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St. Canice’s Kathedrale in Kilkenny

Written by Jessica Heiber

Besucht mit uns eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen Irlands. Die St. Canice’s Cathedral in Kilkenny ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sie besitzt zudem einen der wenigen begehbaren Rundtürme auf der grünen Insel. Das Gelände um die Kathedrale bietet zahlreiche alte Gebäude, die eine ebenso interessante Geschichte zu erzählen haben wie die Kirche selbst.

St Canice’s Cathedral Kilkenny

Der Name St. Canice’s Kathedrale leitet sich von dem englischen Begriff des Namens ihres Gründers Cainnech ab. Cainnech – oder Canice, wie er heute genannt wird – war Abt von Aghaboe, einem Kloster im County Laois.

Die St Canice Kathedrale wurde im 13. Jahrhundert auf dem Hügel nördlich des Seitenflusses Bregagh in Kilkenny errichtet. Seit der Reformation gehört die Kathedrale nicht mehr zur katholischen Kirche.

© Fáilte Ireland/Tourism Ireland

St Canice – Schutzpatron von Kilkenny

Cainnech ist Namensgeber und Schutzpatron der Stadt Kilkenny. Der Name setzt sich aus den keltischen Worten „Cell Cainnigh“ zusammen, was so viel wie „Kirche des Cainnech“ bedeutet.

Canice wurde um das Jahr 525 in der Nähe von Derry geboren und ist von piktischer Abstammung. Die Pikten waren ein Volk aus Schottland, deren Namen sich von der Tradition ableitet, sich tättowieren zu  lassen. Canice wurde von Finnian von Clonard und Cadoc in Wales ausgebildet. Seine bedeutendste Gründung war das Kloster von Aghaboe im County Laois, welches Bischofssitz von Ossory wurde.

Canice war einer der zwölf Apostel Irlands und predigte das Christentum auf der ganzen Insel. Er verfasste außerdem den „Glas – Choinigh“, einen wichtigen Kommentar zu den Evangelien. Noch heute wird sich erzählt, dass er ein Mann großer Tugend, Beredsamkeit und Gelehrsamkeit war.

Geschichte der St. Canice’s Kathedrale

Die Dokumentation über das heutige Kirchengebäude beginnt in den Jahren 1087 und 1114 mit zwei Bränden, welche die Kirche fast vollständig zerstörten. Mitte des 12. Jahrhunderts erbaute man sie neu.

Bereits im Jahr 1202 übernahm mit Hugo de Rous der erste Engländer hier seinen Bischofssitz. Sein Nachfolger war 1251 Hugh de Mapilton, der in seiner neunjährigen Amtszeit die Quer -und Seitenschiffe errichtete. In der Amtszeit des dritten Bischofs Geoffrey St Leger von 1260 – 1287 fand die Kathedrale schließlich ihre Vollendung.

Photo by Michael Jirschik

Im Jahr 1332 kam es zum dramatischen Zusammensturz des Kirchturms. Dabei kam es zur Zerstörung der Seitenkapelle und des westlichen Chors. 1354 ließ der amtierende Bischof Richard Leatherhed den Turm mit einer deutlich geringeren Höhe restaurieren, damit es kein zweites Mal zu einem solchen Unfall käme. Der heutige Turm ist neun bis zwölf Meter kleiner als der Alte.

Als Oliver Cromwells Soldaten in die Stadt kamen, missbrauchten sie die Kirche als Pferdestall, wobei das große Glasfenster zu Bruch ging. In den Jahren 1660 bis 1673 wurden diese Schäden unter Aufsicht des damaligen Exilanten Bischof Griffith Williams behoben.

Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzte man das Turmdach. Es folgte eine fachmännische Restaurierung des Architekten Thomas Newneham Deane, welcher der Kathedrale ihren heutigen gotischen Touch verlieh.

St. Canice´s Kathedrale heute

Photo by Jessica Heiber

St. Canice ist eine sehr lebendige, im Hier und Jetzt angekommene Kathedrale. Sie bietet für Alt und Jung das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen. Darunter befindet sich unter anderem das Christmas Tree Festival, wobei die Einwohner Kilkennys dazu eingeladen sind, ihre festlich geschmückten Weihnachtsbäume miteinzubringen. Der daraus entstandene märchenhafte Weihnachtsbaumwald wird jährlich zur Adventszeit in der St. Canice’s Kathedrale der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mindestens genauso beliebt ist das Kilkenny Arts Festival. Seit 1974 versammelt das Festival die weltbesten Musiker, Autoren und Künstler aller Art in der irischen Stadt. Das Festival bietet jedes Jahr im August zehn Tage lang die Möglichkeit der Begegnung zwischen Künstlern und Besuchern der besonderen Art.

