Irland Ostküste Irland Reisetipps Irland Sehenswürdigkeiten

Loftus Hall – Irlands Spukhaus Nummer 1

Loftus Hall Irland Wexford
Neil Saad
Written by Neil Saad

Im Verlauf der irischen Geschichte entstanden überall auf der Grünen Insel großartige Herrenhäuser. Darunter sind einige wie das Powerscourt House heute beliebte Sehenswürdigkeiten. Wiederum andere verfielen im Laufe der Jahrzehnte und blieben als verblassende Ruinen in der irischen Landschaft stehen. In diese Kategorie fällt das alte Herrenhaus Loftus Hall auf der Hook Halbinsel im County Wexford. Einst ein prächtiger Wohnsitz übergaben es die letzten Besitzer dem Verfall. Ein Grund, warum die Besitzer das ehemals großartige Bauwerk verließen, liegt in der Spukgeschichte, die sich um das Haus rankt. Eine schaurige Geschichte vom Teufel und gruseligen, paranormalen Aktivitäten. Darum ist Loftus Hall, Irlands Spukhaus Nummer 1, eine Sehenswürdigkeit, die nur die Mutigsten besuchen sollten. Besonders in einer stürmischen Nacht, wenn der salzige Wind laut über die einsame, dunkle Hook Halbinsel peitscht…

Die Legende von Loftus Hall: Ein Abend mit dem Teufel

Im Jahr 1775 lebte ein Charles Tottenham gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau und seinen Kindern als Herr auf Loftus Hall. Eines stürmischen Abends legte ein schwarzes Schiff an der rauen Küste der Hook Halbinsel an. Von Bord ging ein in Schwarz gekleideter, unbekannter Mann. Das einsame Herrenhaus war in der stürmischen Nacht das einzige Gebäude weit und breit. Deshalb klopfte der Fremde an die Tore von Loftus Hall und erhielt Einlass. Während der folgenden Tage bandelte er mit Anne, der jüngsten Tochter seines Gastgebers, an. Die junge Lady lebte alleine in der Einsamkeit der Hook Halbinsel. Dadurch war die einsame, junge Frau umso empfänglicher für den Charme des Fremden.

Schließlich an einem Abend spielte die Gesellschaft um Charles Tottenham ein Kartenspiel und lud den Fremden an den Spieltisch. Es heißt, Lady Anne habe bei den regelmäßigen Kartenspielen der Familie stets zu den Verlierern gehört. Jedoch an jenem Abend gewann sie Spiel um Spiel. Bei einer weiteren Runde gab ihr Gegenüber, der Fremde, ihr lediglich zwei statt drei Karten. Anne beugte sich unter den Tisch, um zu prüfen, ob nicht beim Geben eine Karte zu Boden fiel. Dabei erblickte sie voller Schrecken, dass der Fremde gegenüber unter dem Tisch keine Füße hatte. Stattdessen erblickte sie die Hufe eines Ziegenbocks. Mit weit geöffneten Augen und einem Schrei kam Lady Anne nach oben. Der Fremde gegenüber erkannte, was die junge Dame zuvor entdeckte.

Mit einem erschütternden Schrei stand der als Teufel enttarnte Fremde auf. In einer Rauchwolke stieß er hinauf durch die Saaldecke. Zurück blieben die erschrockene Familie und ein verkohltes Loch in der Decke von Loftus Hall. Angeblich ließ sich dieses Loch nie wieder gänzlich reparieren. Deshalb ist die Stelle, durch die der Teufel entkam, bis heute erkennbar.

