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Der Glasnevin Friedhof in Dublin

Glasnevin Friedhof
Neil Saad
Written by Neil Saad

Historische Friedhöfe hat Irland viele zu bieten. Sicher seid Ihr bei der Besichtigung einer alten Klosterruine schon einmal andächtig über die Ruhestätte von vor langer Zeit verstorbener Iren gewandelt. Darunter sind Glendalough, Monasterboice oder Anlagen wie Carrowmore und Brú na Bóinne sicherlich einige der Bekanntesten. Einer der neueren, dafür aber umso spannenderen Friedhöfe, befindet sich in Dublin. Der Glasnevin Friedhof aus dem 19. Jahrhundert ist der symbolträchtige Ruheort von Irlands Geschichte. Entstanden als Zeichen der katholischen Emanzipation wurde er zur Ruhestätte vieler berühmter Iren der letzten einhundert Jahre. Noch heute ist der Glasnevin Cemetery ein aktiver Friedhof. Er gilt als beliebtes Ausflugsziel von Dublin aus.

Der Glasnevin Friedhof in Dublin

Der Glasnevin Friedhof liegt im gleichnamigen Stadtteil der irischen Hauptstadt, auf halbem Weg zwischen City Centre und dem Dublin Airport. Der Zugang erfolgt über die Finglas Road, an der sich auch ein Parkplatz befindet. Von der O’Connell Street ist der Friedhof mit dem Bus in zwanzig Minuten erreichbar. Dazu befindet sich eine Bushaltestelle unmittelbar am Eingang. Ein Fußmarsch aus der Innenstadt dauert 35 Minuten.

Die Eröffnung der Anlage fand im Jahr 1832 statt. Dabei markierte dies eine Kehrtwende für die irschen Katholiken. Zuvor gab es keine katholischen Friedhöfe. Den trauernden Gläubigen war es verboten, ihre eigenen Rituale auszuüben. Dies war Teil der Unterdrückung der Katholiken durch die protestantische Regierung. Dagegen kämpfte zu Beginn des 19. Jahrhunderts der irische Politiker Daniel O’Connell an. Er schuf eine Emanzipationsbewegung, die letztendlich 1829 zur Aufhebung der katholischen Benachteiligung in Irland führte. Deshalb ist der Glasnevin Friedhof in Dublin sein Werk und eröffnete als überkonfessioneller Friedhof. Als Ruheort für Katholiken und Protestanten. Die erste Bestattung fand am 22. Februar 1832 statt. Das erste Grab gehörte einem erst elfjährigen Jungen aus Dublin.

Bis heute wurden 1,5 Millionen Menschen auf dem Friedhof beerdigt. Angesichts der geringen Bevölkerungszahl Irlands, ist dies eine enorme Menge. Zu der großen Zahl trugen zahlreiche namenlose Tote der irischen Hungersnot (1845 bis 1849) bei. Allein 800.000 Menschen aus dieser traurigen Zeit liegen in Massengräbern bestattet. Daneben entwickelte sich der Friedhof ab dem 20. Jahrhundert zu Irlands Nationalfriedhof. Dabei erhielten nahezu alle bedeutenden Iren der letzten einhundert Jahre eine würdige Ruhestätte auf dem Glasnevin Cemetery.

Glasnevin Museum Entrance

Glasnevin National Heritage Project © Fáilte Ireland

Diese berühmten Iren ruhen auf dem Glasnevin Friedhof

Der Glasnevin Friedhof in Dublin gilt als die letzte Ruhestätte von einigen der bedeutendsten Iren. Dazu zählen allen voran die irischen Freiheitskämpfer des 19. und des 20. Jahrhunderts. Aber auch bekannte Künstler und Politiker halten ihre letzte Ruhe im Norden der irischen Hauptstadt.

