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Muckross Traditional Farms in Killarney: Eine kleine Zeitreise

Muckross Traditional Farms
Written by Nadja Uebach

Der rauchige Duft frischgebackenen Brotes hängt schwer in der Luft und vermischt sich mit dem scharfen Aroma von Dung, sobald die dicken weißen Wände des irischen Farmhauses am Ende des Feldweges in Sicht kommen. Die Tür zu dem am Haus angeschlossenen Stall steht offen. Der Gesang des Farmers, der dort seine Kuh melkt, ist bereits von Weitem zu hören. Nebenan in der traditionellen Küche, die einen der beiden Wohnräume im Haupthaus ausfüllt, erzählt eine Frau ihren Besuchern, wie das Brot im Schmortopf über dem offenen Feuer im Kamin besonders lecker wird. Wir schreiben das Jahr 1930 und wandeln durch das ländliche Irland, wo die Menschen ihre Höfe ohne Strom und fließendes Wasser bewirtschafteten. Eine Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann, die jedoch dank der Leidenschaft der Mitarbeiter im Freilichtmuseum Muckross Traditional Farms in Killarney in den Sommermonaten zum Leben erwacht!

Muckross Traditional Farms: Auf den Spuren der Vergangenheit

Mit seinem spektakulären Nationalpark, dem charmanten Ortskern und seiner Lage am Tor des Ring of Kerry ist Killarney zu recht einer der meistbesuchten Orte der Grünen Insel. Für jeden, der nicht nur in die Landschaft, sondern auch in die Kultur und Geschichte Irlands eintauchen möchte, wartet versteckt am Rande des Parkplatzes am Muckross House ein lohnenswertes Freilichtmuseum. In einem weitläufigen Areal erleben Besucher der Muckross Traditional Farms nicht nur, wie irische Farmer in den 30er und 40er Jahren gelebt und gearbeitet haben. Sondern bekommen zudem einen Eindruck in das Handwerk traditioneller Schreiner, Schmiede und Sattler sowie in den Schulalltag aus längst vergangenen Tagen.

Rund um den Brunnen, die Wasserpumpe und der Wegkreuzungen fühlt man sich in die damalige Kultur zurückversetzt. Immerhin waren es diese Orte, an denen die Menschen und insbesondere die Frauen und Kinder regelmäßig beim Wasserholen oder auf Botengängen aufeinandertrafen. Hier tauschte man sich aus, machte sich Geschenke, aß gemeinsam eine kleine Brotzeit oder feierte und tanzte. Vor allem Kreuzungen der Hauptverkehrswege galten früher als Angelpunkte für das Sozialleben des Inselvolkes.

Muckross Traditional Farms

© Brian Morrison, Tourism Ireland

Vom bescheidenen Arbeitercottage bis zum großzügigen Farmhaus

Das Museum wird auf einem Rundgang entdeckt, dessen Beginn von einem einfachen kleinen Farmcottage markiert wird. Von dem Haupthaus aus, das aus einem Schlafzimmer und einer Wohnküche mit angeschlossenem Stall und Schuppen besteht, wurden bis zu acht Hektar Farmland bewirtschaftet. Hier treffen Besucher häufig auf Mitarbeiter des Museums, die diesen Hof beim Melken, Backen oder Gärtnern zum Leben erwecken.
In unmittelbarer Nähe befindet sich ein einfaches Arbeitercottage. Das beschauliche Wohnhaus verfügt über eine kleine Wohnküche im Erdgeschoss und ein bescheidenes Schlafzimmer im Obergeschoss. Ein überschaubarer Garten konnte zum Anbau von Gemüse sowie zum Halten von Hühnern oder Schweinen verwendet werden.

Nur wenige Meter weiter erreicht man eine etwas größere Farm. Diese besteht aus einem Wohnhaus mit insgesamt drei Zimmern: einer Wohnküche und zwei Schlafzimmer, die direkt von der Küche aus zu erreichen sind. Parallel zum Wohnhaus befinden sich separate Stallungen und Schuppen. Diese Bauweise war besonders in der Provinz Munster weit verbreitet. Ein Hof dieser Größe hatte meist mehrere Kühe und bewirtschaftete bis zu 20 Hektar Land.

