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Skibbereen Irland: Sehenswürdigkeiten, die sich lohnen

Skibbereen
Written by Nadja Uebach

Die Ortschaft Skibbereen in Irland wird als die Hauptstadt West Corks bezeichnet. Mit diesem Beinamen sowie den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in direkter Umgebung nimmt das bunte Städtchen eine zentrale Rolle im Südwesten der Grünen Insel ein.

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Ortschaft zeigt, dass Skibbereen in Irland schon vor mehreren Jahrhunderten ein zentraler Angelpunkt für die Menschen in West Cork war. Während das Land zu Beginn des 17. Jahrhunderts überwiegend dem McCarthy Clan gehörte, wurden die Grundsteine des heutigen Ortes von Flüchtlingen gelegt. Nachdem der nahe liegende Küstenort Baltimore am 20. Juni 1631 von Piraten überfallen und geplündert wurde, siedelten sich die Überlebenden weiter im Norden am Ufer des Flusses Ilen an – Skibbereen war geboren!

In den darauf folgenden Jahrhunderten wuchs die Siedlung zur zentralen Marktstadt West Corks heran. Selbst als die Einwohnerzahl während der Großen Hungersnot um mehrere Zehntausend reduziert wurde, blieb Skibbereen bis heute eine zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung des gesamten Hinterlands.

Egal, ob als Etappenziel während eines Roadtrips entlang des Wild Atlantic Way oder als Basis für einen Irlandurlaub, Skibbereen lohnt sich immer! Was es in der Ortschaft selbst und in ihrer Umgebung zu sehen und zu erleben gibt, verrate ich euch jetzt.

1. Skibbereen Trail

Mit einem gemütlichen Spaziergang entlang des Skibbereen Trails  erhalten Besucher einen ersten und umfangreichen Eindruck von der irischen Ortschaft. Außerdem führt der Weg an zahlreichen geschichtsträchtigen Orten vorbei. Vom alten Marktplatz, an dem der berühmte und totgeglaubte dreijährige Thomas Guerin zu Beginn der Hungersnot von seinem Grab auferstand und in die Geschichte einging; über die einzelnen Arbeits- und Armenhäuser der damaligen Zeit; bis hin zu dem Townland Bridgetown, das nach der Hungersnot aus einer Reihe verlassener Cottages bestand.

Während man die Straßen Skibbereens entlang geht und die geschichtlichen Hintergründe zu den heute so unscheinbar aussehenden Orten erfährt, bleibt eine Gänsehaut sicherlich nicht aus.

2. Skibbereen Heritage Centre

Eine weitere Reise in die Vergangenheit der kleinen Stadt verspricht das Skibbereen Heritage Centre. Auch hier liegt der Fokus auf der Geschichte der Großen Hungersnot. In spannenden Berichten von Zeitzeugen werden Besucher in eine der dunkelsten Äras der Grünen Insel transportiert. Neben einer beeindruckenden Ausstellung im Centre selbst und einem Buch gefüllt mit Überlieferung aus Zeiten der Hungersnot; ist zudem eine App erhältlich, die zu einer virtuellen Tour durch ein Skibbereen und ein Irland längst vergangener Tage einlädt.

3. Skibbereen Farmer’s Market

Der Farmer’s Market in Skibbereen, so wie er heute existiert wurde vor fast 20 Jahren von einigen ansässigen Händlern und Farmern ins Leben gerufen. Heutzutage ist der wöchentliche Markt nicht nur einer der beliebtesten in ganz West Cork, sondern auch einer der größten! Jeden Samstag verwandelt sich der Parkplatz in der Bridge Street von 9:30 Uhr bis 14:00 Uhr in eine bunte und belebte Budenstadt. Neben farmfrischen Lebensmitteln werden hier außerdem lokal hergestellte Handwerksarbeiten und Kunstartikel sowie lecker zubereitete Speisen und Kaffee angeboten. Das Beste ist jedoch die besondere Stimmung, die entsteht, wenn sich die vielen verschiedenen Gerüche, leisen Geräusche und freundlichen Gesichter mit dem Klang der irischen Livemusik verbinden!

