Irlands Natur

Wicklows Küste: die Schönheit der irischen See erleben

County Wicklow Bray
Written by Neil Saad

Die Grafschaft Wicklow ist bei Irland-Reisenden eine der populärsten Regionen. Vor allem die Wicklow Mountains und der Nationalpark um Glendalough sind beliebte Ausflugsziele. Allerdings bietet das County in Irlands historischem Osten mehr. Besonders Freunde salzigen Meerwassers kommen dort auf ihre Kosten. Denn Wicklows Küste ist gespickt mit lebhaften Städtchen und kleinen Dörfern, einsamen Buchten und langen Sandstränden. Dazu grenzt der Küstenstreifen unmittelbar an Dublin. Dadurch ist das Meer von der Großstadt aus nur einen Katzensprung entfernt. In unserem Artikel folgen wir diesem schönen Teil der irischen Ostküste von Nord nach Süd. Begleitet uns!

Wicklows Küste: Von Bray Head bis Arklow

Die Küste von Wicklow ist vergleichsweise kurz. Mit einer Länge von etwas mehr als sechzig Kilometern ist es gut möglich, die gesamte Strecke in einem Tagesausflug zu entdecken. Jedoch gibt es unterwegs viele Sehenswürdigkeiten, die es lohnt, zu besichtigen. Deshalb dürfen ruhig zwei Tage für eine ausführliche Entdeckungsreise eingeplant werden. Durch die Nähe zu Dublin ist eine solche eine willkommene Abwechslung zum Trubel der Großstadt. Der nördlichste Ort an Wicklows Küste, Bray, befindet sich nur 45 Minuten vom Stadtzentrum Dublins entfernt.

Zudem ist die gesamte Küstenregion sowohl von Dublin aus als auch von Süden aus Wexford kommend mit der irischen Bahn erschlossen. Besonders schön: Die Bahnstrecke verläuft bis nach Arklow in Wicklows Süden großteils direkt am Meer entlang. Während der Fahrt genießen Zugreisende so ungestörte Ausblicke auf die Meereswellen. Einen ähnlichen Eindruck vermittelt eine Küstenwanderung. Von Bray bis Wicklow Town folgt ein Wanderweg den Schienen. Die Strecke hat eine Länge von 25 Kilometern und ist an einem Wandertag entspannt zu schaffen.

Wicklows Küste Cliff Walk

Die Bahnstrecke verläuft entlang der Klippen des Bray Head (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Von Bray nach Greystones

Bray, die größte Stadt Wicklows liegt angrenzend an die südlichen Vororte von Dublin. Hier, wo der südliche Teil von Dublins Küste endet, übernimmt die Grafschaft Wicklow und steht ihrem Nachbarn in Sachen maritimer Schönheit in Nichts nach. Bray ist ein Badeort, dessen kiesiger Strand zu einem entspannten Spaziergang einlädt. Wer dabei nicht mit den Füßen durch den Sand streifen möchte, kann auf der großen Promenade seiner Wege gehen. Oder schlicht in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants sitzen und dem munteren Treiben zuschauen. Ein kleines Abenteuer wartet am Südende des Strandes. Mit Bray Head ragt ein niedriger Hügel oberhalb des Wassers auf. Nach einem kurzen Anstieg erwarten Wanderfreudige großartige Aussichten in alle vier Himmelsrichtungen. Im Ortszentrum selbst entdecken Besucher zahlreiche Geschäfte und immer wieder kleine Cafés und Bars. Zudem sind das Sea Life Aquarium und das beeindruckende Killruddery House & Gardens Highlights der Küstenstadt.

Während Bray Head den südlichen Abschluss der Stadt bildet, wartet eine kurze Distanz dahinter mit Greystones der nächste Hafenort. Praktischerweise verbindet die beiden Orte ein Cliff Walk, der über die höheren Lagen des Bray Head und weiter die Küste entlang bis Greystones führt. Mit gerade einmal sieben Kilometern ist die kurze Wanderung ein schönes Erlebnis, um das Küstenfeeling der Region intensiv aufzunehmen. In Greystones erwartet Besucher eine schöne Auswahl an Möglichkeiten, einen Nachmittag entspannt bei einer Tasse Tee zu verbringen. Dazu ist die Marina von Greystones ein toller Ort, um die Seele im Meereswind baumeln zu lassen.

