Kontinent auf der wieder grünen Insel nieder. Sie siedelten an den Küsten und lebten von Früchten und Nüssen, Waldtieren wie dem Wildschwein sowie Muscheln und Fischen. Dabei waren ihre Unterkünfte einfache Hütten, die Schutz vor Wind und Wetter sicherstellten. Gleichzeitig boten diese eine gewisse Mobilität. Denn Jäger und Sammler lebten nicht sesshaft, sondern wechselten häufig ihren Wohnsitz. Hierbei folgten sie dem Wechsel der Jahreszeiten und den Bewegungen der umherziehenden Tiere. Im Irish National Heritage Park Wexford steht der Nachbau einer Jäger und Sammler-Hütte am Ufer eines kleinen Gewässers. Diese gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben der ersten Siedler Irlands.

In der Jungsteinzeit, ab 4.000 vor Christus, wurden die irischen Bewohner sesshafte Bauern. Die Land- und Viehwirtschaft erhielt Einzug auf die Grüne Insel. Dabei wurden mit Reet gedeckte Hütten, deutlich größer als die bisherigen Unterkünfte der Jäger und Sammler, die gängige Behausung. Der Irish National Heritage Park Wexford zeigt eine solche. Wie Mensch und Vieh gemeinsam in diesen Hütten lebten und welche Werkzeuge sie in ihrem Alltag verwendeten, ist in dieser lebhaft aufbereitet.

Von den einstigen Bauwerken der ersten Bewohner Irlands ist heute nahezu nichts mehr erhalten. Dagegen zählen ihre erhaltenen Kult- und Begräbnisstätten zu den bemerkenswertesten Orten der Welt. Darunter fallen die mystisch anmutenden Grabstätten von Newgrange im Boyne Valley oder der Carrowmore Steinzeitkomplex in der Grafschaft Sligo. Das Freilichtmuseum in Wexford zeigt einen Nachbau eines typischen Kammergrabs in Form eines Dolmen und einen Steinkreis.

© Fáilte Ireland

Die Bronzezeit und die Ankunft der Kelten

Ab 2.500 Jahren vor dem Beginn der modernen Zeitrechnung begannen die Menschen mit Metallen zu arbeiten. Darunter fielen vor allem Kupfer, Blei und die daraus gewonnenen Bronze. Die Bronzezeit brach an. Verbesserte Werkzeuge, neue Gefäße und edler Schmuck kamen auf. Zudem verbreitete sich eine neue Siedlungsform: Das Crannog. Hierbei handelt es sich um eine künstliche Insel, welche die Bewohner auf Seen anlegten und mit Holzhütten bebauten. Während diese künstlichen Eilande heute auf vielen Seen noch bestehen, sind die Hütten längst verschwunden. Im Irish National Heritage Park Wexford existiert ein Nachbau eines Crannog.

500 Jahre vor der Zeitenwende ging die Bronzezeit in die Eisenzeit über. In diese Periode fiel die Ankunft der Kelten. Diese kulturelle Gruppe breitete sich von der Mitte Europas ausgehend über den Kontinent aus. Schließlich erreichten keltische Migranten Irland. Hier wurden sie zur prägenden Kultur der nächsten Jahrhunderte. Ihre Siedlungsform war das Ringfort. Ein Nachbau im Irish National Heritage Park Wexford zeigt die Bauweise und Funktion der Ringforts. Dabei bauten die Kelten einen Ringwall aus Steinen oder Erde. Aus Erde aufgeworfene Wälle erhielten eine zusätzliche Bewehrung aus Holzpalisaden. Im Inneren des Forts lagen die Wohnhütten.

Auf diese Ringforts geht das Irische Wort Rath zurück. Somit deuten heutige Ortsnamen wie Rathdrum in der Grafschaft Wicklow die Existenz eines ehemaligen Ringforts an. Archäologen entdeckten über die Jahrhunderte über 40.000 Ringforts auf der irischen Insel. Darunter sind berühmte Steinforts wie das Staigue Fort in Kerry heute beliebte Sehenswürdigkeiten. Von den meisten Ringforts ist jedoch lediglich ein überwucherter Rest des ehemaligen Erdwalls schwerlich erkennbar.

Für besonders Interessierte besteht im Park die Möglichkeit, im Ringfort zu übernachten. Dabei erfahren die Gäste für einen Abend und eine Nacht hautnah, wie die Lebensbedingungen zur Zeit des frühen keltischen Irlands waren. Ein einmaliges Erlebnis.

