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Cong: Historische Kleinstadt in Mayo

Cong
Written by Nadja Uebach

Auf der Grünen Insel scheinen viele historische Orte und mystische Stätten der Vergangenheit auf eine ganz besondere Art und Weise in unsere heutige Zeit  eingebettet zu sein. Man hat den Eindruck, dass die Geschichte noch immer lebendig und die Hektik der Neuzeit noch nicht angekommen ist. Einen dieser Orte findet man im Westen des Landes in der Grafschaft Mayo. Die Kleinstadt Cong in Irland erweckt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten nicht nur längst vergangene Tage wieder zum Leben, sondern lässt seine Besucher außerdem auf den Spuren von Hollywood wandeln.

Was das unscheinbare Cong so besonders macht und was sich rund um die Provinzstadt besonders lohnt, erfahrt Ihr in den nächsten Zeilen!

Cong in Irland: Mystische Geschichte und Hollywood in Mayo

Die Ortschaft Cong in der Grafschaft Mayo liegt zwischen den beiden Seen Lough Corrib und Lough Mask an der Countygrenze zu Galway. Neben den beiden Seen wird das Dorf zusätzlich von unzähligen Bächen und kleineren Flüssen umgeben, die es praktisch zu einem kleinen Eiland machen. Das Wasser ist hier ein ständiger Begleiter und sorgt für ein ganz besonderes Landschaftsbild. Obwohl hier nur knapp über 900 Menschen leben, zieht der Ort mit seinen geschichtsträchtigen Straßenzügen und den Überbleibseln der Vergangenheit jedes Jahr unzählige Besucher an.

Neben dem imposanten Ashford Castle, das heute eines der exklusivsten Luxushotels der Grünen Insel ist; zählt die Ruine des einstigen Klosters zu den Wahrzeichen des kleinen Städtchens. Hinzu kommen unzählige gut ausgebaute Wander- und Spazierwege, auf denen man mit allen Sinnen in die faszinierende Umgebung abtauchen kann. Besonders stolz sind die Anwohner jedoch auf den in den 50er Jahren gedrehten Film „Der Sieger“ (Originaltitel: The Quiet Man). Dieser wurde mit John Wayne, Maureen O’Hara und Barry Fitzgerald in den Hauptrollen größtenteils in Cong gedreht.

Cong

John Wayne & Maureen O’Hara © Michelle Fahy, Fáilte Ireland

Ashford Castle: Von der Normannen-Burg zum Luxushotel

Was heute eines der etabliertesten Resorthotels Europas ist, wurde im Jahr 1228 nach dem Sieg der Anglo-Normannen de Burgo über den heimischen Clan der O’Connors als einfache Burg erbaut. Zunächst verfügte die Festungsanlage über nur wenig Land entlang des Lough-Corrib-Ufers und war nichts weiter als eine herkömmliche Normannenburg. Diese diente den de Burgos lediglich dazu, ihre Ländereien zu kontrollieren.

Mehr als 350 Jahre später, eroberte der Engländer Sir Richard Bingham die Burg. Bingham war von Königin Elizabeth I als Lord President von Connaught eingesetzt worden, um Irland der englischen Krone zu unterwerfen. Sir Richard nahm einige Umbaumaßnahmen an Ashford Castle vor. Das Resultat war eine noch widerstandsfähigere Festung. Erst im Jahr 1715 begründete die Browne-Familie – eine der wohlhabendsten Familien in Connaught – das Anwesen rund um Ashford und verwandelte die bis dato einfache Festungsanlage in ein Schloss im Stil eines französischen Chateaus.

Mitte des 19. Jahrhunderts fiel Ashford in die Hände der Guinness-Familie und erhielt erneut eine Generalüberholung. Sir Benjamin lee Guinness vergrößerte nicht nur die Ländereien auf über 10.500 Hektar; sondern pflanzte zudem mehrere tausend Bäume, sorgte für neue Straßen und erbaute die charakteristischen viktorianischen Flügel des Ashford Castle. Im Jahr 1939 erstand der Unternehmer Noel Huggard die Anlage und baute es zum exklusiven Burghotel um. Seither wechselte Ashford die Besitzer mehrmals. Jeder ‚Burgherr‘ war bedacht das Schloss auszubauen, um seine eigene Handschrift zu hinterlassen. Dabei entstand eine Anlage, die sowohl luxuriös als auch altertümlich ist – eine Mischung, die fast schon etwas Magisches an sich hat.

Heutzutage lohnt sich nicht nur die kostspielige Übernachtung in dem Castle, sondern auch ein ausgedehnter Spaziergang über die Ländereien, sowie eine der zahlreichen Aktivitäten. Besonders faszinierend ist der Waldspaziergang in Begleitung eines Falkners und seiner Vögel. Hier erhält man Gelegenheit, die Falken selbst fliegen zu lassen.

Ashford Castle

© Tourism Ireland

Cong Abbey: Steine der Vergangenheit

Wie so oft in Irland, türmen sich in der Klosteranlage der Cong Abbey historische Steine verschiedener Epochen aufeinander. Zuerst wurde die Abtei schätzungsweise im 7. Jahrhundert von dem irischen Mönch St. Feichin ins Leben gerufen. Nachdem die Mönche abgewandert waren und die ursprüngliche Anlage dem Verfall verschrieben zu sein schien, nahm sich der Hochkönig Turlough O’Connor im 12. Jahrhundert der Abtei an. Auf den Grundmauern des alten Klosters baute O’Connor die Anlage, wie man sie auch heute noch sieht. Das Kloster diente den O’Connors als Zufluchtsort und gilt als der letzte bekannte Aufenthaltsort von Rory O’Connor, der letzte Hochkönigs Irlands vor der Invasion der Anglo-Normannen. Ursprünglich befand sich Rory’s Grab ebenfalls in der Cong Abbey. Doch mehrere Jahre nach seinem Tod überführte man den Leichnam auf den Friedhof nach Clonmacnoise in der Grafschaft Offaly.