Daniel o’Connell (1775 bis 1847)

Natürlich liegt Daniel O’Connell, Gründer des Friedhofs, hier begraben. Er starb 1847 auf einer Pilgerreise in Rom. Dazu thront seinem Andenken zu Ehren der O’Connell Tower als Wahrzeichen über dem Friedhof. Hierbei handelt es sich um einen 55 Meter hohe Rundturm. Dieser ist dem traditionellen Rundturm, den man in vielen irischen Klöstern findet nachempfunden. Der Turm entstand im Jahr 1869. 1971 zerstörte eine Bombe Teile des Fundaments. Die Bombe galt als Reaktion von Unionisten auf die Zerstörung des Nelson Pillars in der Dubliner Innenstadt durch die IRA 1966. Interessanterweise stand der Nelson Pillar auf der einstigen Sackville Street. Diese benannten die Iren später um: in O’Connell Street.

Charles Stewart Parnell (1846 bis 1891)

Charles Stewart Parnell war nach Daniel O’Connell einer der wichtigsten Politiker des 19. Jahrhunderts. Parnell war leidenschaftlicher Kämpfer für die irische Selbstbestimmung. Sein Ziel war die Home Rule, also eine eigenständige Regierung Irlands unabhängig vom englischen Parlament in London. Zudem war er Gründer der Land League. Diese setzte sich dafür ein, der einfachen Landbevölkerung zu eigenem Land zu verhelfen und das vorherrschende Pächter-System aufzulösen. Das Parnell Monument auf dem Glasnevin Cemetery ist eine der wichtigen Gedenkstätten auf dem Friedhof. Ebenfalls bekannt ist das Parnell Monument am Ende der O’Connell Street. Zudem befindet sich das Parnell House, das Geburtshaus des Politikers, im Avondale Forest Park in der Grafschaft Wicklow.

Anne Devlin (1780 bis 1851)

Anne Devlin ist die vielleicht berühmteste Haushälterin Irlands. Sie diente dem irischen Revolutionär Robert Emmet während dieser den Aufstand von 1803 vorbereitete. Als dieser fehlschlug, geriet Devlin in Gefangenschaft. Dort erlitt sie furchtbare Folter. Jedoch verriet sie nicht, wer bei der Organisation der Revolte die Feder führte. Schließlich kam sie in das Kilmainham Gaol. Erst 1806 kam sie auf freien Fuß. Anschließend lebte sie bis zu ihrem Tode 1851 in Armut in The Liberties in Dublin.

Countess Constance Markievicz (1868 bis 1927)

Die Gräfin Constance Markieviez spielte eine bedeutende Rolle im Osteraufstand 1916. Sie gehörte zu den Gründerinnen der Cumann na mBan, einer republikanischen Frauenorganisation. Gemeinsam mit den Anführern des Osteraufstandes wurde sie zum Tode verurteilt. Jedoch kam es zu keiner Vollstreckung, da die Regierung sie als Frau verschonte. Dennoch blieb sie den republikanischen Zielen treu. 1918 bekam sie, noch während ihrer Haftzeit, als erste Frau überhaupt ausreichend Stimmen, um in das englische Parlament einzuziehen. Jedoch nahm sie ihren Platz nicht ein. Denn dies hätte bedeutet, einen Eid auf den englischen König zu schwören. Nach der irischen Unabhängigkeit 1921 war sie im ersten irischen Parlament die erste Frau mit einer Ministerrolle.

irische Frauen

By National Library of Ireland on The Commons (Flickr: Countess Markievicz) [Public domain], via Wikimedia Commons

Michael Collins (1890 bis 1922)

Michael Collins war eine der führenden Kräfte im irischen Unabhängigkeitskrieg (1919 bis 1921). Seinen strategischen Fähigkeiten verdanken es die Iren, dass die überlegene englische Armee im Kampf um die irische Freiheit unterlag. Dabei gilt er als Vater des Guerilla-Krieges, welcher als Schlüssel für den irischen Erfolg gesehen wird. Er starb während des irischen Bürgerkrieges bei einem Attentat. Sein Monument am Museum auf dem Glasnevin Friedhof zeigt die Wertschätzung und den Respekt für Collins. Darum liegen bis heute stets Blumen und Kränze auf dem Grab, niedergelegt von Verehrern.

