Kultur & Freizeit

Berühmte und inspirierende irische Frauen

irische Frauen
Written by Ina Brecheis

Mutig, unangepasst, frei, schillernd, unkonventionell. In unserem heutigen Artikel feiern wir anlässlich des Weltfrauentags inspirierende und berühmte irische Frauen. Irische Frauen, die den Mut besaßen für sich, und das, was ihnen wichtig war, einzustehen oder schlicht, ihre ganz eigenen Wege zu gehen. Jeglichen Widerständen und Widrigkeiten zum Trotz. Wenngleich wir nur ausgewählte Namen aufführen, sind all jene Frauen nicht vergessen, die nicht im Scheinwerferlicht der Weltbühne, sondern im Kleinen wirkten und dort Erfolge feierten. Ohne ihre Verdienste gäbe es den heutigen Internationalen Frauentag nicht.

Constance Markievicz

Constance Georgine Gore-Booth erblickte am 4. Februar 1868 in London das Licht der Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie im noblen Herrenhaus ihrer Familie, dem Lissadell House in Sligo. Ganz gegen die Gepflogenheiten der damaligen Zeit ging die junge Constance gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Eva mit auf die Jagd, wusste mit dem Gewehr umzugehen, fühlte sich auf dem Rücken eines Pferdes ebenso wohl wie auf dem Fahrersitz.

In jungen Jahren erlebte sie die große Hungersnot unter der einfachen irischen Landbevölkerung zwischen 1879 und 1880. Ihr Vater, Sir Henry Gore-Booth, versuchte seine Pächter so gut es ging, mit kostenloser Verpflegung zu unterstützen. Für Constance war dies ein einschneidendes Erlebnis, das sie nachhaltig prägen sollte.

Constance studierte in London Kunst und trat der National Union of Women’s Suffrage Societies (kurz: NUWSS) bei. In Paris führte sie ihr Studium fort und lernte ihren späteren Mann kennen, den polnisch-russischen adligen Casimir Markiewicz. Nach einer gemeinsamen Zeit in Paris, zog das Paar nach Dublin.

In den folgenden Jahren beteiligte sie sich zunehmend an politischen Aktionen. Während des Osteraufstandes im April 1916 war sie zweiter Kommandant einer Gruppe von 200 bis 250 Rebellen, die sich im St. Stephen Green´s Park in Dublin verschanzten. Nach tagelangem Feuergefecht ergab sich Constance mit den Rebellen. Gemeinsam mit anderen Rebellenführern verurteilte man sie zum Tode. Ihre Schwester Eva, organisierte eine Kampagne gegen ihr Todesurteil und erreichte, dass dieses in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt wurde. Nach 14-monatiger Zwangsarbeit wurde Constance mit Straferlass im Jahre 1917 entlassen.

Für die Parlamentswahlen von 1918 stellte sie sich zur Wahl und wurde ins britische Unterhaus gewählt. Die Wahl nahm sie jedoch nicht an, um keinen Eid auf die ihr verhasste britische Krone schwören zu müssen. 1927 stellte sie sich erneut zur Wahl, diesmal für das irische Parlament. Sie gewann und wurde die erste weibliche Ministerin des Kabinetts und für mehr als 50 Jahre auch die Einzige. Noch im selben Jahr starb Constance in Armut an den Folgen einer Tuberkulose. Begraben liegt sie auf dem Glasnevin Friedhof in der Nähe von Dublin.

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Die wehrhafte Constance Markievicz, by National Library of Ireland on The Commons (Flickr: Countess Markievicz) [Public domain], via Wikimedia Commons

Veronica Guerin

Veronica Guerin war eine preisgekrönte, furchtlose irische Journalistin. Sie wurde am 5. Juli 1958 in Dublin geboren. Bevor sie ihre Karriere als Journalistin begann, war sie im PR-Bereich tätig. Erst später wandte sie sich dem Journalismus zu und begann, selbst zu schreiben. Sie arbeitete für die „Sunday Business Post“ und für die „Sunday Tribute“. Für die „Sunday Independent“ begann sie über Kriminalität in Irland zu schreiben, insbesondere über Drogenkriminalität.