Eingang zum Ringfort;

Im Namen des Vaters: die Christianisierung Irlands

Die Lebensweise der keltischen Kultur prägte Irland für eine lange Zeit. Die nächste einschneidende Veränderung trat durch das aufkommende Christentum auf. Die ersten Missionare, allen voran der Heilige St. Patrick, brachten die Lehren Jesu auf die Grüne Insel. Dazu gründeten sie erste Kirchen aus denen im Laufe der Jahre Klostersiedlungen entstanden. Das leuchtendste Beispiel ist die Klostersiedlung von Glendalough in den Wicklow Mountains. Daneben sind die berühmten irischen Rundtürme und Hochkreuze typische Zeitzeugen der Christianisierung Irlands.

Im Irish National Heritage Park Wexford ist eine kleine Klostersiedlung samt Hochkreuz und Rundturm nachgestellt. Zudem befindet sich eine nachgebaute Bienenkorbhütte, auf Irisch Clochan genannt, in dem Freilichtmuseum. Diese Hüttenform war bei kleinen Siedlungen von Mönchen beliebt und befinden sich an den abgelegensten Orten. Darunter bekannt sind die Bienenkorbhütten auf den Skellig Inseln vor der Küste von Kerry.

© Tourism Ireland

Der Irish National Heritage Park Wexford und die Wikinger

Als nächste Gruppe erreichten die Wikinger Irland. Während diese auf der britischen Insel Königreiche umwälzten und Verwüstung hinterließen, war ihr Fußabdruck auf Irland überschaubarer. Die Nordmänner kamen 795 erstmals nach Irland. Hierbei nahmen sie die Insel Lambay nördlich von Dublin ein. Die nächsten hundert Jahre überfielen sie auf Raubzügen regelmäßig keltische Orte in Irland. Dabei trafen sie auf starken Widerstand seitens der Kelten. So entstanden zwar Siedlungen entlang der Ostküste, hielten sich jedoch nicht dauerhaft in nordischer Hand.

Vielmehr entstanden aus diesen Siedlungen rege Hafenstädte wie Carlingford, Dublin, Wicklow und Wexford in denen schließlich Wikinger und Kelten gemeinsam lebten. Im Irish National Heritage Park Wexford erfahren Besucher eindrucksvoll wie eine Wikingersiedlung im 9. Jahrhundert aussah. Dazu gehört neben der reinen Siedlung ein nachgebauter Wikingerhafen.

Die Anglo-Normannische Invasion

Die letzte gravierende Ankunft einer anderen Bevölkerungsgruppe geschah im 12. Jahrhundert mit der anglo-normannischen Invasion. Der König von Leinster lud anglo-normannischen Herren an seine Seite um gegen den Hochkönig von Irland zu kämpfen. Im Gegenzug versprach er ihrem Anführer Richard de Clare, als Strongbow bekannt, die Hand seiner Tochter und seinen Königstitel als Erbschaft. Darauf landeten im Jahr 1169 die Normannen in der Bannow Bay in der Grafschaft Wexford. Nach jahrelangen Kämpfen und dem Tod des Königs von Leinster erhielten de Clare und seine Leute Land und Macht in der Provinz.

Aus dieser Zeit stammt ein besonderes Highlight des Irish National Heritage Park. Auf einem Hügel innerhalb des Parkgeländes graben Archäologen seit 2018 die Überreste eines normannischen Ringforts aus. Auf diese Weise erleben Besucher neben den historischen Nachbauten Archäologie und Geschichte live. Deshalb lohnt sich ein mehrfacher Besuch des Freilichtmuseums um die neuesten Ausgrabungen zu verfolgen.

Ein Ausflug in den Irish National Heritage Park Wexford

Im Irish National Heritage Park Wexford erleben Besucher eine authentische Zeitreise durch die Jahrtausende. Auf geführten Touren erklären Guides die geschichtlichen Hintergründe zu den einzelnen Siedlungsformen und ihren Bewohnern. Daneben bietet der Park auf seinen vierzehn Hektar Fläche mehr. Ein Falkner führt seine Wildvögel vor. Darunter befinden sich neben Bussarden auch Adler und Eulen. Eine weitere Attraktion ist das Bogenschießen. So bietet das Museum Spaß und Abwechslung für die ganze Familie.

Das Freilichtmuseum liegt in Ferrycarrig in unmittelbarer Nähe von Wexford Town. Dadurch ist es ein ideales Ausflugsziel in Irlands historischem Osten. Von Dublin, Wicklow, Kilkenny oder Waterford aus ist der Park mit dem Mietwagen gut erreichbar. Der Irish National Heritage Park Wexford ist für Besucher ganzjährig geöffnet.

Eine Wildvogelshow; © Fáilte Ireland

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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