Südirland Sehenswürdigkeiten

Die Tintern Abbey auf der Hook Halbinsel

Tintern Abbey Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Die Hook Halbinsel im Süden der Grafschaft Wexford bezaubert durch traumhafte Landschaften mit Feldern, Weiden, mit Küste und Meer. Die Tintern Abbey mit dem restaurierten Colclough Garden gehört zu den Highlights der Hook Peninsula. Die Abtei aus dem 13. Jahrhundert geht auf den Zisterzienser-Orden und den Anlgo-Normannen William Marshal zurück. Deshalb ist ein Besuch der Abtei eine Reise durch die Zeit: in das Zeitalter nach der anglo-normannischen Invasion und in die Hochzeit der Zisterzienser in Irland.

Bannow Bay – wo die anglo-normannischen Invasion begann

Die Hook Peninsula befindet sich im Süden der Grafschaft Wexford. Der gestreckte Landarm trennt die Bannow Bay vom Waterford Harbour im Westen. Dabei erlangte die Bannow Bay Bedeutung in der irischen Geschichte. Im Jahr 1170 fuhren Schiffe mit bewaffneten Kriegern durch die Wasser vor der Küste Wexford. Sie kamen aus dem heutigen Wales und durchquerten die Bannow Bay. Schließlich landeten sie am Baginbun Head nahe dem heutigen Dorf Fethard-on-Sea, südlich der heutigen Tintern Abbey. Die Krieger waren die Vorhut der anglo-normannischen Invasion, die in den folgenden Jahren das Machtgefüge auf der Grünen Insel für immer verändern sollte.

Anführer der Invasion war Richard de Clare, genannt „Strongbow“. Dieser erhielt nach der gelungenen Invasion den Erbanspruch auf den Titel des Königs von Leinster. Seine Tochter Isabel heiratete den Adligen William Marshal. Dadurch erhielt dieser den Titel des Earl of Pembroke sowie Ländereien im heutigen County Wexford. Auf Marshal als Herrn von Wexford geht die Gründung von New Ross als wichtiger Hafenort und der Bau des Hook Lighthouse zurück. Zudem gründete er im Nordosten der Hook Halbinsel die Tintern Abbey in Irland.

Gründung der Tintern Abbey Irland

Im Jahr 1200 reiste William Marshal, jüngst zu einem bedeutenden Herrn in Irland aufgestiegen, auf die Grüne Insel. Während der Überfahrt durch die Irische See geriet sein Schiff in einen schweren Sturm. Der gläubige Marshal betete zu Gott und bat um Schonung. Im Gegenzug schwor er, eine Abtei auf seinen neuen Ländereien in Irland zu stiften. Letztendlich erreichte er die Küste Wexfords und kam sicher an Land. Seinem Schwur vor Gott blieb er treu. Er gewährte dem Zisterzienser-Orden 9.000 Acre (= 3.600 Hektar) Land für den Bau eines Klosters.

Die Zisterzienser kamen ab 1142 nach Irland. Der Orden entstand als Abspaltung vom Benediktiner-Orden in Frankreich. Nach der Gründung erhielt dieser viel Zuspruch und weitete sich über ganz Europa aus. Das erste Zisterzienser-Kloster in Irland war die Old Mellifont Abbey in der Grafschaft Louth. Auch in der Heimat von William Marshal, dem heutigen Wales, siedelten die Zisterzienser. Dabei befand sich eines ihrer Klöster, die namensgleiche Tintern Abbey, auf Marshals Besitz im walisischen Dorf Tintern. Von dort holte Marshal Mönche und siedelte sie für den Bau der neuen Abtei auf der Hook Halbinsel in Irland an. Dabei brachten die Mönche den walisischen Namen Tintern mit auf die Nachbarinsel. Zur Unterscheidung der beiden Schwester-Abteien nannten die Mönche das walisische Kloster Tintern Major. Dagegen erhielt der irische Ableger den Namen Tintern de Voto. Das Kloster des Schwurs.

Tintern Abbey Wexford

Tintern Abbey, County Wexford (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Architektur der Tintern Abbey

Die Zisterzienser bauten ihre Klosteranlagen weitestgehend nach einem gleichbleibenden Schema. Die Architektur der Tintern Abbey folgt diesem Schema im Detail. Die Kirche hat eine Kreuzform und ein markanter Turm krönt zentral den Bau. Die bei den Zisterziensern verbreiteten, großen Bögen zieren den einstigen Kirchenbau. Das Zentrum des Klosters bildete der Kreuzgang samt Garten. Dieser ist ebenfalls ein klassisches Element des typischen Zisterzienserklosters.

Der Kreuzgang lässt sich heute anhand der Mauerreste erahnen. Jedoch ist der Kreuzgang, genau wie die Wohn- und Arbeitsgebäude, kaum erhalten. Zudem erfuhr die Tintern Abbey im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten. Dadurch gingen ursprüngliche Elemente verloren und neue kamen hinzu, die heute als Ruinen sichtbar sind.