Sie war Irlands ruchlosesten Drogenbanden und -bossen in der Dubliner Unterwelt auf der Spur. Bald errang sie sich den Ruf einer scharfzüngigen, hartnäckigen Investigativjournalistin. Sie deckte auf, enthüllte, traf sich selbst mit den Kriminellen ohne den Schutz der Polizei und verschrieb sich ihrer Arbeit mit unvergleichlicher Hingabe.

Als sie einen Artikel über einen dahingeschiedenen Drogenboss publizierte, feuerten Unbekannte auf ihr Haus. Es sollte ein Warnschuss sein, den sie aber geflissentlich überhörte und sich weiter in ihre Arbeit stürzte. Auch weitere Anschläge auf ihr Leben brachten sie davon nicht ab. 1995 gewann sie für ihren Einsatz den International Press Freedom Award. Nur ein Jahr später, am 26. Juni 1996 hielt sie an einer roten Ampel auf dem Weg zu einem Termin, als neben ihr ein Motorrad zum Halten kam und der maskierte Beifahrer fünf tödliche Schüsse auf Veronica abfeuerte. Sie war augenblicklich tot und hinterließ einen Mann und einen Sohn.

Zu ihrer Beerdigung stand für eine Minute das öffentliche Leben in Dublin in Andenken an Veronica Guerin und ihre Arbeit still. Ihr Mord wurde nie restlos aufgeklärt, jedoch gelang der Polizei dank ihrer Vorarbeit ein Schlag gegen das Dubliner Drogenkartell mit insgesamt 150 Festnahmen. An Veronica erinnert heute eine Büste, in den Dubh Linn Gardens beim Dublin Castle.

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Die furchtlose irische Journalistin Veronica Guerin, by William Murphy (Flickr) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Elizabeth (Lizzie) Le Blond

Elizabeth war eine irische Abenteurerin, Alpinisten, Autorin und Fotografin. Geboren wurde sie am 16. Februar 1896 in Dublin. Als sie mit elf Jahren den Familiensitz erbte, hatte sie selbst das Leben, das sie kurze Zeit später führen sollte, für unmöglich gehalten. Sie reiste nach Europa auf der Suche nach einem Spezialisten, der ihre attestierte Lungenerkrankung heilen konnte. Von einem Kurort zog sie zum anderen, jedoch ohne eine Lösung für ihr Leiden zu finden. Ihr Weg führte sie schließlich in den kleinen Bergort Chamonix am Fuße des Montblanc-Massivs.

Zum ersten Mal in ihrem Leben sah Lizzie Gletscher. Die verschneite, vergletscherte Bergwelt der Schweiz hatte auf Lizzie eine derart anziehende Wirkung, dass sie kurzerhand beschloss, sich in eben jene vorzuwagen. Spontan bezwang sie so Zweidrittel der Strecke zum Gipfel des Montblancs. Damit war Lizzies Abenteuerlust geweckt. In den nächsten zwanzig Jahren ihres Lebens sollte Lizzie immer wieder in die Schweiz zurückkehren. Zweimal bezwang sie den Montblanc und erkundete außerdem die norwegische Arktis. Dort wagte sie sich auch alleine an insgesamt 27 Erstbegehungen. Vor allem die Eiskletterei hatte es ihr angetan. Damit drang sie als Frau in eine bis dato ausgesprochene Männerdomäne vor.

1907 war sie treibende Kraft hinter der Gründung des weltweit ersten Alpinclubs für Frauen. Für diesen engagierte sie sich bis kurz vor ihrem Tod 1934. Sie hinterlässt ein breites Repertoire an Berichten über ihre Reisen in Europa, Russland und Asien.