Loftus Hall Irland Hook Halbinsel

Loftus Hall auf der Hook Peninsula (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Das Schicksal der Lady Anne

Ebenfalls blieb Lady Anne zurück. Die junge Frau erholte sich von dem Schock nicht wieder. Um den wirren, geistigen Zustand ihrer Tochter zu verbergen, schloss die Familie Lady Anne in ihren Lieblingsraum ein. Dort saß sie tagein, tagaus mit angewinkelten Beinen auf ihrem Bett und wiege auf und ab. Dabei richtete sie den Blick stets aus dem Fenster und wartete, ob der Fremde zurückkehrte. Schließlich starb sie dort in jungen Jahren. Durch das anhaltende Sitzen mit angewinkelten Beinen war es nicht möglich, den toten Körper für die Beerdigung in eine gestreckte Position zu bringen. Deshalb kam Lady Anne in einen speziellen Sarg, in dem ihr deformierter Körper liegen konnte.

Nach den Geschehnissen um Lady Anne und den Teufel war auf Loftus Hall nichts mehr wie es war. Über die folgenden Jahrhunderte sammelten sich Berichte über paranormale Aktivitäten im Haus. Bedienstete der Famlie Loftus erzählten, dass sie die verstorbene Lady Anne im Haus sahen. Andere berichteten davon, wie sie eine nicht sichtbare Anwesenheit im Raum spürten.

In den 1990er lebte eine Kitty Devereaux alleine in dem großen Haus. Eines Tages verließ sie das Anwesen und Irland urplötzlich. Als Grund gab sie später an, das Haus habe ihr eines Nachts mitgeteilt, sie habe jetzt zu gehen. Heute heißt es, Kittys Schlafzimmer sei stets etwas kälter als die restlichen Räume des Hauses.

Berichte wie diese locken Menschen an, die sich mit dem Paranormalen beschäftigen. Deshalb besuchten über die Jahre regelmäßig Gruppen das Haus, um paranormale Aktivitäten zu erleben. Ein lebhafter Bericht eines solchen, nächtlichen, Besuchs gab die Gruppe Paranormal Researches Ireland.

Zugang in Irlands Spukhaus Nummer 1 (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Geschichte von Loftus Hall

Die Ursprünge von Loftus Hall gehen zurück auf die anglo-normannische Invasion im 12. Jahrhundert. Während dieser kam ein Raymond Le Gros nach Irland. Er erwarb weitläufige Ländereien in der heutigen Grafschaft Wexford und baute am Standort des heutigen Hauses eine Burg. Seine Nachfahren ersetzten diese Mitte des 14. Jahrhunderts durch einen modernen Wohnsitz: Redmond Hall. Dabei war der Familienname Redmond über die Jahrhunderte aus Raymond Le Gros Vornamen entstanden.

Über die folgenden Jahrhunderte blieb Redmond Hall im Familienbesitz. Hierbei überstand das Herrenhaus die zeitweise Belagerung durch englische Soldaten im Jahr 1642. Grund für die erfolglose Belagerung war die Parteinahme von Familienoberhaupt Alexander Redmond für die irischen Rebellen während des elfjährigen Konföderiertenkrieges (1641 – 1653). Erst Oliver Cromwell 1649 erkämpfte die Übergabe von Redmond Hall an die englischen Besatzer. Jedoch verhandelte Alexander Redmond bevorzugte Konditionen für sich und durfte bis zu seinem Lebensende 1650 im Haus bleiben. Der Familie Redmond ging das Anwesen allerdings anschließend verloren.

Das nun leer stehende Familienhaus ging an die Familie Loftus über. Diese waren englische Siedler, die nach Cromwells Invasion im Zuge der Plantations nach Irland kamen. Schließlich bewohnte die Familie Loftus ab 1666 das große Haus auf der Hook Halbinsel. Henry Loftus war der erste, neue Herr von Redmond Hall und renovierte den Bau ausgiebig. Er gab dem neuen Wohnsitz seinen heutigen Namen: Loftus Hall.

