Irland in der Neuzeit

Magdalenenheime Irland: Ein dunkles Kapitel der Inselgeschichte

Magdalenenheime Irland Title
Written by Nadja Uebach

Nach dem Fund eines nicht gekennzeichneten Massengrabes auf dem ehemaligen Grundstück eines Nonnenordens in Dublin im Jahr 1993, kamen immer mehr Details über ein besonders dunkles Kapitel der Inselgeschichte ans Licht. Ursprünglich waren Magdalenenheime in Irland Einrichtungen in denen sogenannte „gefallene“ Frauen der Gesellschaft aufgenommen und zurück auf den Weg Gottes gebracht werden sollten.

Doch anstatt den jungen Mädchen und Frauen ein Ort der Zuflucht und des Glaubens zu sein, beraubten die Heime sie mit dem Schritt über die Schwelle nicht nur ihres Namens und ihrer Grundrechte, sondern in vielen Fällen auch ihrer Familien, ihrer Kindheit und manchmal sogar ihres Lebens. Mit viel Respekt und Mitgefühl haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht. Antworten auf die Fragen warum Mädchen und Frauen in ein Magdalenenheim eingewiesen wurden, was sie dort ertragen mussten und wie es möglich war, dass jahrzehntelang kaum jemand davon erfuhr. Denn obwohl es ein finsterer Abschnitt in der Geschichte Irlands ist, ist es dennoch eine Zeit, die nicht in Vergessenheit geraten darf!

Magdalenenheime in Irland: Am Anfang stand die Kirche

Das erste „Heim für reumütige Frauen“ wurde bereits im Jahr 1767 in der Leeson Street in Dublin ins Leben gerufen. Die Schirmherrin des damaligen Pilotprojekts war Lady Arabella Denny, die bereits ein Jahrzehnt vorher im sogenannten Foundling Hospital der irischen Hauptstadt mitarbeitete, das man im Grunde mit dem heutigen System einer Babyklappe vergleichen kann.

Mit ihrem Magdalenenheim hatte es sich Lady Arabella zur Aufgabe gemacht, eine Art Auffangstation für „gefallene“ Frauen zu schaffen. Damit wollte man Prostituierten, ähnlich wie Maria Magdalena in den Erzählungen der Bibel, einen Weg zur Buße und zurück in ein keusches Leben ermöglichen. Das erste Magdalenenheim nahm ausschließlich Frauen auf, die aus protestantischen Familien stammten. Allerdings gesellten sich über die nächsten Jahre mehrere Heime der katholischen Kirche dazu. Nach Gründung des irischen Freistaats im Jahr 1922, bis zur Schließung des letzten Magdalenenheims im Oktober 1996 hatten die Heime offiziell 10.000 Frauen aufgenommen. Allerdings geht man heutzutage von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, die aufgrund fehlender oder noch immer unter Verschluss gehaltener Aufzeichnung vermutlich nie ans Licht kommen wird.

Die berüchtigten Wäschereien: Arbeit gegen Leben

Obwohl die kirchlichen Träger der Einrichtung eine pro Kopf Bezahlung von der irischen Regierung erhielten, kommandierten sie die Mädchen und Frauen zur Arbeit ab. Oft handelte es sich dabei um einen Wäscheservice, von dessen günstigen Preisen viele staatliche Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser, Polizeistationen und nicht zuletzt die Residenz des irischen Präsidenten profitierten. Neben dem Wäschewaschen führten die Frauen zudem Gartenarbeiten aus und stickten, strickten und häkelten Kleidung und Kunstwaren, die man an kleine Dorfläden verkaufte. Die Einnahmen gingen jedoch vollständig an die Kirche, die Insassen der Heime erhielten keinerlei Lohn für die größtenteils körperlich sehr anstrengende Arbeit.

Mit jeder Heimaufnahme handelte man eine Art Deal aus, der den Frauen eine Entlassung zurück in ihr Leben versprach, nachdem sie eine bestimmte Zeit lang für ihre Sünden und ihren Aufenthalt gearbeitet hatten. Je nach Situation betrug dieser Zeitrahmen mindestens 12 Monate – nach oben hin war keine Grenze gesetzt.

Magdalenenheim Wäscherei

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Magdalenenheime Irland: Wer waren die Frauen und Mädchen?

