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Die Geschichte der Old Mellifont Abbey

Old Mellifont Abtei Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Der Zisterzienser-Orden hinterließ zwischen 1142 und 1539 einen bleibenden Eindruck in Irland. Denn neben ihrem Glauben und ihrer Lebensweise brachten die Mönche eine prägende Kirchenarchitektur auf die Grüne Insel. Die von ihnen gebauten Kirchen und Klöster gehören zu den prächtigsten ganz Irlands, denn die Abteien der Zisterzienser im Mittelalter waren die wohlhabendsten auf irischem Grund. Vor allem im 13. Jahrhundert entwickelte sich der Orden gut. Deshalb entstanden neue Klöster an vielen Standorten. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die Old Mellifont Abbey, das erste irische Kloster des Zisterzienser-Orden. Die Abtei befand sich nahe Drogheda in der heutigen Grafschaft Louth. Irland-Reisende sind beeindruckt von den riesigen Dimensionen der verbliebenen Ruinen. Die Überreste zeugen von der einstigen Größe, Schönheit und Bedeutung der Old Mellifont Abbey. Dabei war die Architektur vorbildlich. Sie galt als Blaupause für den Bau aller folgenden Zisterzienser-Klöster in Irland.

Die Zisterzienser: Ein Mönchsorden kommt nach Irland

Der Zisterzienser-Orden entstand im 12. Jahrhundert in Frankreich. Er geht auf den Benediktiner-Orden zurück. Als dieser mehr und mehr die strengen Lehren des Heiligen Benedikt verließ, fanden sich Mönche zusammen, ihren eigenen Orden zu gründen. Dabei legten sie wieder erhöhten Wert auf die strengen Regeln des Benedikt: Glaube, Bescheidenheit, Zurückgezogenheit und Arbeit. Deshalb entstanden überall in Europa Klöster der Zisterzienser. Hierin lebten die Mönche von der Außenwelt abgeschieden. Sie versorgten sich selbst, arbeiteten dafür hart und folgten ihren täglichen Glaubensritualen.

Im Jahr 1142 kamen die Zisterzienser nach Irland. Dabei war der Heilige St. Malachy die treibende Kraft. Er etablierte den Orden auf der irischen Insel. Er stand in engem Austausch mit dem französischen Geistlichen Bernard von Clairvaux. Dieser war der Koordinator der Expansion des Ordens, die ihren Ursprung im französischen Citeaux nahm. Dort befand sich das Mutterhaus der Zisterzienser. Bernard von Clairvaux wies Malachy an, ein Kloster in Irland zu gründen. Diese Aufgabe setzte Malachy nahe dem heutigen Drogheda um. Er baute ab 1142 die Old Mellifont Abbey.

Old Mellifont Abbey

Old Mellifont Abbey (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Das Musterbauwerk der Zisterzienser

Für den Bau der Old Mellifont Abbey suchte sich Malachy das ideale Stück Land aus. Dabei lag sein Augenmerk auf gutem Boden, einem Fluss und eine einsame Lage. Hierdurch schuf er die perfekte Voraussetzungen für das einsame Leben der sich selbst versorgenden Mönche. Seine Wahl fiel auf ein kleines, verstecktes Tal am Fluss Mattock in der heutigen Grafschaft Louth. Es entstand ein großes Kirchengebäude, umgeben von Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden. In ihrer besten Zeit lebten in der Old Mellifont Abbey einhundert Mönche und dreihundert Laienbrüder. Dies entsprach im Mittelalter der Bevölkerung einer kleinen Stadt.

Beim Bau der Klosteranlagen folgte Malachy den architektonischen Vorgaben seines Ordens. Hierbei gilt Bernard von Clairvaux als der Urheber der typischische Architektur der Ziesterzienser-Klöster. Die große Kirche von Mellifont hatten eine charakteristische Kreuzform. Sie krönte ein zentraler Turm. Zudem zierten imposante Bögen das Kirchenschiff. Ebenfalls waren Bögen das Hauptmerkmal des Kreuzgangs. Ein besonderes Bauwerk innerhalb des Old Mellifont Kloster war ein gleichfalls von Bögen umgebenes Lavabo aus dem 13. Jahrhundert. Diese Art Brunnen diente den Mönchen zum Reinigen vor dem Gebet.

Hochwertig waren die Feinarbeiten der Steinmetze. An vielen Stellen der Abtei befanden sich aufwendige Verzierungen. Insbesondere der große Torbogen war ein Meisterwerk der Steinarbeit. Aber auch die Säulen trugen kunstvoll herausgearbeitete Gravuren und Skulpturen.

