Irland im Mittelalter

Galloglas – mittelalterliche Söldner in Irland

Gallogas
Written by Monika Dockter

Die mit dem Titel Galloglas bezeichneten Krieger stehen für ein kleines Teilstück der bewegten – und bewegenden – Geschichte Irlands. Derjenigen des Mittelalters, um genau zu sein. Laut einer Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert waren die so genannten Söldner Männer von großer und kräftiger Statur, grausam und ohne Mitgefühl. Ihre größte Kampfestugend besteht in ihrem Todesmut. Auf dem Schlachtfeld wählen sie es lieber zu sterben, als sich zu ergeben. Sie verlassen das Schlachtfeld entweder als Sieger oder gar nicht (freie Übersetzung/Interpretation). Hier stellen wir Euch die Helden mit diesem legendären Ruf ein wenig genauer vor.

Herkunft der Galloglas

Der Begriff Galloglas oder Gallowglas kommt von dem irischen gallóglaigh und bedeutet schlicht und einfach fremde, junge Krieger. Damit gibt er auch bereits einen Hinweis auf die Herkunft dieser Krieger, die gegen Bezahlung ihre Dienste zur Verfügung stellten. Ursprünglich stammten sie nämlich nicht von der Grünen Insel selbst, sondern von der schottischen Westküste.

Ihre Waffen bestanden aus Schwertern und Streitäxten. Legendär wurde ihre Kampfkunst vor allem mit dem Zweihandschwert. Mit diesen Schwertern durchdrangen sie selbst Kettenhemden und konnten die Beine feindlicher Schlachtrösser mit einem Hieb abtrennen.

Jeder dieser schottischen Kämpfer wurde außerdem meist von zwei Jungen, ähnlich den ritterlichen Knappen, begleitet: einem Jungen, der Waffen und Ausrüstung trug und einem Jungen für den Proviant. Beritten waren sie dagegen nicht, sondern gehörten zur Infanterie.

Im Jahr 1259 werden die nordisch-gälischen Galloglas-Söldner zum ersten Mal in irischen Diensten erwähnt. Damals heiratete Aedh O Conchobair, der König von Connacht, eine Königstochter von den schottischen Hebrideninseln. Ihre Mitgift bestand in einer Schar von 160 schottischen Kriegern, die hinfort dem irischen König von Connacht dienten.

Galloglas

© ValeriiIavtushenko / Pixabay

Galloglas in den irischen Kriegen

Offenbar bewährte sich ihr Dienst, denn schon bald standen sie bei zahlreichen gälisch-irischen Kleinkönigen und anglo-irischen Lords in Lohn und Brot. Sogar der englische Lord Deputy of Ireland bediente sich ihrer Kampfkunst.

Auf diese Weise wurden die Galloglas mit der Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Infanterie Irlands und schon bald als irische Galloglas angesehen. Bis zum Jahr 1512 gab es landesweit bereits neunundfünfzig Söldnergruppen unter dem Kommando des irischen Adels.

1569 heiratete eine Tochter des Earls von Argylle den Iren Turlough O’Neill. Sie brachte 1200 Galloglas-Kämpfer mit in die Ehe. Gemeinsam mit den zwei bereits erwähnten Jungen, die jeden dieser Männer begleiteten, kamen so auf einen Schlag ungefähr 5000 Söldner und künftige Söldner auf einmal ins Land.

Ein Schriftstück, das Anfang des 16. Jahrhunderts verfasst wurde, nennt sechs Bataillone der Galloglas in den Reihen des irischen Heeres. Zwei Bataillone standen unter dem Befehl des Mac Cárthaigh Mór und drei unter dem des Earl of Desmond. Jedes dieser Bataillone wiederum bestand aus 60 bis 80 gepanzerten und mit den typischen Zweihandschwertern bewaffneten Kämpfern plus ihren Waffenträgern.

