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Die Hook Halbinsel in Irland

Hook Halbinsel Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Die Grafschaft Wexford in Irlands sonnigem Südosten bietet für Irland-Reisende ein abwechslungsreiches Programm aus Natur, Geschichte und Kultur. Hierbei vereint die Hook Halbinsel, Wexfords südlichster Teil, all diese Punkte auf kleinem Raum. Alte Klosterruinen, traumhafte Buchten, Irlands geheimnisvollstes Spuk-Haus, wunderschöne Gärten und nicht zuletzt Irlands ältester Leuchtturm befinden sich auf der Hook Halbinsel. Deshalb ist die 75 Kilometer lange Rundreise über die Halbinsel ideal für einen Tagesausflug geeignet.

Der ideale Tagesausflug: Eine Rundreise über die Hook Peninsula

Die Hook Halbinsel im County Wexford ist eine spärlich besiedelte Landzunge, die sich gute 25 Kilometer in das Meer hinein erstreckt. Dabei bilden die Bannow Bay im Osten und der Waterford Harbour im Westen die Buchten zu den Seiten der Hook Peninsula. An seiner schmalsten Stelle nur wenige hundert Meter breit, ist die Halbinsel durch eine flache Landschaft geprägt. Dominierend ist in alle Himmelsrichtungen das Meer. Zudem sind vor allem im Spätsommer zahlreiche Felder mit ihren goldgelben Getreide farbgebend für die Region.

Die Küste der Halbinsel ist in Teilen schroff. Von Felsen zerklüftete Buchten mit hohen Klippen sind die Regel. Die Sandstrände dieser kleinen Buchten sind bei Iren und Reisenden beliebte Ziele für einen erholsamen Nachmittag am Strand. In den Sommermonaten inklusive eines Sprungs in das kühle Meerwasser.

Ortschaften gibt es auf der Halbinsel wenige. Das größte Städtchen ist Wellingtonbridge am nordöstlichen Ende der Bannow Bay. Daneben sind Fethard im Osten der Halbinsel und Campile im Nordwesten weitere erwähnenswerte Dörfer. Dabei ist Wellingtonbridge ein guter Ausgangspunkt für eine Rundreise im Uhrzeigersinn über die Peninsula.

Tintern Abbey & Colclough Garden

Unweit von Wellingtonbridge befindet sich die erste Station auf der Rundreise über die Hook Peninsula: Die Tintern Abbey. Das ehemalige Zisterzienserkloster stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ihre Gründung geht auf den berühmten Normannenführer William Marshal zurück. Bis zur Auflösung im Jahr 1536 galt die Tintern Abbey als eines der wohlhabendsten Klöster im Orden der Zisterzienser in ganz Irland. Heute ist die in vielen Teilen restaurierte Klosterruine ein eindrucksvolles Monument architektonischer Fähigkeiten der einstigen Mönche. Zudem ist ein Besuch in hohem Maße lehrreich und spannend.

Nur wenige hundert Meter von der Tintern Abbey entfernt befindet sich ein restaurierter Mauergarten aus dem 19. Jahrhundert. Zu der Zeit gehörte die einstige Tintern Abbey der Familie Colclough. Diese legte den ursprünglichen Mauergarten zur Selbstversorgung und als Ziergarten an. Nach dessen Verfall findet seit 2010 ein umfangreiches Restaurationsprojekt statt. Dabei kommt der Garten zurück in seine alte Form. Bereits jetzt ist ein Rundgang durch den Colclough Garden eine ideale Ergänzung zu einem Besuch in der Tintern Abbey.

Tintern Abbey

Tintern Abbey, County Wexford (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Wie aus Fethard Fethard-on-Sea wurde

Von der Tintern Abbey verläuft die Rundreise südlich und passiert Fethard-on-Sea. Der kleine Hafenort ist Heimstätte einer beeindruckenden Burgruine. Insbesondere ein gut erhaltener Turm ist markantes Merkmal der Burg aus dem 13. Jahrhundert. Eine tragisch-komische Anekdote rankt sich um den Namen des Orts. Ursprünglich hieß dieser schlicht Fethard. Während einer Seenotrettungsaktion starben vor der Küste Wexfords 1914 neun Retter. Diese Tragödie löste viel Sympathie weltweit aus und Spenden an die Seenotretter gingen ein. Leider einige davon im gleichnamigen Fethard im County Tipperary. Grund genug, den Namen in Fethard-on-Sea abzuändern.