Während die Heime ursprünglich hauptsächlich als Institutionen für Prostituierte gedacht waren, erweiterte sich der Kreis der eingewiesenen Frauen stetig. Zwischen den Jahren 1922 und 1996 waren es neben den Prostituierten überwiegend Frauen, die unverheiratet schwanger waren. Eine uneheliche Schwangerschaft, egal unter welchen Umständen diese entstanden war, galt in Irland als besonders große Schande. Oft wurden diese Frauen von ihren eigenen Familien in das nächst gelegene Magdalenenheim eingewiesen, um die Familienehre so gut es geht zu retten und den sittlichen sowie religiösen Schein zu wahren.

In manchen Fällen zogen verzweifelte Frauen sogar selbst einen Geistlichen zurate. Dieser überwies sie anschließend in eines der Heime. Es handelte sich jedoch nicht immer um erwachsene Frauen; sondern zudem auch um junge Mädchen in der Pubertät, die durch Missbrauch, nicht selten im eigenen Familienkreis, schwanger waren. Das Leid und Trauma, das durch den Missbrauch entstand, wurde durch die Einweisung in ein Magdalenenheim unvorstellbar!

Der Grund, weshalb eine Frau den Weg in eines der Heime antreten musste, war allerdings nicht immer die Berufswahl oder eine uneheliche Schwangerschaft. Von Überlebenden weiß man heute, dass die folgenden Gründe ausreichten, um in einem der Heime zu landen:

  • Unverheiratete Frauen über 30 wurden eingewiesen, da sie als eine „Bedrohung“ für verheiratete Männer angesehen wurden.
  • Wer unsittliche Bücher las oder sich freizügig kleidete, lief Gefahr in ein Magdalenenheim in Irland eingewiesen zu werden.
  • Psychisch erkrankte Frauen verbrachten oft mehrere Jahrzehnte in den Einrichtungen.
  • Uneheliche Kinder, die außerhalb der Heime geboren wurden.
  • Kinder, deren Mutter starb und deren Vater mit ihnen überfordert war, wurden oft in die Obhut der Nonnen gegeben.

Der Alltag in den irischen Magdalenenheimen

Sobald eine Frau in eines der Magdalenenheime in Irland aufgenommen wurde, verlor sie ihre Identität. Überlebende berichteten, dass sie an der Tür von einer Nonne in Empfang genommen wurde. Anschließend nahm man ihr ihre Kleidung und ihre wenigen Habseligkeiten ab. Stattdessen erhielt sie eine Uniform und einen neuen Namen. Dabei gab man den Mädchen und Frauen oft einen Namen mit religiöser Bedeutung. In einigen Fällen sogar einfach nur eine Nummer. Manche Frauen geben an, dass man ihnen, wie Sträflingen in einem Gefängnis die Haare abrasierte.

Den Frauen untereinander war jegliche Art von Kommunikation untersagt. Besuche von Familienmitgliedern gestattete man nur selten. Briefe nach Hause durften zwar geschrieben werden, wurden nach Sichtung allerdings meist nicht weitergeleitet. Die Mädchen ließ man jedoch in dem Glauben, dass sich ihre Angehörigen aufgrund ihrer Sünden nicht mehr für sie interessierten. Während junge Mädchen und Frauen meist in den Wäschereien oder ähnlichen Institutionen mit dem Ziel der Arbeit untergebracht waren; nahm man uneheliche Kinder oder Waisen in Schulheimen auf, die sich meist auf demselben Gelände befanden. Hier erhielten allerdings lediglich die Dorfkinder eine Schulbildung, die Kinder des Heimes unterrichtete man nicht, sondern setzte sie stattdessen zur Arbeit ein.

Magdalenenheime in Irland: Harte Arbeit von früh bis spät

Der Tag in den Heimen begann meist sehr früh mit einem unzureichenden Frühstück, das wie das Mittag- und Abendessen nicht selten aus trockenem Brot und einem Glas Wasser bestand. Zwischen 7 und 8 Uhr ging es für die Frauen an die Arbeit. In den Wäschereien bedeutete das, bis spät abends die großen Maschinen zu bedienen. Dabei war man kontinuierlich chemischen Dämpfen ausgesetzt. Es wurde kein Unterschied gemacht, ob man krank, schwach oder im neunten Monat schwanger war!

Je nachdem welcher Wochentag es war, waren manche Frauen zu verschiedenen Diensten in der Einrichtung eingeteilt. Dazu gehörte nicht nur Putzen und sich um die im Heim geborenen Säuglinge zu kümmern, sondern zudem alles Mögliche für die Nonnen zu erledigen. Als eine der schlimmsten Aufgaben, wird der Dienst in der Küche beschrieben. Die hungrigen Frauen, die selbst nur spärlich ernährt wurden, mussten die Gerichte der Nonnen zubereiten, denen es an kulinarischer Vielseitigkeit nicht fehlte. Wer sich hierbei erlaubte zu „probieren“, dem drohte eine Strafe.

