Kelten Irland / Frühgeschichte Irland

Die 12 Apostel Irlands

Apostel Irlands
Written by Monika Dockter

„Die zwölf Apostel Irlands“ nennt man eine bestimmte Gruppe irischer Mönche aus dem 6. Jahrhundert, die als Heilige verehrt werden. Ihre gemeinsame geistige Heimat war das Kloster von Clonard im heutigen County Meath. Hier studierten die Zwölf unter dem Heiligen Finnian, und von hier aus zogen sie später hinaus in die umliegenden Länder und auf den Kontinent, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Aus diesem Grund bezeichnet man sie – in Anlehnung an die zwölf Apostel der Bibel – ebenfalls als Apostel.

Eine Liste der zwölf Apostel Irlands

Namentlich sind diese Mönche, Gelehrten und Missionare:

  • Ciarán von Saigir
  • Ciarán von Clonmacnoise
  • Brendan von Birr
  • Brendan von Clonfert
  • Columban von Iona
  • Columba von Terryglass
  • Mobhí von Glasnevin
  • Ruadhán von Lorrha
  • Senán von Iniscathay
  • Ninnidh von Lough Erne
  • Lasserian mac Nadfraech
  • Canice von Aghaboe

Zwei von ihnen haben wir euch bereits ausführlich vorgestellt: Sankt Brendan von Clonfert, den Seefahrer, und Columban von Iona, den Schottlandmissionar. Zu den bekannteren Aposteln zählen neben den Genannten die beiden Ciarans, der ältere Brendan und Columba von Terryglass.

Die 12 Apostel und eine wundersame Blume

Laut der Überlieferung versammelten sich eines Tages alle zwölf Mönche zu einem Fest im Haus von St. Finnian. Plötzlich erschien in ihrer Mitte eine wundersame, magische Blume. Die Mönche erkannten darin eine Blume aus dem verheißenen Land.

In ihnen wuchs der Wunsch, Näheres über die Blume und das verheißene Land in Erfahrung zu bringen. Deshalb sollte einer von ihnen eine Reise in die Heimat der magischen Blume unternehmen. Doch wer sollte der Auserwählte sein? Sie warfen Lose über dieser Entscheidung, und das Los fiel auf Brendan von Birr. Brendan war jedoch nicht mehr der Jüngste, weshalb schließlich sein Namensvetter Brendan von Clonfert diesen Platz einnahm. So weit die Vorgeschichte zu Brendans legendärer Suche nach dem verheißenen Land.

Mehr darüber lest Ihr in unserem Artikel Sankt Brendan und der Wal. Neben dieser Erzählung ist leider wenig über die zwölf Apostel als Gruppe bekannt. Folglich widmen wir uns hier ihren Einzelschicksalen, beginnend bei den weniger bekannten.

Das weiß man über die 12Apostel Irlands

Canice von Aghaboe, 516 – 598

Er predigte das Christentum in ganz Irland und unter den Pikten in Schottland, wo er auch als St. Kenneth bekannt ist. Außerdem schrieb er einen Kommentar zu den biblischen Evangelien und genoß einen Ruf als Mann der Tugend und der Beredsamkeit. Jeweils am 11. Oktober feiert die katholische Kirche den Festtag des Heiligen.

Lasserian mac Nadfraech, gestorben 564

Er war der Bruder des ersten christlichen Königs in Munster, und Schutzpatron einer Insel im County Fermanagh. Zudem pilgerte er nach Rom, von wo er mit verschiedenen Reliquien zurückkehrte. Später begruben ihn seine Glaubensbrüder gemeinsam mit diesen Reliquien auf „seiner“ Insel Devenish im Lough Erne. Darüber hinaus zeugt das Soiscél Molaise, ein Buchreliquar, von seinem Leben.

James Ward (1851 – 1924), Case of Molaise’s Gospels, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Ninnidh von Lough Erne

Auch Ninnidgh ist eng mit dem Lough Erne verbunden. Von seinem 530 gegründeten Kloster auf der Insel Inishmacsaint aus bereiste er per Boot das Südufer des Sees und das Landesinnere, um zu predigen. Am Ufer des Upper Lough Erne befindet sich ein nach Ninnidh benannter Brunnen. Bei Augenkrankheiten soll sein Wasser sich heilend auswirken.

Lower Lough Erne

Senán von Iniscathay, 488 – 560

Als Priester begann er sein missionarisches Wirken mit einer Kirchengründung in der Nähe von Enniscorthy. Außerdem reiste er nach Großbritannien, Frankreich und Rom. Schließlich gründete er sein eigenes Kloster auf einer Insel in der Mündung des Shannon: Iniscathay. Zu diesem Zweck allerdings musste er zuerst ein Meeresungeheuer töten, das die Inselbewohner terrorisierte. Er bezwang es mit einem Blick, dem Kreuzzeichen und dem schlichten Befehl, zu verschwinden. Heute gedenkt die Kirche seiner am 8. März. Zudem erinnern mehrere Gemeinden (auch in Frankreich und Cornwall) und nach St. Senan genannte Schulen an den wundertätigen Apostel. Ebenso der Familienname Gilsenan: Er soll einst der Name für die Anhänger des Heiligen gewesen sein.

Ruadhán von Lorrha, gestorben 584

Er wird auch Rowan, Roadan oder Rodon genannt und gründete das Kloster Lorrha in der Grafschaft Tipperary.

