Berühmte Iren

Die gefürchtetsten irischen Piraten

irische piraten
Nadja Uebach
Written by Nadja Uebach

Dass Piraten nicht nur in Märchen und Kinderbüchern existieren, ist Fakt. Dass die erbarmungslosen Seeräuber allerdings nicht nur die Meere in der Karibik unsicher machten, sondern auch in Europa, ist eine Tatsache, die weitestgehend unbekannt ist. Insbesondere irische Piraten und Freibeuter beeinflussten die Seefahrerei sowie die internationale Politik über mehrere Jahrhunderte hinweg.

 St.-Patrick’s-Day dank Freibeuter

Dennoch steht Irland wohl nur in wenigen Köpfen mit der Freibeuterei in Verbindung. Dabei spielen die Piraten eine wesentliche Rolle, wenn es um den Schutzheiligen der Grünen Insel geht. Laut Überlieferungen ist Patrick in Wales geboren und wurde im Alter von 16 Jahren von einer Gruppe irischer Piraten als Sklave nach Irland verschleppt. Dort arbeitete er mehrere Jahre als Hirte und verliebte sich trotz seiner Gefangenschaft in die Insel und ihre Bewohner. Er floh in das heutige Frankreich und kam schließlich zurück auf die Grüne Insel, wo er als heiliger Patrick zum Schutzpatron des Landes wurde. Demnach verdanken wir die weltweiten Feierlichkeiten rund um den St. Patrick’s Day genau genommen den Piraten! Mehr über den Nationalheiligen Irlands lest Ihr in unserem Artikel Ursprung des St. Patrick’s Day.

Irland als Piratenhochburg

Viele Jahrhunderte später bekam der Südwesten Irlands einer der wichtigsten Stützpunkte für Piraten, als der irische Freibeuterclan der O’Driscolls nach Spanien übersiedelte und Platz für ein neues Heer von Seeräubern machte. West Cork war viele Jahre lang die mächtigste Piratensiedlung der Welt und hatte sogar eine eigene Währung. Etwas weiter nördlich herrschte Grace O’Malley, die wohl berühmteste Piratenkönigin ihrer Zeit in der Grafschaft Mayo. Zudem soll die kleine Insel Tory Island vor der Nordküste Donegals laut irischer Mythologie Rückzugsort für die Piratentruppe der Fomorianer rund um den Kriegshäuptling Balor of the Evil Eye gewesen sein. Von dieser sagenumwobenen Vergangenheit soll die Insel auch ihren Namen haben. So stammt der Name Tory Island von dem irischen Wort tóraí, das Bandit bedeutet.

Das sind Irlands bekannteste Piraten

Irische Piraten: 1. Grace O’Malley

Ein Text über irische Piraten oder generell über Piraten wäre nicht vollständige ohne die Piratenkönigin Grace O’Malley (auch Granuaile genannt) zu erwähnen. Die Piratin wurde 1503 in der Nähe von Westport als einzige Tochter des Clanoberhaupts der O’Malleys geboren. Sie verbrachte ihre Jugend auf Clare Island, bis sie mit 15 Jahren Donal O’Flaherty, einen Chieftain aus Connemara heiratete. Gemeinsam mit ihrem Mann und drei Kindern lebte sie in der Grafschaft Galway. Als Donal im Kampf getötete wurde, übernahm sie mit nur 24 Jahren die Kontrolle über den Clan und die Schiffsflotte – die Piratin Grace O’Malley war geboren.

In einer Zeit, in der Frauen normalerweise keinerlei politischen Einfluss hatten, gelang es Grace eine mächtige Seeherrschaft aufzubauen. Sie wurde nicht nur auf der Grünen Insel, sondern zudem in England und anderen europäischen Ländern gefürchtet. Auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft führte sie eine 200 Mann starke Truppe an und regierte die Küste rund um die Clew Bay. Überlieferungen zufolge wurde ihr viertes Kind, aus zweiter Ehe, auf See geboren. Eine Stunde nach der Geburt soll sie ihren neugeborenen Sohn in eine Decke gewickelt haben, um ihre Seeflotte mit Baby im Arm in den Kampf zu führen.

Nach einem legendären Treffen mit der englischen Königin Elizabeth I ging Grace O’Malley als eine der letzten großen Herrscherinnen der alten irischen Kultur in die Geschichte ein. Die Piratenkönigin starb Schätzungen zufolge im Jahr 1603. Sie wurde höchstwahrscheinlich in der Familiengruft auf Clare Island beerdigt.

Lesetipp: Mehr über das Leben und die Abenteuer von Grace O’Malley erfahrt Ihr in unserem Artikel Grace O’Malley.