Strafen, Missbrauch und unwürdige Behandlung

Die Art der Strafen unterschied sich von Heim zu Heim, manchmal nur von Tag zu Tag oder von Nonne zu Nonne. Waren es in einem Moment Schläge, sperrte man die Mädchen im anderen Moment mehrere Tage lang in einen fensterlosen Raum oder gab ihnen tagelang nichts weiter als etwas Wasser. Zudem war es gang und gäbe die „Sündigen“ vorzuführen. Eine Überlebende berichtete, dass sie eine Tasse, die sie aus Versehen zerbrochen hatte, drei Tage lang an einem Strick um den Hals tragen musste.

Einige der Überlebenden beschrieben auch sexuellen Missbrauch durch die Nonnen, Priester oder andere Personen, die Machtposition innehatten. Mary Merritt, die in einem der Mutter-Kind-Heime auf die Welt kam und in ähnlichen Institutionen aufwuchs, berichtete von ihrer zunächst gelungenen Flucht im Alter von 22 Jahren. Die Mädchen arbeiteten jeden Samstag auf einem Feld außerhalb des Heimgeländes, wo es ihr gelang, den Nonnen zu entkommen.

Sie wusste jedoch nicht, wo sie war und wo sie Zuflucht finden würden. Zwei Passanten wiesen ihr den Weg zum Haus des Bischofs, im Glauben, dass man der jungen Frau dort helfen würde. Stattdessen wurde Mary dort Opfer einer Vergewaltigung, bevor sie von der Polizei zurück ins Heim gebracht wurde. Dort stellte sich wenige Monate später heraus, dass sie schwanger war. Sie brachte eine Tochter zur Welt, die jedoch nach knapp einem Jahr adoptiert wurde. Erst knapp 19 Jahre nach Marys Entlassung aus dem Heim und nachdem es ihr gelang in der normalen Welt Fuß zu fassen, fand sie ihre Tochter wieder.

Magdalenenheime in Irland: Die vergessenen Babys

Wer seine Schwangerschaft in einem der Magdalenenheime in Irland verbrachte, konnte sich nicht, wie jede andere Frau auf die Geburt vorbereiten. Die oft sehr jungen Mädchen, hatten meist keinerlei Vorstellung davon, was auf sie zukommen würde. Sie konnten nur darauf hoffen, dass ihnen die älteren Frauen den ein oder anderen Rat unbemerkt zuflüstern konnten.

Selbst, wenn es offensichtlich war, dass die Geburt unmittelbar bevorstand, schickten die Nonnen die Mädchen zur Arbeit. Erst als die Schmerzen der Wehen die Frauen außer Gefecht setzten, brachte man sie in einen separaten Bereich. Einige der Überlebenden berichteten, dass sie selbst zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich wussten, was sie zu erwarten hatten. Die Nonnen assistierten der gebärend Mutter zwar, allerdings meist ohne Mitgefühl. Wo viele Babys unmittelbar nach der Geburt von der Mutter getrennt wurden und sie nie weder sehen sollten; hatten die Frauen in anderen Heimen die Möglichkeit ihre Neugeborenen zu stillen. Allerdings durften sie außerhalb der Stillzeiten keine Zeit mit ihrem Kind verbringen.

Spätestens nach dem ersten Geburtstag sahen die Mütter ihre Babys nicht mehr. Die Kinder selbst endeten entweder in einem der Schulheime oder sie wurden zur Adoption freigegeben. In vielen Fällen war diese „Adoption“ jedoch nichts anderes als ein Verkauf des Babys an den Höchstbietenden. Offizielle Aufzeichnungen dieser Adoptionen, sofern vorhanden, wurden lange Zeit unter Verschluss gehalten. Erst seit Kurzem haben alle Überlebenden die Möglichkeit, Informationen über diese Adoptionen einzusehen.

Medizinische Studien und Massengräber

Die Babys, die nicht adoptiert wurden oder einen Platz in einem der Schulheime bekamen, verblieben oft in den Magdalenenheimen. Die älteren Kinder arbeiteten in den Klostergärten, verrichteten Putzarbeiten oder kümmerten sich um die kleineren Kinder und Säuglinge. Mit diesen Aufgaben waren viele von ihnen überfordert. Wer jedoch Zeichen von Schwäche zeigte, wurde in Form von Schlägen oder Entzug der sowieso schon spärlichen Mahlzeiten gezüchtigt.