Loftus Hall Irland Garten

Blick durch den historischen Garten (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Der Verfall von Loftus Hall

Die Familie Loftus stieg über die kommenden Jahrhunderte in der Adelshierarchie auf. Im Jahr 1800 erhielt der damalige Herr von Loftus Hall den Titel eines Marquess. Von 1872 bis 1884 renovierte der damalige Marquess John Henry Wellington Graham Loftus das Gebäude. Damals ging das Gerücht um, die Königin von England plane einen Besuch in Wexford. Um sich angemessen zu präsentieren, scheute der Marquess keine Kosten und Mühen. Dabei entstand Loftus Hall in seiner heutigen Form. Auf diesen Umbau geht die wundervolle Holztreppe zurück, die das Prachtstück im Inneren des Gebäudes ist. Die Treppe entstand über Jahre und ist ohne Nägel oder Schrauben nur aus Holz erbaut. Heute ist sie einmalig. Allerdings entstand von ihr ein Nachbau. Die Schwestertreppe war ein Bestandteil der Titanic und liegt somit auf dem Grund des Meeres.

Wertvolle Marmorrahmen dekorierten die 24 Kamine im Haus. Traumhafte Kronleuchter hingen von den Decken des Hauses. Ein weiteres Prunkstück ist der in Handarbeit gelegte Mosaikboden in einem der Eingangsräume. Hieran arbeiteten zwei italienische Meisterhandwerker. Als Lohn für ihre Arbeit ließ der Marquess ihnen die Hände abhacken und schickte sie in die Weite von Wexford. Der Grund für dieses brutale Vorgehen? Der kunstvoll gelegte Boden sollte einmalig bleiben und seine Erschaffer nicht mehr in der Lage sein, ihn anderswo nochmal zu bauen.

Loftus Hall Treppe

Teil der beeindruckenden Treppe von Loftus Hall (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Zeiten nach der Familie Loftus

Am Ende kam die Königin von England nicht nach Wexford. Sie zog die Grafschaft Cork vor. Währenddessen überforderten die Ausgaben für die Renovierung die Familie Loftus. Verarmt verließen sie das Anwesen Ende des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1917 erwarb ein Nonnenstift das Haus und verwandelte es in eine Nonnenschule. Eine der täglichen Aufgaben der Nonnen war das Wachsen und Wischen der Holztreppe. Darum ist die Treppe heute eines der am besten erhaltenen Gebäudeteile.

Nach den Nonnen erwarb 1983 Thomas Devereaux das Haus und eröffnete es als Hotel. Mit dem Tod Devereaux’ schloss das Loftus Hall Hotel wieder. Seine Frau Kitty lebte in der Folge bis zu ihrem überstürzten Aufbruch alleine auf dem Anwesen. Anschließend geriet das verlassene Haus in Verfall.

Loftus Hall besuchen

Im Jahr 2008 erwarb die Familie Quigley das verfallene Haus. Sie setzte die Ruine teils instand und eröffnete es für die Öffentlichkeit. Seitdem ist Loftus Hall eine Sehenswürdigkeit auf der Hook Halbinsel und beliebt bei Irland-Reisenden in Irlands historischem Osten. Draußen am Haus befindet sich ein alter Mauergarten, der eine schöne Restauration erfuhr und zu einem Spaziergang einlädt.

Führungen durch das Haus geben Einblicke in die Geschichte des Hauses und seine gruseligen Legenden. Während der Führung sehen Besucher die großartigen Teile des Hauses wie die Holztreppe und den kunstvollen Mosaikboden. Allerdings wird die gruselige Geschichte um den Besuch des Teufels ebenfalls spürbar rekonstruiert. Auch ein Besuch in Lady Annes Zimmer fehlt während der Führung nicht. Darum ist eine Führung für schreckhafte Besucher nur mit Vorsicht empfohlen. Besonders spannend sind die längeren Führungen nach Einbruch der Dunkelheit. Dabei besteht die Möglichkeit, auch die ansonsten geschlossenen, oberen Etagen des Hauses zu besichtigen.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

Kommentar hinterlassen