Kathleen Lynn

Eine weitere berühmte irische Frau ist Kathleen Florence Lynn. Geboren wurden sie 1874 in Killala in der Grafschaft Mayo. Sie wuchs als Tochter eines anglikanischen Pfarrers, Robert Young Lynn und dessen Frau Catherine Wynne gemeinsam mit drei weiteren Geschwistern auf. Nach Aufenthalten der Familie in verschiedenen kleinen Ortschaften ging Kathleen ins Alexandra College in Dublin. Dort verbrachte sie die Zeit bis zu ihrem 16. Lebensjahr. Zwar wurde Kathleen nach der großen Hungersnot geboren, jedoch war sie Zeugin ihrer nachhaltigen schrecklichen Auswirkungen auf die irische Gesellschaft. Daher rührte ihr Wunsch, Ärztin zu werden. Sie schloss als einer der ersten Frauen am University College in Dublin ihr Studium ab.

Im Anschluss daran hatte sie es schwer, eine Anstellung zu finden, denn Frauen wurden damals systematisch diskriminiert. Schließlich gründete sie gemeinsam mit anderen Aktivistinnen das Saint Ultan´s Children´s Hospital. Das einzige Krankenhaus in Irland, das alleine von Frauen geführt wurde. Ihr Krankenhaus wuchs und 1937 wurde das Krankenhaus zum Zentrum für Tuberkulose-Impfungen in ganz Irland.

Kathleen wurde zum Obersten Sanitätsoffizier der Irish Citizen Army, der sie während des Aufstands von 1916 beitrat. Ihre Familie brach daraufhin mit ihr den Kontakt ab und erst spät in ihrem Leben sollte es Kathleen gelingen, sich mit ihnen wieder zu versöhnen. Außerdem setzte sich Kathleen zeit ihres Lebens für den Erhalt der irischen Sprache ein. Sie starb 1955 und wurde mit allen militärischen Ehren auf dem Deansgrange Friedhof im Grab ihrer Familie beigesetzt.

Rosie Hackett

Wenn man von berühmten irischen Frauen spricht, darf Rosie Hackett keinesfalls fehlen. Rosie wurde am 25. Juli 1892 in eine Dubliner Arbeiterfamilie hinein geboren. Schon früh verdiente sie ihr eigenes Brot und heuerte bei Jacob´s Buiscuits als Fabrikarbeiterin an. Die Arbeitsbedingungen waren entsetzlich schlecht. Ein Zustand, den Rosie nicht hinnehmen wollte. Sie trat der Gewerkschaft bei und organisierte für die mehrheitlich weiblichen Fabrikarbeiterinnen bei Jacob`s Buiscuits einen Aufstand. Dieser brachte den Arbeiterinnen bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung.

Auf diese Weise motiviert, gründete sie mit ihrer Mitstreiterin Delia Larkin die Irish Women Worker´s Union – eine Gewerkschaft, die sich für die Belange der Arbeiterinnen einsetzte. Es waren harte und unruhige Zeiten für die Dubliner Fabrikarbeiter. 1913 kam es zum berühmten Dubliner Lockout. 200.000 Arbeiter protestierten auf den Straßen für bessere Arbeitsbedingungen und wurden von den 200 Fabrikbesitzern, für die sie tätig waren, dafür von den Fabrikgeländen ausgeschlossen. Rosie überzeugte die Arbeiter bei Jacob´s, sich mit den Streikenden zu solidarisieren. Der Streik wurde von der Polizei blutig niedergeschlagen und aus den Arbeitern ging die Irish Citizen Army hervor. Gegründet, um die streikenden Arbeiter zu schützen.

Nachdem das Ende des Streiks erzwungen wurde und die Arbeiter teilweise nah am Hungertod an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten und Knebelverträge unterschrieben, erhielt Rosie von Jacob´s ihre Kündigung. Sie heuerte daraufhin als Angestellte einer Druckerei in der Liberty Hall an und kam dort mit der Irish Citizen Army in Berührung. Seite an Seite mit Constance Markievicz kämpfte sie während des Osteraufstands 1916 im St. Stephen´s Green. Einen Mann gab es nie an ihrer Seite und sie lebte zurückgezogen in Fairview. Sie starb 1976 im Alter von 82 Jahren nach einem bewegten Leben. In Andenken an ihr Engagement für die Gewerkschaft wurde die Brücke, welche die Hawkin´s Street mit der Marlborough Street über die Liffey verbindet, benannt.