In einer der jüngsten Untersuchungen, kamen Details zum Vorschein, die belegen, dass man in Magdalenenheimen in Dublin und Cork Impfstudien an den Babys und Kindern durchführte. Den Umständen entsprechend verabreichte man den Kindern die Impfstoffe ohne Erlaubnis eines Elternteils. Überlebende erfuhren erst Jahrzehnte später, dass sie Teilnehmer solcher Studien waren.

Aufgrund der Mangelernährung und schlechter Hygienestandards starben viele Kinder in sehr jungen Jahren. Auch im Tod sollten diese vergessenen Kinder noch für Zwecke anderer verwendet werden. So weiß man beispielsweise, dass eines der Heime über 450 Kinderleichen für medizinische Zwecke „spendete“. In den meisten Fällen wussten die Mütter nicht einmal, dass ihr Kind verstorben war.

Wie die schockierende Entdeckung des Massengrabes auf dem Gelände des Mutter-Kind-Heimes in Tuam in der Grafschaft Galway vor wenigen Jahren zeigte, wurde ein Großteil der toten Babys und Kinder auf eine unwürdige Art und Weise entsorgt. Auf das Drängen der Historikerin Catherine Corless fand man dort im Jahr 2017 die Überreste von knapp 800 Babys und Kindern in ausgedienten Klärgruben und unterirdischen Kammern!

Insgesamt kamen von 1922 bis 1996 schätzungsweise 60.000 Babys in diesen Einrichtungen zur Welt. Das Schicksal der meisten dieser Babys ist nach wie vor unbekannt.

Magdalenenheime in Irland: Ein offenes Geheimnis

Wer sich mit der Thematik der Magdalenenheime in Irland beschäftigt, stellt sich unweigerlich die Frage; warum solche Institutionen in einem solchen Umfang mehrere Jahrzehnte lang ungestört betrieben werden konnten. Darauf gibt es keine einfach Antwort, viel mehr spielten mehrere Faktoren eine Rolle.

Zum Einen hatte die katholische Kirche in Irland einen enormen politischen und gesellschaftlichen Einfluss. Man traute sich nicht, schlecht über die Kirche, die Nonnen oder Priester zu sprechen. Wenn man es doch tat, glaubte einem kaum jemand. Wer einem religiösen Orden angehörte, hatte in der Gesellschaft einen unantastbaren Status. Eine Macht, die einige systematisch ausnutzten. Die extremistische Einstellung der Nonnen in den Magdalenenheimen, die dort nach eigenen Angaben christliche Arbeit verrichteten, war durch Erzählungen ehemaliger Insassen zwar bekannt. Sie wurde allerdings entweder verdrängt, heruntergespielt oder nicht für real gehalten.

Hinzu kam die Tatsache, dass die Kirche die Angehörigen der Mädchen und Frauen in dem Glauben ließ, dass ein Heim der richtige Ort für sie sei. Den geringen Kontakt erklärten die Nonnen oft damit, dass die Frauen so wenig Ablenkung wie möglich von der Außenwelt bekommen sollten, während sie ihren Weg zu Gott fanden. Auf Erkundigungen nach dem Wohlbefinden der Insassen, versicherte man den Familien generell, dass es den Mädchen an nichts fehlen würde.

Der Staat sah tatenlos zu

Nachdem die Zustände in den Heimen öffentlich bekannt waren, erklärte der Staat, dass er nichts davon wusste und die Heime lediglich als von der Kirche geführte gemeinnützige Institutionen finanziell unterstützte. Mehrere Untersuchungen in den letzten Jahren belegten jedoch das Gegenteil. Der Staat führte in den meisten der Magdalenenheime in Irland regelmäßige Kontrollen durch.

So vermerkte man beispielsweise während einer Inspektion in dem Mutter-Kind-Heim in Tuam im Jahr 1944 das schlechte Allgemeinbefinden der Frauen und Kinder, die Mangelernährung, die schlechten hygienischen Zustände und die überfüllten Schlafsäle, tat allerdings nichts dagegen. Der ausführliche McAleese Report fand zudem, dass der Staat nicht nur von den Zuständen wusste. Er wies junge Mädchen, Frauen und Kinder aktiv in die Heime ein.

Obwohl die Zustände in den Heimen zumindest ansatzweise bekannt waren; setzte sich kaum jemand für die Mädchen, Frauen und Kinder ein, die dort ihr Dasein fristeten. Immerhin galten „gefallene“ Frauen und uneheliche Kinder in den Augen der Kirche und damit automatisch auch in den Augen der Gesellschaft als Menschen zweiter Klasse; Menschen, die es nicht wert waren sich für sie gegen die mächtige Kirche zu stellen!