Der historische Baginbun Head auf der Hook Peninsula

Der Baginbun Head bei Fethard-on-Sea ist einer der historisch bedeutsamsten Orte in der irischen Geschichte. Hier landete in 1170 die erste Vorhut der Anglo-Normannen und errichtete auf dem erhöhten Baginbun Head eine provisorische Festungsanlage. Damit waren sie die ersten Invasoren, denen anschließend unter Richard de Clare (Strongbow) Tausende folgen sollten. Dabei sind die Erdwälle und Erhöhungen, welche die Pioniere um ihren Anführer Le Gros schufen, heute noch auf dem Baginbun Head sichtbar. Dazu gesellte sich im Napoleonischen Zeitalter ein Martello-Turm zur Überwachung der Bannow Bay.

Unterhalb des Baginbun Head befindet sich ein traumhafter Sandstrand, geschützt von den hohen Klippen, welche die Bucht umlaufen. Dieser ist an sonnigen Tagen bei den Bewohnern der Hook Halbinsel äußerst beliebt.

Hook Halbinsel Baginbun Head

Der historische Baginbun Head, Landeplatz der ersten Anglo-Normannen im 12. Jahrhundert (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Slade Castle & St. Dubhan’s Church

Vom Baginbun Head an verengt sich die Hook Halbinsel zusehend. Bereits weit im Süden befindet sich die Ruine des Slade Castle. Das Slade Castle war eine mehrstöckige Burg aus dem 15. Jahrhundert. Der irische Staat setzte die verfallene Ruine Mitte des 20. Jahrhunderts instand und öffnete sie für die Öffentlichkeit. Deshalb lohnt sich ein Zwischenstopp am Slade Castle und eine Besichtigung dieser altehrwürdigen Anlage.

Unmittelbar in der Nähe des Slade Castle und kurz vor dem Hook Lighthouse liegt die unscheinbare Ruine der St. Dubhan’s Church. Hierbei handelt es sich um eine Kirchenruine deren Ursprung bis in das 5. Jahrhundert zurückreicht. Der ursprünglich aus Wales stammende Mönch Dubhan baute am Hook Head eine Kirche samt Klostersiedlung. Dazu gilt er als Begründer eines ersten Leuchtfeuers auf dem Hook Head. Zudem ist er Namensgeber der Hook Halbinsel. Denn das irische Dubhan ins Englische übersetzt bedeutet Hook (Haken).

Hook Peninsula St. Dubhan's Church

St. Dubhan’s Church auf der Hook Peninsula (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Irlands ältester Leuchtturm auf der Hook Halbinsel: Das Hook Lighthouse

Schließlich erreicht die Rundreise den südlichsten Punkt: Das Hook Lighthouse. Der Leuchtturm auf dem südlichsten Zipfel der Grafschaft Wexford ist der älteste Leuchtturm Irlands. Zudem rühmt sich das Hook Lighthouse mit dem Titel des zweitältesten, funktionstüchtigen Leuchtturms der Welt. Der Ursprung des Leuchtturms geht auf das Leuchtfeuer des Heiligen St. Dubhan an selber Stelle zurück. Es folgte im 13. Jahrhundert der Bau des mächtigen Turms mit seinen dicken Mauern wie er heute noch steht.

Sehenswürdigkeiten in der Grafschaft Wexford

Hook Lighthouse, Hook Peninsula, Co. Wexford, Irland © Fáilte Ireland

Irlands Spukhaus Nummer Eins: Loftus Hall

Auf dem Rückweg vom Hook Lighthouse über den schmalen, südlichen Streifen der Hook Peninsula, rückt schnell ein dunkles Gebäude in das Sichtfeld. Loftus Hall, Irlands Spukhaus Nummer Eins, thront einsam über der verlassenen Weite der Hook Halbinsel. Eine Führung durch das alte Herrenhaus, in dem einst der Teufel sein Unwesen trieb – so die Legende – lohnt sich für furchtlose Reisende in jedem Falle. Auch der beschauliche Garten des Anwesens ist während des Besuchs einen Abstecher wert.

Loftus Hall Irland Hook Halbinsel

Loftus Hall auf der Hook Peninsula (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Ruinen aus der Ritterszeit: Templetown Church & Kilcloggan Tower House

Von der gruseligen Loftus Hall führt die Rundreise über die Hook Halbinsel weiter in Richtung Norden. Auf dem Weg in Richtung Duncannon liegen zwei interessante Ruinen entlang der Strecke. Die Templetown Church ist eine alte Kirche, die auf den Templer-Orden zurück geht. Die heute noch sichtbaren Bauwerke der Templetown Church baute jedoch der Johanniter-Orden nachdem die Templer verboten wurden und ihr Land verloren. Gut erhalten, ist der befestigte Turm und das Hauptgebäude der Kirche. Bemerkenswert ist ein Grabstein auf dem umliegenden Friedhof. Dieser zeigt das Symbol der Tempelritter, sodass vermutet wird, dass einer dieser Kreuzritter dort begraben liegt. Ebenfalls zum Johanniter-Order gehört das in der Nähe liegende Kilcloggan Tower House. Diese mehrstöckige Turmruine bauten die Johanniter im 14. Jahrhundert.