Kultur und Tanz am Straßenrand

Früher gab es in den ländlichen Gegenden in Irland kaum Treffpunkte. Die einzelnen Bauernhöfe waren mehrere Kilometer voneinander entfernt und auch die nächste Ortschaft war meist nicht einfach zu erreichen. Kurzerhand funktionierten die Iren natürliche Orte der Zusammenkunft zu einer Art Gemeindezentrum um. Dazu gehörten Brunnen und Wasserpumpen, die zur damaligen Zeit häufig am Straßenrand zu finden waren. Hier versammelten sich hauptsächlich Frauen und Kinder beim täglichen Wasserholen und tauschten Neuigkeiten, Geschenke und andere Gaben aus.

Allerdings spielten auch Wegkreuzungen eine große Rolle. Hier verabredeten sich die Iren früher zu Festen. Es wurde gegessen, getrunken und getanzt. Im Museum bekommt man auf seinem Weg diese Orte ebenfalls zu Gesicht und kann ihren gesellschaftlichen Wert von damals fast spüren.

Großlandbesitzer, Handwerker und das Schulhaus

Eines der Highlights der Muckross Traditional Farms ist das Quille’s Farmhaus. Der große in U-Form angelegte Hof verfügt über eine stattliche Wohnküche, aus der ein Korridor in die Schlafzimmer und ein „gutes“ Wohnzimmer führt. Letzteres nutzte man im Farmalltag nur wenig. Allerdings stand es zur Verfügung, wenn sich Besucher, wie beispielsweise der örtliche Pfarrer ankündigte.

In den Stallungen und Schuppen fanden mehrere Kühe, Schweine, Hühner und manchmal sogar Pferde sowie Maschinen Platz. Insgesamt konnte eine Farm dieser Größe bis zu 40 Hektar Land bewirtschaften. Besucher finden hinter dem Farmhaus Toiletten und einen kleinen Streichelzoo.

Muckross Traditional Farms

© Emma Mc Cardle for Tourism Ireland

Der Rest des Rundweges führt an einer traditionellen Schmiede, Sattlerei sowie Schreinerei vorbei. Neben den originalgetreuen Werkstätten sorgen hier besonders die regelmäßigen Demonstrationen des Handwerks dafür, dass man den Eindruck hat, man wäre in die Vergangenheit gereist. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem ein kleiner Waldspielplatz, der bei den jungen Besuchern des irischen Freilichtmuseums für Begeisterung sorgt; bevor ein Schulhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert das Ende des Rundgangs bildet!

In der Schule befinden sich zwei Klassenzimmer, in denen man Kinder aus verschiedenen Klassenstufen unterrichtete. Von jedem Schulkind erwartete man, dass es täglich etwas Torf für den Kamin im Klassenzimmer mitbrachte. Viele kleinere Schulen im ländlichen Irland befinden sich nach wie vor in Gebäuden aus dieser Zeit, die allerdings modernisiert und nach Bedarf erweitert wurden.

Muckross Traditional Farms: Ein Spaziergang wie eine Zeitreise

Neben den originalgetreuen Gebäuden, die mit Gegenständen aus der damaligen Zeit eingerichtet wurden; sind es die Mitarbeiter und die unzähligen Tiere des Museums, die ihren Besuchern hier Geschichte zum Anfassen präsentieren. Auf einem gemütlichen Spaziergang durch die grüne Anlage taucht man auf eindrucksvolle Weise in den irischen Farmalltag der Vergangenheit ein. Ein Erlebnis, an das sich Irlandfans jeden Alters sicherlich noch lange zurückerinnern werden!

Tipp: Auf der Webseite der Muckross Traditional Farms findet ihr alle Informationen, um euren Besuch zu planen!

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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