Schließlich diente das fertiggestellte Kloster als Musterbauwerk für die weiteren Klöster der Zisterzienser in Irland. Als sich der Orden über die Grüne Insel ausbreitete, bauten die Mönche ihre Klöster nach Vorbild ihres Stammhauses an der irischen Ostküste. Als weitere Abteien entstanden als erstes die Bedictiv Abbey in der Grafschaft Meath und die Baltinglass Abbey im County Wicklow. Insgesamt bauten die Zisterzienser 23 Anlagen in Irland. Sie alle zeigen die charakteristischen Baumerkmale des irischen Mutterhauses.

Lavabo Mellifont

Überreste des einst prachtvollen Lavabo (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Old Mellifont Abbey im Mittelalter

Nach Fertigstellung florierte die Old Mellifont Abbey. Ihre hohe Bedeutung zeigte sich erstmals 1159 als sie neben Kells zum Veranstaltungsort der Synode von Kells-Mellifont wurde. Für diese bedeutsame Kirchenveranstaltung reiste eigens ein Vertreter des Papstes, Kardinal Paparo, an. Unter seiner Leitung ging die irische Kirchenreform um die Aufteilung Irlands in Diözesen in eine entscheidende Phase.

Jedoch nahm zu Beginn des 13. Jahrhunderts der Glaubensstandard innerhalb des Klosters ab. Die unterschiedlichen Ansichten der irischen und französischen Mönchen über die Auslegung und Einhaltung der Regeln des Heiligen Benedikt führte zu Konflikten. Dies rief die Obersten des Ordens im französischen Mutterhaus in Citeaux auf den Plan. Entsandte kamen nach Irland, um diese Probleme mit dem Abt zu diskutieren. Dieser verweigerte den Besuchern den Zutritt und wurde abgesetzt. In der Folge kamen verstärkt englische und anglo-normannische Mönche in das Old Mellifont Kloster. Dadurch drängten die Ordensoberen die rebellischen Iren aus dem Kloster.

Old Mellifont Abbey

Nachbau der ursprünglichen Anlage im Besucherzentrum (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Auflösung der Old Mellifont Abbey

1539 löste König Henry VII. die Klöster und Kirchen im Königreich auf. Davon war auch die Old Mellifont Abbey betroffen. Land und Gebäude gingen an die englische Krone. Im Jahr 1566 begann der Umbau der Abtei durch die Familie Moore in einen Wohnsitz. Dieser wurde 1603 ein historisch wichtiger Schauplatz. Hugh O’Neill, Clanführer aus dem irischen Norden und Rebell gegen die englische Herrschaft, ergab sich dort dem englischen König.

Weitere Bedeutung erlangte die ehemalige Mellifont Abtei im Jahr 1690. In diesem Jahr trugen William von Oranien und Jakob II. an der irischen Ostküste ihren Kampf um die englische Krone aus. Dieser mündete im Battle of the Boyne währenddessen William von Oranien sein Quartier im ehemaligen Kloster bezog. Anfang des 18. Jahrhunderts verkaufte die Familie Moore das Anwesen an die Familie Balfour. Letztendlich verließen diese Grund und Boden und die Old Mellifont Abbey verfiel über die folgenden Jahrhunderte zu Ruinen.

Old Mellifont Kloster Irland

Die Ausstellung im Besucherzentrum zeigt die beeindruckende Steinkunst (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Old Mellifont Abbey besichtigen

Die ehemalige Zisterzienser-Abtei befindet sich im historischen Boyne Valley. In unmittelbarer Nähe liegt die mittelalterliche Hafenstadt Drogheda. Zudem ist es nur eine kurze Wegstrecke bis zum Brú na Boinne mit der Grabanlage von Newgrange. Dadurch empfiehlt sich ein Besuch der Klosterruinen bei einem Tagesausflug entlang der irischen Ostküste.

Die Old Mellifont Abbey ist von Ende Mai bis Anfang September für Besucher geöffnet. Dabei ist eine Eintrittsgebühr fällig. Der Zugang erfolgt über das Visitor Centre. Dieses beherbergt eine Ausstellung über die Steinkunst der Abtei. Besondere Steine und Skulpturen befinden sich in der umfangreichen Präsentation. Dazu geben bebilderte Infotafeln und Modellbauten einen guten Eindruck des ehemaligen Klosters.

Von der einstmals beeindruckenden Architektur ist heute wenig erhalten. Highlight sind die Überreste des Lavabo sowie ein aus dem 14. Jahrhundert stammender Klosteranbau. Allerdings zeigen Mauerreste, Treppenstümpfe und Fundamente eindrucksvoll die einstige Dimension der Anlage. Zudem lädt die ruhige, friedliche Atmosphäre in dem Tal am Fluss Mattock zu einem entspannten Rundgang ein. Dabei erkennen Besucher schnell, warum der Heilige St. Malachy vor 900 Jahren diesen Ort als Standort des ersten Zisterzienser-Klosters in Irland wählte.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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