Tintern Abbey Wexford Tower

Blick in den restaurierten Turm der Abtei (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Auflösung der Tintern Abbey

Der Zisterzienser-Orden florierte über die nächsten Jahrhunderte. Dabei erging es der Tintern Abbey besonders gut. Das Kloster galt seinerzeit als eines der wohlhabenden Klöster in Irland. Jedoch war die Tintern Abbey nicht gefeit vor den politischen Spielen der herrschenden Klasse. Als sich der englische König Henry VIII. im Zuge seiner Fehde mit dem Papst von der katholischen Kirche löste, war der Untergang aller Kirchen und Klöster im Königreich besiegelt. 1536 verloren alle Orden per Gesetz ihren Besitz. Die Mönche und Nonnen verließen die Kirchen und Klöster. Dabei überließen sie die Bauwerke großteils dem Ruin. Darin liegt ein wichtiger Grund, warum heute derart viele, großartige Anlagen nur als Ruinen die Landschaft Irlands sprenkeln.

Nachdem die Mönche das Kloster verließen, ging die Tintern Abbey in den Besitz von James Croft, damals Lord Deputy of Ireland, über. Dieser verkaufte die Gebäude schließlich an die Familie Colclough, Adlige aus England. Der erste Colclough in Wexford war 1562 Anthony Colclough, ein Soldat aus der Armee Henry VIII. Die Colcloughs bewohnten das ehemalige Kloster sage und schreibe 400 Jahre. In dieser Zeit bauten sie den markanten Turm der Abtei zu einem Wohnturm aus. Zudem befestigten sie das Bauwerk und machten es wehrhaft.

Das letzte Mitglied der Familie Colclough, Lucey Marie Biddulph Colclough, lebte bis 1959 auf Tintern. Sie übergab das Anwesen vor ihrem Tod 1983 dem irischen Staat. Als die Abtei so Ende des 20. Jahrhunderts an den irischen Staat ging, begannen Restaurationen an dem historischen Bauwerk. Anschließend eröffnete ein Besucherzentrum und die Öffentlichkeit erhielt Einlass zu diesem prächtigen Stück irischer Geschichte.

Der Colclough Garden

Ein kurzes Stück abseits der Tintern Abbey befindet sich ein alter Mauergarten aus dem 19. Jahrhundert. Dieser geht zurück auf die Colcloughs, die dort einen Gemüsegarten und Obstgarten unterhielten. Eine erste Erwähnung findet sich in den Aufzeichnungen eines Irland-Reisenden aus dem Jahr 1814. Dieser beschreibt die Größe des Gartens mit eineinhalb Hektar. Dazu erwähnt er die imposante Backsteinmauer und die köstlichen Früchte, die im Colclough Garden wachsen.

Nachdem das Anwesen an den Staat überging, verwilderte der Garten. Erst eine Restauration brachte ihn zu seinem alten Glanz zurück. Seit 2012 ist der Colclough Walled Garden für die Öffentlichkeit geöffnet. Bei der Wiederherstellung verwendeten die Restauratoren altes Kartenmaterial. Hierauf waren die ursprüngliche Wegeführung und die Aufteilung der einstigen Beete erkennbar. Dadurch gelang es, den Garten authentisch nachzubauen.

Der Colclough Garden ist vollständig von der alten Mauer umrandet. Zudem ist er in zwei Bereiche unterteilt. Die beiden Segmente sind ebenfalls durch eine Mauer getrennt. Während das eine Segment ein Ziergarten mit einer breiten Auswahl, schönster Zierpflanzen ist, handelt es sich im zweiten Segment um einen Nutzgarten. In diesem wächst vielfältiges Gemüse sowie eine große Anzahl von Obstbäumen.

Entlang der äußeren Mauer sind alte Glasgewächshäuser restauriert. Diese bieten Schutz für Wein und südliche Früchte wie Pfirsiche. Eine Besonderheit des Colclough Garden ist der lauschige Bach, der durch die Mitte des Gartens fließt. Insgesamt fünf Brücken überqueren den Bach.

Colclough Garden Tintern Abbey Wexford

Der Colclough Garden (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Tintern Abbey Irland besuchen

Die Tintern Abbey ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Hierbei ist sie von April bis Oktober eines Jahres ganztägig geöffnet. Tour Guides bieten regelmäßige Führungen durch die ehemalige Abtei an. Eine Führung dauert 45 Minuten. Mehr Informationen bietet die Webseite der staatlichen Betreiber. Der angeschlossene Colclough Garden ist ganzjährig geöffnet. Die genauen saisonalen Öffnungszeiten sind auf der Webseite des Gartens hinterlegt. Sowohl für die Tintern Abbey als auch für den Colclough Walled Garden erheben die Besitzer Eintritt. Hierzu lohnt sich der Kauf eines Kombi-Tickets.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

Kommentar hinterlassen