Mary Robinson

Blicken wir auf Irlands berühmteste Frauen, kommen wir an Mary Robinson nicht vorbei. Sie wurde als Mary Teresa Winifred Bourke am 21. Mai 1944 in Ballina geboren. Schon früh wusste sie, dass sie Großes erreichen wollte. Nach der Schule führte sie ihr Weg deshalb ans Trinity College, wo sie Rechtswissenschaft studierte. Mit nur 25 Jahren wurde sie zur jüngsten Professorin für konstitutionelles Recht und Strafrecht an ihrer Universität.

Trotz ihrer jungen Jahre erarbeitete sie sich in kurzer Zeit den Ruf einer ausgesprochenen versierten Menschenrechtsanwältin. Sie wurde in die Royal Irish Academy gewählt und war Mitglied der International Juristenkommission in Genf. Ermutigt von ihrem Ehemann, stellte sich Mary als Kandidatin der Labour Party, unterstützt von den Grünen zur Wahl für das Amt des irischen Präsidenten. Sie gewann und wurde Irlands erste Präsidentin. Dieses Amt sollte ihr die nächsten sieben Jahre erhalten bleiben.

Während ihrer Amtszeit setzte sie sich für den politischen Dialog mit Nordirland ein, war das erste amtierende irische Staatsoberhaupt, das Queen Elisabeth II im Buckingham Palace besuchte. Nach sieben Jahren im Amt fühlte sie sich erschöpft und leer. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, sich weiterhin zu engagieren.

1997 wurde sie zur Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen berufen. Drei Jahre später gründete sie ihre eigene Stiftung, der sie bis heute vorsitzt. Sie setzt sich für Klimagerechtigkeit ein. Das veranlasste wohl den damaligen UN-Generalsekretär, Ban Ki-moon, sie zur Sondergesandten für den Klimawandel zu ernennen. Sie bereitete die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 maßgeblich vor. Die heute über 70-jährige Mary denkt nicht ans Aufhören. Eine starke Frau, wie wir finden!

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Irlands erste Präsidentin, by MONUSCO/John Bompengo [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Sonia O’Sullivan

Sonias Erfolge sind auf ewig in der irischen Sportgeschichte eingeschrieben. Doch alles der Reihe nach: Sonia erblickte am 28. November 1969 in Cobh in der Grafschaft Cork das Licht der Welt. Schon früh verschrieb sie sich dem Sport und gewann eine Sportförderung.

Die internationale Sportwelt wurde erstmals 1991 auf die junge Irin aufmerksam, als sie bei den World Student Games die Goldmedaille für die 1.500 Meter und die Silbermedaille für die 3.000 Meter gewann. Danach folgte alles Schlag auf Schlag: 1993 Silber bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart, 1994 Gold bei der Europäischen Meisterschaft in Helsinki, 1995 dann Gold bei der Weltmeisterschaft in Göteburg, Gold bei den Euopäischen Meisterschaften in Budapest auf 5.000 und 10.000 Meter. Gold bei den World Cross-Country Meisterschaften in Marrakesch, bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney dann wieder Silber auf die 5.000 Meter.

Über viele Jahre gehörte Sonia O’Sullivan zu den weltbesten Sportlern auf der Mittelstrecke. 2007 beschloss sie dann, ihre Sportler-Karriere zu beenden. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in ihrer Wahlheimat Australien. Ihrem Heimatland ist sie als Kommentatorin für RTÈ von großen internationalen Sportwettkämpfen treu geblieben und tritt oft noch bei regionale Rennen in Irland an.

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Eine Spitzensportlerin, die die Grüne Insel hervorgebracht hat: Sonia O’Sullivan, by Sean Kelly MEP from Ireland [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Weitere starke, inspirierende irische Frauen finden Sie im virtuellen Womens Museum of Ireland.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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