Traumhafte Buchten: Dollar Bay und Duncannon Bay

Eine kurze Strecke nördlich von Templetown ist einer der schönsten Strände auf der Hook Peninsula. Von hohen Klippen versteckt liegt ein schöner Sandstrand, den sanfte Wellen umspülen. Dagegen bilden schroffe Felsen am Nordende des Strandes einen willkommenen Kontrast.

Eine weitere, kurze Strecke weiter in Richtung Norden liegt der Ort Duncannon. Hier befindet sich ein lebhafter Strand, bekannt für das Duncannon Sand Sculpting Festival. Hierunter sind nicht einfache Sandburgen zu verstehen. Viel mehr treten wahre Künstler gegeneinander an und formen aus dem Sand der Duncannon Bay regelrechte Kunstwerke.

Berühmt ist Duncannon bereits seit dem 12. Jahrhundert. Die Anglo-Normannen erkannten die strategisch bedeutende Position der Bucht. Hinter Duncannon verengt sich der Waterford Harbour und teilt sich in die Flüsse Suir, Barrow und Nore auf. Zur Verteidigung dieser wichtigen Wasserstraßen bauten die Invasoren ein frühes Fort an der Duncannon Bay. Im 16. Jahrhundert baute die englische Königin Elisabeth I. das heutige sternförmige Duncannon Fort. Heute können Reisende das Duncannon Fort besichtigen.

Hook Halbinsel Dollar Bay

Die Dollar Bay (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Das Ballyhack Castle

Eine weitere strategische Befestigung ist das Ballyhack Castle, nördlich von Duncannon. Das restaurierte Turmhaus entstand im 15. Jahrhundert. Bauherren waren wiederum die Ritter des Johanniter-Ordens. Dabei überwacht die Burg den engsten Meeresabschnitt des Waterford Harbours. Eine Fähre verkehrt zwischen den beiden Ufern und verbindet so die Grafschaften Wexford und Waterford.

Das Ballyhack Castle ist vollständig für die Öffentlichkeit geöffnet und zeigt eindrucksvoll Teile aus dem Leben der Bewohner im Spät-Mittelalter. Dabei besonders gruselig: das tiefe Verlies.

Die Dunbrody Abbey im Norden der Hook Peninsula

In der nordwestlichen Ecke der Hook Halbinsel befindet sich die Dunbrody Abbey – eine weitere ehemalige Zisterzienser-Abtei. Der Mönchsorden baute die Dunbrody Abbey Anfang des 13. Jahrhunderts, deren Ruinen alle klassischen Stil-Elemente eines Zisterzienserklosters aufweisen. Vor allem der zentrale Vierungsturm und die typischen Rundbögen sind heute gut erhalten.

Dunbrody Abbey County Wexford

Die Dunbrody Abbey. Eines der Zisterzienser-Klöster der Grafschaft. (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Kilmokea Gardens & Country Manor

Den Abschluss der Rundreise über die Hook Peninsula bildet der Garten des Kilmokea Country Manor am nördlichen Ende der Halbinsel. Das gregorianische Anwesen beherbergt eine gehobene Pension. Schwere Ohrensessel, Kamine, Bücherregale, dicke Teppiche prägen die Einrichtung des stilvollen Herrenhauses.

Jedoch sind die Kilmokea Gardens das Herzstück des Anwesens. Dieser beherbergt eine abwechslungsreiche und interessante Pflanzensammlung. Neben heimischen Pflanzen befinden sich zahlreiche Rariäten und Exoten unter den pflanzlichen Bewohnern der Kilmokea Gardens. Zudem führt ein Pfad entlang der irischen Geschichte. So befinden sich Nachbauten von normannischen Festungen, einem Wikingerdorf und aus weiteren Epochen zwischen den Pflanzen. Dadurch verlieren sich Raum und Zeit in den Kilmokea Gardens und verwandeln einen Spaziergang durch den Garten zu einem Ausflug in eine andere Welt.

Kilmokea Gardens Country Manor

Kilmokea Gardens & Country Manor (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Rundreise über die Hook Halbinsel

In den Kilmokea Gardens endet die Rundreise über die Hook Halbinsel. Von dort sind es 22 Kilometer zurück zum Startpunkt in Wellingtonbridge. Für eine entspannte Rundreise empfiehlt es sich, die Reise in zwei Tagesetappen zu teilen. Das entspannt den Zeitplan und gibt viel Raum, die einzelnen Stationen der Tour in aller Ruhe zu erleben.

Von der Hook Peninsula aus sind weitere, wunderschöne Regionen Irlands gut erreichbar. Der Norden Wexfords rund um New Ross bietet weitere Möglichkeiten für Tagesausflüge. Zudem warten im benachbarten Waterford zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Copper Coast Geopark auf ihre Entdeckung!

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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