Einzelne Galloglas fungierten auch als Leibwächter: Als Nicht-Einheimische waren sie nicht in lokale Konflikte und Fehden verwickelt und begegneten deshalb ihrem Dienstherrn völlig loyal.

Die Galloglas unter der Herrschaft der Tudors

Im 16. Jahrhundert selbst loderte in Irland ein militärischer Konflikt, den das Königshaus der Tudor mit seiner Eroberung des Landes verursacht hatte. In diesen Kämpfen wurden die unerschrockenen Galloglas zusätzlich von neuen schottischen Söldnern, bekannt als  Redshanks, begleitet.

Auf diese Weise wurde die Kampfkraft der Söldner eine zunehmende Bedrohung für die englischen Besatzer. Im Jahr 1571 schritt Königin Elizabeth I. beispielsweise dagegen ein, indem sie 700 von ihnen hinrichten ließ.

Doch nicht einmal dieses Blutvergießen konnte die Beteiligung der Galloglas-Söldner am Kampf gegen die Tudorherrscher verhindern.  Im sogenannten Nine Years’s War von 1593  bis 1603 errangen sie unter Hugh O’Neill mehrere Etappensiege gegen die englischen Besatzer. Sie unterlagen erst 1602 in der Schlacht von Kinsale.

Galloglas auf dem europäischen Festland

Nach dieser Schlacht ließ die Rekrutierung der Söldner spürbar nach. Dennoch kamen bis in die 1640er Jahre noch regelmäßig Galloglas nach Irland.

Schon im Jahr 1521 skizzierte auch der deutsche Künstler Albrecht Dürer kämpfende Galloglas. Außerdem dienten sie in den niederländischen Dutch Blue Gards, in der Schweizer Swiss Guard, der französischen Scottish Guard und im Dreißigjährigen Krieg unter König Gustav Adolf II von Schweden.

Spuren der Galloglas im heutigen Irland

Selbstverständlich hat das Leben und Wirken dieser Krieger bis heute Spuren auf der grünen Insel hinterlassen. Das Städtchen Milford im County Donegal  beispielsweise. Ursprünglich hieß es nämlich nicht Milford, sondern Ballynagalloglagh oder Baile na nGallóglach. Was nichts anderes bedeutet, als Stadt der Gallowglass. Auf einem nahe gelegenen Hügel kämpften die legendären Söldner in irischen Diensten einst gegen die Engländer.

Auch etliche heutige Familiennamen lassen sich auf die Galloglass-Krieger zurückführen. Besonders deutlich zu erkennen, aber dafür nicht allzu häufig, in Gallogly.  Auf den ersten Blick nicht mehr so deutlich zu erkennen ist die Abstammung der MacRory, MacSweeney, MacDonnell usw. von den Clans der schottischen Söldner.

Gallogas

© ArtTower / Pixabay

Galloglass in Literatur und Film

Schon Shakespeare erwähnt die legendären Söldner in einem seiner Werke,  Macbeth. Zwar lebte der historische Macbeth im elften Jahrhundert und damit vor deren Zeit, aber ein wenig künstlerische Freiheit‘ gestand man dem Barden ja gerne zu.

Aus neuerer Zeit stammt das geschichtliche Werk Gallowglass 1250 – 1600. Hier gewährt der Autor Fergus Cannan dem Leser einen historischen Gesamtüberblick sowie detaillierte, anschauliche Informationen über Themen wie Rekrutierung, Kampftechniken und auch das Selbstverständnis der Kriegerclans.

In der Dokumentation Mysterien des Mittelalters – Irlands legendäre Krieger versucht der Archäologe Tim Sutherland der Legende dieser unerschrockenen Kämpfer in sachkundiger Art und Weise auf den Grund zu gehen.

Sollte dieser erste kurze Überblick über die Geschichte der Galloglas bei Euch also weitergehendes Interesse bezüglich der Galloglass geweckt haben, könnt Ihr dem Thema mithilfe der genannten Dokumentation bzw. des erwähnten Buches nachgehen…

 

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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