Statue von Grace O’Malley vor dem Westport House im County Mayo (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Irische Piraten: 2. Anne Bonny

Eine weitere Piratin irischer Abstammung, die zu ihrer Zeit zu den gefürchtetsten Freibeutern gehörte, war Anne Bonny. Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts am Old Head of Kinsale in der Grafschaft Cork als die Tochter von William Cormac und seiner Dienstmagd Mary Brennan geboren. Während ihrer Kindheit trennte sich William von seiner Frau. Gemeinsam mit Anne und ihrer Mutter begann er ein neues Leben in Charleston in den Vereinigten Staaten. Gegen den Willen ihres Vaters heiratete sie den Seemann James Bonny und wurde daraufhin von ihrer Familie verstoßen.

Das Paar zog in die Piratenhochburg Nassau auf den Bahamas. Dort sorgte James als Informant für den Gouverneur Woodes Rogers dafür, dass viele Piraten verhaftet wurden. Anne jedoch, war von den Seeräubern und deren Lebensstil fasziniert. Sie lernte den Piraten John „Calico Jack“ Rackham kennen und lieben. Rackham wurde von Disney als Vorbild von Captain Jack Sparrow verwendet. Nachdem eine Scheidung von ihrem Ehemann abgelehnt wurde, floh Anne von den Bahamas. Sie verkleidete sich als Mann und schloss sich Johns Crew an. Während einer Schwangerschaft flog ihre Deckung jedoch auf.

Nach der Geburt ihres Sohnes in Kuba wurde sie offiziell von ihrem ersten Mann geschieden und heiratete John Rackham. Zusammen mit der Piratin Mary Read führte das Paar eine Piratentruppe an, die besonders rundum Jamaika gefürchtet war. Im Oktober 1720 gelangte die Crew in einen Hinterhalt des Gouverneurs von Jamaika, der mit der Festnahme des Trios endete. Die drei Seeräuber wurden zum Tode verurteilt. Allerdings waren Anne und Mary zum Zeitpunkt der Verurteilung schwanger. Die Hinrichtung der beiden Frauen wurde daher verschoben. Mary starb kurze Zeit später an einem Fieber. Zu dem Verbleib von Anne Bonny gibt es allerdings keine weiteren Aufzeichnungen. Es wird spekuliert, dass sie dank des Einflusses ihres Vaters aus der Gefangenschaft entlassen wurde und nach Charleston zurückkehrte, wo sie erneut heiratet und schließlich im April 1782 starb.

Lesetipp: Mehr über das Leben und die Abenteuer von Anne Bonny erfahrt Ihr in unserem Artikel Anne Bonny.

Irische Piraten: 3. William Lamport

Selbst wenn die eigentliche Piratenkarriere des in Irland geborenen William Lamport nur zwei Jahre dauerte, ist er bis heute einer der berühmtesten Personen seiner Zeit. Nicht zuletzt weil die Geschichte des Zorro auf seinem Leben basiert.

William wurde im Jahr 1611 in der Grafschaft Wexford geboren und streng katholisch erzogen. Er studierte zunächst in London und anschließend an einer protestantischen Schule in Nordspanien. Aufgrund der Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten pendelte er zwischen London und Spanien. Im Jahr 1627 wurde er schließlich in London aufgrund seines Glaubens verhaftet. Nachdem er aus dem Gefängnis fliehen konnte, schloss er sich einer Piratencrew an. Während seiner Freibeuterzeit perfektionierte er seine Kampfkunst. Sein Kampftalent in Kombination mit seiner hohen Bildung führte schließlich dazu, dass er für die spanische Krone arbeitete.

Um 1640 wurde er in das heutige Mexico geschickt um Informationen über die dortige politische Situation zu sammeln und an das spanische Königshaus weiterzuleiten. William, nun unter dem Namen Guillén Lombardo bekannt schloss sich jedoch der lokalen Unabhängigkeitsbewegung an und kämpfte gemeinsam mit den Einheimischen für einen freien mexikanischen Staat. So ist er beispielsweise als der Autor der ersten mexikanischen Unabhängigkeitserklärung bekannt. 1642 wurde er schließlich für die Planung eines Volksaufstandes verhaftet und zum Tod durch Verbrennung verurteilt. Kurz bevor das Urteil 17 Jahre später vollstreckt werden sollte, erhängte er sich selbst. Der Autor Johnston McCulley verewigte Lamports Lebenswerk in den Abenteuern des fiktionalen Charakters Zorro in seinem 1919 erschienen Buch „Der Fluch von Capistrano“.