Michael Collins

Underwood & Underwood [Public domain], via Wikimedia Commons

Peadar Kearney (1883 bis 1942)

Der Republikaner Peadar Kearney galt als Freund von Michael Collins. Wie Collins war Kearney bereits in jungen Jahren aktiv in den irischen Unabhängigkeitskampf involviert. Als Künstler führte er seine Gedanken und Taten in sein literarisches Schaffen. Dabei ist “A soldier’s song” (Irisch: Amhrán na bhFiann) sein berühmtestes Werk. Es dient heute als irische Nationalhymne.

Luke Kelly (1940 bis 1984)

Ein weiterer berühmter Künstler aus Dublin war Luke Kelly. Der charismatische Mann mit der markanten Frisur war Mitbegründer der Folk-Band The Dubliners. Ab 1962 trat Kelly mit seinen Bandkollegen in den Pubs von Dublin auf, allen voran im O’Donohue’s am St. Stephen’s Green. Seine Stimme machte The Dubliners vor allem im Ausland zur Speerspitze der Irish Folk-Musik. Nach schwerem Alkoholmissbrauch und weiteren gesundheitlichen Problemen starb Kelly früh mit nur 44 Jahren.

Den Glasnevin Friedhof besichtigen

Wer den irischen Helden seine Ehre erweisen möchte, kann dies während einer Besichtigung des Glasnevin Cemetery tun. Die Anlage ist für die Öffentlichkeit geöffnet. Neben dem eigentlichen Friedhof befindet sich ein Museum im Eingangsbereich. Der moderne Bau beherbergt eine Dauerausstellung. Diese erzählt die Geschichte des Friedhofs sowie einiger wichtiger Persönlichkeiten, die auf ihm begraben liegen. Daran sind ein Café und ein Souveniershop angeschlossen.

Für Besucher ist es möglich, den Glasnevin Friedhof auf eigene Faust zu erkunden. Dafür gibt es informative Broschüren, die gegen einen kleinen Betrag am Eingang zum Kauf stehen. Zudem stehen Tour Guides bereit, die während einer Führung alles über die Friedhofsanlage erzählen. Die kostenpflichtige Tour dauert eineinhalb Stunden. Auf der offiziellen Website des Glasnevin Friedhofs findet Ihr alle wichtigen Infos für Euren Besuch.

Bei einem Rundgang durch diesen historischen Ort fällt Besuchern die bemerkenswerte Ruhe auf. Diese Ruhe der Toten ist erhaben und berührt jeden emotional. Die gepflegte Anlage lädt zum Innehalten und Nachdenken ein. Hierbei lohnt es sich, die einzelnen Grabsteine genauer zu betrachten. In ihren Details spiegelt sich vielfach eine feine, bildhauerische Kunst wieder. Dazu passend sind die monumentalen Denkmäler beeindruckend. Dabei ist der O’Connell Tower mit seiner mächtigen Höhe die Landmarke von Glasnevin, auch über die Friedhofsmauern hinaus.

Dabei steuern eben jene Mauern zur stillen Atmosphäre bei. Die umgebenden Mauern stammen aus den ersten Tagen des Friedhofs. Sie dienten einst dem Schutz der Toten. Denn im 19. Jahrhundert war es üblich, Verstorbene aus ihren Gräbern zu stehlen und an Ärzte zu verkaufen. Diese nutzten die Leichen für ihre medizinische Forschung. Um diesem nicht legalen Treiben Einhalt zu gebieten, entstanden die Mauern. Zudem wurden diese früher des nachts durch Wachleute bewacht.

Den Abschluss eines Besuchs von Irlands Nationalfriedhof bildet ein Abstecher in John Kavanagh’s Pub. Dieser befindet sich gegenüber des alten Eingangs zur Friedhofsanlage. Da in ihm vornehmlich Bestatter nach getaner Arbeit einkehrten, erhielt das Pub den Beinahmen “The Gravedigger’s“.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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