Besonders beeindruckend sind die erhaltenen großen Fenster in der Kirche, die während eines Rundgangs sofort ins Auge stechen. Der restaurierte Bogengang scheint seine Besucher direkt ins Mittelalter zurückzusetzen. Die imposanten Torbögen und schmalen Fenster tragen ebenfalls zur altertümlichen Atmosphäre bei. Das vergoldete Kreuz (Cross of Cong), das für Turlough O’Connor angefertigt und in dem Kloster aufbewahrt wurde, ist heute im Nationalmuseum in Dublin zu sehen.

Das Highlight der Anlage befindet sich jedoch jenseits der alten Mauern. Am Ufer des Lough Corrib findet man Monk’s Fishing Hut. Die kleine Fischerhütte stammt aus dem 15. Jahrhundert und thront auf einer Felsplattform über der Wasseroberfläche. Über eine kleine Brücke gelangt man ins Innere des Steingebäudes. Dort sind heute noch der Torbogen, mehrerer Fenster und der einstige Kamin zu sehen. Die Hütte diente dem Abt zu seiner Zeit zum Fischfang und als Rückzugsort.

Cong Abbey

© Sean Tomkins, Fáilte Ireland

Die Natur rund um Cong: Wandern in Mayo

Genau so sehr wie in die Geschichte der Ortschaft abzutauchen, lohnt es sich die vielen Wander- und Spazierwege rund um Cong zu erkunden.

Wer am liebsten gemütlich unterwegs ist, der hat in der Garten- und Parkanlage des Ashford Castles jede Menge Gelegenheit, die Landschaft zu erkunden. An sonnigen Tagen lädt das Ufer am Lough Corrib zum Verweilen und vielleicht sogar zu einem kleinen Picknick ein.

Wenn etwas mehr Zeit zur Verfügung steht, lohnt sich ein Abstecher zu Fuß in die Wälder von Cong. Der sogenannte Pigeon Hole Forest – benannte nach der dortigen, leider nicht zugänglichen Höhle – bietet ein gut ausgebautes Netzwerk an Wanderwegen in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden. Viele Rundwege beginnen und enden am Touristenzentrum, wo man zudem zahlreiche Informationen und Karten erhält. Neben den unzähligen Bächen kommt man unterwegs immer wieder am „Dry Canal“ vorbei. Dieser wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut, um die beiden Loughs zu verbinden. Nach der Flutung versickerte ein Großteil des Wassers jedoch sofort im Kalkstein. Nachdem eine zunächst geplante Abdichtung des Kanalbetts nicht vorgenommen wurde, ist die menschgemachte Wasserstraße als der trockene Kanal von Cong bekannt.

Achill Island County Mayo

© Yvonne Treptow-Saad

Mythen & Legenden rund um Cong

Der Legende nach soll es in den Bächen rund um die Pigeon Hole Höhle eine weiße Forelle geben. Diese Forelle soll einst eine wunderschöne junge Frau gewesen sein, die mit dem Sohn des Königs verlobt war. Allerdings wurde dieser noch vor der Hochzeit ermordet und ließ der jungen Frau nichts als Trauer zurück. Dem Feenvolk war das ein Dorn im Auge, sie entführten die Frau kurzerhand und verwandelten sie in eine weiße Forelle, die bis heute in den Gewässern der Gegend schwimmt und auf die wahre Liebe wartet!

Im Westen von Cong findet man ein megalithisches Highlight der Gegend: Die Steinkreise von Glebe. Hier warten im Schatten alter Bäume auf einem unscheinbaren Feld gleich vier Steinkreise nebeneinander. Zwei der Kreise sind sehr gut erhalten, während in den beiden anderen einige Steine fehlen. Die Anlage ist die Größte der zu der „Western Series“ gehörenden megalithischen Anlagen und entstand schätzungsweise 3.000 v. Chr. Besonders bei Sonnenuntergang, herrscht hier eine unvergleichlich mystische Stimmung.

Auf den Spuren des Quiet Man

In den 50er Jahren war Cong einer der Hauptdrehorte für den weltbekannten Film „Der Sieger“ (The Quiet Man). Mehrere Monate lang war Hollywood zu Gast im irischen Westen und hat dort bis heute erkennbare Spuren hinterlassen.

Die Ortschaft selbst hat sich äußerlich, seit der Drehzeit kaum verändert. Das vermittelt den vielen Film-Fans einen besonders authentischen Eindruck der Geschichte rund um Sean Thornton (John Wayne) und Mary Kate Danaher (Maureen O’Hara). Das Quiet Man Museum im Ort bietet im Sommer mehrmals täglich Spaziergänge an, die an allen Drehorten in Cong vorbeiführen. Im Museum selbst werden detailgetreue Replikas der Requisiten und Kostüme ausgestellt. Einige der Kostüme können von Besuchern für ein Erinnerungsfoto anprobiert werden.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

2 Comments

  • Hallo Nadja, ich lese das Irland Magazin mit Begeisterung und mag insbesondere auch die Alltagsmagie, die du in deine Berichte einfliessen lässt. Herzlichen Dank!
    Grüsse von ganz weit weg
    Wern

    • Hallo Wern,
      von Herzen Danke für diesen Kommentar!
      Es bedeutet uns sehr viel, dass die Begeisterung für die Grüne Insel in den Artikeln spürbar ist 🙂

      Herzliche Grüße,
      Cindy

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