Bekannt war dieser Apostel Irlands für seine Prophezeiungen der Zukunft. Eine davon wurde als der „Fluch von Tara“ berühmt. Gemäß der Legende starb König Diarmait mac Cerbaill von Tara durch einen herabfallenden Dachbalken. Genau diesen gewaltsamen Tod hatte Ruadhán dem König viele Jahre vorher prophezeit, zudem markierte Diarmaits Tod den Beginn des Niedergangs von Tara. Heute erinnert nicht nur der Gedenktag am 15. April an diesen Apostel Irlands, sondern auch die Glocke des Heiligen Ruadan, die man einst in einem Brunnen fand.

Mobhí von Glasnevin, gestorben 544

Dieser Apostel wird auch unter dem Namen Berchan geführt. Er war Abt eines Klosters in Glasnevin und berühmt für seinen Unterricht an der dortigen Schule. Unter anderem unterrichtete er auch den weit bekannteren Apostel Columban. Als im Oktober 544 die Pest nach Glasnevin kam und wütete, ging seine Schule zugrunde. Auch Mobhi starb. Schon bald nach seinem Tod wurde er von seinen Schülern als Heiliger anerkannt. Ein späterer Erzbischof bezeichnete den Apostel gar als „großen Meister des spirituellen Lebens“. Sein Todestag, der 12. Oktober, ist gleichzeitig sein Gedenktag.

Columba von Terryglass, gestorben 552

Nach seinem Studium in Clonard ging Columba von Terryglass nach Rom, Frankreich und England, wo er erfolgreich missionierte. Zurück in Irland gründete er nahe Lough Derg eine Kirche und später das berühmte Kloster von Terryglass. Laut Überlieferung erweckte der Apostel einen seiner Mönche von den Toten wieder zum Leben. Er selbst starb im Dezember 552 an der Pest und wurde in seinem Kloster beigesetzt.

Columban on Iona

Columban von Iona war derjenige, der über seine Liebe zu Schriften den sogenannten Bücherkrieg vom Zaun brach und von Irland fliehen musste. In unserem Artikel Columban von Iona – Irlands verkannter Nationalheiliger findet Ihr ausführliche Informationen über ihn.

Brendan von Clonfert

Dieser Brendan war es, der sich auf die Suche nach dem gelobten Land begab und auf dieser Reise so manche Abenteuer zu bestehen hatte. In unserem Artikel Sankt Brendan und der Wal erfahrt Ihr mehr über diesen waghalsigen Apostel Irlands.

Sankt Brendan - ein Apostel Irlands

Miscellaneous Items in High Demand, PPOC, Library of Congress, Saint Brendan, 484-577, figurative map of St. Brendan’s legendary voyage; shows Mass being said on the back of a whale LCCN2006682652, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Brendan von Birr

Der Brendan, der zu alt war, um auf die Suche nach der magischen Blume geschickt zu werden.

Brendan der Ältere gründete in Zentralirland das Kloster von Birr. Er galt als Mann von großer Spiritualität und Weisheit und als „Prophet Irlands“. Als solcher war er nämlich an dem Gericht über Columban von Iona beteiligt, sodass es auch ihm zu verdanken ist, dass Columban später zum bekannten Schottlandmissionar wurde. Die Kirche gedenkt seiner am 29. November.

Ciarán von Clonmacnoise, auch Ciarán der Jüngere oder Ceran, Kieran

Um diesen Gründer des Klosters Clonmacnoise, einem der wichtigsten Zentren des religiösen Lebens in Irland, ranken sich so manche Legenden.

Eine von ihnen berichtet, dass die Kuh, die der Apostel als Bezahlung ins Kloster Clonard mitbrachte, später das Pergament für das Leobr na h’Uidre, lieferte. Dieses Buch der Dun-Kuh  ist das älteste erhaltene Manuskript in irischer Sprache. Vermutlich wurde es von drei unterschiedlichen Schreibern zusammengestellt. Leider ist es stark beschädigt, sodass heute nur noch 67 Blätter übrig sind, die in der Royal Irish Academy aufbewahrt werden.

Wie das Wirken Columbans von Iona reichen auch Ciaráns Spuren bis nach Schottland; und Columban selbst sagte von seinem Mitbruder: „Er war eine Lampe, die im Licht der Weisheit loderte“. Bedauerlicherweise jedoch erlosch diese Lampe viel zu früh, denn Ciarán verstarb im Jahr 549 mit nur dreißig Jahren.

Clonmacnoise mit Rundturm River Shannon

© Failte Ireland

Ciarán von Saigir oder Kieran der Ältere

Er gilt als der erste Heilige, der in Irland geboren wurde. Insgesamt ist seine Biographie – vom Geburts-und Todesdatum bis hin zum wahren Werdegang – aber voller Unklarheiten. Einige Quellen machen ihn zu einem „Wegbereiter“ für St. Patrick, der Tierhäute trägt und dessen erste Schüler Tiere des Waldes waren, andere erklären ihn zu einem der ersten Schüler des Finnian in Clonard und rechnen ihn damit unter die 12 Apostel Irlands.

Festzustehen scheint einzig seine Klostergründung in Saigir nahe den Slieve-Bloom-Mountains und seine missionarische Tätigkeit auch auf dem Kontinent. In England, Wales, Schottland und der Bretagne wird der Bischof und Heilige bis heute mit einem Gedenktag am 5. März verehrt. Auch die älteste römisch-katholische Sekundarschule Irlands ist nach ihm genannt, und die Ruinen des Klosters, Kirchen und Brunnen zeugen von seinem Gott gewidmetem Dasein.

Auf diese Weise prägten Ciarán und die übrigen Apostel Irland das spirituelle und kulturelle Leben nicht nur in Irland, sondern auch weit über die Grenzen der Insel hinaus, und bis hinein in die Gegenwart.

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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