Dublin Sehenswürdigkeiten

Dublinia: Spannendes Heimatmuseum

Written by Jessica Heiber

Wilde Wikingerhorden, schaurige Krankheiten, düstere Mittelalterszenen und interessante Ausgrabungsfunde – Dublinia ist der perfekte Ort für alle kleinen und großen Entdecker. Das spannende zeitgeschichtliche Heimatmuseum bringt seinen Gästen auf sehr eindrückliche Art und Weise die bewegte Frühgeschichte Dublins näher.

Dublin – Irlands Wikinger-Hauptstadt

Was hat Irlands Hauptstadt mit Wikingern zu tun? Wir sagen: alles! Doch um das zu verstehen, müssen wir etwas weiter ausholen. Um 500 vor Christus siedelte sich das keltische Volk in dem Gezeitenbecken an, das von den beiden zusammenführenden Flüssen Liffey und Poddle gebildet wurde. Die neuen Siedler gaben der Stadt den Namen „Dubh Linn“, was so viel wie „schwarzes Becken“ bedeutet.

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Um das frühe neunte Jahrhundert trafen Wikinger aus Skandinavien auf ihrer Plünderungsreise auf dieses Becken. Die Lage bot ihnen Schutz vor den wilden Meeresstürmen. So blieben die Nordmänner und schlossen sich mit den keltischen Siedlern zusammen.

Im Jahr 841 errichteten beide Stämme einen Überfallstützpunkt. Dubh Linnn wurde zur Siedlung Dyflin, die aufgrund der günstigen Lage direkt am Meer schon bald ein wichtiges Handelsimperium darstellte.

Der Beweis für das starke Wirken der Wikinger in der Stadt wurde 1961 beim Bau des Dubliner Stadtratsitzes freigelegt. Am Woods Quay, bei der Christ Church Cathedral, fand man eine ganze Wikingersiedlung. Selbst die Christ Church Cathedral steht auf den Mauern einer alten Wikingerkirche.

Kein Wunder, dass man sich dazu entschied, den ersten Siedlern Dublins ein eigenes Museum zu widmen.

Dublinia

Im Jahr 1993 öffnete das Museum zum ersten mal für Besucher seine Tore. Untergebracht ist es in dem wunderschönen, denkmalgeschützten Nebengebäude der Christ Church Cathedral. Der sogenannten Synod Hall. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde von dem Architekten George Edmund Street entworfen, der in den 1870er Jahren auch die Christ Church Cathedral restaurierte.

Dublinia befindet sich an der Kreuzung zur mittelalterlichen Altstadt, direkt neben dem Zwillingsgebäude Christ Church Cathedral, mit welchem es im oberen Teil durch eine Brücke verbunden ist.

Im Jahr 2010 wurde die Austellung für zwei Milliarden Euro komplett überarbeitet. Jährlich finden 125.000 Besucher ihren Weg in das beliebte Heimatmuseum.

Erdgeschoss – Dublin zur Zeit der Wikinger

Photo by Michael Jirschik

Fast schon vorsichtig bewegen wir uns durch die dunklen Gänge. Denn von überall beobachten uns lebensechte Wikingerpuppen . Manche davon wirken freundlich genug, um sich zu ihnen zu setzen. Hier offenbart sich uns Geschichte zum Anfassen. Wir bewundern die Waffen und Handwerkskunst der Wikinger und erfahren einiges über ihre Götter und Bestattungsrituale. Demnach hat man die Seelen der Toten in Booten zur letzten Ruhe gebettet, welche man dann vergraben hat.

Dublinia ist alles andere als ein trockener Museumsbesuch. Wir haben das Gefühl, uns mitten im Geschehen zu befinden, was zuweilen etwas beängstigend wirkt. Ein Video über die Schlacht von Clontarf im Jahr 1014 bringt lautstark und deutlich die Brutaliät der frühen Kriegsführung in unsere Gegenwart.

Wer noch tiefer in das Wikinger-Feeling eintauchen möchte, kann in die Kleidung der Nordmänner schlüpfen. Und wer weiß? Vielleicht sind Euch die skandinavischen Siedler dann wohlgesonenner.

Zweite Etage – Willkommen im düsteren Mittelalter

Hier sehen wir mit erschreckender Klarheit, dass das Mittelalter alles andere als das romantisierte Zeitalter aus Buch und Fernsehen ist, in welchem sich die Damen in schöne Kleider werfen und von ihren Liebsten mit Musik und Gedichten umworben werden. Viel mehr prägten Krankheiten und Gewalt die dunkle Zeit.

Wir schlendern über einen mittelalterlichen Markt und durch enge Gassen, wo wir uns vor den Leprakranken und Pestgeplagten in Acht nehmen müssen, die am Straßenrand vor sich hin starren. Um das Jahr 1348 suchte der schwarze Tod, in form der Beulenpest, auch die irische Hauptstadt heim. Die Opfer der Krankheit wurden in Massengräbern bestattet. Bis ins Jahr 1649 brach die Pest immer wieder aus.

Die ausgestellten Folterinstrumente und der Pranger, durch den wir höchst unwillig unsere Köpfe steckten, machen die Szenerie nicht freundlicher. Eins ist sicher: das hier ist etwas anderes, als Geschichte aus Büchern zu lernen.

Obergeschoss – Ein Blick über die Dächer Dublins

Angesichts der düsteren Szenen aus dem Mittelalter, atmen wir erleichtert auf, als wir uns auf die nächste Etage begeben. Hier erhalten wir Einblick in die moderne Archäologie und können den Archäologen sogar bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Danach steigen wir die Stufen des St. Michael Turms hinauf und werden mit einem umwerfenden Blick über die irische Hauptstadt belohnt. Nach der Zeitreise in die bewegte, blutige Vergangenheit Dublins, sehen wir die romantische Stadt der Dichter und Denker mit anderen Augen. Und zollen ihr bedeutend mehr Respekt.

Photo by Jessica Heiber

Der Ausgang führt über den Verbindungstrakt direkt hinüber zur Christ Church Cathedral, wo Ihr nach Belieben Eure Sightseeingtour fortsetzen könnt.

Fazit

Selbst für weniger Geschichtsinteressierte ist Dublinia auf alle Fälle einen Besuch wert. Das Heimatmuseum der anderen Art bietet einen kurzweiligen, interessanten Aufenthalt für die ganze Familie.

Alle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen findet ihr auf der offiziellen Homepage von Dublinia.

Über den Autor

Jessica Heiber

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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