4. Liss Ard Gardens

Südlich des Zentrums von Skibbereen wartet die Liss Ard Estate mit viel Ruhe und Entspannung in einer beeindruckenden und einzigartigen Gartenanlage. In dem 60 Hektar großen Areal gibt es Natur zum Anfassen. Auf vielen verschiedenen Spazierwegen werden die unterschiedlichen Abschnitte im Wald, auf weiter Flur und am See in ihrer wilden Schönheit entdeckt.

Ein besonderes Highlight ist der riesige Krater, der von dem renommierten Landschaftsarchitekten James Turrell in das umliegende Terrain integriert wurde. In der Mitte des Kraters befindet sich eine Steinplatte, die Besucher dazu auffordert sich auf den Rücken zu legen und den Blick in den Himmel zu richten. Wer sich darauf einlässt und die grünen Kraterwände im Kontrast zu den Farben des Himmels und der Wolken sieht, wird verstehen warum das natürliche Kunstwerk unter dem Namen „Sky Garden“ bekannt ist.

5. Lough Hyne

Lough Hyne ist ein Salzwasser See östlich von Skibbereen. Es wird angenommen, dass der See bis vor etwa 4.000 Jahren mit Süßwasser gefüllt war. Durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Erosion der Küste, drang das Salzwasser des Atlantiks immer weiter in den See ein. Heutzutage ist Lough Hyne über die Barlog Creek mit dem Meer verbunden und damit sogar den Gezeiten ausgesetzt.

Diese Wandlung des Gewässers trug in Kombination mit seiner geringen Größe zu der Entwicklung einer einzigartigen Pflanzen- und Artenvielfalt im See und an seinen Ufern bei. Besonders lohnenswert ist die Wanderung durch den Wald auf den fast 200 Meter hohen Knockomagh Hill. Der Ausblick auf den Lough und die umliegende Atlantikkünste ist atemberaubend schön. Zudem ist der See ein beliebter Ort zum Kajakfahren und Schwimmen.

6. Die West Cork Islands – Heir Island, Sherkin Island & Cape Clear

Von Skibbereen in Irland aus erreicht man den Hafen von Baltimore in unter zwanzig Minuten. Mithilfe kleiner Fähren wird hier das Festland mit den drei größten Inseln West Corks verbunden: Heir Island, Sherkin Island und Cape Clear. Jede dieser Inseln ist einen Besuch wert.

Heir Island

Heir Island ist gerade einmal 2,5 Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit. Damit ist sie nicht nur die kleinste, sondern mit einer dauerhaften Einwohnerzahl von nur 24 Menschen auch die am wenigsten besiedelte der Inseln. Wer sich nach unberührter irischer Natur und Einsamkeit sehnt, ist hier richtig! Darüber hinaus wartet Heir Island mit einem der schönsten und menschenleersten Sandstrände der Gegend – Trá Bán.

Sherkin Island

Die Überfahrt auf Sherkin Island dauert nur zehn Minuten, was die Insel zu der am meisten frequentierten Insel Irlands macht. Auf der kleinen Insel befand sich einst der Familiensitz des irischen Seefahrerclans O’Driscoll. Aus dieser Zeit stammt unter anderem die Ruine eines kleinen Franziskanerklosters, die direkt über dem kleinen Hafen der Insel liegt. Überreste verschiedener keltischer Kultstätten legen jedoch den Verdacht nahe, dass Sherkin Islands schon seit mehreren Jahrtausenden vom Volk der Grünen Insel bewohnt wird.

Cape Clear

Cape Clear ist der südlichste bewohnte Landstrich Irlands und nach der Leuchtturminsel Fastnet Rock auch die südlichste Insel des Landes. Mehrere Standing Stones, ein Dolmen sowie eine Steinreihe erzählen von der Jahrtausende alten Geschichte der Insel. Auch die Tatsache, dass Cape Clear als Gaeltacht ausgewiesen ist und ein Großteil der 125 Mann starken Inselbevölkerung im täglichen Leben Irisch spricht, zeugt von einer tiefen Verbundenheit mit den keltischen Wurzeln.

