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Roger Casement und der Banna Strand in Irland

Banna Strand North Kerry Way
Written by Neil Saad

Strände gibt es in Irland wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Darunter befinden sich kleine Buchten, umrahmt von hohen Klippen, Kiesstrände oder endlos lange Sandstrände. Zur letzten Kategorie gehört der Banna Strand in Kerry. Er erstreckt sich im Norden der Grafschaft vom Hafenort Fenit bis nach Ballyheigue am Fuße des Kerry Head. Hierbei ist der Sandstrand nicht nur ein tolles Ausflugsziel, an dem man so mancher Aktivität nachgehen kann. Viel mehr hat er zudem seinen Platz in der irischen Geschichte. Denn der irische Diplomat und Revolutionär Roger Casement unternahm 1916 dort in Kerry den Versuch, deutsche Waffen für das Easter Rising auf die Grüne Insel zu schmuggeln. Doch er scheiterte. Heute sind der Banna Strand in Irland und Roger Casement untrennbar miteinander verbunden.

Der Banna Strand in Irland

Der Banna Strand liegt in Nord-Kerry in Irland. Mit über elf Kilometern Länge ist der Sandstrand einer der längsten Strände Irlands. Hierbei liegt sein südliches Ende ein kleines Stück nördlich des Hafenortes Fenit und westlich von Ardfert. Auch die Stadt Tralee ist lediglich eine kurze Autofahrt entfernt. Am Nordende befindet sich das Küstendorf Ballyheigue. Dort wo der Strand sein nördlcihes Ende hat, erhebt sich der Kerry Head. Von dort lässt sich der gesamte Banna Strand überblicken. Bei gutem Wetter reicht die Sicht weit darüber hinaus bis zur Dingle-Halbinsel.

Der Banna Strand in Irland ist ein Paradies für Freunde langer Spaziergänge. Neben dem sandigen Untergrund und dem ewigen Rauschen der Atlantikwellen begleitet eine Dünenlandschaft die Spaziergänger. Diese ist eine geschützte Zone, in der neben den typischen Dünengräsern vor allem Tiere ungestört leben. Nistende Vögel, kleine Säuger sowie zahllosen Insekten nennen die Dünen ihre Heimat. Dabei erreichen die Dünen teilweise eine Höhe von bis zu zwölf Metern.

Banna Strand North Kerry

Banna Strand in North Kerry (Foto: Neil Saad/ MyEmeraldBlog)

Aktivitäten am Banna Strand in Kerry

Der Banna Strand in Kerry ist einer der Blue Flag Beaches. Damit zählt er zu den besten Stränden Irlands, denn der Blue Flag-Status ist eine Qualitätsbekundung, welche die nicht-staatliche Umweltschutzorganisation An Taisce jährlich vergibt. Dabei zeichnen sich die Blue Flag Beaches wie der Banna Strand in Irland durch besondere Sauberkeit, eine gewisse Infrastruktur, Sicherheit und die Anwesenheit von Rettungsschwimmern während der Badesaison aus.

Dementsprechend ist der Strand ein gerne genutztes Ausflugsziel für Badegäste. Vor allem während der Sommermonate zieht es an warmen Tagen zahlreiche Menschen in den Norden der Grafschaft Kerry. Darunter befinden sich besonders häufig Bewohner aus dem nahen Tralee. Doch auch zu den restlichen Jahreszeiten nutzen Unerschrockene den Atlantik für einen kurzen Sprung in die Wellen. Daneben sind regelmäßig Surfer und Kajak-Fahrer vor der Küste zu sehen. Aber auch zur Entspannung ist der Banna Strand ideal geeignet. Durch seine Länge und Breite bietet er auch an gut besuchten Tagen ausreichend Raum für viele Besucher. Dadurch findet sich stets ein Fleckchen Sand um in Ruhe die mitgebrachte Decke auszubreiten, die Sonnenstrahlen zu genießen und die Meeresbrise um die Nase wehen zu lassen.