William Lamport

Peter Paul Rubens [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Irische Piraten: 4. George Cusack

Ein Pirat, dessen Geschichte weniger bekannt ist, ist George Cusack. Der Freibeuter wurde in der irischen Grafschaft Meath geboren. Über seine Kindheit und Jugend sind nur wenige Details bekannt, jedoch interessierte er sich schon in frühen Jahren für die Seefahrerei. Nachdem er einige Jahre auf Schiffen als Kanonier anheuerte, landete er nach einer gescheiterten Meuterei im Gefängnis.

Er wurde 1668 aus der Haft entlassen und schließ sich der Crew der Hopewell an. Gemeinsam mit anderen Matrosen kaperte er das Schiff, tötete einen Großteil der Besatzung und segelte unter der Piratenflagge und dem neuen Namen Valiant Prince in sein neues Leben als Freibeuter. Um unter dem Deckmantel eines Handelsschiffes ungestört segeln zu können warf Cusack nicht nur alle Schiffspapiere der Hopewell über Board, sondern sogar die Bibel des ehemaligen Kapitäns.

In den folgenden Jahren kaperte er mehrere Schiffe, unter anderem das 500 Tonnen schwere norwegische Frachtschiff Saint Anne, das im schließlich zum Verhängnis wurde. Die bei der Übernahme ausgesetzte Crew der Saint Anne brachte die Polizei auf die Spuren des berüchtigten Piratenkapitäns. Nach seiner Festnahme wurde er gemeinsam mit dreizehn anderen Piraten am 18. Januar 1675 hingerichtet.

Irische Piraten: 5. Luke Ryan

Luke Ryan wurde am 14. Februar 1750 als Sohn eines Lehrers in der Nähe von Rush in der Grafschaft Dublin geboren. Nach einer abgebrochenen Lehre als Schreiner machte er sich als Schmuggler und Freibeuter einen Namen. Neben Kaperversuchen auf hoher See, war Luke einer der wenigen Piraten, die zudem Plündereien an Land wagten.

Während seiner Streifzüge bediente er sich allerdings nicht nur roher Gewalt, sondern verstand es wie kein anderer seine Gegner zu täuschen. Er machte sich beispielsweise den drohenden Krieg zwischen Amerika und Großbritannien zum Nutzen und kaperte als mutmaßlicher Kapitän der Black Prince im Auftrag der Amerikaner acht britische Schiffe innerhalb von nur zwei Tagen. Er spielte die großen Seefahrernationen gegeneinander aus und wechselte regelmäßig seine Staatsangehörigkeit sowie die Flagge, unter der er segelte.

Am 16. April 1781 segelte Ryan in einen Hinterhalt der Engländer, wurde festgenommen und im Clerkenwell Prison in London bis zu seinem Prozess am 30. März 1782 festgehalten. Während der Verhandlung gab er vor nicht der gesuchte irische Pirat Luke Ryan, sondern ein französischer Soldat namens Joseph Ryan zu sein. Nachdem ihn Zeugen aus seinem Heimatort jedoch zweifellos identifizierten, wurde er zum Tode verurteil. Aufgrund der politischen Veränderungen in Großbritannien wurde das Urteil jedoch nicht vollstreckt. Ryan erhielt schließlich eine Begnadigung der englischen Krone und wurde freigesprochen. Aufgrund hoher Schulden landete er jedoch kurze Zeit später wieder im Gefängnis, wo er 1789 starb.

Die irischen Piraten im Laufe der Jahrhunderte

Neben den Seeräubern, die es von der Grünen Insel auf die Weltbühne der Freibeuterei schafften, blickt Irland auf eine bewegte Geschichte der Piraterie zurück. Aufzeichnungen zufolge waren Piraten für länger als 1.000 Jahre in den Gewässern rund um die irische Küste aktiv. Zu den traditionellen Seefahrer Clans der O’Malleys, O’Driscolls und O’Sullivans gesellten sich Freibeuter aus anderen Seefahrernationen, wie beispielsweise den Niederlanden oder Nordafrika und gestalteten ein dunkles, gnadenloses aber nicht zuletzt abenteuerliches Kapitel der irischen Geschichte.

Buchtipp: Ein Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat die Taten, Grausamkeiten und fast vergessenen Geschichten der irischen Piraten im Detail aufzudecken ist der Autor Des Ekin. In seinem englischsprachigen Buch „Ireland’s Pirate Trail“ nimmt er seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise in die berüchtigte Freibeuter-Vergangenheit der Grünen Insel.

Über den Autor

Nadja Uebach

Nadja Uebach

Da ich seit elf Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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