Bray Greystones Cliff Walk

Der Cliff Walk von Bray nach Greystones. Traumhafte Aussicht auf die irische See (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Natur pur an Wicklows Küste

Hinter Greystones leert sich die Küstenlandschaft merklich. Siedlungen verschwinden nach wenigen Kilometern komplett. Waren Bray und Greystones die letzten Anzeichen von Großstadtnähe, beginnt jetzt die Natur die Führung zu übernehmen. Lediglich die winzigen Dörfer Kilcoole und Newcastle unterbrechen die Küstenidylle. Hierbei ist das Newcastle Aerodrom bemerkenswert. Dabei handelt es sich um einen kleinen Flugplatz für Hobby-Piloten. Vom Six Mile Point, einem der beiden Strandzugänge von Newcastle, können die Flieger über dem Meer kreisend beobachtet werden.

Der Flugplatz liegt inmitten von weiten Feldern. Sowohl Vieh als auch zahllose Vögel leben in dem flachen Landstrich, der als die The Murrough Wetlands bekannt ist. Das gesamte Gebiet, welches sich bis an den Ortsrand von Wicklow Town erstreckt, ist ein geschützes Naturgebiet. Dieses ist Heimat unzähliger Tierarten. Insbesondere Vogelbeobachter kommen hier auf ihre Kosten. Es besteht aus unterschiedlichen Teilgebieten. Dazu gehört das bei Newcastle beginnende East Coast Nature Reserve. Zudem ist eine kilometerlange Seenfläche samt Mersch nördlich von Wicklow Town, The Broad Lough genannt, Teil des Gebiets.

Weiter südlich verändert sich die Küste kaum mehr. Weite Felder, das blaue Wasser der irischen See und für Kilometer keinerlei Siedlungen. Dazu bilden die Wicklow Mountains im Inland einen spektakulären Anblick. Wendet man sich vom Wasser weg und blickt nach Westen, sind die einzelnen Berge deutlich erkennbar. Je nach Wetterlage verändert sich das Panorama ständig. Mal wolkenverhangen, mal von Sonne beschienen, aber immer wunderschön. Wen die Sehnsucht nach den Bergen packt: Von Wicklows Küste aus ist es stets nur eine kurze Fahrt bis an die Ränder der Wicklow Mountains.

East Coast Nature Reserve Wicklow

Das East Coast Nature Reserve: Einsamkeit zwischen Bergen und der See (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Der Süden: Klippen und lange Sandstrände

Die leeren Felder entlang von Wicklows Küstenlinie ziehen sich hinter The Broad Lough zurück. Dafür beginnt die Siedlungsfläche von Wicklow Town. Der Verwaltungssitz der Grafschaft bietet verschiedene Sehenswürdigkeiten wie das Wicklow Gaol oder das Black Castle oberhalb des Hafens. Daneben sind die Pubs im Ort für ihr abwechslungsreiches Abendprogramm bekannt. Am südlichen Rand von Wicklow verändert sich das Antlitz der Küstengeographie deutlich. Das flache Marschland, welches The Murrogh prägte, wandelt sich zu einer schroffen Klippenlandschaft. Dabei führen Wanderpfade durch das mit Heide überwachsene Land. An verschiedenen Stellen haben sich steile Buchten gebildet, teils mit schönen, versteckten Stränden. Der Bride’s Head ist einer davon. Jedoch bekannter ist der Wicklow Head. Dieser ist Heimat von direkt mehreren Leuchttürmen, welche prominent auf den Klippen thronen.

Wicklow Head Lighthouse

Wicklow Head Lighthouse, Co. Wicklow, Irland © Ros Kavanagh

Von Wicklow Town nach Arklow

Wicklows Küste bleibt nun felsig und jenseits des Wicklow Head finden sich weitere, winzige Buchten. Darunter sind einige der bevorzugte Sonnenplatz für Robben. Oftmals für den Menschen unzugänglich, sind sie das ideale Versteck für die süßen Meeresbewohner. Aber je weiter südlich die Reise entlang der Küste führt, desto mehr verliert sich der Klippen-Charakter. Das Land verläuft wieder flacher und es tun sich verschiedene Sandstrände auf. Darunter ist Brittas Bay der größte und beliebteste Strand Wicklows. Mit vier Kilometern Länge, wundervollen Dünen und feinstem Sand ist er eine der Perlen der Strände an der Ostküste.

Das Ende von Brittas Bay bildet der Mizen Head. Jedoch schließt sich hinter dem leicht erhöhten Vorland eine neue Strandlandschaft an. Hierbei ist die tiefe Dünenlandschaft des Ennereilly Beach erwähnenswert. Ein mäandernder Pfad führt durch die Sandhügel und endet am von Wellen umspülten Sandstrand. Jenseits der Strände liegt Arklow. Die Stadt ist der südlichste Ort der Grafschaft. Neben einem Hafen und dem Arklow Maritime Museum ist sie vor allem für ihre Shops und Pubs beliebt.

Über den Autor

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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