Außerdem ist ein großer Strandabschnitt Teil des North Kerry Way. Dieser mehrtägige Fernwanderweg führt von Tralee entlang des Banna Strand nach Ballyheigue und schließlich über den Kerry Head. Eine tolle Gelegenheit, um den Sandstrand ausgiebig kennenzulernen.

Banna Strand Surfer

Banna Beach © Sharon Houlihan, Fáilte Ireland

Roger Casement: Irischer Revolutionär

In der irischen Geschichte spielte der Banna Strand in Kerry zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine kleine Rolle. Im Jahr 1916 versuchte der irische Diplomat und Revolutionär Roger Casement hier Waffen auf die Grüne Insel zu schmuggeln. Zuvor war Casement Diplomat im Dienste Englands gewesen. Hierbei galt er als ausgesprochener Humanist. In fernen Ländern wie dem Kongo und in Peru untersuchte er Fälle von Sklaverei in der Kautschuk-Industrie der Länder. Seine Berichte, bekannt als Casement Reports, verursachten viel Aufsehen. Leider beeinflussten sie die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter nicht unmittelbar.

Nach seiner Zeit als Diplomat wendete sich Roger Casement den Ideen der nationalen Selbstbestimmung Irlands zu. Dabei lernte er zahlreiche, einflussreiche Persönlichkeiten kennen. Hierzu zählten Arthur Griffith, der kurz zuvor die Partei Sinn Féin gegründet hatte. Insbesondere aber die Gaelic League wirkte großen Einfluss auf sein Denken und Handeln aus. Neben dem Wiedererstarken der irischen Sprache rückten dabei nach und nach nationale Gedanken in den Vordergrund. Ohne jedoch politische Einflussnahme auszuüben.

Easter Rising 1916: Der gescheiterte Waffen-Schmuggel

Roger Casement, voll vom Nationalgedanken beseelt, ging jedoch weiter als die Gaelic League. Er verbandelte mit den Irish Volunteers, einer Gruppierung mit dem Ziel, die Unabhängigkeit Irlands zu erlangen. Schließlich in 1916 fand das berühmte Easter Rising statt, der Versuch, die englische Regierung in Dublin zu stürzen und eine freie, irische Republik auszurufen. Zuvor versuchte Casement deutsche Gewehre nach Irland zu bringen, mit denen die Freiwilligen beim Easter Rising bewaffnet werden sollten.

Casement verbrachte einige Zeit in Deutschland, knüpfte Kontakte und vereinbarte schließlich die Lieferung der Gewehre. Mit dieser erreichte er am 21. April 1916 per deutschem U-Boot die irische Küste. Doch bei der Landung entdeckten englische Soldaten die kleine Gruppe Männer, zu der auch Casement gehörte. Sie wurden verhaftet, die Waffen beschlagnahmt und Casement wegen Hochverrat angeklagt. Im August desselben Jahres richtete England Roger Casement zur Strafe hin. Ihm und seinem gescheiterten Schmuggelversuch ist ein bekanntes Lied gewidmet.

„The lonely Banna Strand – The ballad of Roger Casement“

Lied-Auszug:

They took Sir Roger prisoner and they sailed for London Town,
Where in the Tow’r they laid him, as a traitor to the Crown.
Said he, ‚I am no traitor,‘ but his trial he had to stand,
for bringing German rifles
to lonely Banna Strand.

‚Twas in an English prison that they led him to his death.
‚I’m dying for my country dear,‘ he said with his last breath.
He’s buried in a prison yard, far from his native land
And the wild waves sing his Requiem
on lonely Banna Strand.

Über den Autor

Neil Saad

Bereits seit 2009 bereiste ich Irland mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Im Herbst 2021 zog ich schließlich auf die Grüne Insel und lebe seit dem im Kingdom of Kerry. Besonders das Wandern in Irland hat es mir hier angetan und so erkunde ich zu Fuß die irischen Gebirge und Wanderwege. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, das Land immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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