Einen Ausflug von Cape Clear zu dem einsamen Leuchtturm auf Fastnet Rock, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Der weiße Signalturm auf dem abgelegenen Felsen wird oft als „Träne Irlands“ bezeichnet. Immerhin war es das letzte Stück Land, das so viele Iren von ihrem Heimatland sahen, bevor sie den Atlantik auf dem Weg in ein neues Leben in Amerika überquerten.

Cape Clear

Fastnet Rock © Fáilte Ireland

7. Baltimore Beacon

Der kleine Küstenort Baltimore liegt rund 14 Kilometer westlich von Skibbereen und erwartet seine Besucher mit einer bewegten Vergangenheit und einer faszinierenden rauen Küstenlandschaft.

Nach einem Rundgang durch die Gänge des Baltimore Castles, in denen man alles über die Geschichte des Ortes sowie die berüchtigte Piratenattacke im Juni 1631 erfährt; lohnt sich eine kleine Wanderungen entlang der Baltimore Klippen. Vom Hafen führt ein Fußweg an der Küste entlang, vorbei an den letzten Häuserreihen und hinauf in die Einsamkeit der Klippen. Ziel der Wanderung ist der Baltimore Beacon.

Der 15 Meter hohe weiße Turm thront auf den Felsen über dem Atlantik und markiert die sichere Zufahrt in den Baltimore Harbour. Der Turm wurde 1798 von den Engländern erbaut, um die irische Küste und insbesondere die Zufahrt in die vielen kleinen Häfen sicherer zu gestalten. Heutzutage ist der Beacon eines der bekanntesten Wahrzeichen West Corks.

Baltimore Beacon,

© George Karbus Photography, Fáilte Ireland

8. Whale Watching

Die irische Atlantikküste ist eines der besten Walbeobachtungsgebiete in Europa. Insbesondere vor der Südwestküste der Grünen Insel stehen die Chancen gut, die riesigen Meeressäuger während einer Bootstour aus nächster Nähe beobachten zu können.

Mit dem Auto erreicht man den kleinen Hafen in Union Hall von Skibbereen aus in nur zehn Minuten. Von hier aus starten die Touren von Cork Whale Watch fast das ganze Jahr über in den Atlantik. Neben Delfinen, Robben und Haien bekommt man dabei mit etwas Glück Finnwale, Buckelwale, Minkwale und sogar Orcas zu Gesicht. Die Crew der „Holly Jo“ weiß wo sich die meisten der beeindruckenden Meerestiere herumtreiben. Nicht umsonst können sie auf ihren Touren eine Erfolgsquote von 96% verzeichnen. Besonders im Frühjahr und Sommer ist die Wahrscheinlichkeit von Walen und Delfinen vor der Südwestküste Irlands sehr hoch.

Whale Watching in irland

Fotograf: Padraig Whooley | Creating Agency: Tourism Ireland

9. Toe Head

Wer Skibbereen und seine Umgebung mit dem Auto erkundet, sollte einen Ausflug zu Toe Head unbedingt in seine Reiseplanung aufnehmen. Je weiter gen Süden man sich von Skibbereen entfernt, umso schmaler wird die Straße und umso spektakulärer wird die Aussicht über die zerklüftete, felsige Küste.

Besonders lohnenswert ist der Toe Head Loop Walk. Die fast vier Kilometer lange Wanderung führt Irlandfans vom kleinen Toe Head Beach in einem Rundweg auf der schmalen Küstenstraße entlang des Atlantiks. Etwa auf halbem Weg gibt es die Möglichkeit, einem kleinen Trampelpfad über die grünen Felder bis an den Rand der Klippen zu folgen. Die Aussicht auf die vorgelagerten Seastacks und Felsen, die von der immerwährenden Gewalt des Atlantiks gezeichnet sind, ist beinahe surreal.

Zudem befindet sich hier eines der EIRE Zeichen aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese Zeichen findet man an über 80 Orten entlang der irischen Küste. Sie dienten zur Orientierung und wiesen Irland gegenüber Flug- und Seestreitkräften zweifellos als das neutrale Land aus, das die Grüne Insel zu dieser Zeit war.—

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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