Der irische Staat erkennt seine Mitschuld

Erst nach den Erkenntnissen des McAleese Reports 2013 räumte die irische Regierung durch eine öffentliche Entschuldigung des damaligen Taoiseachs Enda Kenny eine Mitschuld and den Missständen in den Magdalenenheimen ein. Kennys emotionale Entschuldigung war direkt an die Überlebenden gerichtet. Einige von ihnen saßen an diesem Tag in den Rängen des irischen Parlaments. Die vollständige Entschuldigung des Taoiseachs kann hier auf Englisch nachgelesen werden.

Therefore, I, as Taoiseach, on behalf of the State, the government and our citizens deeply regret and apologise unreservedly to all those women for the hurt that was done to them, and for any stigma they suffered, as a result of the time they spent in a Magdalene Laundry. – Enda Kenny, 2013

Entschädigung auf Umwegen

Im Zuge des McAleese Reports und der öffentlichen Entschuldigung richtete die irische Regierung einen Entschädigungsfond für Überlebende ein. Allerdings bezog sich dieser lediglich auf Frauen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllten; nicht aber auf die Kinder, die in den Schulheimen aufwuchsen, oder die Babys, die ihre Mütter nie kennengelernt haben. Proteste diese Richtlinien zu ändern und den Fond auf die Überlebenden aller Institutionen auszuweiten, werden immer wieder laut und wurden in Einzelfällen bereits bewilligt.

Das Gleiche gilt für das uneingeschränkte Zugriffsrecht auf die Daten der Insassen dieser Heime. Insbesondere für die Frauen, die man dazu zwang ihre Babys abzugeben; sowie die Kinder, die man zur Adoption freigab und die bisher keinerlei Anhaltspunkte zu der Identität ihrer leiblichen Eltern hatten. Eine Datenbank, die man im Rahmen einer Untersuchung erstellte, soll dies nun ändern. So versicherte die irische Regierung 2020, dass alle Überlebenden Einsicht in ihre Daten aus den Heimen beantragen können.

Magdalenenheime in Irland: Ein dunkles Kapitel, das nicht in Vergessenheit geraten darf

Es ist unmöglich, das volle Ausmaß der Umstände in den Magdalenenheimen in Irland in nur einem Artikel zusammenzufassen. So viele Frauen und Mädchen, die ohne ihr Zutun ihre Kindheit, ihre Babys, ihre Gesundheit und ihr Leben verloren haben. Unzählige Neugeborene, denen eine Chance auf Sicherheit, Familie und Liebe viele Jahre verwehrt blieb. Die Schicksale, die gehört werden müssen und nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern auch unser ehrliches Mitgefühl verdienen!

Es ist unmöglich, die vielen Details, über die ich während der Recherche für diesen Beitrag gestolpert bin in Worte zu fassen. Die Trauer, die Wut, das Entsetzen, die Taubheit und die Hilflosigkeit, die sich breitmachen, sobald man die Berichte der Überlebenden liest, sind nur ein geringer Bruchteil von den Emotionen, die in den Heimen damals Alltag waren.

Doch gerade weil es unmöglich scheint, so viel in ein paar Tausend Wörtern unterzubringen, gerade deswegen, muss man es versuchen. Denn noch schlimmer, als den Schrecken und die Grausamkeit nur ansatzweise ausdrücken zu können ist es, darüber zu schweigen und diese Babys, Kinder, Mädchen und Frauen dem letzten Bisschen zu berauben, das sie aus dieser Zeit besitzen: Ihrer Geschichte!

Ein Film über dieses dunkle Kapitel ist “Die unbarmherzigen Schwestern”. Sehr sehenswert, aber sehr düster.

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Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

Kommentar

  • Liebe Nadja, vielen Dank, dass Du Dich dieses düsteren, traurigen und auch zornig machenden irischen Kapitels mit viel Sachkenntnis und Einfühlsamkeit angenommen hast.
    Es gibt noch eine sehr eindrucksvollen Film zu diesem Thema mit einer wunderbaren Judi Dench in der Hauptrolle : “Philomena”, von 2013 unter Regie von Stephen Frears. Vielleicht kannst Du den Hinweis auf diesen wichtigen Film noch in Deinen Artikel aufnehmen. Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, sollte diesen Film nicht verpassen.
    Herzliche Grüße und ich freue mich auf weitere spannende und erhellende Geschichtsartikel!
    Manuela

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