Des Weiteren ist die Kirche natürlich nach wie vor ein Gotteshaus, wo sich gläubige Christen jeden Sonntag zum Gottesdienst versammeln oder Fürbitte für ihre Liebsten leisten.

Highlights der St. Canice’s Kathedrale

© Fáilte Ireland/Tourism Ireland

Neben dem imposanten Erscheinungsbild der massiven gut erhaltenen mittelalterlichen Kathedrale mit dem markanten Rundturm, gibt es noch zahlreiche weitere Highlights zu entdecken.

Betretet Ihr die Kirche, solltet Ihr zuerst einen Blick nach oben werfen, wo euch das imposante Hammerbalkengewölbe ins Auge fallen wird. Dieses wurde 1863 aus kanadischem Mammutbaum errichtet. In beiden Seitenschiffen der Kathedrale finden sich verzierte Sarkofarge, welche die Kirche in eine mystische Aura tauchen.

Mindestens genauso mystisch ist die sagenumwobene Kyteler Grabplatte, welche 1984 in der Nähe des Hauses der Hexe Alice Kyteler gefunden wurde.

Sehenswert ist auch der in der Mauer eingeschlossene Steinstuhl aus dem 13. Jahrhundert sowie das Modell der Stadt Kilkenny aus dem Jahr 1641.

Domglocken

Seit dem 14. Jahrhundert läuten die Glocken an Sonntagen, zu Hochzeitsfesten, Beerdigungen und an Silvester. Die Geschichte der Arbeit an den mittelalterlichen Glocken war so bedeutsam, dass man sie als Inschrift direkt auf die Glocken gegossen hat. Im Jahr 1650 stahl Oliver Cromwell die Domglocken, weshalb man 1674 einen neuen Ring aus sechs Glocken goss.

Ein Neuguss der Glocken wiederholte sich in den Jahren 1724 und 1851. 1925 bekamen die Glocken ein brandneues Kugellager. Die Läutung erfolgt von einem Team aus sogenannten „Glöckchen“ oder mittels eines Ellacomb Gerätes.

The Close

Photo by Jessica Heiber

Der Begriff umschließt den mittelalterlichen Rundturm sowie die Gebäude in dem Bereich rund um die Kathedrale. Hier warten sehenswerte Einblicke in die irische Vergangenheit.

Ein großer Teil davon liegt begraben auf dem malerischen Friedhof. Einige der Gräber stammen noch aus dem 16. Jahrhundert und zeigen Handwerkskunst höchster Qualität.

Zu „The Close“ gehört auch das St. Canice’s Cottage – ein Landhaus neben der Bibliothek aus dem 17. Jahrhundert. Es ist einstöckig und verfügt über drei Buchten und ein Dachgeschoss. Bischof Williams baute es in den 1660er Jahren in ein Almosenhaus um.

Die alte Bibliothek umfasst zwei Stockwerke und sechs Buchten. Früher diente sie unter anderem als Herrenhaus, Gymnasium, Armenhaus und – wie der Name schon sagt – als Bibliothek. Diese ist noch heute im zweiten Stock des Gebäudes zu finden und beherbergt viele wichtige theologische Bücher.

Das Dekanat ist ein L-förmiges Einfamilienhaus, das im Jahr 1614 erbaut wurde. Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird es ausschließlich von Dekanen genutzt.

Das Haus des Küsters ist ein Schmuckstück der besonderen Art. Es zeigt Bildnisse aus dem 6. Jahrhundert und das königliche Wappen. Das Haus des Bischofs ist ein Neubau und wurde wegen der kirchlichen Tradition errichtet, ein Seehaus in der Nähe des Doms zu haben.

Fazit

Die St. Canice’s Kathedrale ist eine der interessantesten und geschichtsträchtigsten Kirchen Irlands und damit unbedingt einen Besuch wert. Wenn man durch die zahlreichen alten Gebäude um die Kirche schlendert, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wandelt auf den Spuren längst vergangener Geschichten und lasst euch in eine Zeit davontragen, in der Glaube viel mehr war als nur ein Wort.

Mehr Informationen über aktuelle Veranstaltungen sowie die Öffnungszeiten findet Ihr auf der öffentlichen Homepage der St. Canice’s Kathedrale.

Über den Autor

Jessica Heiber

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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